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AUKTIONEN


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Weltkunst - epaper ⋅ Ausgabe 207/2022 vom 22.11.2022

ALTE MEISTER

Sotheby’s, London, 7. Dezember

Bonhams, London, 7. Dezember

Christie’s, London, 8. Dezember

Die sinnliche Szene, in der eine verführerisch entblößte Venus ihren jagdfreudigen Geliebten Adonis vergeblich vor seinem Tod zurückzuhalten versucht, entzückte 1554 nicht nur Tizians Auftraggeber, den späteren König Philipp II. von Spanien. Das erotische Motiv nach Ovids Metamorphosen spornte zu einer Reihe weiterer Aufträge an. Zwölf Versionen sind heute noch bekannt, darunter in Museen in Madrid, London, Los Angeles, New York und Washington. Als Toplos der Londoner Altmeisterwoche kann Sotheby’s jetzt ein rares Exemplar von »Venus und Adonis« aus Privatbesitz anbieten. Ab 1720 in der illustren Sammlung von Prinz Eugen von Savoyen im Wiener Belvedere, von 1904 bis 1966 im Besitz der Familie des hessischen Mäzens Maximilian von Heyl, gelangte es 1984 zu den jetzigen anonymen Einlieferern. Erst im ...

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Bildquelle: Weltkunst, Ausgabe 207/2022

1 Tizian, »Venus und Adonis«, um 1555?57, Sotheby?s, Taxe 8 bis 12 Millionen Pfund
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... letzten Jahr war es nach langer Zeit in der Ausstellung »Tizians Frauenbild« im Wiener Kunsthistorischen Museum wieder zu sehen, dort als »Tizian und Werkstatt« mit starkem Engagement des Renaissancemeisters gewürdigt. Hofft man jetzt auf die Attraktion des Motivs oder eine Zuschreibung an Tizian selbst? Die Schätzung von 8 bis 12 Millionen Pfund wird jedenfalls nur von seinem bisherigen Auktionsrekord von 16,8 Millionen Dollar 2011 bei Sotheby’s für die unstrittige »Sacra Conversazione« übertroffen.

Dass der Spanier Juan Manuel Grasset sich für niederländische Stillleben des 17. Jahrhunderts begeisterte, führte zu einer der besten einschlägigen Sammlungen. Unter den jetzt in der New Bond Street angebotenen Kabinettstücken wird Jan Davidsz. de Heems kleines farbleuchtendes Bouquet in einem virtuos spiegelnden Wasserkrug mit 1 bis 1,5 Millionen Pfund am höchsten bewertet. Osias Beert wiederum prunkt mit seinem größten Stillleben, der Tour de Force von Blumenarrangements in vier verschiedenen Behältern (400 000 bis 600 000 Pfund).

Christie’s setzt seinerseits auf van Dycks zu alter Glorie restauriertes Porträt der englischen Königin Henrietta Maria um 1636. Vor sieben Jahren wurde ihr Ganzfigurenbild bei Sotheby’s bei einer Schätzung von 1,5 bis 2,5 Millionen Pfund abgelehnt und danach privat erworben. Jetzt auf ihr ursprüngliches Dreiviertel-Format reduziert und frisch gereinigt, soll die perlengeschmückte Queen in goldenem Gewand zu 2 bis 4 Millionen Pfund beeindrucken.

Dass der früh verstorbene Rokokomeister Jean-Antoine Watteau eine Lücke in galanten Genreszenen hinterließ, animierte den Historienmaler Jean-François de Troy zu elf dieser kleinformatigen, wie Porzellan schimmernden Gemälde. Aus der Kollektion des britischen Industriellen Arnold Weinstock wurde jetzt ein elegant gekleidetes Trio eingereicht, das sich in sonnenbefleckter Landschaft für eine »Lese-Party« zusammenfand. Mit 2 bis 3 Millionen Pfund soll das Werk von 1735 einen Auktionsrekord für Jean-François de Troy erzielen.

Das niederländische »Goldene Jahrhundert« kommt auch bei Bonhams zum Aufruf. David Teniers des Jüngeren Blick in ein Alchemistenlabor, in dem über dem Treiben als exotischer Akzent eine ausgestopfte Iguana von der Decke baumelt, verlangt nach 300 000 bis 500 000 Pfund. Eine Winterszene mit Schlittschuhläufern von Anthonie Verstraelen, Spezialist des Genres, trägt eine Schätzung von 60 000 bis 800 000 Pfund.

HEIDI BÜRKLIN

JUGENDSTIL

Dorotheum, Wien, 12. Dezember

Der typische Fall eines Künstlers, der im Schatten seines älteren Bruders steht: Georg Klimt, 1867 in Wien geboren, war Absolvent der dortigen Kunst- gewerbeschule und ein absoluter Meister der Ziselierkunst. Das wurde ihm von vielen Seiten zugestanden. Der Künstler Alfred Roller adelte ihn zum besten Metallbildhauer Wiens. Auch sein berühmter Bruder Gustav förderte ihn sehr und beauftragte ihn mit Kommissionen. Sein bekanntestes, öffentlich sichtbares Werk sind die Eingangstore der Wiener Secession. Im Auktionskatalog des Dorotheums findet sich im Dezember ein feines Kupferrelief des Künstlers mit der Darstellung eines Frauenprofils im Blumenkranz und Ornamenten aus der Zeit um 1900. Der Schätzwert ist auf 7000 bis 15 000 Euro angesetzt.

Die Wiener Moderne und der Jugendstil sind naturgemäß Longseller für das Auktionshaus. Die meist hochqualitativen Lose angewandter Kunst des Fin de Siècle von Protagonisten wie Josef Hoffmann oder Adolf Loos finden immer Sammler. Als Highlights der Auktion im Dezember stechen etwa ein Samowar aus dem Jahr 1906 von Hoffmann (taxiert auf 30 000 bis 50 000 Euro), sechs attraktive Kelchgläser von Otto Prutscher in verschiedenen Farben (30 000 bis 50 000 Euro) oder zwei unterschiedlich große Dodekaeder-Lampen von Adolf Loos (10 000 bis 15 000 Euro) ins Auge. Naschkatzen mit Sinn für die Kunstgeschichte sollten einen Blick auf zwei silberne Bonbonkörbchen von Koloman Moser, 1905, werfen (je 8000 bis 15 000 Euro).

CHRISTOF HABRES

MODERNE, KUNST DER GEGENWART, ASIATIKA

Lempertz, Köln, 2./3., 9. Dezember

Der Dezember bei Lempertz scheint rekordverdächtig: Die Moderne beginnt ganz klassisch mit Picasso. Die wild bewegte Pinsel- und Federzeichnung »Char et Personnage« von 1967, die ein Jahr später von Daniel-Henry Kahnweiler erworben wurde, steht mit einer Taxe von 250 000 bis 300 000 Euro an der Spitze. Ihr folgt die heiter-abstrakte Farbstiftzeichnung »Thematique Floral« aus dem Jahr 1947, die Picasso dem befreundeten Druckgrafiker Louis Fort widmete, der ihn und Freundin Françoise Gilot beim ersten Nachkriegsausflug nach Antibes an die Côte d’Azur begleitete (Taxe 140 000 bis 180 000 Euro). Paul Cézanne ist mit dem Aquarell »Entrée de maison et arbres« von 1895/1900 vertreten (Taxe 130 000 bis 150 000 Euro). So weit, so klassisch. Doch dann kommt noch eine Einlieferung, die staunen macht: das Ensemble zweier kleiner Bronzefiguren, die Alberto Giacometti 1946 für eine in Paris geplante Großskulptur zu Ehren des von den Deutschen ermordeten Journalisten und Abgeordneten der Kommunistischen Partei, Gabriel Péri, als Gipsmodell entwarf. Nachdem die Kommunisten 1947 aus der Regierung schieden, wurde der Plan eines Denkmals fallen gelassen. 1993/94 wurden von den Entwürfen Giacomettis Bronzegüsse in einer Auflage von je acht Exemplaren angefertigt (Taxe 1,8 bis 2,2 Millionen Euro).

Spitzenreiter bei den Zeitgenossen ist eine noch aus den 1920er-Jahren stammende Arbeit aus sandgestrahltem Glas von Josef Albers (»Becher«), die auf 300 000 bis 400 000 Euro geschätzt wird. Bei der Fotografie wird man ein Bäumchen von Albert Renger-Patzsch hervorheben, bei dem die Komposition ebenso wie die frische Wiedergabe der Oberflächen überzeugen (Taxe 50 000 bis 70 000 Euro). Einen würdigen Abschluss markiert die Asiatika-Auktion mit indischen Steinskulpturen, indo-portugiesischen Elfenbeinschnitzereien, einem Nashornbecher aus dem 17. Jahrhundert (Taxe 70 000 bis 90 000 Euro) und einer signierten Netsuke, die einen Windhund mit einer Keule im Maul (Taxe 18 000 bis 25 000 Euro) darstellt.

FRANK MAIER-SOLGK

15. JH. BIS GEGENWART

Bassenge, Berlin, 30. November bis 3., 7. Dezember

Bei Bassenge kann man es ersteigern: »Das große Glück«, es wird für einen Schätzpreis von 40 000 Euro angeboten. Albrecht Dürer hat das so betitelte gut 33 × 22 cm große Blatt, das auch als »Nemesis« bekannt ist, um 1500 gestochen. Aber auch viele andere Werke der Auktion können ein Sammlerherz höherschlagen lassen. Dazu gehört sicher die um 1680 entstandene und aus Elfenbein geschnitzte florentinische Figur des gekreuzigten Christus (Schätzpreis 60 000 Euro) im Originaletui von Papst Innozenz XI. Diese Fassung der Christusfigur war der Forschung bislang nicht bekannt. Dazu kommt, dass erhaltene Lederetuis aus der Zeit ebenfalls äußerst selten sind und bereits einen eigenen Sammlerwert haben. Dekoratives Berliner Lokalkolorit des 19. Jahrhunderts kommt durch die »Dorfkirche in Tempelhof«, einem Ölbild von Friedrich Wilhelm Klose (Taxe 18 000 Euro), in die Auktion. Pastoser gemalt ist das »Stillleben mit Kürbis« um 1925 (35 000 Euro Taxe) von Karl Hofer, das durch die Requisiten Gurke, Rettich und Möhre an das Erntedankfest denken lässt.

FRANK G. KURZHALS

MODERNE UND ZEITGENOSSEN

Karl & Faber, München, 7./8. Dezember

Es sind Hochkaräter, mit denen Karl & Faber aufwartet. Ein Highlight der Zeitgenossen ist Piero Manzonis Werk »Achrome« (1957/58), das durch seine Materialität besticht (Taxe 350 000 bis 450 000 Euro). Unverkennbar von Christo und Jeanne-Claude stammt das »Canapé Empaquetée (...)«, das 1965/66 zu einem ihrer Projekte in Holland entstand. Die Collage aus Plastikfolie, Textil und Paketschnur auf Karton ist auf 60 000 bis 80 000 Euro geschätzt. Im Bereich der Moderne bietet das Haus ein farbkräftiges Farnkraut-Gemälde von Karl Schmidt-Rottluff (Taxe 120 000 bis 150 000 Euro).

SUSANNE LUX

WINTERAUKTION

Neumeister, München, 7. Dezember

Lucas Cranach der Ältere wurde 1505 von Kurfürst Friedrich III. von Sachsen als Hofmaler nach Wittenberg berufen. Wenig später führte die Familie Cranach das Wappen, das als Signum der Werke bekannt wurde: die geflügelte Schlange mit einem Rubinring im Maul. Man erkennt es auch auf dem Porträt des mit dem Künstler befreundeten Philipp Melanchthon aus dem Jahr 1543. Der Reformator, der ab 1518 ebenfalls in Wittenberg neben einem Gelehrtenleben auch in diplomatischen Diensten stand, trägt hier einen schwarzen Überrock, ein Barett und einen Vollbart. Wach, gelehrt und eindringlich wirkt der Porträtierte vor blauem Hintergrund. Auf 100 000 bis 120 000 Euro ist das Gemälde taxiert, das von den Nachfahren der Familie des Philosophen Schelling eingeliefert worden sein soll.

Der Münchner Schule des 19. Jahrhunderts zugerechnet wird der polnische Maler Alfred von Wierusz-Kowalski, der ab 1873 an der Münchner Akademie studierte. Sein »Pferdeschlitten in Winterlandschaft« (Schätzpreis 40 000 bis 60 000 Euro) verbindet den nicht zuletzt in München geprägten internationalen Stil des Realismus mit einem betont nationalen Sujet. Und dann gibt es noch eine Rarität für Literaturliebhaber. Eingeliefert von Enkel Frido Mann kommt die vergoldete Armbanduhr von Thomas Mann aus den 1930er-Jahren unter den Hammer, deren Taxe von 1200 bis 2200 Euro wohl übertroffen werden dürfte.

FRANK MAIER-SOLGK

DESIGN

Quittenbaum, München, 29./30. November, 1. Dezember

Ingo Maurer war ein wahrer Meister des Lichts. Neben außergewöhnlichen Leuchtobjekten entwarf der Münchner Designer auch raumfüllende Lichtinstallationen, darunter die der U-Bahn-Stationen Münchner Freiheit, Marienplatz und Sendlinger Tor. Seine Deckenleuchte »Roku-Ju« aus der »Uchiwa«-Serie von 1975 gehört zu den Toplosen der »Schools of Design«-Auktion bei Quittenbaum. Die Lampe vereinigt 60 Fächer, die zu einem verspielten Konstrukt aus Bambusrohr und Reispapier verknüpft sind. Durch das braune Papier scheint ein angenehm warmes Licht (Schätzpreis 45 000 bis 60 000 Euro).

Das Münchner Auktionshaus ruft Ende des Monats über 180 exquisite Möbel und Objekte auf – darunter auch ein Theatergestühl im Stil von Marcel Breuer, ausgeführt von Thonet in Frankenberg. Die aus fünf Stühlen bestehende Reihe befindet sich in einem sehr guten Zustand und wird für 5000 Euro aufgerufen. Mehr Kunst als Möbel ist der gelb-grüne »MAK Chair« (2008) von Tom Dixon. Er entstand live während einer Veranstaltung des Museums für angewandte Kunst in Wien und besteht aus verformtem PETG-Polyester. Der Schätzpreis des skulpturalen Unikat-Stuhls liegt bei 10 000 Euro.

Das »Mädchen mit Pelz-Boa« von Otto Dix gehört zu den Highlights der Offerte der modernen Kunst. Der blasse Körper der jungen Frau wird von einem durchsichtigen Kleid umhüllt, der schwarze Pelz auf ihrer Schulter bildet dabei einen starken Kontrast. Das um 1925 geschaffene Aquarell im Stil der Neuen Sachlichkeit ist auf 20 000 bis 26 000 Euro taxiert. Eine große Auswahl an Autorenschmuck rundet das Angebot ab. Ein kinetischer Ring von Friedrich Becker, auf dessen runder Oberfläche ein blaues Prisma tanzt, ist ein absoluter Hingucker zum Schätzpreis von 2500 bis 3500 Euro.

CLARA ZIMMERMANN

KUNST

Scheublein Art & Auktionen, München, 2. Dezember

Wer noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist, sollte die Auktion bei Scheublein in München nicht verpassen. Dort erwarten den Sammler kleinere und größere Preziosen. Unter dem Silberangebot befindet sich das 78-teilige, zeitlose Besteck »CWM« des bis heute agierenden Münchner Silberspezialisten Weishaupt (taxiert auf 1400 Euro). Der Entwurf von 1911 stammt von Richard Riemerschmid. Spitzenlos unter den Gemälden des 19. Jahrhunderts ist ein »Bauernhof mit Brunnen« von Heinrich Bürkel (Taxe 18 000 Euro). Dem deutschen Bronzekünstler Friedrich Bergenfeldt, der in Paris und Sankt Petersburg tätig war, werden zwei um 1805 entstandene Bronzegirandolen mit Dianafiguren und Jagdmotiven zu einem Schätzpreis von 1800 Euro zugeschrieben.

SUSANNE LUX

ART & COLLECT

Metz, Heidelberg, 8. bis 10. Dezember

Otto Dill liebte Pferde und malte sie, wo er nur konnte. Ihre Kraft und Eleganz stellte er auch dann noch sehr treffsicher dar, wenn sich die Komposition in bewegten Pinselstrichen aufzulösen schien. Dem Impressionismus, den er vor 1914 für sich erschloss, blieb Dill bis zu seinem Tod 1957 treu. Diese Immunität gegenüber den Avantgarden seiner Zeit wird ihm gern angekreidet, aber das tut Dill unrecht. Das »Pferderennen« von 1933, das bei Metz zum Aufruf kommt, ist feinste Malerei, luftig und zugleich höchst pointiert, wie Schemen fliegen die Rösser über die Rennbahn, im Hintergrund die Hügel von Dills pfälzischer Heimat.

Wie immer verzichtet Metz bei »Art & Collect« auf Taxen und Limits. Diesmal ist das Angebot mit 2600 Katalognummern besonders reichhaltig. Mehr als 300 Möbel von Barock bis Jugendstil sind dabei, etwa aus Schloss Wildenstein im Aargau. Eine schwäbische Sammlung ist wegen des Ludwigsburger Porzellans und einer seltenen Wiesbadener Fayenceplatte (um 1775/86) interessant, während der Nachlass des Mannheimer Goldschmieds Dieter Treusch dessen charaktervollen Juwelenstil dokumentiert. Andere Konvolute umfassen Netsuke, Kleinbronzen oder Jugendstilglas bis hin zu einer Sammlung historischer Türschlösser.

SEBASTIAN PREUSS

ASIATIKA

Nagel, Stuttgart, 6. bis 8. Dezember

Die »Götter des Himalaya« lautete der Katalogtitel einer Ausstellung in den 1980er-Jahren im Basler Museum der Kulturen, die Arbeiten tibetisch-buddhistischer Kunst aus der weltberühmten Sammlung des Hamburger Religionswissenschaftlers und Galeristen Gerd-Wolfgang Essen zeigte. Eines der Highlights davon, eine fulminante Bronzeskulptur des vedischen Gottes Indra aus dem 13. Jahrhundert, bietet Nagel auf seiner Jubiläumsauktion an (Taxe 100 000 bis 150 000 Euro). Nicht weniger als 2400 Lose kommen bei der auf drei Tage angesetzten Versteigerung zum Aufruf. Tibetische Bronzen und 60 Thangkas, Rollbilder, die häufig zur Meditation benutzt wurden, sind auch der Schwerpunkt einer weiteren bedeutenden, aus Süddeutschland stammenden Sammlung.

Aus China stammen zwei der Spitzenlose der Auktion: zum einen ein seltenes, kaiserliches Reliefpaneel mit Eisvogelfedern und Elfenbein, das eine Landschaft wiedergibt. Es entstand während der Qianlong-Periode und soll 60 000 bis 100 000 Euro bringen. Zum anderen eine kaiserliche feuervergoldete Bronze des Gottes Amitayus aus der Kangxi-Periode, die nach dem zweiten Kaiser der bis ins frühe 20. Jahrhundert dauernden Quing-Dynastie benannt ist. Er war für seine Gelehrtheit berühmt und herrschte im 17./18. Jahrhundert 61 Jahre. Eine Regierungszeit, an die heute nur Elisabeth II. heranreichte.

FRANK MAIER-SOLGK

KUNST UND ANTIQUITÄTEN

Dr. Fischer, Heilbronn, 9./10. Dezember

Dr. Fischer hat erneut ein breites Angebot, das bei Ikonen beginnt und über vielfältiges Kunsthandwerk bis zu attraktiven Schmuckstücken reicht. Aus einer Adelssammlung von insgesamt 120 Objekten ragt ein ungewöhnlich hoher Augsburger Humpen von 27 cm Höhe wortwörtlich heraus. Mit seinem teilvergoldeten Dekor und den umlaufenden mythologischen Figuren berichtet der Humpen von dem erzählerischen und handwerklichen Können seines Schöpfers, dem Silberschmied Balthasar Gelb. Der Humpen entstand um 1690 und wird mit einer Taxe von 12 000 bis 16 000 Euro angeboten. Mit 6000 Euro Taxe lockt ein seltener Jagdhumpen mit Zinnmontierung, der um 1660 entstanden sein dürfte. Eines der Spitzenlose der Auktion stammt von der Genfer Uhrenmanufaktur Vacheron Constantin (Taxe 25 000 bis 35 000 Euro), die weißgoldene Uhr mit der Referenznummer 47G2646 ist neuwertig und wird im Originaletui versteigert. Aus einer anderen Privatsammlung, die gut 450 Objekte umfasst, werden Fayencen, Steinzeug, Zinn- und Messingobjekte offeriert, die vor allem aus Thüringen, Sachsen und Frankreich stammen. Besonders charmant ist die große Figur »Affenmusiker Mandrill mit Harfe«. Sie wurde 1912/13 von Otto Pilz entworfen und ist Teil einer neuteiligen Affenkapelle, die humorvoll auf die Affenkapelle von Johann Joachim Kaendler von 1753 verweist und das Motiv neu interpretiert. Für die ebenso in Meissen ausgeführte Figur werden 2000 bis 2500 Euro erwartet.

FRANK G. KURZHALS

KUNST UND SCHMUCK

Schloss Ahlden, 2. bis 4. Dezember

Neben klassischen Möbeln, Gemälden und Skulpturen wartet Schloss Ahlden auch mit Silber, Glas, Design, Porzellan, Uhren und Schmuck auf. Gerade unter Letzterem sind Stücke in hochkarätiger Qualität im Angebot. Bemerkenswert ist eine Parure von Cartier mit einem Pantherkopf aus 18-karätigem Weißgold mit Brillantbesatz von zusammen 13, 97 Karat. 75 000 Euro veranschlagt das Haus für das Ensemble der Ketten und Ohrringe.

Im Porzellanbereich bietet Schloss Ahlden die monumentale Meissener Prunkvase »Blütezeit Frankreichs«, entworfen 1741 von Johann Joachim Kändler. August III. gab sie als Geschenk für König Ludwig XV. in Auftrag, um die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich zu stärken. Die vorliegende Ausführung aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist auf 125 000 Euro geschätzt. Ebenfalls ein Meissener Erzeugnis ist eine mit Blumen, Vögeln und Figuren reich verzierte Neorokoko-Prunkpendule, im Jahr 1899 von Paul Helmig entworfen. Die 83 cm hohe Uhr taxiert das Auktionshaus auf 46 000 Euro.

SUSANNE LUX