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AUKTIONEN


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Weltkunst - epaper ⋅ Ausgabe 204/2022 vom 27.09.2022
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Bildquelle: Weltkunst, Ausgabe 204/2022

Auf der Suche nach neuen Rohstoffen. Das Thema klingt aktuell, war aber auch schon im 18. Jahrhundert von Interesse. Damals wurden die wichtigsten Zutaten der Papierproduktion – die textilen Fasern, die man aus Lumpen oder Leinen herstellte – immer teurer und seltener. In Europa war im Mittelalter die Belieferung der Papiermühlen durch Lumpensammler ein einträgliches Geschäft. Das »Lumpen-« oder »Hadernpapier« wurde angesichts steigender Buchproduktion in der Aufklärungszeit knapp, sogar mit der Folge, dass Bücher nicht erscheinen konnten. Der Pastor, Forscher und Erfinder Jacob Christian Schäffer (1718–1790) gehörte zu denen, die ihre Werke nicht mehr drucken lassen konnten. Also suchte er nach Ersatz für den teuren Rohstoff. Eine Maschine für die Zerkleinerung der von ihm benutzten Rohstoffe ersann er auf Basis von bereits existierenden Apparaten. Ab 1765 erschien sein Hauptwerk, das Ergebnis ...

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... seiner Experimente, das ihn zum Erfinder des holzhaltigen Papiers machte. Obwohl seiner Erfindung unmittelbar keine Anerkennung beschieden war, wurden seine Experimente wegweisend für die Entwicklung massentauglicher Papiere im industriellen Zeitalter. Das Werk zählt zu den aufwendigsten Buchproduktionen des 18. Jahrhunderts, denn alle von Schäffer entwickelten Papiere sind als Muster beigegeben. Teilweise verwandte er kuriose Zutaten wie Wespennester, Torf-, Säge- und Hobelspäne. Der Titel des Werkes ist programmatisch: »Versuche und Muster ohne alle Lumpen oder doch mit einem geringen Zusatze derselben Papier zu machen«. Das Außergewöhnliche an dem Buch sind die 100 Papiermuster, die in dem uns anvertrauten Exemplar vollständig und in bester Erhaltung vorliegen. Das Werk ist so komplett nahezu unauffindbar. Für mich persönlich liegt der besondere Reiz darin, dass das Exemplar nicht nur vollständig ist, sondern zugleich eine Symbiose aus einem bedeutenden Text mit ästhetisch sehr ansprechenden Einbänden bildet. Mit einem Schätzpreis von 50 000 Euro wird das Werk bei uns während der Auktionen vom 25. bis 28. Oktober angeboten.

Clemens Reiss ist Inhaber des Auktionshauses Reiss & Sohn in Königstein im Taunus

HAMMERPREISE

4000€

Otto Dill schuf im 20. Jahrhundert zahlreiche Tierbilder, wie den fressenden Löwen oben. Auch heute haben seine Werke nichts von ihrer Faszination eingebüßt und sind auf dem Kunstmarkt gefragt. Die große Raubkatze erreichte bei Henry’s in Mutterstadt ein Mehrfaches des geschätzten Preises.

540 000 €

Bei Artcurial in Paris sorgte eine Uhr von Audemars Piguet für Aufsehen: Der Sonderedition des Modells »Code 11.59« gelang der höchste Preis bei einer Auktion für diese Ausführung. Hergestellt in einer Auflage von fünf Exemplaren, besitzt sie ein Zifferblatt der Emaillierkünstlerin Anita Porchet.

19 000 €

Ein weißes Segelschiff auf See, 1933 gemalt von Theodore Lux Feininger, dem jüngsten Sohn von Lyonel Feininger, übertraf bei den Ahrenshooper Kunstauktionen alle Erwartungen. Der Preis der Arbeit in Grafit, Tusche und Wasserfarben stieg weit über die Taxe von 1600 bis 2400 Euro hinaus.

800 000 €

Zwei Hühner samt Küken auf einem zweistöckigen Sockel in Sèvres-Porzellan, um 1760 entstanden, erzielten bei dem Auktionshaus Fraysse & Associés in Paris einen stolzen Preis. Ungeklärt ist, wofür die beiden 23,5 cm hohen Stücke benutzt wurden: als Nachtlicht oder als Duftlämpchen.

INDISCHE UND ISLAMISCHE KUNST

Bonhams, London, 25. Oktober Sotheby’s, London, 26. Oktober Christie’s, London, 27. Oktober

Mit Blütenbäumen und edlen Pferden ist diese in hellstem Blau und tiefstem Kobaltblau schimmernde Szene bestückt. Hier fängt der Held Rustam sein edles Ross »Blitz« für künftige heroische Taten ein. Das Blatt stammt aus dem Schahnameh: Das »Buch der Könige«,der bedeutendste persische Epos, erzählt die Geschichte der Herrscher Persiens bis zum 7. Jahrhundert in 50 000 Reimen. Dieses von 1525 bis 1535 in feinsten Miniaturen für Schah Tahmasp bebilderte Exemplar wird jetzt von Sotheby’s als seine glänzendste Trophäe angeboten. Auch dank seiner illustren Provenienz, es befand sich in Rothschild-Besitz, ist es jetzt auf 4 bis 6 Millionen Pfund geschätzt. Als einzigartig wird die aus dem damals islamischen Andalusien stammende, über zwei Meter hohe bronzene Öllampe aus dem 11. Jahrhundert angepriesen (Taxe 300 000 bis 400 000 Pfund).

1 »Rustam fängt ›Blitz‹ ein«, aus dem »Buch der Könige«, Persien, um 1525–35, Sotheby’s, London, Taxe 4 bis 6 Mio. Pfund

2 Pashmina-Teppich, Kaschmir, Mitte 17. Jh., Christie’s, Taxe 2,5 bis 3,5 Mio. Pfund

3 George Grosz, »Ecce Homo«, 1923, Bassenge, Taxe 55 000 Euro

Christie’s bietet seinerseits mit rund 270 Losen sein größtes Programm der letzten Saisons an. Unter den etwa 100 Teppichen vom östlichen China bis zur Türkei ragt ein äußerst rares Stück aus der Mitte des 17. Jahrhunderts als das auf 2,5 bis 3,5 Millionen Pfund taxierte Spitzenlos heraus. Aus feinstem Ziegenhaar und Seide ist dieser 2,75 Meter messende, quadratische »Pashmina«-Teppich aus Kaschmir oder Lahore mit exquisiten Blüten auf weinrot leuchtendem Hintergrund gewoben. Ursprünglich 4,4 Meter lang, gehört er zu den besterhaltenen Fragmenten dieser Mogul-Ära. Für Bewunderer von Keramik lockt ein lavendelfarbener, von roten Gewächsen umrankter Iznikkrug von 1565 (Taxe 120 000 bis 180 000 Pfund). Reichtum und Großzügigkeit der Nizams, der Herrscher des indischen Hyderabad, waren legendär. So soll ein mit Email und Diamanten besetztes Tablett mit vier leuchtend bunt emaillierten Behältern das Präsent eines Nizams Anfang des 19. Jahrhundertsz` gewesen sein (Taxe 250 000 bis 350 000 Pfund).

Bei Bonhams wartet als Hauptlos ein Geschmeide aus dem 16. Jahrhundert für 80 000 bis 120 000 Pfund, zudem ein britisch-islamisches Souvenir: 1913 konvertierte der irische Lord Headley zum Islam und erhielt 1923 nach seiner zweiten Pilgerfahrt nach Mekka ein Fragment des mit Silberfaden durchwirkten, schwarzgrundigen Kiswa-Tuches, das damals die Kaaba bedeckte (Taxe 3000 bis 4000 Pfund). Dem abenteuerlustigen Lord wurde zudem auch der Thron von Albanien angeboten. Den lehnte er jedoch ab.

HEIDI BÜRKLIN

BÜCHER

Bassenge, Berlin, 11. bis 13. Oktober

Mit einer auf- und anregenden Buchauktion startet das Berliner Auktionshaus Bassenge in die Herbstsaison, denn einer der Schwerpunkte liegt zwischen Halb- und Unterwelt. Es geht um Hexen und Prostitution, denen hoffnungsvoll strahlende Helden und Wallfahrten ins helle Licht des Glaubens gegenübergestellt werden. Besonders attraktiv ist die Luxusausgabe A des »Ecce Homo« von George Grosz aus dem Jahr 1923. Das Besondere der angebotenen Erstausgabe von 50 römisch nummerierten Exemplaren bei einer Gesamtauflage von 10 000 Exemplaren ist, dass alle 100 Tafeln der Publikation von Grosz mit Bleistift signiert wurden. Der Schätzpreis reflektiert die Seltenheit und liegt bei 55 000 Euro. Der »Ecce Homo« war mit seiner Illustrationsfolge Anlass zum zweiten Prozess gegen Grosz, und zwar wegen Gotteslästerung. Jetzt zählt er zu seinen äußerst selten angebotenen Hauptwerken. Im beigelegten Verlagsprospekt von 1922 wird die Luxusausgabe für jeweils 600 Mark annonciert.

Ebenso faszinierend und etwas früher entstanden, zwischen 1918 und 1919, sind die ersten Entwürfe von Heinrich Zilles »Zwanglosen Geschichten« in Originalskizzen. Sie sind zwar nicht gotteslästerlich, aber

lästern schon mit viel entschärfendem Humor. Für die acht Tafeln mit Titelentwurf und sieben Textentwürfen zusammen mit sechs originalen Federzeichnungen über Bleistift werden 8000 Euro erwartet, das Limit liegt bei 5000 Euro. Für eine Erstausgabe einer Marienandacht, dem »Itinerarium seu peregrinatio beatae Mariae virginis« aus dem späten 15. Jahrhundert mit Holzschnitt-Illustrationen und attraktiver Provenienz werden 45 000 Euro erwartet.

»Das helden buch mit synen figuren«, ein im Mittelalter berühmtes deutsches Heldenepos, lockt für die offerierte Ausgabe aus dem frühen 16. Jahrhundert mit einem Schätzpreis von 28 000 Euro. Der »Hexenhammer«, der »Malleus Maleficarum«, führt dann wieder in die dunkle Welt, die günstiger zu haben ist. Hier liegt der Schätzpreis für das um 1495 entstandene Werk bei 12 000 Euro. Nach der Lektüre weiß man genauer, wie einst Hexen bekämpft wurden. Das weltweit einzig nachweisbare komplette Exemplar von »Der Heiligen Leben Summer und Winterteil« von 1513 (Schätzpreis 16 000 Euro) ergänzt bildlich eindrucksvoll, wie Folter, Köpfen, Hinrichten, Aufhängen oder Kreuzigungen ausgeführt wurden, hier aber nicht, um Teuflisches auszutreiben, sondern um die Heiligsprechung der Gequälten zu begründen. FRANK G. KURZHALS

1 Franz Radziwill, »Die Mole (Hafeneinfahrt mit der ›Bremen‹)«, 1930, Lehr, Taxe 150 000 Euro

2 Flaschen aus der Reiseapotheke Augusts des Starken, Leo Spik, Taxe 5000 Euro

3 Didrachmon von Kroton, Herakles auf einem Löwenfell, Hera Lakinia, Künker, Taxe 4000 Euro

4 Hugo Mühlig, »Spaziergang am Rhein«, 37 x 85,5 cm, Karbstein, Schätzpreis 13 000 bis 15 000 Euro

KUNST

Lehr, Berlin, 29. Oktober

»Sachlich sein heißt deutsch sein«, lautete der Titel einer Besprechung der Ausstellung zur neuen Sachlichkeit im Centre Pompidou. Passend dazu kann Lehr sehr interessante Arbeiten der Epoche anbieten: In schonungsloser Deutlichkeit konfrontiert Georg Scholz 1926 zwei »Tote Hühner« (Taxe 100 000 Euro) mit den gusseisernen Teilen eines Fleischwolfs. Franz Radziwill schränkt in dem Gemälde »Die Mole (Hafeneinfahrt mit der ›Bremen‹)« – mit 150 000 Euro das Spitzenlos der Auktion – seine Reverenz gegenüber der modernen Technik mit dunklen Ahnungen ein, die im gewitterträchtigen Himmelsrot zum Ausdruck kommen. Kaum ein wichtiger Name der Abstraktion bzw. des Informel in Deutschland fehlt: Fritz Winter, Emil Schumacher, Gotthard Graubner sind mit Taxen zwischen 8000 und 15 000 Euro vertreten. FRANK MAIER-SOLGK

GEMÄLDE UND ANTIQUITÄTEN

Leo Spik, Berlin, 6. bis 8. Oktober

August der Starke gilt als eine der schillerndsten Figuren höfischer Prachtentfaltung des 17. und 18. Jahrhunderts. Dem prunkliebenden Kurfürsten und Kunstmäzen verdankt Dresden unter anderem die Sammlung im Grünen Gewölbe und in der Gemäldegalerie Alte Meister. Unter ihm erlangte die Stadt den schmuckvollen Beinamen »Elbflorenz« – auch aufgrund der Sammelleidenschaft des Kurfürsten. Diese reichte von Kunst über zahlreiche Mätressen bis hin zu Apothekergefäßen. Bei Leo Spik in Berlin kommt eine besondere Flasche aus der Reiseapotheke Augusts des Starken zum Aufruf. Das Gefäß ist auf 5000 Euro taxiert. In der Sparte der Gemälde

sticht besonders ein kleines, Ende der 1850er-Jahre entstandenes Werk des deutschen Zeichners, Grafikers und Idealismus-Vertreters Hans von Marées hervor. Das 15,5 x 22,7 Zentimeter große Ölgemälde war bislang nicht im Original bekannt und wurde dem Künstler nun zugeschrieben. Das Auktionshaus rechnet mit 3200 Euro.

Aus dem Nachlass der verstorbenen Berliner Galeristin Marina Dinkler werden Arbeiten des Japaners Kunito Nagaoka angeboten sowie Zeichnungen der Österreicher Markus Prachensky und Walter Pichler. Bei den Möbeln soll eine kleine, um 1820 entstandene Berliner Etagere aus Mahagoni 1600 Euro bringen. Sie verfügt über plastische Klauenfüße, eine verspiegelte Rückwand und gerippte Säulen mit flach geschnitzten Kapitellen und Basen.

LISA-MARIE BERNDT

MÜNZEN

Künker, Osnabrück, 18. bis 20. Oktober

Hatte man in den letzten zehn Katalogen der Firma Künker vergeblich nach antiken Münzen gesucht, kommt nun im Oktober die Antike wieder voll zur Geltung. In der Auktion 376 sticht bei den Griechen aufgrund seiner exzellenten Erhaltung ein Tetradrachmon von Abdera heraus (Taxe 12 500 Euro). Auf dem Avers ist der für die Münzen der Stadt typische Greif abgebildet. Auf dem Revers sieht man den bärtigen Herakles auf einem Felsen sitzen, über den er das Fell des von ihm erlegten Nemeischen Löwen gebreitet hat. Mit der Rechten stützt er sich auf seine Keule. Den auf dem Löwenfell ruhenden Herakles, hier in jugendlicher Gestalt ohne Bart, findet man auch auf einem ähnlich perfekt erhaltenen Didrachmon von Kroton (Taxe 4000 Euro). Mit der rechten Hand einen Kantharos schwenkend, die Linke auf seine Keule gelegt, lehnt sich der Heros lässig zurück. Der Avers trägt das Bild der Hera Lakinia mit Stephane in Frontalansicht. Das antike

3

Sizilien ist mit zahlreichen attraktiven Stücken vertreten, darunter drei der begehrten Dekadrachmen von Syrakus, eine davon vom seltenen Kimon-Typ (Taxe 15 000 Euro). Durch seine perfekte Ausprägung und eine schöne dunkelgrüne Patina besticht ein Sesterz des Kaisers Gaius Caesar Augustus Germanicus, genannt Caligula, mit der von einem Eichblattkranz umgebenen Inschrift »ob cives servatos« auf dem Revers (Taxe 6000 Euro).

Die Auktion 377 ist ganz den Münzen der Römer gewidmet. Angeboten werden Stücke aus der Salton-Collection. Eine der höchsttaxierten Goldmünzen ist ein Aureus des Vespasian mit dem Bild der trauernden Judäa auf dem Revers (Taxe 10 000 Euro). Das Porträt des Gaius Julius Caesar findet man auf elf Denaren (höchste Taxe 3000 Euro). Sein Triumviratskollege und späterer Widersacher Pompeius ist durch zwei Denare mit seinem Porträt vertreten (Taxen 750 Euro und 400

KUNST UND SKULPTUREN

Karbstein, Düsseldorf, 22. Oktober

Impressionistisch wirken die Landschaftsansichten von Hugo Mühlig, der im 19. und 20. Jahrhundert als freischaffender Maler in Düsseldorf tätig war. Heute findet man viele seiner Werke in Privatbesitz, aber auch in der Neuen Galerie in Kassel, im Kunstpalast Düsseldorf oder im Wallraf-Richartz-Museum in Köln. Das Auktionshaus Karbstein versteigert nun das signierte, äußerst atmosphärische Gemälde »Spaziergang am Rhein« zu einem Schätzpreis von 13 000 bis 15 000 Euro. Eine durchaus realistische Schätzung, im Mai erzielte ein Werk des Künstlers bei Van Ham in Köln 19 000 Euro. Um ein museales Ölgemälde handelt es sich auch bei dem Werk »Im Moor« des Worpsweder Malers Carl Vinnen, Wegbegleiter von Otto Modersohn. Auf dem Auktionsmarkt wurde noch nie eine seiner Landschaften in einem so großen Format – 293 x 200 Zentimeter – angeboten. Das Motiv der Birke in stiller Moorlandschaft ist auf 4000 bis 6000 Euro taxiert.

Von Fernand Léger bietet Karbstein ein kleines modernes Kabinettstück an: Die Gouache »Composition« aus dem Jahr 1952, die durch das Zusammenspiel aufgereihter kubischer Formen besticht, ist auf 7000 bis 9000 Euro geschätzt. Ein Highlight ist Adolf Luthers äußerst seltener »Großer skulpturaler Esstisch« mit 344 in die Platte eingesetzten Glaslamellen. Dieser kommt für 50 000 Euro zum

Aufruf. SUSANNE LUX

PORZELLAN

Metz, Heidelberg, 8. Oktober

Eine bedeutende Sammlung führt bei Metz in die Anfangszeit der 1710 gegründeten Meissener Manufaktur, deren Werke bald in ganz Europa für Aufsehen sorgen sollten. Neben dem Hartporzellan hatte der Alchemist Johann Friedrich Böttger das nach ihm benannte rote Steinzeug erfunden, von dem die Kollektion gleich 28 Lose aufbieten kann. Darunter spektakuläre Stücke wie ein hochglanzpolierter Walzenkrug mit Rautenmuster (Taxe 25 000 Euro), eine Schale mit seltenem Zackenrand (48 000 Euro) oder ein ebenso rarer Pokal (65 000 Euro). Eine im Wortsinn kleine Sensation ist das tönerne Etui für drei Fingerhüte, geschätzt auf 60 000 Euro. Unter den 200 Losen der Porzellanauktion ragt aber noch mehr heraus: etwa zwei Meissener Prunkteller aus dem berühmten »Schwanenservice« oder ein aufwendig gestaltetes Frühstücksservice aus Frankenthal. Einige hochkarätige Möbel des Rokoko und Klassizismus bilden den Auftakt der

Auktion. SEBASTIAN PREUSS

1 Fingerhutetui, Böttgersteinzeug, Montierung aus Silber, Meissen, 1710, Metz, Taxe 60 000 Euro

2 Otto Mueller, »Sitzendes Liebespaar 2 (groß)«, Lithografie um 1919, Winterberg, Schätzpreis 12 500 Euro

3 Franz von Lenbach, »Bildnis von Marion Lenbach, Tochter des Künstlers«, 1897, Gailer, Taxe 9000 Euro

4 Vase, »Pezzato arlecchino«, Fulvio Bianconi, um 1950/51, H. 35,5 cm, Dr. Fischer, Taxe 5000 Euro

5 David Hockney, »Am Comer See«, Geble, Startpreis 120 000 Euro

KUNST UND GRAFIK

Winterberg, Heidelberg, 22. Oktober

Ein Liebespaar sitzt, die Köpfe vertraut aneinandergelehnt, Seite an Seite. Es sind solche Motive, die im Œuvre von Otto Mueller immer wieder in Variationen auftauchen. Winterberg versteigert die Lithografie um 1919 zu einem Schätzpreis von 12 500 Euro. Ein Highlight ist Ernst Ludwig Kirchners expressive farbige Kreidezeichnung »Akt im Tub«, die um 1925 entstand. Das Blatt stammt aus dem Nachlass von Kirchner und soll 38 000 Euro einbringen. Unter der Kunst des 18. Jahrhundert befindet sich eine Radierung von Giovanni Battista Piranesi vom Petersdom in Rom von 1800 bis 1807 (Taxe 4500 Euro). SUSANNE LUX

GEMÄLDE

Gailer, Breitbrunn, 21./22. Oktober

Für seine Oktober-Auktion hat das noch junge Auktionshaus Gailer in Breitbrunn am Chiemsee einen klugen Hingucker als Katalogtitelbild gewählt. Es ist das Gemälde »Karussell auf dem Oktoberfest in München« von Otto Pippel, das wie kein zweites zur Jahreszeit der Auktion passt. Pippel blieb Zeit seines Lebens dem flimmernden Pinselstrich der Impressionisten treu und so ist auch sein »Karussell« ein Fest der verhaltenen Farbe und des alles durchdringenden Lichtes, ohne dass die Erkennbarkeit der Motive darunter leidet. Der Startpreis dieses Werkes liegt bei verlockenden 3000 Euro.

Mit einer Taxe von 9000 Euro kommt ein »Bildnis von Marion Lenbach, Tochter des Künstlers« aus dem Jahr 1897 zum Aufruf. Der so gern als Malerfürst titulierte Franz von Lenbach hat hier in einer für ihn typischen Lolita-Manier seine Tochter porträtiert, die mit ihrem lockigen Haar unter einem etwas zu groß geratenen Hut geschickt in Szene gesetzt wird. Werke von Heinrich von Zügel, Walter Leistikow oder dem Düsseldorfer Andreas Achenbach ergänzen den bei Gailer angebotenen Kanon des 19. Jahrhunderts. Eine Trouvaille sind die mit flottem Strich gezeichneten und locker kolorierten 26 Karikaturen von Franz von Pocci. Sie waren nie für die Öffentlichkeit gedacht und sollten nur zur Belustigung der Mitglieder der Münchner Herrengesellschaft »Altengland« dienen. Die von Pocci handschriftlich kommentierten Arbeiten, Satire und humorvolle Darstellung zugleich, beginnen mit einem Startpreis von 200 Euro. FRANK G. KURZHALS

GLAS

Dr. Fischer, Heilbronn, 29. Oktober

Die Leidenschaft für Glas war es, die den italienischen Grafikdesigner und Illustrator Fulvio Bianconi 1946 wiederholt nach Murano lockte. In diesem Jahr ereignete sich auf der für ihre lange Tradition der Glasherstellung bekannten Insel ein zukunftsweisendes Treffen mit dem Designer Paolo Venini. Dieses Treffen und die Zusammenarbeit der beiden Italiener sollte einen Wendepunkt für die Geschichte des Unternehmens Venini markieren. Bianconis Neugierde und Experimentier- freude mit dem Material ließen in den Entwürfen neue Bewegungen und Farben entstehen, in denen alte Tradition und große Moderne aufeinandertreffen. Besonders charakteristisch für Bianconis Schaffen sind die für Venini entworfenen Pezzato-Vasen – vom italienischen Wort für »gefleckt«.

Der Künstler bediente sich hierbei der bereits in der Antike angewandten Technik des Tessere-Verfahrens, wobei in mehreren Schritten farbige Glasstücke angeordnet und miteinander verschmolzen werden, ähnlich einem Flickenteppich. Unter Bianconi erlangten diese Entwürfe, die Venini schon in den 1920er-Jahren anbot, ein neues, modernes Design. Bei dem Heilbronner Auktionshaus Dr. Fischer kommt nun eine solche Glasarbeit in Blautönen und Rot zum Aufruf. Die Vase »Pezzato arlecchino« misst 35,5 cm und entstand um 1950/51. Das Auktionshaus erwartet mindestens 5000 Euro. Weiteres Highlight ist eine um 1910 geschaffene Ziervase mit Narzisse von 17,3 cm. Sie entstammt der Kristallerie Daum Frères in Nancy und ist auf 3000 Euro taxiert.

LISA-MARIE BERNDT

KUNST

Geble, Radolfzell, 8. Oktober

Wie viele Berühmtheiten vor ihm war auch David Hockney in der Villa Maresi am Comer See bei der Kunstmäzenin Drue Heinz zu Gast. Daran erinnert Hockneys Aquarell »Am Comer See«, das den Blick von der Villa aus auf den See zeigt und das nun bei Geble in Radolfzell bei 120 000 Euro aufgerufen wird. Der Maler schenkte Heinz die sehr gut erhaltene Arbeit wäh-5 rend eines Aufenthaltes in der Villa im Jahr 2003, diese wiederum reichte das Aquarell an ihren langjährigen Hausverwalter weiter. Diesem übergab Drue Heinz auch zwei »Flowers«-Bilder von Andy Warhol, mit dem sie befreundet war. Die Gemälde mit orangefarbenen und hellblauen Blüten von 1964 werden zum Startpreis von je 100 000 Euro angeboten. Eingeliefert wurden alle drei Werke aus einer süddeutschen Privatsammlung.

Erwähnenswert ist auch eine großformatige Arbeit von Horst Antes in Acryl (Startpreis 14 000 Euro). Bei den Uhren sticht eine große Kommodenuhr mit Beistell-Leuchtern aus dem Frankreich des 19. Jahrhunderts hervor (Startpreis 5000 Euro).

SUSANNE LUX