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AUKTIONSNOTIZEN


Sammler Journal - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 26.07.2019

2. August

Beliebte Triebe

Henry’s, Mutterstadt

Ein beliebtes Sammlerthema hat sich Henry’s für seine Sommerauktion ausgesucht: Jugendstil und Art déco. Das An - gebot ist reich an schönen Stücken, für die sich Fans sicherlich begeistern werden. Die Objekte sind nicht nur stilistisch hervorragend, sie zeichnen sich vor allem aufgrund ihrer an - spruchsvollen künstlerischen Qualität aus. So zum Beispiel findet sich unter den Keramiken ein großes Paar Buchstützen der Königlichen Majolika- und Terrakottawerkstatt Cadinen, das äußerst ansehnlich ist. Ebenso wie die Schliepstein-Madonna „Verklärung“, der ...

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... philosophische Disput von Ferdinand Liebermann in einer Auflage von 200 und ein Lüsterprunkteller von Delphin Massier. Ein Spitzenstück unter den Gläsern ist wohl die Trichtervase von Orivit, die es so nicht so oft gibt. Das Künstlerglas aus Val Saint Lambert mit doppeltem Überfang hat ei ne vergoldete Zinnmontur. Selten ist auch eine Bechervase von Gabriel Argy-Rousseau mit Chrysanthemendekor in Blau und Violett. Absolut stiltypisch ist ein silbernes Kaffeeset von Koch und Bergfeld mit bezauberndem Liliendekor. Au ßergewöhnlich ist eine Jugendstiltruhe von Emile Gallé mit intarsierten Winterszenen und meisterlicher Tiefenperspektive. Eine elegante Sitzgruppe von Thonet und eine Büchervitrine, von Koloman Moser für Kohn entworfen, sorgen für besondere Begeisterung. Hochwertige Elfenbeinfiguren von Lucien Edouard Alliot, Johann Balthasar, Trumpfheller und Joes Descomt belegen das Können der Kunsthandwerker dieser Zeit.

Schliepstein, Verklärung. Henry’s, Mutterstadt, 02.08.2019


8. bis 10. August

Rätselhaft

Franke, Nürnberg

Phantastische Raumillusionen, rätselhafte Metamorphosen und die Unerklärlichkeit der Dinge machten Salvador Dalí zu einem der bekanntesten Künstler des Surrealismus. Sein großes druckgrafisches OEuvre umfasst um die 1.500 Radierungen, Holzstiche und Grafiken. Herausragend sind seine Blätter zu Klassikern der Weltliteratur wie Goethes „Faust“ oder Cervantes „Don Quichotte“. Aus der Suite „My thologie“ er - wartet Franke mit großer Spannung den Aufruf der Grafik „Argus“ (Limit 3.500 Euro). Ein weiteres Highlight ist der Teller Visage soleil N°127 in einer Gesamtauflage von 150 Exemplaren von Pablo Picasso aus der Madoura Edition (700 Euro). Auf einer Reise Ende der 1940er-Jahre an die Côte d’Azur entdeckte Picasso das weiche Licht und die kräftige Farbigkeit der mediterranen Landschaft, die fortan sein Schaffen beeinflussen. Auf einer Ausstellung in Vallauris lernte er die Inhaber der örtlichen Töpferei, Suzanne und Georges Ramié, kennen und begann mit ihnen eine 25-jährige Zusammenarbeit. In dieser Zeit entwarf er zahlreiche farbenfrohe Gebrauchskeramiken. Das Licht ist für Günther Uecker bei seinen weltbekannten monochromen Prägedrucken ein wichtiges Gestaltungsmittel. Charakteristisch bei den zentralen Arbeiten ist das handgeschöpfte Büttenpapier und die reliefartige, nahezu vibrierende Oberfläche, die er mittels intuitives Anordnen von Nägeln auf Holzplatten, die als Druckvorlage dienen, er - zeugt. Für den Prägedruck „Bewegtes Feld“ von 2001 darf ab 1.900 Euro mitgeboten werden. Innerhalb der breitgefächerten Gemäldeofferte, die Kostbarkeiten vom Barock bis zur Moderne beinhaltet, sticht eine feine Auswahl an impressionistischer Malerei des 20. Jahrhunderts besonders hervor.

Hier überzeugen Otto Altenkirchs Gemälde „Birkenweg am Heller“, das ein lichtdurchflutetes Birkenwäldchen zeigt (7.500 Euro) sowie Otto Dills vibrierende Pinselführung im Gemälde „In Bewegung“ (3.000 Euro). Unter den insgesamt rund 4.000 Objekten aus über 30 Sammelgebieten fällt das exquisite Angebot an Schmuck und Uhren auf, deren Positionen vor allem aus dem Biedermeier, aus der Zeit des Jugendstils und Art décos stammen sowie Designstücke beinhalten. Eine Besonderheit unter den Uhren ist die Louis-Seize-Kaminuhr aus der Zeit um 1770/80, die aufgrund ihres aufwändig geschnitzten Holzgehäuses und der Dekoration mit Jahreszeitallegorien und Personifikationen der Erdteile hervorsticht.

TELEFON | 0911/5273720

WEBSEITE | www.auktionshaus-franke.de

Salvador Dalí, Argus, 1963, Heliogravure/Kaltnadelradierung, handkoloriert, aus der Mappe „Mythologie“, 39 x 49 cm (Limit 3.500 Euro). Franke, Nürnberg, 08.-10.08.2019


15. August Licence To Drive

Sotheby’s, Monterey

Früher war die kalifornische Küstenstadt Monterey die Sardinenhauptstadt der Welt. Bis in die 1950er-Jahre lebten die Leute vom Fischfang. Cannery Row heißt die Straße mit den Konservenfabriken, das Leben der Leute verewigte John Steinbeck in seinem Roman „Straße der Ölsardinen“ (engl. „Cannary Row“). Heute ist Monterey einer der vielen Hotspots, der weltberühmte Golfclub Pebble Beach ist nah, und Mitte August gibt es die Monterey Car Week, bei der sich Sammler von außergewöhnlichen und seltenen Luxusautomobilen aus der ganzen Welt treffen. In diesem Zeitraum veranstaltet RM Sotheby’s unter dem Titel „An Evening with Aston Martin“ eine ganz besondere Auktion. Versteigert wird der wohl meist bekannte, ikonische Aston Martin, der „James Bond Aston Martin DB5“ von 1965, den 007 in „Goldfinger“ fuhr. Ausgesucht vom damaligen Produktionsdesigner Ken Adam und Special-Effects-Mann John Stears, die für den James-Bond-Streifen ein adäquates Fahrzeug für die Hauptfigur mit der Lizenz zum Töten suchten. Aston Martin baute zwei fast identische Autos, die verschiedene Funktionen erfüllen mussten, um sie der Filmproduktionsfirma vorstellen zu können. Der durchschlagende Erfolg von „Goldfinger“ war ebenso ein Er - folg für Aston Martin, wo die Nachfrage für den DB5 stieg. In Monterey werden nun zwei Aston Martin DB5 mit der originalen Goldfinger-Ausstattung versteigert. Die Autos wurden damals in die USA gebracht, um den Nachfolge-Bond „Thunderball“ zu promoten. Danach landeten sie in der Sammlung von Lord Anthony Bamford, der einen an B.H. Atchley, den Eigentümer des Smokey Mountain Car Mu seum in Pigeon Forge, Tennessee weiterverkaufte. Der As ton Martin war 35 Jahre das Herzstück des Museums. Da nach führten die Schweizer Aston-Martin-Spezialisten Roos Engineering eine Restaurierung durch, bei der auch alle originalen Bond-Modifikationen überholt wurden.

TELEFON | +1/(0)519/3524575

WEBSEITE | rmsothebys.com

James Bond‘s Aston Martin DB5 in Goldfinger. Sotheby’s, Monterey, 15.08.2019


24. August Fluoreszierend

Kastern, Hannover

Der Glaskönig des Isergebirges, Josef Riedel, erfand im 19. Jahrhundert ein neues Farbglas, das wunderschön gelblichgrün oder grün-gelblich leuchtete. Er nannte die Farben An - nagrün und Annagelb, nach seiner Frau. Seinen besonderen Reiz entfaltet dieses Glas unter einer Schwarzlichtlampe. Dann nämlich beginnt die Uranoxidverbindung, die als Farbstoff dient, besonders schön zu fluoreszieren. Neben Böhmen stellten auch Frankreich und Belgien Uranglas her. Heute sind Urangläser nur mehr aus Sammlungen erhältlich, ein gesundheitliches Risiko wird bei verantwortungsvollem Um - gang weitgehend ausgeschlossen. Kastern hat nun eine um - fangreiche Uranglassammlung des Biedermeiers, Jugendstils und Art décos im An gebot, deren besonderer Reiz vor allem unter UV-Licht sichtbar wird. Dazu kommen Grafiken aus der Teilsammlung Schenning sowie Werke der Samm lung Delta/Bahlsen und ehemals Sammlung Herlitz AG.

TELEFON | 0511/851085

WEBSEITE | www.kastern.de

Uranglassammlung unter UV-Licht. Kastern, Hannover, 24.08.2019


Nachberichte Figürlich

Schloss Ahlden

Topergebnisse mit teilweise spektakulären Zuschlägen und Höchstpreisen gab es insbesondere bei Skulpturen und Plastiken der Moderne, die einen Querschnitt durch die Kunst figürlicher Bildhauerei im 20. Jahrhunderts zeigen. Eine sensible bildhauerische Position fern von jeglichem Pathos spiegeln die Arbeiten Gerhard Marcks’ wider. Die kleine Kollektion von Bronzen wurde fast komplett verkauft, darunter die straff und blockhaft stilisierte Aktfigur der „Stehenden Duttknoterin“ von 1979 mit einem Zuschlag von 22.500 Euro. Begehrt war seine noch in der Zeit seiner Verfemung als „entarteter Künstler“ 1943 modellierte „Sinnende", für die bei 15.000 Euro der Schätzpreis verdoppelt wurde. Renée Sintenis wurde zwar vor allem als Tierbildhauerin bekannt, widmete sich aber zugleich Bildnissen und der menschlichen Figur. Aus einer Werkgruppe expressiver Knaben- und Hirtenfiguren stammte ein Exemplar des „Jungen mit Panflöte" von 1950, das mit 13.500 Euro einen neuen Auktionsrekord für diese Statuette erlöste. Unbeschwerte Fröhlichkeit versprühen die Plastiken Niki de Saint Phalles, die ab 1965 mit ihren teilweise riesigen, farbenfroh gestalteten, sinnlich-erotischen, voluminösen, weiblichen Nana-Figuren international Furore machte. Ihre 1973 entstandene poppige „Nana de Berlin" ging für 17.500 Euro nach Paris. Ein moderat taxierter Lauchhammer-Guss nach der weltberühmten griechischen Bronzeplastik des „Antinous", die 1747 König Friedrich II. von Preußen für Sanssouci erworben hatte und heute in der Antikensammlung in Berlin ist, fand größtes Interesse unter mehreren Liebhabern. Ein deutscher Verleger ersteigerte den schönen Jüngling für 35.000 Euro gegen hartnäckige Konkurrenz. In der Gemälde-Sparte orientierten sich die Zuschläge meist an den Taxen. Ein stofflich virtuos gemaltes großes Prunkstillleben mit Früchten und Federwild des flämischen Malers Frans Ykens, der von seinen Zeitgenossen wie Peter Paul Rubens hoch geschätzt und gesammelt wurde und heute im Prado mit Werken vertreten ist, ging für 33.500 Euro an einen russischen Sammler. In seiner unmittelbaren Auffassung faszinierte die 1909 entstandene, lebendige, kleine Straßenszene „Berlin: Nationaldenkmal“ von Theodor Groll, die mehrere Sammler zu einem engagierten Bietgefecht verführte; mit 25.000 Euro Zuschlag konnte der dritthöchste Auktionspreis für ein Werk des Düsseldorfer Architektur- und Landschaftsmalers erzielt werden. Seine sommerlich-heiteren, impressionistischen Szenen mit jungen, eleganten Damen an Ufern des Ammersees und Starnberger Sees machten den Amerikaner Edward Cucuel, der von 1907 bis 1939 in Deutschland tätig und zur Künstlergruppe „Die Scholle“ gehörte, bekannt. Sein charakteristisches Gemälde „Am Bootssteg" ging für 43.500 Euro an einen österreichischen Bieter. Schwerpunkt in der Asiatika-Offerte war die Sammlung Günther Köpping Teil I, der in Berlin eine umfangreiche Kollektion mit dem Fokus auf Jade-Objekte zusammengetragen hatte und die zum allergrößten Teil mit oft beträchtlichen Steigerungen verkauft werden konnte. Exzeptionelles Kleinod war ein durchbrochen gearbeiteter, chinesischer Haarschmuck aus sogenannter Hammelfettjade mit üppigem Rankenwerk, Drachen, Pannonien und Kranichen. Vier engagierte Telefonbieter aus dem Reich der Mitte lieferten sich eine Bierschlacht und steigerten diesen auf 22.500 Euro. Die chinesische Porzellanschale mit „Drei Freunde“-De kor, die aus der berühmten Sammlung des englischen Textilfabrikanten Alfred Morrison in Fonthill House in Wiltshire wurde auf 23.500 Euro gesteigert. Wie sehr wertsteigernd Provenienz ist, belegt ein großer Famille-Verte-Teller mit einer Flusslandschaft aus der Kangxi-Periode von circa 1720. Dieser hat die sogenannte Johanneumsmarke und lässt sich im In ventar der bedeutenden Sammlung ostasiatischer Porzellane des Japanischen Palais in Dresden nachweisen, befand sich also einst im Besitz August des Starken, Kurfürst von Sachsen und König von Polen. Für 10.000 Euro ging er an einen Sammler im Saal, das Vierfache des Schätzpreises.

TELEFON | 05164/80100

WEBSEITE | www.schloss-ahlden.de

Gerhard Marcks, Stehende Duttknoterin, 1979, Bronze, 2/10, Guss Barth, Rinteln, H 98,5 cm (Zuschlag 22.500 Euro). Schloss Ahlden, Mai 2019


Millionenschwerer Tennisballbehälter

Koller, Zürich

Für ein chinesisches Weihrauchbecken aus der Zeit um 1700 er zielte Koller einen Rekordpreis von 4,8 Millionen Schweizer Franken. Das in teilvergoldeter Bronze gefertigte Becken stammte aus Schweizer Privatbesitz und befand sich seit drei Generationen in derselben Familie. Es diente als Behälter für Tennisbälle, als die Experten von Koller es im Herbst entdeckten. Das Weihrauchgefäß war der Star der Antiquitätenmesse in Hongkong, wo Koller es im Vorfeld der Auktion zusammen mit weiteren Highlights präsentiert hatte. An der Auktion in Zürich beteiligten sich folglich auch die wichtigsten asiatischen Sammler und lieferten sich einen regelrechten Bieterwettkampf um das Becken. Das Rennen machte schließlich ein Sammler aus China. Qualität, Größe und Design des Objekts sind einzigartig. Zwei Phönix-Köpfe, deren Schwingen in Pfingstrosen (Päonien) übergehen und das Gefäß umfassen, dienen als Henkel. Der Phönix gilt in China als Königin unter den Vö geln, die Päonie als Königin unter den Blumen. Zusammen symbolisieren sie Reichtum und Glück. Der Phönix steht auch für die chinesische Kaiserin, weshalb das Becken vermutlich für einen kaiserlichen Palast oder Tempel ge schaffen wurde. Der erzielte Preis von 4,8 Millionen Franken ist Rekord für ein vergleichbares Objekt. Er ist auch das Ergebnis der ausgezeichneten Kontakte, die Koller seit Jahren zu Sammlern in China pflegt. Seit 2011 ist das Zürcher Auktionshaus mit einer Repräsentanz in Peking vertreten und jährlich an der wichtigsten Antiquitätenmesse in Hongkong präsent.

TELEFON | +41/(0)44/4456363

WEBSEITE | www.kollerauktionen.ch

Phönix-Becken, China, 17./18. Jahrhundert, Bronze mit vergoldetem Reliefdekor, H 24 cm, B 59 cm (Ergebnis 4,8 Mio. CHF). Koller, Zürich, Juni 2019


Im Lotussitz zum Erfolg

Van Ham, Köln

Nur für den unteren Teil einer feuervergoldeten Bronze einer sitzenden buddhistischen Figur in Lotushaltung wurde bei Van Ham im Frühsommer der Schätzpreis von 30.000 Euro überraschend verdreifacht. Obwohl bei dieser Größe ei ne Repoussé-Arbeit üblicher erscheint, lässt die Wandstärke jedoch einen Guss in mehreren Teilen vermuten. Der Tor so vermittelt noch immer die große Eleganz und Ausdruckskraft der ehemaligen Figur, für den ein chinesischer Bieter 90.300 Euro einsetzte. Daneben beindruckte ein sitzender Buddha Amida Nyôrai neben seiner bedeutenden Provenienz auch mit seiner Publikations- und Ausstellungshistorie. Zunächst war er Teil zweier Sammlungen in Los Angeles, dann in einer weiteren Privatsammlung. Ausgestellt wurde die Holzfigur mit Lack und Vergoldung 2009 im Crocker Art Museum in Sacramento, Kalifornien. Nun wurde der Buddha in Lotushaltung mit den Händen in Meditationsgeste (jôin) aus der japanischen Kamakura-Zeit (1185-1333) für 77.400 Euro verkauft. Seine Größe von rund 72 Zentimeter lässt darauf schließen, dass es sich einst um eine Tempelfigur handelte. Ein kaiserlicher Teller mit den Acht Buddhistischen Schätzen aus der bekannten Sammlung des Hamburger Juristen Dr. Roland Sonderhoff gehörte ebenfalls zu den Hö hepunkten der Van-Ham-Auktion für Asiatische Kunst und wurde für 55.470 Euro einem chinesischen Bieter verkauft. Aus Japan stammt das meisterliche Netsuke der eleganten Tänzerin Izumo no Okuni, die für 38.700 Euro, das Dreifache des Schätzpreises, in eine süddeutsche Sammlung ging. Fünf Porzellanvasen mit kobaltblauer Unterglasur aus der Kangxi-Periode (1661-1722) wurden für 36.120 Euro nach China versteigert, für mehr als das Neunfache ihres Schätzpreises.

TELEFON | 0221/9258620

WEBSEITE | www.van-ham.com

Torso einer sitzenden buddhistischen Figur, Tibet/Nepal, ca. 15./16. Jahrhundet oder später, Bronze mit Feuervergoldung, H ca. 20 cm (Ergebnis 90.300 Euro). Van Ham, Köln, Juni 2019


Tolle Zuschläge

Wendl, Rudolstadt

Kleopatra, Barock (Ergebnis 13.360 Euro/Limit 6.000 Euro). Wendl, Rudolstadt, Juni 2019


Auf stolze 47.350 Euro brachte es zur heißen Sommerauktion bei Wendl ein wunderbares Silberkernstück, das Josef Hoffmann für die Wiener Werkstätte entworfen hat. Fast das Zehnfache des Limitpreises von 5.500 Euro. Unter den Klein - odien lockte ein äußerst feines Mikromosaik, auf dem die Tauben des Plinius dargestellt sind. Der Hammer fiel hier bei 1.580 Euro (Limit 330 Euro). Von einer unglaublichen Größe war dagegen ein persischer Medaillonteppich, der um die 36 Quadratmeter misst und für den es sieben Mann be nötigte, um ihn zu tragen. Für 2.670 Euro verließ das handgeknüpfte Stück das Haus. Ein voller Auktionssaal und sehr aktive Internetbieter erfreuten die Auktionatorinnen Anke und Julia Wendl bei der wie immer starken Kategorie „Porzellan“. Die Gothaer Ansichtentasse mit dem Porträt des Herzogs August von Sachsen-Gotha-Altenburg errang nach hartem Kampf ein im Saal anwesender Privatsammler für 3.400 Euro. Bei der KPM-Tasse im etruskischen Stil aus dem frühen 19. Jahrhundert konnte die Auktionatorin anfangs nicht so schnell zählen, wie sich die Internetbieter in die Höhe klickten. Auch hier fiel erst bei 3.400 Euro der Hammer (Limit 240 Euro). Sehr gute Zuschläge erhielten durchweg die hochwertigen Porzellane aus dem Nachlass des 2012 verstorbenen Wirtschaftswissenschaftlers Professors Dr. Klaus von Wysocki. Auf den zweiten Teil dieser Sammlung darf man sich zur Herbstauktion (24. bis 26. Oktober) freuen. Zwei Porzellangemälde der KPM Berlin, „Psyche“ sowie ein sinnlicher Frauenakt wurden bei 4.000 und 2.670 Euro zugeschlagen. Auch bei den Gemälden erregten die Darstellungen schöner Frauen die Bietergemüter. Für stolze 12.140 Euro wurde die Gerhard von Kügelgen zugeschriebene „Medea mit ihren zwei Söhnen“ (Limit 3.900 Euro) versteigert. Für das Mädchenbildnis eines unbekannten Na zareners fiel bei 10.930 Euro der Hammer (Limit 1.800 Euro). In vielerlei Hinsicht ungewöhnlich ist die barocke Darstellung der Kleopatra. Unerwartet hoch kletterte das mit 6.000 Euro limitierte Gemälde. Es wurde für 13.360 Euro verkauft. Für einen 93 Jahre alten Kohlrabi, den Max Feldbauer im Jahr 1926 malte, wurden 1.940 Euro geboten (Li mit 800 Eu ro). Nicht weniger begehrt waren zeitlose Landschaften, darunter „Die Sternbrücke und die Kegelbrü cke bei Weimar“, die um 1885 von Christian Rohlfs auf die Leinwand gebracht wurde (Limit 550 Euro, Zuschlag 3.640 Eu ro) oder Alexander von Szpingers „Heuwagen“, ein Maler, der ebenfalls der Weimarer Malerschule zuzuordnen ist (Li mit 460 Euro, Zuschlag 2.670 Euro). Die dem Maler Gustave Loiseau zugeschriebene „Bretagne-Küstenlandschaft“ wur de für 7.290 Euro verkauft.

TELEFON | 03672/424350

WEBSEITE | www.auktionshaus-wendl.de

Millionen-Andy

Ketterer Kunst, München

Andy Warhol, Portrait of a Lady (Ergebnis 1.125.000 Euro/Aufruf 360.000 Euro). Ketterer Kunst, München, Juni 2019


Deutlich über 28 Millionen Euro realisierte Ketterer Kunst in den sieben Auktionen, die den Auftakt des Jubiläums zum 65-jährigen Bestehen des Hauses machten. Es ist das beste Frühjahrsergebnis überhaupt sowie das mit Abstand beste Resultat der Auktionssaison in Deutschland. Mit insgesamt 55 Erlösen (2018 waren es 44 im gleichen Zeitraum) erreichte oder übertraf man in München die 100.000-Euro-Marke. Der unangefochtene Star der Abendauktion und der gesamten Saison heißt Wassily Kandinsky. Gemeinsam mit Andy Warhols „Portrait of a Lady“ sorgte sein Gemälde „Treppe zum Schloss“ für die einzigen beiden Millionenerlöse im ersten Halbjahr auf dem deutschen Auktionsmarkt. Nachdem mit der Kunst des 19. Jahrhunderts und den wertvollen Büchern schon einige Tage zuvor ein Gesamterlös von über 3,3 Millionen Euro erzielt worden war, beschloss Ketterer nun mit 25 Millionen Euro, die für Kunst des 20./21. Jahrhunderts im Juni eingingen, die erste Hälfte des Jubiläumsjahres mit einem fulminanten Finale.

TELEFON | 089/552440

WEBSEITE | www.kettererkunst.de

Menschmaschine

Eppli, Leinfelden-Echterdingen

Das Spitzenstück in Epplis Juni-Auktion ersteigerte ein Onlinebieter aus Prag für 120.000 Euro. Es ist eine großformatige Komposition des Prager Künstlers Mikulas Medek aus dem Jahre 1970, in der sich eine menschliche Figur mit Teilen aus Ma schinen und Architektur vereint. Das in Blau- und Rottönen vor schwarzem Hintergrund komponierte Werk „Magnetica VEZ“ wurde in einer Ausstellung Mikulas Me deks in der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen erworben und mit 98.000 Euro zur Auktion aufgerufen. Auch der Na me Marc Chagall sorgte für die hohen Zuschläge von 7.500 Euro für die Farblithographie „La grande Corniche“ und von 3.400 Euro für ein Exemplar aus der Auflage von 75 Blatt „Hommage à Marc Chagall“. Für die Grafik von Heinz Mack, eine silberfarbene Rotation auf schwarzem Grund, zahlte ein Bieter über eines von drei Onlineportalen den Aufrufpreis von 600 Euro. Aus der Auflösung einer Sammlung zeitgenössischer Skulpturen und Gemälde sicherte sich ein Saalbieter eine der gelackten Stahlskulpturen von Willi Siber für 2.400 Euro.

TELEFON | 0711/2209087

WEBSEITE | www.eppli.com

Mikulas Medek, Magnetica UEZ, 1970, Mischtechnik auf Leinwand, 120 x 70 cm (Zuschlag 98.000 Euro). Eppli, Leinfelden-Echterdingen, Juni 2019


Notiz Ernst Nolte

Jahrelang hatte das Sammlerjournal über die Auktionen bei Hauswedell & Nolte in Hamburg berichtet. 2016 wurde die Firma aufgelöst. Deren seinerzeitiger Inhaber, Ernst Nolte be - ging am 24. Juli 2019 seinen 80. Geburtstag. Ernst Nolte absolvierte im Stuttgarter Antiquariat bei Dr. Ko cher-Benzing eine Lehre als Antiquar. An alten Büchern ebenso wie an moderner Kunst interessiert, besuchte er die heute legendären Auktionen von Roman Norbert Ketterer, beriet Kunden und baute eine Sammlung auf, die Hauswedell & Nolte 1968 zur Auktion erhielt. In diese frühen Jahre von H&N fallen auch die Versteigerungen der Kollwitz-Sammlung Salman Scho ckens (Berlin-Jerusalem) und dessen umfangreiche Sammlung von deutscher Literatur und Ma nuskripten, unter anderem von Novalis, Kafka, Thomas Mann. Aufgrund Ernst Noltes persönlicher Verbindung zu US-amerikanischen Händlern wie Serge Sabarsky und Leonard Hutton, Sammlern wie Lionel Epstein in Washington, dessen bedeutende Munch-Sammlung die National Gallery in Washington erhielt, Nelson Blitz in New York mit einer Sammlung von Hauptblättern Kirchners und Munchs, Gore Rifkind in L.A., Marvin Fishman in Milwaukee – um nur einige zu nennen – gelangte deutsche Kunst, zumeist aus Emigrantenbesitz, aus den USA wieder nach Deutschland. Manches ging auch den umgekehrten Weg, wie Karl Schmidt-Rottluffs „Blühende Bäume“, der erste Millionenzuschlag in Deutschland in DMark an Leonard Hutton. Auch Heinz Berggrün gehörte zu den regelmäßigen Teilnehmern der Auktionen: Das Klee-Aquarell mit dem berührenden Titel „Bilderinschrift für Irene, wenn sie einmal größer ist“ hängt in seinem Berliner Museum. Jan Kurier ersteigerte 2001 die großformatige Sepia von C. D. Friedrich „Blick auf Arkona mit untergehendem Mond“, für sein Pariser Museum. Nach seinem Tod wurde es für die Hälfte des da maligen Zuschlages in England versteigert. Im März 2016 wurde die Firma Hauswedell & Nolte aufgelöst, das Archiv ins ZADIK Köln überführt und die außerordentlich umfangreiche Handbibliothek zu Teilen nach China verkauft. Der Jubilar genießt die gewonnenen zeitlichen Freiräume, kann sich seiner großen Bibliothek widmen und – was früher entschieden zu kurz kam – auch überregionale Kulturangebote wahrnehmen. Happy Birthday, Herr Nolte!