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Aus der Beschichte der Tiermedizin


Karfunkel - epaper ⋅ Ausgabe 140/2020 vom 01.02.2020
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Bildquelle: Karfunkel, Ausgabe 140/2020

Wir wissen, dass Menschen der Altsteinzeit Kräuter mit medizinischen Wirkungen einsetzten, und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie auch ihren Partner Wolf/Hund pflegten, wenn er sich einen Dorn eingetreten oder einen Fuß verstaucht hatte. Den ersten Beleg für Tiermedizin bieten jedoch Bullenknochen, die zeigen, dass Rinder kastriert wurden. Die Tierärztin Anja Schulz schrieb in ihrer Dissertation: „Die Menschen der Alten Welt hatten keine Kenntnisse über die Anatomie, Physiologie oder (…) Mikroorganismen als Krankheitserreger. Sie verfügten aber über einen großen Erfahrungsschatz und waren gute ...

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... Beobachter. So wussten sie (…) von Ekto- und Endoparasiten.“ Ein ägyptischer Papyrus von Kahun von 1850 v.Chr. verweist darauf, dass die Ägypter Tierheilkunde praktizierten, Diagnosen, Symptome und Therapien kannten und mehrere Tierarten behandelten: Rinder, Gänse und sogar Fische. Therapien waren Kaltwassertherapie, Räuchern bis zum Schweißausbruch, Einreiben mit Kräutern und Säften von Pflanzen. Hirten halfen in Ägypten Kühen beim Kalben. Im Alten Orient belegt ein Gerichtsprotokoll aus der Zeit Samsu-ilunas von Babylon (1749-1712 v. Chr.) einen Rinderarzt namens Abil-ilisu. Im Kodex von Hammurabi erfahren wir indirekt von Tierheilkundigen, denn dort ist geregelt, wie viel ein „Rinder- oder Eselarzt“ für die erfolgreiche Behandlung einer Wunde erhält.


„Es gibt keine wissenschaftliche Barriere zwischen Veterinär- und Humanmedizin, noch sollte es eine geben; die Erfahrung der einen muss gebraucht werden für die Entwicklung der anderen.“


Rudolf Ludwig Karl Virchow (1821-1902), Begründer der modernen Pathologie

Zwischen Mensch und Tier

Aristoteles (384-322 v. Chr.) entwarf eine Hierarchie: Ganz oben standen die Götter, dann die Menschen, darunter die Tiere, unter ihnen die Pflanzen und zuletzt die anorganische Materie. Diese Wertung bestimmte das Denken des Abendlandes - bis heute; Schäffer erläutert dies an der Stellung des Tierarztes:

„Humanmediziner können beim Militär den Rang eines Generals erreichen, Tiermediziner bis heute nur den Rang eines Obersts. Der Menschen behandelnde Arzt stand in der Skala von Aristoteles zwischen Mensch und Gott, der Tierarzt zwischen Mensch und Tier.“

Aristoteles beschrieb Tollwut, Fußgicht wie Milzbrand und gab Anleitungen zum Kastrieren. In seiner „Historia Animalum“ widmete er sich explizit auch Tierkrankheiten.

Der römische Veterinarius

Der römische Dichter Vergil (70-19 v. Chr.) schrieb in seiner „Georgica“ (Gedichte vom Landbau) auch über Tiermedizin. Er skizzierte Schaf - räude, Klauenseuche, Milzbrand, Vieh- und Schweineseuche. Bei den letzten beiden ist nicht klar, um welche Krankheiten es sich handelte.

Die Viehwirtschaft im antiken Rom war weit entwickelt, und der Römer Colu mella ging in seinen Landwirtschaftswerken ausführlich auf Kastrieren ein, auf gesunde Haltung von Rindern und auf die Behandlung ihrer Krankheiten - meist mit medizinisch real wirksamen Mitteln tierischen, pflanzlichen und mineralischen Ursprungs. So wusste Columella um die antiparasitäre Wirkung von Schwefel, Urin nutzte er zur Behandlung von Hauterkrankungen und Entzündungen. Ohne das Wissen um pathogene Erreger war ihm klar, dass Krankheiten sich von Tier zu Tier übertragen. Den Tierheiler bezeichnet er als „veterenarius“.

Im römischen Heer arbeiteten Tierärzte regulär im Veterinarium. Zur Zeit Diokletians sind freiberufliche multomedici verzeichnet, die zum Beispiel für ein purgatio capitis (Entschleimung des Kopfes) 20 Denare bekamen.

Die ältesten schriftlichen Überlieferungen eines praktizierenden Tierarztes kennen wir von Eumelos von Theben aus dem 3. Jh. n. Chr. Einen Höhepunkt erlebte die akademische Tiermedizin in der Spätantike mit Fachbüchern über Pferdeheilkunde aus Ostrom, dem „Corpus Hippiatricorum Graecorum“, und in Westrom mit der „Ars veterinaria“ des Pelagonius.

Der Fokus dieser Lehrbücher lag auf Pferden und Maultieren. Eine Prachthandschrift, die Werke diverser römisch-griechischer Veterinärschriftsteller zusammenstellte, befand sich in der Kaiserlichen Bibliothek von Konstantinopel und behandelte in 130 Kapiteln Pferdemedizin, darunter Krankheiten wie „Fieber“, „Rotz“ und „Lungenentzündung“.

Baitar, Basilisk und Brennnessel

Die Araber hatten ihr Weltreich auf dem Pferderücken erobert und spezialisierten sich auf Pferdeheilkunde: Die Völkerwanderung brachte in Westrom die antike (Tier-) Medizin in Vergessenheit; in Byzanz blieb dieses Wissen jedoch erhalten, und später übersetzten die Muslime die Quellen der Römer und Griechen ins Arabische: An die Stelle des griechischen hippi - atros (Pferdearzt) trat der arabische baitar. Die Araber verfassten Bücher über Krankheiten der Pferde, Rinder, Kamele und Schafe.

Im christlichen Europa vermischte sich derweil der Aberglaube, dass Dämonen Tierseuchen auslösen, mit sinnvoller Heilkunde. Hildegard von Bingen (1098-1179) beschrieb Tierkrankheiten, für die sie das Fabeltier Basilisk verantwortlich machte, welches aus einem Schlangen - ei schlüpfte, das ein Hahn ausgebrütet hatte. Tränke aus Wisenthorn und Luchsblut sollten ihr zufolge Viehseuchen heilen. Für kranke Schweine empfahl sie Schneckenhäuser, Dill und gekochte Brennnessel.

Friedrich II. - Wissenschaft aus dem Osten

Die wissenschaftliche Tiermedizin im Mittelalter Europas begann mit Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen (1194-1250). Er hatte die Unsterblichkeit der Seele bezweifelt und die Macht des Kaisers mit der des Papstes gleichgesetzt; Papst Gregor hatte ihn deshalb 1227 zur Buße auf einen Kreuzzug nach Jerusalem geschickt. Statt die Muslime aber zu bekämpfen, schloss der kritische Kaiser mit ihnen Freundschaft, lernte die empirische Methode in Wissenschaft und (Tier-) Medizin, versöhnte sich mit Sultan Al Khamil und kam mit einer Menagerienach Europa zurück. Dieser frühe Aufklärer verfasste Bücher zur Heilung von Pferden, Falken und Jagdhunden und gilt als Wegbereiter einer Tiermedizin, die Schlüsse aus Beobachtungen zieht und magische Erklärungen ablehnt.

Darstellung der Organe und der Blutgefäße eines Pferdes in einer Handschrift des islamischen Gelehrten Mansurf ibn Muhammed Ilyas aus dem 14. Jh.


Jordanus Ruffus, einer der Stallmeister von Friedrich II., veröffentlichte 1250 „De medicina equorum“ -

„Über Pferdemedizin“; Aderlass und Kauterisieren zeigen ihn als Verfechter der Säftelehre. Dieses Buch reformierte die Pferdeheilkunde des christlichen Europa. Sein Fokus lag auf Verletzungen durch falsche Handhabe der Tiere, wie Lahmheiten, dazu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Magen-Darm-Leiden. Mehr als die Hälfte des Buches behandelt Störungen des Bewegungsapparates.

Meister Albrant arbeitete ebenfalls bei Friedrich II. Der einfache Schmied schrieb ein „Rossarzneibüchlein“ - es wurde das wichtigste Handbuch zur Pferdemedizin mit Anweisungen wie:

„Und halt ihm die Nasenlöcher zu, bis es zu tränen beginnt. Und tue das so oft, bis ihm der Eiter vollends herausläuft. Und wenn alle Nasenlöcher nicht mehr rinnen, ist es gesund.“

Die Wirkung der von ihm empfohlenen Heilpflanzen ist belegt: Zitwerwurzel und Rettich regen zum Beispiel die Schleimhäute an.

Ruffus und Albrant begründeten die berufsmäßige Tiermedizin der Stallmeister der höfischen Gestüte. Albrants „Rossarznei“ wurde diverse Male ab- und umgeschrieben, bis hin zu einer „Albrant- Handschrift“ des Johann Martin Weitz von Oschitz 1677, die 769 Rezepte für Pferdekrankheiten vorstellte, aber mit dem Original nichts mehr zu tun hatte.

Der Stallmeister war verantwortlich für die Behandlung und Pflege der Pferde. Ihre Gesundheit war ein entscheidender Machtfaktor: Pferdeseuchen und damit der Zusammenbruch der Kavallerie entschieden tatsächlich Kriege. Die Pferdeärzte waren hohe Angestellte des Hofes; dieses Privileg prägte die konservative Mentalität dieser Spezialisten bis in das 20. Jh.

Schmutzmedizin

Studierte behandelten Tiere der Herrschenden, etwa Jagdfalken, Jagdhunde und Reitpferde. Medizinpraktiker, wie Henker, Metzger, Abdecker und Hirten, kümmerten sich hingegen um die Nutztiere des Volkes.

Die sogenannte „Schmutzmedizin“ für Tier und Mensch war die Apotheke der kleinen Leute: Kot von Tieren und Menschen, Blut, Haare, Ohrenschmalz und verfaultes Obst bildeten die Grundlage. Dazu kamen Arzneipflanzen, die wir auch heute noch verwenden: Baldrian, Kamille oder Salbei. Gegen Krankheiten der Schweine sollte gekochtes Pferdefleisch helfen, die Asche verbrannter Frösche und Eisenkraut. Aus dem 10. Jh. kennen wir einen Hundesegen und „schändliche Zauberknoten“, die das Volk verwendete, um Hunde vor Krankheiten zu bewahren.

Burkhard von Worms sah dies als „teuflischen Aberglauben“ an, und wer ihn praktizierte, sollte zwei Jahre Buße tun.

Petrus de Crescentiis (1230-1321) schlug für kranke Schweine vor, ihnen zerstoßene Lorbeeren, Kleie und Sauerteig zu geben. Wegweisend war aber sein Hinweis auf die Sauberkeit: Die Ställe müssten täglich gereinigt und die Schweine in Salzwasser gebadet werden. Seuchen verbreiteten sich im Mittelalter nämlich vor allem aufgrund der grauenhaften Hygiene.

Generell war der Stand der Tiermedizin in Europa vom Mittelalter bis in die Neuzeit eine Katastrophe: In bestimmten Situationen sinnvolle Methoden der Antike wie Aderlass oder Brennen (zum Beispiel, um eine Ader zu veröden oder die Haut eines chronisch erkrankten Gelenks zu kauterisieren) wurden falsch verstanden zu sinnloser Tierquälerei und als Prophylaxe gegen jede Krankheit eingesetzt - was bei geschwächten Tieren (und Menschen) nicht selten zum Tod führte. Bei Hufkrankheiten wurde oft die gesamte Hufsohle abgerissen - eine Tortur für das Pferd und medizinischer Irrsinn.

Die spanische Kavallerie galt am Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit als beste Europas, caballero, „Reiter“, bedeutete gleichzeitig Edler und Herr. Isabella von Kastilien (1451-1504) und Ferdinand II. von Aragon (1452-1516) führten eine Prüfungskommission für Tierärzte ein, das Tribunal del Protoalbeirato. Ab 1436 wurden angehende Tierärzte hier geprüft zu Fragen wie: „Was ist ein Abszess, und welche Arten von Abs - zessen gibt es?“ Im Unterschied zu Mitteleuropa durften, laut Max Fugger (1529-1597), in Spanien nur Tierärzte Pferde behandeln und keine Hufschmiede.

Sauschneider, Abdecker, Jäger & Co. - tierheilkundige Berufe

Kastrieren diente dazu, die Tiere zu mästen. Das Fleisch von Ochsen und Kapaunen galt als zart; das Fleisch von unkastrierten Ebern ist ungenießbar. Wallache und Ochsen sind zudem zahmer als Hengste und Bullen. Das Entmannen war brutal, aber einfach. Stallknechte und Hirten durchtrennten die Samenstränge mit Messern oder Scheren, zerquetschten die Hoden mit Steinen oder Zangen. Es gab indessen auch Kastrierzangen und -klemmen. Sauschneider kastrierten auch Sauen, um die Befruchtung durch Wildeber zu verhindern - sie verstanden sich also auf Chirurgie.

Tierheilkunde unterlag Berufen, die wir heute kaum damit in Verbindung bringen: Metzgern, Scharfrichtern, Abdeckern, Schmieden, Hirten, Förstern und Jägern. Die beiden letzteren behandelten Verletzungen der Jagdhunde, Metzgern oblag die Fleischbeschau und Lebend-Diagnose. Abdecker (Wasenmeister) und Tierheiler war oft der gleiche Beruf: Der Münchner Wasenmeister Bartholomäus Deibler genoss zum Beispiel solches Ansehen, dass er auch die Rösser der städtischen Oberklasse kurierte; der Scharfrichter Hans Stadler behandelte Pferde wie Menschen mit seinem Kräutertee.

Diese Holzstatuette aus dem Alten Ägypten (1990-1786 v. Chr.) zeigt einen Mann, der einer Kuh beim Kalben hilft.


Vom 16. bis 18. Jh. rafften Epidemien immer wieder einen Großteil der Nutztiere Europas dahin: Rinderpest, Milzbrand, Schafpocken, Rotz, Maul- und Klauenseuche ebenso wie die Tollwut. Klerus und Landvolk glaubten fest, dass Seuchen Strafen Gottes seien und beäugten rationalere Therapien mit Argwohn - aus dem Misstrauen wurde schnell ein Hexenprozess.

Hirten und Abdecker standen den Stallmeistern in der sozialen Tierhei - lerskala gegenüber. Sie lebten nicht nur außerhalb der Kontrolle der Obrigkeit, sondern begegneten dem Tod, verwerteten und begruben gestorbene Tiere. Hirten bewahrten außerdem das Erfahrungswissen über die Heilkräfte der Natur in einer Zeit, als die Kirche die empirische Forschung in den Bereich des Teufels verbannte. Zum Beispiel wurde 1600 Rolzer Bestgen als Werwolf hingerichtet: Neben dem Wolfsbann benutzte der Hirte auch Zauber, um Geschwülste bei Pferden und Schweinen zu heilen.

Der üble Ruf derjenigen, die mit toten Tieren arbeiteten, hielt sich über Jahrhunderte. König Georg III. verfasste 1778 die Gründungsurkunde der Tierärztlichen Hochschule Hannover als „Roß-Arßney-Schule“. Er schrieb:

Wann nun bey einer solchen Schule (…) zu Erreichung des Nutzens ganß unausweichlich nothwendig ist, Cörper gefallener Thiere zu zergliedern, (…) und Lehrern (…) der Roßund Vieh-Arßney-Schule diesethalben einst Vorwürfe gemachet werden; So wollen wir zwar hoffen, daß gesittete und verständige Leute (…) dessen sich von selbst entstehen und enthalten.“

Diese Darstellungen aus einer Ruffus-Handschrift des 13. Jh. zeigen von oben nach unten Hängevorrichtungen bei Huferkrankungen, die Behandlung des Hautrotzes mit Ausbrennen und Ansätzen von Blutegeln, die Behandlung der Zunge mit Einsatz eines Maulgatters, rechts oben das Anlegen eines Pechverbands bei Kreuzverschlag, rechts Mitte das Anlegen eines heißen Kleieverbandes, rechts unten die chirurgische Behandlung einer Huferkrankung.


Die Hundswuth

Aristoteles beschrieb, dass die Tollwut (lytta) durch einen Biss übertragen wurde. Außerdem erwähnt er die kynanche (kynos = „Hund“), eine Entzündung der Atmungsorgane, bei der der Hund die Zunge herausstreckt, sowie die Fußgicht (podagra), bei der sich die Fußgelenke des Hundes entzünden.

Im 1. Jh. erkannten griechische Ärzte, dass die „Wasserscheu bei Menschen“ und die „Wutkrankheit“ der Hunde die gleiche Seuche war.

Der Römer Gaius Plinius (23/24 - 79 n. Chr.) empfahl, Hunden unter 40 Tagen das „Rückenbein“ zwischen Kreuzbein und Schwanz herauszureißen, um der Tollwut vorzubeugen.

Aulus Cornelius Celsus hatte schon im 1. Jh. v. Chr. die Behandlung der Tollwut beschrieben: Den Patienten solle man erst ins Wasser tauchen, dann das Gewebe um die Biss-Stelle herausschneiden und die Wunde mit heißem Eisen behandeln. Bemerkenswert ist, dass Celsus die Verbindung zwischen Biss und Infektion erkannt hatte.

Von den Römern ist wenig Medizin für Hunde bekannt, dafür dienten Hunde als Medizin: Hunde-Urin mit Lehm sollte gegen Warzen helfen, Welpen auf der Haut Krankheiten heilen.

Im Frankreich des Mittelalters schrieb Graf von Foix (1331-1391) über die Gesunderhaltung der Jagd- hunde. Jagdbücher unterschieden bis zu sieben verschiedene Formen der Tollwut, von denen die „hitzige“ und „laufende“ Wut unheilbar sein sollten. Damit ist vermutlich die rasende Phase der Seuche gemeint. Die „fließende“ Wut, die die Bücher mit dem Symptom gelber Augen beschreiben, deutet hingegen auf eine Leberentzündung, und die „fahrende Wut“ auf die nervöse Form der Staupe („die Krankheit steht ihnen im Kopf“) - die „grimmige“ Wut bezeichnet mutmaßlich Parasitenbefall.

Wie der Wolf zur Bestie wurde

„Es ist einfach, winzig und unglaublich schlagkräftig“, schreibt der Virologe Nathan Wolfe über das Tollwutvirus, denn „es tötet praktisch jeden Wirt, den es infiziert“.

Die Tollwut ist eine der schlimmsten Krankheiten, da sie ohne Impfung (fast?) immer zum Tod führt - unter größten Qualen. Ein Großteil der historischen Quellen über Krankheiten der Hunde handelt folgerichtig von dieser Seuche. Das Schreckensbild vom Wolf als wütender Bestie stammt vermutlich aus der Erfahrung mit tollwütigen Wölfen und nicht aus der Fantasie, dass Wölfe Menschen fressen.

Das Tollwutvirus ist einer der raffiniertesten „Psychoparasiten“, den die Evolution hervorgebracht hat: Es verändert den Spiegel von Zytokinen, senkt zugleich den Serotoninspiegel und löst so ungebremste Aggression aus. Der Erreger lähmt die hinteren Hirnnerven und damit den Rachen des Opfers. Es kann nicht mehr schlucken und der hoch infektiöse Speichel „schäumt vorm Mund“. Die Aggression führt dazu, dass das Opfer um sich beißt - und die Schlucklähmung bietet Gewähr, dass die Bisse den Erreger übertragen.

Das Virus setzt sich im limbischen System ebenso fest wie im Thalamus, im Hirnstamm und den Basalganglien und, so schreiben Monika Niehaus und Andrea Pfuhl, „liefert eine faszinierende klinischpathologische Verknüpfung mit der Wachsamkeit, (…) dem abnormen Sexualverhalten und der Aggressivität. (…) Kein anderes Virus ist so diabolisch gut angepasst, dass es den Wirt rasend wütend machen kann und dadurch seine Übertragung auf einen anderen Wirt sicherstellt.“

Die Vorstellung, dass dämonische Wesen in den Körper eindringen und einen zahmen Hund in eine rasende Bestie oder einen Menschen in einen Werwolf verwandeln, liegt näher an der Wirklichkeit von Viren als Ideen, die die Tollwut als Folge eines unerfüllten Sexualtriebs ansahen.

Magische Signatur und Kleinstlebewesen

Opium und Arsenik, Eisen- und Kupferspäne, Wasserwegerich und Tollkirsche gehörten zu den gebräuchlichen Mitteln gegen die Seuche. Die Tollkirsche, auch „Wolfsbeere“ genannt, benutzten Ärzte wie Bauern als Prävention gegen die „tolle Wut“ auf der Grundlage des Simile-Prinzips und der magischen Signaturenlehre. Diese vertrat auch Paracelsus, und der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann (1755-1843) systematisierte sie zu einem esoterischen Modell.

Die von der Tollwut in Angst versetzten Menschen riefen den hl. Hubertus zu Hilfe, sie erhitzten „Hubertusschlüssel“ und brannten sie dann in die Stirn der Hunde.

1546 beschrieb Girolamo Fracostoro (1478-1553) die Tollwut. Zu dieser Zeit galten Knoblauch, Ölkäfersekret, Koriander und die Hund-Schildflechte als Mittel gegen die Krankheit, doch der Arzt aus Verona führte die Entstehung von Krankheiten auf Kleinstlebewesen zurück und schrieb vom „Samen der Ansteckung“.

Würmer mit Hundeköpfen und der Tollwurm

Die Erfindung des Mikroskops im 17. Jh. brachte anfangs wenig Fortschritte. Als Tollwuterreger galten jetzt zum Beispiel „lebendige Würmer mit Hundeköpfen“, welche Zeitgenossen angeblich im Speichel tollwütiger Hunde entdeckten. Um was es sich bei den „Hundeköpfigen“ handelte, ist unklar.

Gottfried Zinke (gest. 1813) stellte die Infektiösität des Speichels kranker Hunde durch Impfversuche fest. Dennoch blieben die meisten Tierärzte Anhänger der Miasmentheorie und glaubten, dass sich Krankheitserreger durch Klima, Jahreszeit oder „üble Gerüche“ spontan entwickelten - Fliegenmaden entstünden zum Beispiel nicht aus Insekteneiern, sondern aus faulem Fleisch.

Friedrich Ludwig Walther fragte 1817, ob die „Hundswuth“ nur Hunden in bestimmtem Klima „zueigen sei“, und erklärte sie auch damit, dass Hunde zu „heftigsten Leidenschaften“ neigten: „Je erzürnter sie sind, desto bösartiger ist ihr Biß“. Er empfahl als Heilmittel in die Wunde geträufelte und mit Wasser verdünnte Salzsäure. Auch hätten sich Menschen durch Verzehr eines „Maiwurms“ (Ölkäfer) vom Biss eines „wüthenden“ Hundes geheilt. Das beste Mittel gegen die „Wuth“ sei das Blut einer in der Ukraine lebenden wilden Ente. Weiter fragte er: „Ist also vielleicht der gereizte, aber nicht befriedigte Geschlechtstrieb eine Hauptursache der Wuth?

Noch 1832 schrieb Theobald Renner in seinem „Wörterbuch der Thierheilkunde“, dass „die Tollwuth bei Hunden, Wölfen, Füchsen und Katzen ursprünglich entsteht…“. Erst im späten 19. Jahrhundert entdeckte Victor Galtier ein Virus als Auslöser.

Hunde besitzen in den Muskeln der Zunge ein Knorpelgewebe. Dieser „Tollwurm“ galt früher als Brutstätte der Tollwut, und die Zeitgenossen zogen ihn den Hunden heraus, die dabei schlimmste Schmerzen erlitten.

In Berlin trat seit dem 20. Februar 1767 der Erlass zum „Tollwurmschneiden“ in Kraft. Hundebesitzer, die die Wurmschneider nicht einschalteten, mussten 50 Thaler Strafe zahlen. Der Preußenkönig Fried - rich II., der für den „Tollwurm-Erlass“ die Verantwortung trug, war indessen kein Hundehasser. Seine Windhunde bekamen die beste mögliche Medizin. So erhielt Friedrichs Lieblingshund Thisbe gegen Würmer und Darmbeschwerden „JaluppenHartz“, Leinöl und Seife.

1789 schrieb der öffentliche Lehrer über die Thierarzneykunst Joseph Fehr richtig, „daß das Schneiden des so genannten Tollwurms (…) ein abergläubisches Vorurtheil sey.

Die Staupe und die Stuttgarter Hundeseuche

1782 gab es in Hannover eine Vorlesung über die „Hundeseuche“ (Staupe). May nannte die Staupe 1854 das „Chamäleon der Hundekrankheiten“. Eichbaum schrieb in seiner „Geschichte der Thierheilkunde“ 1885 von der Staupe „nach zween Tagen floss aus der Nase und dem Maul eine eitrige Materie; am sechsten Tag der Krankheit starben sehr viele; eine angina war’s, die sie hinwegraffte.“

Ärzte verwechselten Staupe mit Hepatitis contagia canis oder der Tollwut. 1905 klärte Carré schließlich die Virusätiologie: Er rief bei Versuchshunden mit dem Nasenausfluss erkrankter Tiere eine Infektion herbei. Die Tiere entwickelten die typischen Symptome und starben nach 5-6 Tagen. Jetzt filterte er das Nasensekret heraus und wiederholte den Versuch. Jede neue Injektion des Sekrets löste wieder die Krankheit aus.

Seit den 1960er-Jahren gibt es eine reguläre Impfung, und die Krankheit, die mit zu den häufigsten Todesfällen bei Hunden sorgte, kam unter Kontrolle.

1852 wurde die Leptospirose bei Hunden beschrieben - als „Hundetyphus“. 1899 dokumentierte Klett sie auf einer Stuttgarter Hundeausstellung, weshalb sie als „Stuttgarter Hundeseuche“ bekannt wurde.

Leptospiren sind Schraubenbakterien. Befallene Hunde verlieren den Appetit, fiebern und erbrechen sich. Die Bakterien verursachen innere Blutungen, die Schleimhäute im Rachen, Magen und Darm entzünden sich, die Nieren versagen. Ist die Lunge befallen, husten die Hunde Blut, und viele sterben. Heute gibt es eine Impfung, und bei Ausbruch helfen Antibiotika.

Aderlass und Krähenaugen

1690 ist eine Bluttransfusion überliefert. Demnach leitete Johann Dolaeus aus Kassel das Blut eines gesunden jungen in die Adern eines abgemagerten und von Räude befallenen alten Hundes. Angeblich ging daraufhin dessen Räude zurück und der alte Hund nahm an Gewicht zu.

Bis auf die Tollwut war Forschung an Hundeerkrankungen rar. Hieronymus Waldinger, Professor für Tierheilkunde in Wien, entschuldigte sich 1818 sogar dafür, sich mit Hundekrankheiten zu befassen, da der Hund „wegen seiner großen Fruchtbarkeit leicht zu ersetzen sei“. Delabere Blaine und William Youatt veröffentlichten 1810 und 1848 wegweisende Abhandlungen über „Dis - eases of Dogs“, und C. H. Hertwig publizierte 1853 „Die Krankheiten der Hunde und deren Heilung“.

Friedrich Ludwig Walther erörterte 1817 ausführlich Infektionen, Vergiftungen, Symptome und die Arten, sie zu behandeln. So schrieb er: „Wenn Hunde das Aderlaßblut milzkranken Rindviehes auflecken (…) bekommen sie dieselbe Krankheit und krepiren.“ Manche seiner Ansichten wirken hingegen kurios. So sollten Krähenaugen für Hunde tödlich sein.

In seinem berühmten Falkenbuch („De arte venandi cum avibus“ - „Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen“) beschreibt der Stauferkaiser Friedrich II. auch die medizinische Versorgung der Vögel; das Werk ist ein Lehrbuch über die Beizjagd und Vogelkunde, das zwischen 1241 und 1248 von Friedrich II. in lateinischer Sprache verfasst wurde (Arnstein, Kloster-Bibliothek, Faksimile einer Handschrift des Falkenbuchs).


Gegen „anfangenden Krebs im Behang“ empfahl er, ein auf Kohlen hart gebratenes Ei der Länge nach aufzuschneiden, jeweils eine Hälfte auf jeweils eine Seite der Wunde zu legen und dort so lange zu lassen, bis es kalt werde, dann bliebe der Schorf daran haften und die Wunde heile.

Katzen sind wertlos

Bis ins 19. Jh. wurden Krankheiten von Katzen kaum behandelt. So beschreibt ein „Handbuch der Thierheilkunde“ 1831:

Ueberhaupt unternimmt man es selten, eine Katze zu behandeln, sondern man bringt sie gewöhnlich um, oder laesst sie hülflos crepieren, was wegen der verhältnismäßigen Werthlosigkeit dieser Thiere sehr natürlich ist.

Erst, als das Bürgertum Kleintiere wie Hunde und Katzen als Haustiere und Teil der Familie „privatisierte“, entstanden Kleintierpraxen und wurde die Behandlung dieser Heimtiere eine Einnahmequelle. Zum Rassehund kam die Rassekatze, und beide genossen als Luxus „richtige“ Medizin, während bei der bäuerlichen Bevölkerung Tierheilkunde weiterhin primär für Nutztiere von Interesse war.

Im 19. Jh. entstanden die modernen Zoologischen Gärten, deren Direktoren häufig Tierärzte waren. Schwerpunkte der Zooveterinäre waren Parasiten- und Seuchenbekämpfung, Tierernährung und in jüngerer Zeit behavioral enrichment (artgerechte Aktivierung von Geist und Körper) und Geburtenkontrolle. In den 1870er-Jahren verfasste Dr. Max Schmidt, Direktor des Frankfurter Zoos, das erste Lehrbuch der Zootiermedizin als systematische Dokumentation der Zootiererkrankungen.

Die Moderne bedeutete für die Veterinärmedizin einen Quantensprung. Anja Schulz schreibt:

„Erst die (…) bakteriologischen Entdeckungen am Ende des 19. Jh. führten zum Umdenken im Verständnis des Krankheitsgeschehens. Viele Erreger wurden als Krankheitsursache erkannt (…) und konnten (…) bekämpft werden. Gleich zeitig wurde die aktive und passive Immunisierung eingeführt.“

Gegen 1920 war Knochenchirurgie bei Hunden weit fortgeschritten, das gleiche galt für die Labordiagnostik. Seit etwa 1950 stehen regelhaft Impfstoffe und Immunsera zur Verfügung. Das freie Niederlassungsrecht für Tierärzte führte zu einer hohen Praxisdichte an Kleintierpraxen, sodass der Verdienst für einzelne Tierärzte und Tierärztinnen heute oft nicht ausreicht.

Der Aufstieg der Tierärzte

Der Tierarzt Benjamin Lamp schreibt in seiner Dissertation: „Mit dem Rückgang der Pferdehaltung und der fortschreitenden Mechanisierung änderte sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh. die Einstellung zu Hausund Begleittieren. Hunde und Katzen, die vorher nur selten in der tierärztlichen Praxis vorgestellt wurden, erfuhren eine zunehmend hohe subjektive Wertschätzung und wurden die wichtigsten Patienten der Tiermediziner in den Städten.“

Tiermedizin ist heute einer der anspruchsvollsten Studiengänge überhaupt. Es gibt nicht nur Groß- und Kleintierpraxen, sondern Zootierärzte, Reptilienexperten, Veterinäre fürZier- und solche für Nutzfische. Das liegt zum einen am technischen Fortschritt, zum anderen aber an veränderten Haltungsgewohnheiten und der Schwemme an exotischen Vögeln, Reptilien, Amphibien und Fischen: Ein Kleintierarzt vor 30 Jahren bekam vielleicht einmal eine griechische Landschildkröte in die Praxis, mit Infektionen eines Pfeilgiftfrosches wäre er hingegen überfordert. Ein boomender Markt mit exotischen Tieren erfordert heute Fachleute, die deren Krankheiten kennen - Haustierärzte werden zu Wildtierärzten.

Dem entgegen stehen „Tierheilpraktiker“, die keine veterinärmedizinische Befugnis haben und auch keine Ausbildung vorweisen müssen, die ihnen tiermedizinische Kenntnisse vermittelt hätte. Sie sind in einer juridischen Grauzone tätig und dürfen all das nicht, was Tierärzten vorbehalten ist. Behandlungen von „Tierheilpraktikern“ reichen von evidenzbasierter Komplementärmedizin, Naturheilkunde und Phytotherapie bis hin zu längst falsifizierten Glaubenskonstrukten aus Naturtheologie und Esoterik.

Diese Darstellung aus dem „Livre de la Chasse“ (Das Buch von der Jagd, 1397-89) des Gaston Phoebus zeigt wichtige regelmäßige Pflegemaßnahmen für die herrschaftlichen Jagdhunde, darunter Fell-, Maul-, Pfoten- und Krallenpflege (Burgund, Handschrift von 1407).


Mini-Pigs und die Befruchtung im Reagenzglas

Während also auf der einen Seite des Spektrums Sumpfblumen aus dem Schwurbelmuseum der Vorwissenschaft als „alternative Methoden“ aufblühen, kamen 2015 im Bundesstaat New York die ersten Hunde nach einer Befruchtung im Reagenzglas zur Welt. Heute ist dies die letzte Hoffnung für das direkt vor dem Aussterben stehende Nördliche Breitmaulnashorn, von dem es nur noch zwei Weibchen und gefrorenes Sperma von „Sudan“ gibt - dem letzten verstorbenen Bullen. 2019 gelang es, jeweils fünf Eizellen der Weibchen Fatu und Najin zu befruchten.

Neue Kuscheltiere bringen Kompetenzprobleme: Ein Mini-Pig bleibt rechtlich ein Schwein, auch wenn es im Ehebett schläft, und ein Kleintierarzt darf es nicht behandeln.

Verändert hat sich auch die Tierethik: Haustiere werden nicht nur immer älter, nach dem Tierschutzgesetz ist es zudem verboten, ohne einen vernünftigen Grund ein Wirbeltier zu töten - und Alter ist kein vernünftiger Grund. „Gnadenhöfe“ unterliegen heute nicht mehr der Gnade, also der Willkür, sondern sind ein Recht, und die Zahl der Hospize für Tiere stieg innerhalb weniger Jahre von zehn auf 130.

Literaturhinweise: Utz Anhalt: Der Werwolf. Ausgewählte Aspekte einer Figur der Mythengeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Tollwut, Magisterarbeit Geschichte, E-Text im historicum net unter hexenforschung Norbert Benecke: Der Mensch und seine Haustiere - Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung, Stuttgart 1994 Angela von den Driesch, Joris Peters: Geschichte der Tiermedizin - 5000 Jahre Tierheilkunde, 2. Aufl., Stuttgart, New York 2003 Friedrich Eichbaum: Grundriss der Geschichte der Thierheilkunde für Tierärzte und Studierende, Berlin 1885 Benjamin Lamp: Entwicklung der Zootiermedizin im deutschsprachigen Raum, Gießen 2009


Alfred Martin: Geschichte der Tollwutbekämpfung in Deutschland. Ein Beitrag zur Volksmedizin. Aus den Hessischen Blättern für Volkskunde, Band XIII, Gießen 1914 Anja Schulz: Die Geschichte der Tierkrankheiten unter besonderer Berücksichtigung der Ferkelgrippe, Inaugural- Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin, Berlin 2010


Internetlinks:
http://www.diss.fuberlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/ FUDISS_derivate_000000009629/Schulz,_A nja_online.pdf Näheres über die Selbsttäuschung bei der homöopathischen Behandlung von Hunden unter: http://www.beweisaufnahmehomoeopathie. de/?p=1176 Zum Placebo-Effekt: http://www.beweisaufnahme-homoeopathie. de/?p=1072 http://www.tiermedizinportal.de/tierkrankheiten/hundekrankheiten/ leptospirose-beim-hund/030503 https://sammlungen.ulb.unimuenster. de/hd/content/titleinfo/889454: Joseph Fehr: Etwas über die Hundswuth. Münster 1789

Was dem Menschen lieb und teuer ist, das pflegt er. Hinsichtlich der Tiermedizin gilt das während der vergangenen Epochen in Adelskreisen vor allem für die in vielerei Hinsicht so wichtigen Pferde, aber auch für die Tiere, die zur Jagd eingesetzt wurden, wie Hunde und Vögel. Auch die Haus- und Schoßtiere kamen nicht zu kurz. Die einfache Bevölkerung hingegen verfuhr bei der Behandlung des Nutzviehs mit ähnlich abenteuerlichen Methoden und Mittelchen wie an sich selbst. Doch wie in allen wissenschaftlichen Bereichen, so war auch auf dem Gebiet der Tierheilkunde die islamische Welt dem mittelalterlichen Abendland weit voraus.

Die Säftelehre

Tier- wie Humanmedizin fußten auf der Humoraltherapie, die Lehre von den Körpersäften. Hippokrates hatte sie begründet. Demnach gab es vier Säfte, nämlich Blut (sanguis), Schleim (phlegma), gelbe Galle (chole) und schwarze Galle (melanchole), die den vier Elementen Feuer, Erde, Luft und Wasser zugeordnet waren und vier Zuständen entsprachen: heiß, kalt, feucht und trocken. Gesund zu sein bedeutet, dass diese Säfte im Gleichgewicht (Eukrasie) sind - bei Mensch und Tier. Der Aderlass (Phlebotomie) diente dazu, das Gleichgewicht herzustellen; hierzu wurde das Blut nahe der erkrankten Körperstelle entnommen. Das Brennen (Kauterisierung) stammte ebenfalls aus der Säftelehre: Aus der „heißen“ Wunde sollten die krank machenden Säfte austreten. Bei Fieber wiederum musste das „Feuer“ gekühlt werden - mittels feuchter Tücher oder Eis.


Foto oben: Ahmed ‘Ata Tayyarzade: Healing a Horse Suffering from Colic with Old Wine and Olive Oil, 1271 AH/AD 1854-1855, Walters Art Museum, Baltimore

Foto: Intestinal system of a Horse, Wellcome Collection

Foto: Rama; Courtesy of Musée des beaux-arts de Lyon

Foto: Codex 78 C 15, fol. 45 r, Staatliche Museen zu Berlin

Foto: Codex 78 C 15, fol. 10 r, Staatliche Museen zu Berlin

Foto: Codex 78 C 15, fol. 22v, Staatliche Museen zu Berlin

Foto: Codex 78 C 15, fol. 35r, Staatliche Museen zu Berlin

Foto: Codex 78 C 15, fol. 26 r, Staatliche Museen zu Berlin

Foto: Codex 78 C 15, fol. 39r, Staatliche Museen zu Berlin

Foto links: Frontispiece „Markhams Maisterpeece …, a book about horses and horsecraft including blacksmiths, farriers, and veterinarian medicine, 1636, Wellcome Collection

Foto oben: wikimedia commons, Franzfoto

Foto: MS Fr. 616, fol. 40v., Bibliothèque Nationale de France, Paris

Foto: Stundenbuch des Herzogs von Berry, um 1440; Ms.65, f.12, Musée Condé

Foto: Gesta Romanorum, um 1452; Badisches Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Donaueschingen 145, fol. 25r