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Aus Versehen Sterneköchin


Frau im Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 36/2021 vom 01.09.2021

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Artikelbild für den Artikel "Aus Versehen Sterneköchin" aus der Ausgabe 36/2021 von Frau im Spiegel. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Frau im Spiegel, Ausgabe 36/2021

DEUTSCHLANDS STERNE- KÖCHINNEN IM PORTRÄT

Die schönsten Geschichten schreibt doch immer noch das Leben selbst. Eine von ihnen hat Alexandra Müller, 41, zu erzählen. Als sie 2011 mit ihrem Ehemann das Hotel „L’Etoile“ im schweizerischen Charmey übernahm, waren die Rollen klar verteilt: Er kocht, sie leitet den Empfang und kümmert sich um die Kinder. Alexandra Müller ist zwar selbst gelernte Köchin, doch seit 2005 hatte sie hauptsächlich im Hotelge-werbe gearbeitet. Nach der Trennung 2014 führte die gebürtige Frankfurterin die Geschäfte alleine weiter. Fürs Hotel-Restaurant „Nova“ heuerte sie einen Küchenchef an. Der aber machte sich 2018 über Nacht aus dem Staub! Alexandra Müller hatte keine Wahl, als sich nach über zehn Jahren Abstinenz wieder an den Herd zu stellen. Ihr Einsatz wurde belohnt: Nur ein Jahr später erhielt die Mutter zweier Söhne, Noah, 11, und Louis, 8, für ihre ...

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... Kochkünste einen Michelin-Stern. Zwei ihrer liebsten Rezepte können FRAU IM SPIE-GEL-Leserinnen exklusiv nachkochen.

Frau Müller, Hand aufs Herz: Sind Sie Ihrem Küchenchef noch böse – oder dankbar?

Im Nachhinein hätte mir nichts Besseres passieren können. Schicksal oder auch nicht – an dem Tag, als er ging, blieb mir ja gar nichts anderes übrig als in die Küche zurückzukehren. Und da habe ich erst gemerkt, wie sehr mir das gefehlt hat und wie viel Spaß mir das Kochen macht. Ich musste mich natürlich erst wieder einfinden, aber Kochen ist wie Fahrradfahren – das verlernt man nicht.

Trotzdem war es zunächst sicher nicht einfach?

Nein, ganz und gar nicht. Ich hatte ja überhaupt nicht damit gerechnet, dass mein Küchenchef einfach so abhaut. Das kam wirklich völlig überraschend, er hatte nichts angedeutet. Und ich musste dann alleine zusehen, wie es weitergeht. Ich stand vor der Wahl: gutbürgerlicher Gasthof oder gehobene Gourmetküche? Ersteres wäre wahrscheinlich einfacher gewesen, aber es hätte mich vielleicht auf Dauer auch unterfordert. Der Besuch des Chefinspektors vom Michelin hat mir dann den entscheidenden Schubs in die richtige Richtung gegeben.

Wie lief das genau ab?

Ich wusste zunächst natürlich nicht, wer er ist. Nach dem Essen hat er sich aber recht schnell zu erkennen gegeben. Der Arme hat dann erst mal meinen ganzen Frust abbekommen – was ich mit dem Küchenchef erlebt habe und wie schwer es ist, gute Mitarbeiter zu finden. So etwas ist ihm sicherlich auch noch nicht passiert. Jeder andere Koch würde sich ja im besten Licht präsentieren, nur um den Stern zu bekommen. Ich hatte in dem Moment aber einfach – auf gut Deutsch gesagt – die Schnauze voll.

Wie hat der Chefinspektor darauf reagiert?

Es war ein ganz tolles und sehr motivierendes Gespräch. Ich war einfach von Grund auf ehrlich und habe ihm gesagt, wie es mir geht. Er l

l hat mich zu nichts überredet, aber er hat mich ermutigt, nicht aufzugeben. Ich habe mir daraufhin alles noch mal durch den Kopf gehen lassen und schließlich den Schritt in die gehobene Küche gewagt. Und ich bereue es nicht.

Wie sieht Ihr Tag heute als Hotelchefin, Köchin und Mutter aus?

Ich stehe mit den Kindern um kurz vor sieben Uhr auf und mache sie für die Schule fertig. Jetzt, wo sie etwas größer und selbstständiger sind, ist es natürlich auch für mich etwas leichter geworden. Dann bespreche ich mit meinen Hotelmitarbeitern den Tagesablauf und danach gehe ich auch schon in die Küche. Am Nachmittag versuche ich, der Kinder zuliebe eineinhalb Stunden Pause zu machen. Und abends geht es dann auch schon wieder weiter.

Was ist, wenn eines der Kinder krank ist? Wer springt dann ein?

Ja, das sind die Dinge, die man nicht vorher planen kann: das wahre Leben. Es passiert natürlich immer mal was. Der eine Sohn fällt hin und hat eine Wunde, die verarztet werden muss. Das ist natürlich ein zusätzlicher Stressfaktor, aber in so einem Fall gehen die Kinder immer ganz klar vor. Zum Glück ist da aber noch ihr Papa, der sich auch sehr kümmert, und ich habe eine Nanny, die mich unterstützt. Was wichtig und dringend ist, mache ich selbst – alles andere delegiere ich ab.

Seit 2014 leben Sie getrennt. Sind Sie auch geschieden?

Das sind wir erst seit diesem Jahr. Wir haben tatsächlich sieben Jahre gebraucht, bis wir die Trennung auch auf dem Papier vollzogen haben. Das hatte aber nichts mit Scheidungskrieg zu tun oder dass wir uns wegen irgendwas nicht einig wurden – es war uns einfach nicht so wichtig. Wir haben uns auch nach der Trennung weiterhin gemeinsam um unsere Kinder gekümmert. Klar war es zu Beginn nicht leicht, aber so etwas braucht ja auch seine Zeit. Wir kommen heute super miteinander aus. Mittlerweile leitet mein Ex-Mann auch ein kleines Hotel-Restaurant in der Gegend.

Hotelier, Köchin – ist das nach wie vor ein attraktiver Beruf ?

Ich habe ein tolles Team, aber es war nicht leicht, so gute Mitarbeiter zu finden. Der Beruf erfordert viel Leidenschaft. Es ist halt kein Bürojob, der um 17 Uhr endet. Wir sind da irgendwie von einem Extrem ins andere geraten. Vor 20 Jahren habe ich in der Saison mitunter einen ganzen Monat lang durchgearbeitet, inklusive Wochenende und teilweise mit 16 bis 17 Stunden am Tag. Das war völlig normal, die Überstunden wurden nicht mal entlohnt. Das war natürlich extrem und auch nicht in Ordnung so, aber heute wollen viele junge Leute am liebsten gar nicht am Wochenende oder an Feiertagen arbeiten. Das gehört in der Gastronomie aber natürlich zum Job dazu und ist in vielen anderen Berufen ja auch nicht anders.

Profi-Kochen ist nach wie vor eine Männerdomäne. Schreckt das junge Frauen vielleicht ab?

In der Hinsicht kann ich ihnen nur Mut machen. Ich habe nie ein Problem damit gehabt, die einzige Frau in der Küche zu sein. Im Gegenteil: Männer kommunizieren ehrlich und direkt, es gibt keinerlei Gezicke. Das habe ich immer als sehr angenehm empfunden. ◼ SYLVIA PETERSEN