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Ausflug mit einer alten Lady: The 1011 Captain II


FS Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 10.10.2019

Mitte Juli veröffentlichte Captain Sim (CS) captainsim.net„The 1011 Captain II“, die P3D-kompatible Version der Lockheed L-1011 Tri Star für den FS X (FS MAGAZIN 5/2014). Laut CS handelt es sich um eine Portierung der 32 Bit-Version auf das 64 Bit-System des Prepar3D (P3D) ab Version 4.4. Allerdings wurden die verbesserten Möglichkeiten der Beleuchtung berücksichtigt, so dass zumindest in diesem Bereich eine Weiterentwicklung gegenüber dem Vorgänger stattgefunden hat.


Artikelbild für den Artikel "Ausflug mit einer alten Lady: The 1011 Captain II" aus der Ausgabe 6/2019 von FS Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: FS Magazin, Ausgabe 6/2019

Mit der Lockheed L-1011-1 dürften einige ältere Leser persönliche Erfahrungen gesammelt haben. Sie war beispielsweise das „Arbeitspferd“ ...

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... der 2009 aufgelösten deutschen Airline LTU, die ihre erste Tri Star am 29. Mai 1973 bekam. Die letzte Maschine dieses Typs wurde erst im Jahr 1995 ausgemustert.

Die problemlose Installation ist im Handumdrehen erledigt. Wie bei CS üblich wird zunächst nur die hauseigene Lackierung eingerichtet. Mit dem mitgelieferten Aircraft Configuration Editor (ACE) lassen sich Freeware-Lackierungen hinzufügen. Davon gibt es reichlich, denn die für die alte FS X-Version können weiterhin verwendet werden. CS hat eine Support-Seite mit Zugang zum Manual, zu Updates, einem Tutorial bei Avsim, dem Paintkit und dem Forum eingerichtet – siehe Linkliste.

Base Pack

Zum Test nachgeflogen wird ein Urlaubsflug aus den 1990er Jahren mit American Trans Air von Frankfurt nach San Francisco mit Tankstop in Gander. Bevor es losgehen kann, muss ich die Schulbank drücken: Die alte Lady unterscheidet sich stark von den Boeing-Modellen, mit denen ich gewöhnlich unterwegs bin. Die mitgelieferten Manuals eignen sich hierfür nur bedingt, da sie hauptsächlich auf die Instrumente eingehen, nicht jedoch auf deren Zusammenspiel und die korrekte Bedienung. Das zuvor erwähnte Tutorial hilft dabei. Es wurde seinerzeit für die FS X-Version geschrieben und eignet sich uneingeschränkt für die P3D-Variante.

Das Außenmodell ist nach bester CSManier sehr detailliert ausgefallen und sieht toll aus! Natürlich gibt es auch bei der L-1011 zahlreiche Türen und Luken, die sich über ein Popup-Menü per Mausklick öffnen und schließen lassen. Bei der Tri Star öffnen die Türen der Kabine übrigens nach innen und oben.

Die herausragende Optik setzt sich im Cockpit fort. Der für die damalige Zeit typische Drei-Mann-Arbeitsplatz hat zusätzlich einen vierten Sitz im geräumigen Cockpit. CS hat für jede Sitzposition eine voreingestellte Sicht programmiert. Allerdings lassen sich damit nicht alle Instrumente und Schalter einwandfrei erkennen und erreichen. Es empfiehlt sich, einen Headtracker wie TrackIR oder ein Sicht-Tool wie Chase-Plane einzusetzen, um das Cockpit besser bedienen zu können.

Für meinen langen Transatlantikflug steht ein damals hochmodernes Delco Carousel IV-A INS (Inertial Navigation System – Trägheitsnavigationssystem) zur Verfügung, das Ende der 1960er Jahre zunächst in Boeing 707-und in DC-8-Modellen zum Einsatz kam und später in der L-1011 verwendet wurde.

Damit ist es möglich, auf Langstrecken außerhalb der Reichweite von Radiobasierter Navigation verlässliche Positionsbestimmungen durchzuführen. Die Bedienung ist längst nicht so komfortabel wie bei modernen Flight Management Computern (FMC), von der Sache her jedoch recht ähnlich. Am Anfang steht auch hier der Alignment-Prozess, bei dem das Flugzeug am Boden die exakte Position initialisiert. Anschließend können bis zu neun Wegpunkte per Koordinaten gespeichert werden, die dann im Flug mithilfe des Autopiloten nacheinander abgeflogen werden.

Captain Sim macht es uns an dieser Stelle etwas einfacher, denn die Koor-dinaten müssen nicht alle händisch eingegeben werden. Ist im Simulator ein Flugplan geladen, werden dessen Wegpunkte übernommen. Sollten mehr als neun Wegpunkte enthalten sein, werden diese eigenständig nachgeladen, sobald die ersten neun Punkte abgeflogen wurden.

Die Anzahl der Passagiere, das Frachtvolumen sowie der kalkulierte Sprit lassen sich über ein ebenfalls mitgeliefertes Tool bequem einrichten. Das geschieht während das Flugzeug bereits im Simulator geladen ist. Eine gute, sehr praktische Idee!

Nachdem das Boarding abgeschlossen ist, kann es losgehen. Zunächst wird am Panel des Flugingenieurs die Hilfsturbine (Auxilliary Power Unit – APU) gestartet und die externe Stromversorgung gekappt. Während des Pushbacks folgt die Konfiguration der Druckluft, die zum Start des mittleren Triebwerks (Engine 2) benötigt wird, welches in der Regel als erstes gestartet wird. Wie das geht und was dafür zu tun ist, ist im Tutorial ausgiebig und gut verständlich beschrieben. Läuft es, werden nach gleichem Muster Triebwerk 1 und 3 gestartet und die APU abgeschaltet.

Danach geht es in Richtung Startbahn. Das Rollverhalten der L-1011 Tri Star ist gutmütig und das Flugzeug lässt sich auf dem Weg zur Piste gut steuern. Während des Startlaufs auf der Piste zeigt sich, dass das Flugzeug mit zunehmender Geschwindigkeit auf Korrekturen der Rollrichtung nur sehr widerwillig reagiert. Das könnte bei Seitenwind sowohl beim Start als direkt nach dem Aufsetzen problematisch werden.

Nach dem Abheben kehrt die Gutmütigkeit zurück und die Maschine lässt sich für den Steigflug gut austrimmen. Auf Kurskorrekturen reagiert sie angemessen schwerfällig, wie es sich für ein Flugzeug dieser Größe gehört. Lediglich die Leistung der Triebwerke erscheint etwas übertrieben. Real dürfte die Tri Star weniger agil gewesen sein.

Mit Unterstützung des Autopiloten gelingt ein anständiger Steigflug, in dessen Verlauf wechsele ich in den NAVMode und überlasse dem INS die weitere Steuerung. Das klappt hervorragend und der mehrstündige Flug über den Atlantik verläuft ohne Probleme. Irgendwann kommt die Küste Neufundlands in Sicht und es wird Zeit, den Sinkflug zu planen. Auch in dieser Phase macht die Tri Star was sie soll.

Da das Wetter und die Sicht gut sind, entschließe ich mich für einem Landeanflug auf Sicht. Mit ausgefahrenem Fahrwerk und Klappen in Landestellung geht es in den Final Approach. Voll konfiguriert und mit Landegeschwindigkeit lässt sich die Tri Star nach wie vor gut beherrschen und so gelingt eine passable Landung. Weitere (kürzere) Testflüge verliefen ebenfalls anstandslos.

Freighter Expansion

Wie erwähnt ist optional eine Umsetzung der Frachter-Variante beinhaltet. Diese hat als Hauptmerkmal eine große Frachtluke auf der linken Seite der fensterlosen Außenhülle. Neben dem angepassten Model enthält die Erweiterung einen speziellen Cargo Loader, der sich über ein separates Popup-Fenster steuern lässt und eine animierte Beladung des Flugzeugs mit Frachtcontainern ermöglicht. Ansonsten gibt es keine nennenswerten Unterschiede zur Passagierversion. Das Cockpit ist identisch.

Fazit

Die Portierung der 1011 Captain II in den P3D v4.4 (+) ist gelungen. Sie ermöglichst es, einen Eindruck von der Steuerung eines „historischen“ Airliners mit 3-Mann-Cockpit zu bekommen, ohne überfordert zu werden. Dank des ausführlichen Tutorials ist die Bedienung schnell zu erlernen und die Vereinfachung des INS macht IFR-Flüge zum Kinderspiel. Somit lässt sich die Tri Star ohne langes Handbuch-Studium fliegen, ganz ohne geht es aber nicht.

Preislich ist „The 1011 Captain II“ kein Schnäppchen. Erst recht nicht, wenn es zusätzlich die Frachter-Variante sein soll. Da es wiederholt Rabatt-Aktionen mit teilweise „satten“ Nachlässen gibt, solltet Ihr spätestens dann einen Blick auf die Tri Star werfen: Diese alte Lady hat es verdient, hin und wieder einen Ausflug mit ihr zu unternehmen!

Frank Schmidt redaktion@fsmagazin.de

Unser langjähriger Autor fliegt seit 1999 am PC. Er begann seine Reviewtätigkeit bei simFlight.de.

Eine „fensterlose” Fracht-Tri Star der Lufthansa mit Beladungsdialog und Cargo Loader.