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Aus der Mitte


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Hifi Test TV Video - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 02.09.2022
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Bildquelle: Hifi Test TV Video, Ausgabe 5/2022

Nerläuterte er kurz die prinzipiel-Natürlich le Technik dahinter, aber als ich später zu dem Thema zu recherchieren begann fand ich heraus, dass „Compound“ und „Isobarik“ zwei Bezeichnungen für praktisch dasselbe Ladeprinzip im Bassbereich sind. Das brachte mir eine erste Teilerleuchtung, denn Isobarik verbindet man üblicherweise mit Linn, die schon 1973 ihren originalen Isobarik DSM Lautsprecher auf den Markt brachten. Aber auch das ist noch nicht die ganze Geschichte. Das „isobaric loading principle“, also das isobarische Ladeprinzip (für den Bassbereich) bas(s)iert auf einem Patent von Harry F. Olson. Und der ist einer der Pioniere und größten Genies des Lautsprecherbaus überhaupt. Olson arbeitete die meiste Zeit seines Arbeitslebens für RCA und zeichnete für zig-Patente verantwortlich. Es würde Bücher füllen, ausführlich über seine Innovationen schreiben zu wollen, aber das für uns relevante ...

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... US Patent 2688373 aus dem Jahr 1954 beschreibt einen sogenannten „Sound Translating Apparatus“, also eine Klangwiedergabegerätschaft und in Klammern:“Second Speaker Inside The Cabinet“, also mit einem zweiten Lautsprecher im Gehäuse. Mit seinem Buch „Acoustical Engineering“ verfasste Olson dann 1957 eine Art Bibel moderner Lautsprecher- und Mikrofonentwicklung.

Die von Linn später patentierte Anordnung der Bässe in einem versiegelten Gehäuse in Phase, wie sie in ihrem Isobarik Lautsprecher verwendet wurde, bekam den Namen also vom beschriebenen Olsen-Prinzip, bei dem zwei Bässe entweder mit ihren Membranen oder den Magneten gegeneinander im Innern des Gehäuses montiert wurden. Linn hingegen verwendete eine Variante des isobaren Prinzips und ließ 1974 die Verwendung von zwei hintereinander montierten Treibern patentierten, die parallel angesteuert wurden, um die Lautstärke maximal zu verdoppeln und den Tiefbass deutlich zu erweitern. So werden sie auch in der Cito Audio DBC-8K montiert und so kennt man das Prinzip auch als „Compound“.

An dieser Stelle habe ich eine schöne Anekdote für Sie. Nach einem ausführlichen Gespräch mit Detlef Bosse stellte sich heraus, das er ursprünglich auch nichts vom technischen Hintergrund oder der Historie dieses Ladeprinzips wusste. Wie kann es dann sein, dass er sich

Hatte ich vorhin die Probleme der Compound-Technologie angesprochen? Nun dazu gesellen sich gemeine Impedanzsenken und sehr leistungshungrige Woofer. Kein Wunder, dass Bosse so lange an der Technik herum entwickelt hat und sie Hersteller wie Isophon, T+A oder Dynaudio meist aufgegeben haben. Eingespielt werden die späteren Cito Audio Chassis ganze 200 Stunden. Die 18db Weiche der DBC-8K ist mit wenigen feinen Teilen aufgebaut, über die sich Detlef Bosse ausschweigt. Herumbasteln sollte man übrigens an seinem Lautsprecher nicht, denn man wird die Chassis zerstören. Das hindert den Bastler an Optimierungsversuchen, die Detlef Bosse verständlicherweise für sinnlos hält. Und eines darf man nach seiner dreißig Jahre daran abarbeitete, bis er es nun endlich in den Griff bekam? Nun, ganz einfach. Als lebenslanger Lautsprechertüftler und späterer Entwickler dachte er sich irgendwann, dass es doch eine gute Idee sein müsse, zwei Basslautsprecher parallel hintereinander zu betreiben, um einen tieferen Bass auch in einem kleineren Gehäuse realisieren zu können: doppelter Antrieb, weniger bewegte Luft, das musste einfach funktionieren. Tat es aber nicht wirklich. Die Resonanzen des vom Magneten des vorderen Basstreibers zurückreflektierten Schalls sind logischerweise erheblich, der Wirkungsgrad sinkt um 3db und auch sonst gab es einige Probleme, die sich hauptsächlich aus unpassenden Treibern für so kleine Volumen, wie Bosse sie haben wollte, ergaben. Denn mit den falschen Treibern ging der Bass vielleicht tief, klang aber schlapp und lahm.

Schneller Vorlauf in die Jetztzeit und zu unserem Testkandidaten, dem Cito Audio DBC-8K. Die kryptisch wirkende Nomenklatur kann ich leicht für Sie dechiffrieren: „DB“ steht für Detlef Bosse, „C“ für Compound, die „8“ für den Durchmesser der Bässe (8inch, das sind rund 20cm) und „K“ für Kalotte. Es gibt auch eine Version mit Air Motion Transformer (AMT), die dann DBC-8A heißt. Alles klar? Die beiden Tiefmitteltöner aus italienischer Fertigung mit ihren beschichteten Papiermembranen und Ferritmagneten, die aus klanglichen Gründen gewählt wurden, öffneten Detlef Bosse mit ihren technischen Daten schließlich die Tür zu diesem Projekt. Sie sitzen in einer 8cm langen Kammer innerhalb des Innenvolumens. Um die angesprochenen Reflexionen vom Magneten des vorderen Treibers auf die Membran des hinteren zu unterbinden, hat Bosse diesen Magneten mit Dämmmaterial umkleidet. Die Kammer ist hinten ebenfalls bedämpft und auch die 22mm starken MDF-Wände des Gehäuses wurde innen mit einem leichten, eher harten High-Tech-Material aus dem Automobilbau beruhigt. Baut man die Magnet-an-Magnet-Variante, erübrigt sich das Bedämpfen wohl, doch hier lauern andere Fallen. Bosse hätte seinen Lautsprecher übrigens auch „28“ nennen können, denn er hat ein Innenvolumen von 28 Litern, wiegt pro Stück 28kg und geht bis 28Hz runter.

Interessant ist auch die gnadenlose Auswahl die Detlef Bosse bei seinen Chassis betreibt und das ist nur ein Teil seiner Gesamtselektion. Hört man ihm zu, wird schnell klar, wie seine Preiskalkulation zustande kommt. Ein Beispiel: obwohl der Preis der „A“ und der „K“-Version derselbe ist, kostet ein AMT etwa sechsmal so viel wie eine Kalotte. Von denen braucht Bosse allerdings ganze sechs Stück aus einer zuvor schon spezifizierten und selektierten Charge, um einen perfekten für seinen Lautsprecher zu finden. Zurückgeben kann er die anderen fünf zwar nicht, doch er kann sie für Seitenprojekte nutzen, die sich aus seiner Zeit als Beschallungsspezialist (auch heute noch ein Geschäftszweig) und Tontechniker generieren lassen. So kommen Bässe in Subwoofer und Breitbänder oder Hochtöner in Line Array Anordnungen, wo die Toleranzen nicht so hoch sein müssen bzw. nicht im verwendeten Frequenzbereich liegen.

Erfahrung bei dieser Art von Lautsprecher auch nicht tun, nämlich den Frequenzgang messtechnisch geradebiegen und optimieren. Dadurch verliere er seinen Charakter und auch diesen tiefen, knackigen, schnellen Bass, der ihn ja so besonders macht. Apropos schnell - „cito“ ist lateinisch und bedeutet „schnell“. Dann haben wir das auch geklärt und kommen zum Klang.

Sicher und vibrationsfrei finden die Lautsprecher auf ihren Ständern, die auch aus 22mm MDF gefertigt und perfekt lackiert sind, Platz. Leicht eingewinkelt ergibt sich dann mit den DBC-8K im Hörraum eine ungeheuer angenehme Abstrahlung ohne engen Sweetspot, genau so, wie ich das gerne habe. Ein enger Sweetspot mag für einen Toningenieur, der fest an seinem Arbeitsplatz sitzt, ideal sein. Ich will mich aber bewegen können, ohne dass das Klangbild zusammenbricht und genau so kann ich das mit diesen Lautsprechern, die zudem eine sehr realistische Raumabbildung generieren. „Lunático“ vom Gotan Project ist eine Aufnahme, die mich ohnehin nicht still sitzen lässt. Die Mischung aus lässigem Elektroswing und Tango finde ich einfach unwiderstehlich und genau so erlebe ich sie jetzt mit der DBC-8K: sehr geschmeidig und blitzschnell in den Transienten, nicht zuletzt im Bassbereich, der tatsächlich sehr tief geht. Dabei kommt die Musik direkt aus der Mitte, was kein Wunder ist, denn Detlef Bosse liebt ja Breitbänder. Toll klingt das, organisch, fluffig, dynamisch kompetent und tonal wunderbar.

Emmylou Harris´ Stimme auf Bob Dylans „Every Grain Of Sand“ von „Wrecking Ball“ tönt ausgesprochen natürlich, was bei ihr nicht immer der Fall ist. Das rührt auch daher, dass die Cito Audio Lautsprecher zwar gut auflösen, aber keine Erbenszähler sind. Anders herum, ihr Hochtonbereich ist minimal zurückhaltend, aber perfekt mit den Tiefmitteltönern eingebunden. Wer unbedingt mehr Energie im Hochton möchte, kann sich ja die A-Version mit dem AMT anhören. Und was macht die DBC-8K mit den Bassschweinereien von Daniel Lanois auf Harris‘ Aufnahme? Wieder notiere ich mir das Adjektiv „lässig“. Locker und ungerührt pumpt sie die extrem anspruchsvollen subsonischen Impulse in den Raum, ohne dabei je ins Schwitzen zu kommen. Großes Kompliment: diese Musik hat schon ganz andere Lautsprecherkaliber ins Stolpern gebracht.

Fazit Der Preis für die Cito Audio DBC-8K Lautsprecher ist heiß, doch dafür bekommt man ein in Deutschland höchstwertig entwickeltes und produziertes Produkt mit Langzeit-Hörtauglichkeit, großem Spaßfaktor, bester Verarbeitung und einem Bass, der für die Größe wirklich unerhört ist.

Christian Bayer