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AUSFLÜGE INS AUENLAND


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Kanu Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 60/2022 vom 07.10.2022

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Artikelbild für den Artikel "AUSFLÜGE INS AUENLAND" aus der Ausgabe 60/2022 von Kanu Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kanu Magazin, Ausgabe 60/2022

DIE MITTLERE STÖR EIN FLUSS SUCHT SEIN BETT

Die Stör entspringt bei Groß Kummerfeld im Ortsteil Willingrade/Kreis Segeberg und mündet nach rund 87 Kilometern nordwestlich von Glückstadt in die Elbe. Ebbe und Flut beeinflussen über weite Strecken den Wasserstand der Stör. Ab dem Pegel bei Rensing gilt der Fluss offiziell als Seeschifffahrtsstraße. Der Ober- und Mittellauf der Stör bis nach Kellinghusen ist von den Gezeiten unabhängig. Die Begradigung der Stör bis in den Oberlauf wurde schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgeführt. Seit dem Jahr 2009 findet jedoch ein Rückbau statt. Und das Projekt an der mittleren Stötr setzt in dieser Hinsicht völlig neue Maßstäbe. Eine große, weithin sichtbare Infotafel unweit der Einstiegsbrücke bei Arpsdorf gibt Auskunft über bereits durchgeführte und geplante Maßnahmen im Hinblick auf eine naturnahe Flusslandschaft. Ein ...

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... komplett verlegter Gewässerverlauf mit weiten Mäandern und Sandfängen zeugt vom ehrgeizigen Ziel, einen Fluss zu renaturieren und einen neuen Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schaffen – ein Ökosystem wie vor 100 Jahren mit viel Platz für die ehemals eingezwängte Stör. Sandbänke und flache, sanfte Gleithänge sowie Prallwände mit starker Strömung formen auf einer kurzen Strecke bereits das Landschaftsbild und bieten somit ein ideales Umfeld für die Wasserlebewesen. Im weiteren Verlauf der Stör wurde vielfach Totholz verankert, um die Strömung bewusst gegen die Ufer zu lenken, so dass über einige Jahre gesehen wieder, wie zu früheren Zeiten, zahlreiche Mäander entstehen. Hat man die letzten Häuser der Ortschaft Arpsdorf hinter sich gelassen, taucht man in eine bemerkenswerte Stille ein, die nur von Vogelstimmen, Wind und ab und an vom Säuseln des Flusses unterbrochen wird. Die Ufer sind zumeist landwirtschaftlich geprägt, entfernt säumen Wälder den Horizont. Besonders bei etwas schlechterem Wetter und grau verhangenem Himmel hat der Fluss etwas Mystisches. Irgendwie wirkt jede Kurve spannend. Was sich wohl dahinter verbirgt? Bei höheren Wasserständen nimmt das Gewässer sogar vereinzelt sportliche Züge an. Mit einer für hiesige Verhältnisse flotten Strömung von immerhin drei bis vier Stundenkilometern geht es um teils enge Kurven mit leicht spritzigem Wasser, was gerade bei etwas längeren Kajaks und Canadiern ein wenig Bootsbeherrschung voraussetzt. Viel zu schnell ist die Mündung der Bünzau erreicht, nur noch knapp zwei Kilometer trennen uns vom Endpunkt unserer Tour in Willenscharen. Die Stör ist nun etwas breiter und gemächlicher geworden, nur noch selten kräuselt sich die Wasserfläche. Der hinter uns liegende Abschnitt unserer »Stör-Wildnis« erscheint schon fast wie ein Traum, der jedoch hoffen lässt, irgendwann überall wieder eine naturnahe Flusslandschaft mit einem intakten Öko-System erleben zu können.

DIE TOUR IN KÜRZE

ARPSDORF – WILLENSCHAREN, rund sechs Kilometer. Teilweise zügige Strömung und je nach Wasserstand kleinere Schwälle. Verankertes Totholz sowie einige flache Reisigzäune im Fluss erfordern Aufmerksamkeit. Eine Befahrung ist abgesehen von sehr kalten Wintern ganzjährig möglich.

DIE BÜNZAU IM SCHAT TEN DER STÖR

Die Bünzau (Bünzener Au) ist ein rechter Nebenfluss der Stör. Sie entsteht nördlich von Innien aus dem Zusammenfluss von Buckener Au und Fuhlenau. Die Bünzau ist ein sandgeprägter Niederungsbach und neben der Schmalfelder Au der sportlichste Vertreter der Auenland-Gewässer.

Mehr durch Zufall als geplant stoßen wir auf der Suche nach weiteren Befahrungsalternativen im Auenland auf die Bünzau. Endlich passen alle gewünschten Faktoren zusammen. Nach vielen Wochenenden mit klassischem, norddeutschem Wetter (bei uns regnet es eigentlich nie – wir haben es, wenn überhaupt, nur mit erhöhter Luftfeuchtigkeit zu tun) scheint die Sonne an einem fast wolkenlosen Himmel. Auch wenn die Lufttemperatur nur bei maximal sechs Grad Celsius liegt, kommen uns die äußeren Verhältnisse zu dieser Jahreszeit wie ein Sechser im Lotto vor. Und für das Tüpfelchen auf dem i sorgen die ansprechenden Wasserstände.

Die anfänglich von offenen Wiesen und Feldern begrenzten Ufer verwandeln sich schon bald in Sichtweite der Eisenbahnbrücke in einen Busch- und Baumdschungel, der den Bach förmlich verschlingt. Ein paar Radler winken uns noch kurz zu, bevor uns ein schöner Schwall direkt in die »Bünzauer Buschhölle« befördert. Die kräftige Strömung, bedingt durch den erhöhten Wasserstand, erfordert ein wenig Fahrpraxis, um rechtzeitig vor plötzlich auftauchenden Baumverhauen anlanden zu können. Reflexartig retten wir uns in ein linkes Kehrwasser, damit der mittig in den Ausläufern des Eisenbahnschwalles liegende Verhau mit anschließender Geästversperrung umhoben werden kann. Da beginnt auch schon das nächste Problem. Links und rechts bewachen wehrhafte Stacheldrahtzäune die Ufer der Au, und es obliegt unserer Fantasie, diese trickreich und ohne Beschädigung unserer Trockenanzüge zu umgehen. Kurze Zeit später ist das Problem gelöst, und wir sitzen wieder im Boot – weiter geht’s! Na ja, nicht wirklich weiter, aber immerhin bis zum nächsten Baumhindernis. Also erneut aus dem Boot, umheben und weiter – und das Ganze ein drittes Mal. Gefühlt sollten wir jetzt schon ein Stückchen Bach geschafft haben, doch ein Blick zurück zur immer noch greifbar nahen Eisenbahnbrücke belehrt uns eines Besseren. Recht plötzlich, als ob die Bünzau unsere Wünsche erhört hätte, weiten sich die Ufer ein wenig, das Buschwerk tritt zurück und schattige Waldgebiete nebst kleineren Lehmwänden gewinnen die Oberhand. Nur noch selten müssen wir aufgrund von Buschhindernissen in die Kleinflussfahrer-Trickkiste greifen. Einige renaturierte Wehre geben der Tour eine gewisse Spritzigkeit. Das besondere Highlight bildet die letzte Sohlgleite der Au. Über eine längere Strecke geht es durch eine mit kleineren Findlingen gespickte Schwallstrecke. Da dieser rauschende Felsparcours auch über ausgeprägte Kehrwasser verfügt, lässt sich die beste Route gut aus dem Boot erkennen. Bei guten Wasserständen bietet sich hier sogar ein Techniktraining mit dem Canadier an. Vorsicht ist jedoch vor den fiesen, kleineren, leicht überspülten Steinen geboten. Hier ist schon so mancher ob seiner Unachtsamkeit mit einem unfreiwilligen Bad bestraft worden. Langsam öffnet sich die Landschaft, und fast rechtwinklig vereint sich die wirklich interessante und abwechslungsreiche Bünzau mit der hier gemächlich dahin strömenden Stör, die dann schon eher dem eigentlich erwarteten Eindruck eines norddeutschen Gewässers entspricht, eingebettet in der nicht enden wollenden Weite des flachen Landes.

DIE TOUR IN KÜRZE

Innien – Willenscharen an der Stör, rund zehn Kilometer. Bei erhöhten Wasserständen teils kräftige Strömung, diverse Baum- und Strauchhindernisse. Insgesamt fünf Schwallstrecken, wobei in der letzten Sohlgleite einige tückische Findlinge lauern, die eine präzise Routenwahl erfordern. Abgesehen von längeren Trockenperioden und harten Wintern ist dieser Abschnitt zumeist ganzjährig befahrbar.

DIE BRAMAU LIEBLING DER STÖRCHE

Die Bramau ist ein östlicher, linker Nebenfluss der Stör im Holsteiner Auenland. Die Länge der Au und zugleich die paddelbare Strecke beträgt etwa 15 Kilometer bei einem Höhenunterschied von zehn Metern, was zumindest für eine teils flotte Strömung reicht. Der Fluss entsteht in Bad Bramstedt aus dem Zusammenfluss von Osterau und der hier Hudau genannten Schmalfelder Au. Die letzten zwei Kilometer im Unterlauf werden bereits durch die Gezeiten bestimmt. Die selbst in besonders heißen und trockenen Sommern ausreichende Wassermenge macht die Au für viele Kanuten der Umgebung interessant. Deutlich breiter als seine beiden Quellflüsse und mit weniger Baum- und Strauchhindernissen bestückt eignet sich der Fluss im Besonderen ab der Straßenbrücke Förden-Barl auch für Anfänger, da nun keine weiteren Sohlgleiten mehr auf den unbedarften Paddler lauern. Eine stellenweise überraschend flotte Strömungsgeschwindigkeit befördert den Paddler von einer anfangs hügeligen Waldlandschaft bei Bad Bramstedt vorbei an Wiesen und Feldern bis zum nördlichen Breitenburger Moor, um letztlich die Stör zu erreichen.

Äußerst interessant ist eine Befahrung der Bramau im Frühjahr und Frühsommer nach der Rückkehr der Störche. Nirgendwo sonst im Umland gibt es eine derartig dichte Population wie hier an der Bramau. Dicht an dicht nisten die Störche auf Masten thronend entlang der Au. Nach und sogar schon während des Abmähens der umliegenden Wiesen kann man eine Vielzahl der Vögel bei der Futtersuche beobachten. Mit Fernglas und Fotokamera bewaffnet gleicht eine ansonsten eher gemütliche Paddeltour schnell einer Expedition ins Tierreich.

DIE TOUR IN KÜRZE

Hitzhusen – Wrist, rund sieben Kilometer. Mäßige Strömung und vereinzelte Busch- und Baumhindernisse. Eine Sohlgleite, bei wenig Wasser rechts und bei viel Wasser links befahrbar. Eine Befahrung ist, außer bei längeren starken Frostperioden, ganzjährig möglich.

DIE OSTERAU EINE PERLE DER NATUR

Die Osterau zählt aufgrund ihres guten ökologischen Zustands zu den schützenswertesten Fließgewässern Deutschlands. Sie hat ihren Ursprung bei der alten Wassermühle in Heidmühlen, wo sie durch den Zusammenfluss der Raderforder Au und der Rotenmühlenau entsteht. Nach 26,2 Kilometern vereinigt sie sich in Bad Bramstedt mit der Hudau (Schmalfelder Au nach dem Zusammenfluss mit der Ohlau) zur Bramau, die bei Wittenbergen in die Stör mündet. Im Gegensatz zu den meisten Bächen und Flüssen in Schleswig-Holstein wurde die Osterau früher nicht begradigt. Sie zeigt daher immer noch einen natürlichen, kurvenreichen Verlauf. Das markante, deutlich in die Geestlandschaft eingeschnittene Tal ist vielfältig gegliedert und zeichnet sich durch ein Nebeneinander naturnaher Lebensräume aus. In ihrem Verlauf vermittelt die Au ein Gefühl von Wildnis und Ursprünglichkeit. Sie ist daher ein beliebtes Ziel für Wasserwanderer. Eine Befahrung des Baches stellt jedoch erhöhte Anforderungen an die Wendigkeit der Boote wie auch an die Erfahrung der Kanuten. Die Osterau ist ab Hof Weide/Bass flussab nahezu ganzjährig befahrbar, solange der Farbpegel an der Brücke »Grün« anzeigt. Anfängern ist aufgrund der vielfältigen Schwierigkeiten anzuraten, ihre Boote erst in Bimöhlen einzusetzen. Ab hier führt die Au zudem ganzjährig immer genügend Wasser für eine genussreiche Befahrung.

Die Osterau bietet auf ihrer paddelbaren Strecke ein urwüchsiges Wildflusserlebnis, da viele Abschnitte recht natürlich anmuten. Einige Baumhindernisse müssen trickreich über- oder unterfahren werden. Ein Reh wechselt die Uferseiten, und Eisvögel heben sich mit ihrem schillernden Federkleid vom dichten Grün der Pflanzenwelt ab. Hinter jeder Kurve wartet die Au mit einer neuen Überraschung auf, manchmal sogar mit einem kleinen Schwall. Gerade im Wechsel der Jahreszeiten verändert sich das Erscheinungsbild des kleinen Wildflusses dramatisch und versetzt uns so in immer neue Stimmungen. Frühling: Die Tannen wiegen ihre hellgrünen Spitzen im lauen Frühlingswind, dichtes Grün der Ufervegetation greift in den Bach hinein, einige Luftwurzeln hängen von den Bäumen herab. An manchen Stellen liegt die Osterau trotz Sonnenschein im tiefen Schatten der üppigen, nach dem langen, harten Winter förmlich explodierenden Pflanzenwelt. Überall summt und brummt es, jede noch so kleine Blüte ist in Insektenhand und während wir nahezu lautlos das Kanu durch diese faszinierende Natur lenken, erwischen wir uns unweigerlich dabei, nach exotischen Reptilien Ausschau zu halten. In der Tat – es ist schon fast wie ein Dschungelbummel, der einen träumend in die Sümpfe Floridas oder den Urwald Costa Ricas entführt.

Sommer: Man ist mit der ganzen Familie unterwegs, der Duft von frisch gemähten Wiesen liegt in der Luft, Seerosen und Pflanzenteppiche wiegen sich in der sanften Strömung. Der Geruch von Grillgut zieht in die Nase, das Lachen badender und im Wasser tobender Kinder dringt unweit der Rastplätze an unsere Ohren. Die betriebsamste Zeit auf dem Bach, die Stimmung ausgelassen und unbeschwert. An manchen Wochenenden wird es dann zu viel des Guten, wenn zahlreiche Kanuvermieter ihre Armada von Leihbooten auf die für diese Massen viel zu kleine Au entlassen. Doch zum späten Abend hin, wenn die Sonne glutrot durch die Stämme und Äste der Bäume scheint, wird der lieb gewonnene Bach wieder zum ruhigen Idyll, und es scheint, als würde ein Hauch von Afrika in dieser unwirklichen Dämmerung über den »Savannen« Bimöhlens liegen.

Herbst: Dichte Nebelschwaden liegen am frühen Morgen über dem plätschernden Bach. Leicht fröstelnd machen wir die ersten Paddelschläge ins Nichts. Urplötzlich strecken sich uns Äste wie geisterhafte Arme entgegen. Noch eine Weile hält die gespenstische Szenerie an, bevor die Sonne das Wabern des Nebels auflöst. Ein letztes Aufbäumen der Natur vor dem herannahenden Winter zaubert eine unvergesslich schöne Landschaft vor unsere Augen. Der Geruch von brennendem Holz zieht zu uns herüber, in den Dörfern werden bereits die Öfen angezündet. Die tief stehende Sonne hüllt die Umgebung in ein unwirkliches Licht. Kein Bühnenbildner könnte ein Theaterstück besser in Szene setzen, als es der »goldene« Ok- tober vermag. Die bunten Blätter an den Bäumen lassen zaghaft los und treiben ein Stück auf dem glitzernden Moorwasser die Osterau hinab. Ein wenig Schwermut macht sich breit, dennoch laden wir am Ende der Tour zufrieden unsere Boote auf das Autodach und machen uns im Kopfkino auf den Weg zu unserer Blockhütte irgendwo in den Rocky Mountains. Winter: Bizarre Schneeformationen säumen die Ufer des Baches, kleine Eiszapfen hängen wie durchsichtige Stalaktiten von den über das Wasser reichenden Ästen hinab. Während der Schnee gnädig die Geräuschkulisse selbst in Autobahnnähe verschluckt, wirkt die Ruhe schon fast unheimlich. Das Farbenspiel der Natur reduziert sich auf ein schwarz-weißes Raster und verbreitet, gerade wenn die dicken Schneeflocken auf dem Oberschiff des Kajaks oder auf dem Boden des Canadiers zergehen, eine leicht melancholische Stimmung. Bricht jedoch die Sonne aus den dunklen Wolken hervor, verwandelt sie diese surreale Szenerie in einen wie von tausenden Diamanten glitzernden Naturpalast – und mit jedem sonnigen Augenblick steigt die Stimmung. Der Winter bringt selbst hier in der Zivilisation, zumindest für den Paddler, einen Hauch von lappländischer Einsamkeit, der wir jedoch im Anschluss an die frostige Tour in der Saunenlandschaft der Holstentherme entgehen können.

DIE TOUR IN KÜRZE

Straßenbrücke Weide-Bass – Bad Bramstedt (Freibad Rolandoase), rund elf Kilometer. Zeigt der Farbpegel an der Straßenbrücke »rot« und somit einen zu geringen Wasserstand an (was nach längeren Trockenperioden vorkommt), bitte erst in Bimöhlen einbooten, ab hier reicht der Wasserstand ganzjährig (Tourlänge dann etwa sechs Kilometer). Sehr urwüchsig, flotte Strömung, viele enge Kurven und häufige Baum- und Strauchhindernisse.

DIE SCHMALFELDER AU KLEINFLUSS MIT SPORTLICHEM FLAIR

Die Schmalfelder Au ist ein linker Quellfluss der Bramau. Sie bildet sich in einer Niederung nahe Stuvenborn und nimmt in Bad Bramstedt die Ohlau als linken Nebenfluss auf. Ab hier heißt die Schmalfelder Au bis zum Zusammenfluss mit der Osterau, dem rechten Quellfluss der Bramau, Hudau. Während in den Sommermonaten zahlreiche Verleiher den Parkplatz an der Königsbrücke in Schmalfeld dominieren, trifft man zwischen Herbst und Frühjahr nur selten Gleichgesinnte. Ein Grund dafür liegt neben den sinkenden Temperaturen beim Charakterwandel der Au, auf den der ambitionierte Bootfahrer Jahr für Jahr sehnsüchtig wartet. Tagelange, kräftige Regenfälle sind im Norden der Republik während der dunklen Jahreszeit keine Seltenheit. Schnell sind die Böden gesättigt, und die kleinen Flüsschen steigen rapide an. Doch man muss die Gunst der Stunde zu nutzen wissen, denn nicht selten sinken verheißungsvolle Pegelstände genauso schnell, wie sie gestiegen sind. Stimmen die Wasserstände dann auch noch am Wochenende, erlebt man die Schmalfelder Au wie ausgewechselt. Nichts erinnert mehr an den beschaulichen Kleinfluss mit kaum wahrnehmbarer Strömung, tief eingeschnitten in einer Moorlandschaft, die man aus dem Boot heraus mehr erahnen als erkennen kann. Auf Uferniveau dahin gleitend eröffnet sich nun ein völlig neuer Landschaftsgenuss. Weitblick statt Tellerrand ist die Devise einer solchen Hochwasserfahrt. Bei allem Genuss sollten jedoch nicht die Gefahren vergessen werden, die ein erhöhter Wasserstand mit sich bringt. Die Fließge- schwindigkeit nimmt deutlich zu, und die Reaktionszeit vor Hindernissen minimiert sich. Kurzum, das fahrerische Können nebst der entsprechenden Ausrüstung sollte den Schwierigkeiten des Gewässers angepasst sein. So sollte man in der Lage sein, auch kleinste Kehrwasser sicher anzufahren. Stimmen nun die äußeren Umstände, darf der Einbootpunkt ruhig einmal deutlich oberhalb der üblichen Sommermarke liegen. Besonders empfehlenswert ist ein Einstieg an der kleinen Brücke in Bentfurt.

Wo sich sommertags an den zahlreichen Sohlgleiten der Au die Bootfahrer stauen und schwitzend umtragen oder im Bachbett treideln, rauscht die Schmalfelder Au abseits der Saison munter in Richtung Bad Bramstedt. Schöne Schwälle ersetzen die Steinlabyrinthe der Sohlgleiten. Kleine Wellen und ausgeprägte Kehrwasser laden zum Spielen oder Trainieren ein. Jetzt, wo die Wogen ein wenig höher schlagen, zeigt der Bach sein wahres Gesicht. Die Au ist aus ihrem sommerlichen Dornröschenschlaf erwacht und präsentiert sich frisch und munter. Sicherlich reizen derartige Wasserstände zu ausgedehnten Touren bis zum Zusammenfluss mit der Osterau in Bad Bramstedt oder auf der Bramau weiter bis nach Wrist, aber manchmal liegt in der Kürze die Würze. Es ist daher nicht verwunderlich, dass unser Lieblingsabschnitt mit Spielpotenzial zwischen Bentfurt und Schmalfeld liegt und immer wieder ein kleines Highlight während der Wintersaison darstellt.

DIE TOUR IN KÜRZE

Benfurt – Bad Bramstedt (an der Schlosspark-Wiese kurz vor dem Zusammenfluss mit der Osterau), rund 13 Kilometer. Die Schmalfelder Au ist mit Ausnahme extrem heißer Sommer ganzjährig befahrbar. Je nach Wasserstand wartet sie jedoch mit zwei völlig unterschiedlichen Charakteren auf. Bei niedrigen Wasserständen müssen mehrere Sohlgleiten getreidelt oder umtragen werden, was auf Dauer mühsam werden kann. Man sollte in diesem Fall genügend Zeit einplanen. Interessant wird die Au jedoch bei erhöhten Wasserständen, wenn die Sohlgleiten befahren werden können und sogar Trainingszwecken dienen.

INFO SCHLESWIG-HOLSTEIN

Revier: In der Mitte Schleswig-Holsteins, gerade einmal 20 Autominuten von der Millionenmetropole Hamburg entfernt und genau zwischen Nord- und Ostsee gelegen, befindet sich das Holsteiner Auenland. In diesem Geheimtipp für Erholung fernab ausgetretener Pfade findet man eine Vielzahl an Möglichkeiten für Tagesausflüge. Mit über 250 Kilometern Wasserwegen entdeckt hier jeder, der das kühle Nass liebt, eine passende Tour, egal ob Anfänger oder erfahrener Kanute. Die kurvenreichen, zumeist natürlichen Auenverläufe durch urige Wälder vermitteln ein gewisses Dschungelgefühl. Hier muss man sich schon mal ducken, um unter einem querliegenden Baum durch zu paddeln. Im Bereich der unteren Stör wird das flache Land dann schon etwas überschaubarer. Im Wesentlichen umfasst das Revier Auenland zwölf, zumeist ganzjährig paddelbare Flüsse unterschiedlicher Charaktere. Vom kleinen Dschungelbach bis hin zum tidenabhängen Fluss findet der Wassersportler auf kleinstem geografischen Raum alles, was das Paddlerherz begehrt. Die Auswahl der fünf Entdeckertouren in diesem Artikel beinhaltet daher nur unsere persönlichen Favoriten der Region.

Unterkunft:

• Biwakplatz in Bad Bramstedt: Direkt an der Osterau in Bad Bramstedt gelegen, bietet der Biwakplatz einen hervorragenden Ausgangs- und Pausenplatz für alle Kanufahrer, eine Kombination aus Rast- und Übernachtungsplatz. Der Platz ist mit einer überdachten Grillmöglichkeit ausgestattet und bietet Informationen über Bad Bramstedt sowie die Auenlandschaft. Außerdem sind Bootsständer in Form von Balkenkonstruktionen vorhanden. Für die Nutzung des Zeltplatzes, inklusive Toiletten und Grillanlage, wird eine Gebühr erhoben. Anmeldungen zur Reservierung über das Tourismusbüro Bad Bramstedt, Tel. (0 41 92) 5 06 27, E-Mail: zumglueck@bad-bramstedt.de.

• Campingplatz in Bad Bramstedt,

• Campingplatz in Weddelbrook (in der Nähe von Bad Bramstedt),

• Wohnmobilstellplatz Bad Bramstedt, König-Christian-Straße, 24576 Bad Bramstedt

• Wohnmobilstellplatz Kaltenkirchen, Norderstraße 8, 24568 Kaltenkirchen (gegenüber der Holstentherme)

• Wohnmobilstellplatz Kellinghusen, Jacob-Fleischer Straße, 25548 Kellinghusen

Weitere Infos zu Übernachtungen, auch in Pensionen, Ferienwohnungen und Hotels:

Alternativen:

• Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg ( Juni-September),

• Kalkberghöhle in Bad Segeberg, Wildpark Eekholt, www.wildpark-eekholt.de

• Feldbahnfahrt auf der Schmalspurstrecke im Heilmoor mit Moorführung,

• Wanderung durch das naturhistorische Hasenmoor, ; www.hasenmoor.de

• Wanderung durch das Osterautal von Bass/Weide bis nach Bad Bramstedt Tandem-Fallschirmsprünge, www.flugplatz-hartenholm. de, Mountainbike-Touren im Segeberger Forst Nordic Walking im Segeberger Forst und, besonders empfehlenswert, entlang der Wasserläufe von Osterau und Schmalfelder Au Erlebnisschwimmbad Holstentherme in Kaltenkirchen, www.holstentherme.de 3D-Bogenparcours in Bad Bramstedt, www.schuetzenverein-roland.de

Literatur:

• »Die schönsten Kanutouren in Schleswig-Holstein und Hamburg«, 2. Auflage, Heinz-Georg Luxen, DKV-Verlag

• »DKV-Gewässerführer Nordwestdeutschland«, 12. Auflage, Otto Kaufhold, DKV-Verlag