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AUS SEN GRAU, INNEN WOW?


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 22/2022 vom 02.06.2022
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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 22/2022

Jaguar E-Pace, BMW X2 und Mercedes EQB: alle mit Allrad, Automatik und rund 300 PS

BMW X2 M35i 19,20 Euro*/100 km ab 58 200 Euro

Jaguar E-Pace P300e 14,36 Euro*/100 km ab 59 380 Euro

Mercedes EQB 350 8,15 Euro*/100 km ab 58 197 Euro

GRAU IST NEBEN AL- LER THEORIE auch die Lieblingsfarbe bei deutschen Autos.

Letztes Jahr trugen drei von zehn neu zugelassenen Fahrzeugen diese Lackierung, unser Vergleichsfeld erfüllt die Quote sogar zu 100 Prozent. Um also Farbe ins Spiel zu bringen, haben wir das Teilnehmerfeld bewusst bunt gemischt.

Auslöser der ganzen Geschichte ist der Jaguar E-Pace P300e, der als Plug-in-Hybrid jetzt die Kraft der zwei Motoren nutzt. Zu ihm gesellt sich der BMW X2 M35i mit reinrassigem Ottomotor. Und zu guter Letzt darf auch ein Vollelektriker nicht fehlen. Da es den passenden Mercedes EQA gerade nicht gab, wählten wir den Mercedes EQB 350. Gleiche Technik wie sein kleiner Bruder, nur deutlich nutzwertiger. Und nach Abzug der Förderung immer noch günstiger ...

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... als der X2.

DAS BIETEN SIE: E-PACE MIT DEM BESTEN DESIGN

Etwas unbeholfenen der X2, eher kastig der EQB – optisch liegt der E-Pace vorn. Doch hier zählen die inneren Werte. Und da sieht die Sache anders aus.

Der deutlich längere Mercedes verwöhnt in beiden Sitzreihen mit mehr Bewegungsfreiheit, 2,83 Meter Radstand lassen groß gewachsene Schönheiten auch im Fond noch entspannt die Beine überschlagen.

Sitzt vorn der AUTO BILD-Durchschnittsfahrer, spendiert der EQB hinten satte acht Zentimeter mehr Knieraum. Bei Jaguar und BMW werden da deutlich mehr Zugeständnisse verlangt, stoßen wir in allen Richtungen eher an Grenzen.

„Vollelektrisch, teilelektrisch oder gar nicht elektrisch – mit welchem Strommix fahre ich aktuell am besten?“

Gerald Czajka, Redakteur

Beim E-Pace fällt zudem auf, dass nur er auf eine Neigungsverstellung der Rückbanklehne verzichtet und die hinteren Scheiben nur bei ihm nicht komplett in der Tür verschwinden.

Beim BMW erschwert dafür der recht hohe, breite Schweller den Einstieg. Und ganz ohne Kritik kommt auch der Stern nicht davon. Wegen des im Unterboden platzierten Akkus hocken wir in Reihe zwei sehr dicht über dem Flur, berühren die bequemen Polster fast ausschließlich mit dem Po. Der Abstand zwischen Sitzfläche und Fußboden beträgt gerade mal 325 Millimeter – E-Pace (360 mm) und X2 (375 mm) erlauben hier eine entspanntere Sitzhaltung.

Aus Fahrersicht erweist sich der immerhin schon vier Jahre alte X2 als echter Glücksgriff.

Nicht nur die gut unterstützenden Polster und das ambitionierte Qualitätsniveau gefallen, vor allem die Bedienung über den klassischen iDrive-Knubbel gelingt immer noch tadellos und weitgehend intuitiv.

Okay, der Benz ist da moderner, kann auch die Klimafunktionen über Sprachbefehle steuern und lässt mit seinem aufmerksamen MBUX-System nichts anbrennen. Die freundliche Stimme im Hintergrund versteht fast alles, gibt sogar Auskunft über den Wartungsbedarf. Die Verarbeitungsqualität liegt erwartungsgemäß hoch, die vielfältig einstellbaren Sitze könnten unsere Haltung in Kurven aber gern aktiver unterstützen.

JAGUAR E-PACE P300e AWD

Stilvoll eingerichtet: Bequeme Ledersitze, sogar die Beinauflage ist elektrisch verstellbar, Seitenhalt geht aber besser (1). Hübsch gemachter Arbeitsplatz mit digitalen Instrumenten (2), zentraler Touchmonitor und Klimaregler aber recht tief platziert (3). Achtstufenautomatik beim Plug-in Serie, mit massigem Schaltknauf und zuweilen verschlafenen Reaktionen (4). Platzangebot hinten für Passagiere über 1,90 Meter eingeschränkt, der Lehne fehlt die Neigungsverstellung (5).

Im Jaguar fällt zunächst das stilsichere Ambiente mit großem Touchmonitor plus Klimadrehknöpfen darunter auf. Auch die Materialqualität stimmt, allerdings scheppert der E-Pace auf schlechten Strecken deutlich mehr als seine Mitstreiter. Die Klimaeinstellung gehorcht auch hier aufs Wort (ohne Sitzheizung), die Worte sollten aber den Jaguar-Vorgaben entsprechen – frei formulierte Wünsche versteht der Brite kaum.

Die Sitze des E-Pace lassen im Lehnenbereich Seitenhalt vermissen, an der breiten Mittelkonsole ecken große Piloten mit dem rechten Bein stets an. Und beim Schulterblick nervt dann die coupéhafte Form (wie BMW), hier bietet Mercedes die besten Aussichten.

BMWX2 M3 5i

Klassische BMW-Linie: Ebenso vertrautes wie funktionales Cockpit mit konventionellen Rundinstrumenten (1) und weit oben aufgesetztem Navi-Bildschirm (2). Klimaregler darunter zu tief platziert, Achtstufenautomatik beim M35i ohne Aufpreis (3). Unser Test-X2 kam mit den optionalen M-Sportsitzen (500 Euro).

Sie bieten guten Halt und Komfort, die integrierte Kopfstütze kann für Sitzriesen zu kurz sein (4). Platzangebot hinten mäßig, Sitzposition aber gut (5).

SO FAHREN SIE: DER X2 GIBT EINDEUTIG DEN SPORTLER

Um die 300 PS bietet jeder der drei Kompakt-SUV, am leckersten fühlen sie sich im BMW an. Der Zweiliter-Vierzylinder des X2 M35i geht mächtig zur Sache, knackt die 100 km/h unter fünf Sekunden und Tempo 200 unter 20 Sekunden – keine Chance für seine Mitstreiter.

Der Jaguar mit dem Mix aus 1,5-Liter-Dreizylinder und E-Maschine wirkt besonders oben heraus zugeschnürt und benötigt fast eine ganze Minute bis 200 km/h. Auch eine Gewichtsfrage, der E-Pace wiegt mit 2170 Kilogramm minimal mehr als der Elektro-Benz und eine halbe Tonne mehr als der BMW.

MERCEDES EQB 350 4MATIC

Gediegen, trotzdem modern: Vernünftig dimensionierte Sitze mit gutem Langstreckenkomfort empfangen die Gäste (1). An das Cockpit mit den digitalen Instrumenten (2) und dem sehr gut funktionierenden MBUX-System mit großem Touchmonitor (3) haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Weil der Automatikhebel am Lenkrad sitzt, bleibt in der Mitte viel Platz, etwa fürs Touchpad (4). Platzangebot in der zweiten Reihe großzügig, Sitzbank aber viel zu flach (5).

Der Mercedes tritt aus dem Stand zwar mit voller Elektro-Wucht an, darf aber nicht schneller als Tempo 160. Dabei bleibt der Benz immerhin wunderbar leise, während der Bayer sehr verheißungsvoll, aber auch leicht künstlich klingt. Jaguar hat seinen Dreiender gut gedämmt und lässt leicht sportliche Töne anklingen.

Die verstummen allerdings schnell wieder. Die Lenkung gibt sich aus der Mittellage übertrieben spitz und wird dann übertrieben taub.

Kein Vergnügen. Die Federung arbeitet manierlich, kommt auf Flickenteppichen aber schon mal ins Stolpern.

Richtig komfortabel bügelt der Benz auch über übelste Pisten. Seine weichen Federn lassen wenig Unruhe ins Fahrzeug, der tiefe Schwerpunkt schafft eine souveräne Straßenlage, die ausgewogene Lenkung sorgt für entspannte Fahrt in allen Lebenslagen.

Beim BMW ist Komfort dagegen eher Nebensache. Das straffe Fahrwerk mit den kurzen Feder-wegen stanzt grobe Fahrbahnfehler direkt in die Bandscheiben der Gäste und lässt sie schon mal leicht aus dem Sitz gehen, zusammen mit der direkten (nur auf der Autobahn nicht ganz sauber Kurs haltenden) Lenkung bereitet der X2 in Kurven und auf abgesperrten Pisten aber mächtig Spaß. Nur nicht übertreiben, bei schnellen Richtungswechseln knickt der Bayer hinten leicht ein und zuckt mit dem Hinterteil. Kein Drama, aber gut zu wissen.

DAS KOSTEN SIE: GÜNSTIGER ALS DER EQB FÄHRT KEINER

Dass der Stern hier den Preis-Leistungs-Sieg einfährt, hat einfache Gründe. Im Vergleich zu Benzin ist Strom aktuell richtig günstig.

Und dann gibt es immer noch den Umweltbonus, der beim Benz 7975 Euro ausmacht (Jaguar 5981,25 Euro). So liegt der BMW als Einziger über 60 000 Euro, muss aber nur alle zwei Jahre zur Wartung (E-Pace und EQB jährlich).

Das finden wir sehr praktisch.

PLATZIERUNG Punkte maximal 800

1. Mercedes EQB Klarer Sieg – nicht durch den Raumvorteil, sondern durch tollen Komfort und billigen Strom. 573 Punkte

2. BMW X2 Ein Bayer, wie er im Buche steht – kraftvoll, kernig, klasse. Verlangt bei Platz, Komfort und Preis Nachsicht. 515 Punkte

3. Jaguar E-Pace Stilvoller Beitrag zu einem schöneren Straßenbild – Schwächen wie X2, zudem weniger sportlich. 508 Punkte

FAZIT

GERALD CZAJKA, BEREND SANDERS

Dieser Vergleich wird auch von der aktuellen Lage entschieden. Weil Sprit momentan extrem teuer ist, kann sich der Vollelektriker EQB am Ende durchsetzen.

Der X2 als Verbrenner und der E-Pace als Plugin sind kleiner und auch weniger komfortabel, lassen sich derzeit einfach nicht so günstig betreiben. Ihren Reiz haben sie aber trotzdem.