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Ausführlicher Kommentar von Klaus Körber, LWG Veitshöchheim : Baumarten und Sorten nach dem Sommer 2018


Deutsche Baumschule - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 12.10.2018

2017 war nach Angaben der Weltwetterorganisation WMO eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen vor fast 170 Jahren. Den Rekord als das Jahr mit der höchsten Durchschnittstemperatur hält – noch – 2016. Das Jahr 2017 war das wärmste jemals gemessene Jahr ohne das Klimaphänomen El Niño und auch 2018 wird keine Ausnahme in dieser Entwicklung darstellen.


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Sorten, Arten, Standorte im Vergleich: Acer campestre ‘Elsrijk’ und A. freemanii ‘Autumn Blaze’


Foto: Körber

In Würzburg wurden 2018 schon 92 Sommertage (mit Temperaturen über 25 °C) und 32 heiße Tage mit Temperatuten über 30 °C gemessen – ...

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... fast doppelt so viele wie die Jahre zuvor. Prognosen sagen, dass sich dieser Wert bis zum Ende dieses Jahrhunderts verdoppeln könnte. Das würde bedeuten: zwei Monate mit Temperaturen über 30 °C. Die Wasserknappheit ist messbar, und eine sichere Wasserversorgung stellt für die Zukunft eine große Herausforderung dar. Angesicht der Reihe heißer, trockener Sommer mit Temperaturen über 40 °C und monatelangen Trockenperioden ist es unumstritten, dass der Klimawandel nicht kommt – er ist schon da!

Die extremen Witterungsverhältnisse der Sommer 2015 bis 2018 haben in weiten Regionen Deutschlands bei vielen Gehölzen sichtbare Spuren hinterlassen. Vor allem 2018 mit relativ hohen Temperaturen, oft deutlich über 35 Grad, und extrem niedrigen Regenmengen hat auch in Regionen wie zum Beispiel dem Ammerland oder Schleswig-Holstein zu großen Schäden an Gehölzen geführt. Im Rheinland, aber auch in Regionen Ostdeutschlands von Dresden bis Rügen gab es Bereiche, in denen es von Mitte April bis Ende Juli so gut wie keinen Tropfen geregnet hat.

Das braune Band von Wien bis Kiel wurde nur da durchbrochen, wo stärkere Gewitter für teilweise hohe Niederschlagsmengen gesorgt haben. Die Grün- bzw. Braunfärbung von Gras und Wiesen und die Höhe des Maises im August können als Gradmesser für den Trockenstress genommen werden und stehen in engem Zusammenhang mit dem Zustand der daneben stehenden Bäume. Vor allem die schwierigen Standorte wie Autobahnböschungen, bepflanzten Parkplätze oder Baumpflanzungen an Straßenrändern zeigen extreme Schadbilder.

Abhängigkeit von Standort und Wasserkapazität

Häufig stehen in Nähe zu diesen Stressbäumen nur wenig geschädigte Gehölze der gleichen Art, allerdings dann meist auf natürlich gewachsenen Böden mit einer guten Bonität und einer entsprechend positiven Wasserkapazität. Dies hat bei mir zu der Erkenntnis geführt, dass es in erster Linie nicht die Hitze ist, die die größten Schäden verursacht, sondern es ist der Trockenstress, der das Fundament für die Schäden legt und in Kombination mit heißen Tagen den Bäumen das Leben so extrem schwer macht.

Die gleichen Baumarten wie etwa Hainbuchen oder auch Linden zeigten im direkten Vergleich auf guten landwirtschaftlichen Böden oder vor allen Dingen bei ausreichender Wasserversorgung und ausreichend Standraum auch bei Temperaturen an die 40 Grad ein deutlich besseres Erscheinungsbild. Es gab immer wieder auch im Spätsommer 2018 schöne Spitzund Bergahorne, aber nur da, wo im Untergrund Wasser und ein großer durchwurzelbarer Wurzelraum zur Verfügung stand. Demzufolge muss dem Thema „intelligentes und dauerhaftes Bewässern“ in Zukunft eine viel größere Beachtung geschenkt werden. Das kostet viel Geld, ist aber die Voraussetzung dafür, Jungbäume auf Dauer erfolgreich zu etablieren und sie für die zukünftigen Klimabedingungen vorzubereiten.

Aber unabhängig vom Standort gibt es eine Rangfolge bei den verschiedenen Gehölzarten bezüglich ihrer Trockenheitsverträglichkeit, wenn sie im direkten Vergleich nebeneinander stehen. Derartige Vergleichspflanzungen stehen bei uns an der LWG Veitshöchheim, aber auch an der Versuchsstation in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt. Beides Standorte mit geringen Niederschlagsmengen, im Extremfall von 330 mm bis knapp über 500 mm, wo die aufgepflanzten Bäume ab einem gewissen Alter nicht mehr gegossen werden. Auf dem zehn Hektar großen Versuchsgelände der LWG Veitshöchheim wurde auf einer Fläche von ungefähr drei Hektar im Lauf der letzten 15 Jahre ein umfangreiches Sortiment von weit über 400 Baumarten und Sorten gepflanzt.

Der Standort ist gekennzeichnet durch ein heiß-trockenes Weinbauklima mit Temperaturen von über 40 °C im Schatten im Jahr 2015. Kennzeichnend für die Wasserversorgung sind schneearme Winter; die Trockenheit im Frühjahr hat besorgniserregend zugenommen und die Sommerniederschläge sind ungleichmäßig, meist heftig, aber für die Pflanzen wenig effektiv. Der leichte Sandboden kann kaum Wasser speichern. Der pH-Wert des Bodens ist mit 7,3 alkalisch und entspricht dem pHWert der gängigen Straßenbaum- Substrate. Pflanzen, die sich auf diesem Standort als empfindlich und wenig trockenheitsverträglich erweisen, haben mit Sicherheit an Stadtstandorten aufgrund der wesentlich wachstumsfeindlicheren Bedingungen keine Chance.

Beobachtungen zu Bäumen im Spätsommer 2018

Der Feldahorn ist mit Abstand der beste heimische Ahorn, der an zahlreichen Standorten vergleichsweise sehr gut steht – nur an extrem schlechten Standorten mit braunen Blättern, aber fast immer deutlich stabiler als Spitz- und Bergahorn; wobei sowohl Spitzahorn und mit Abstrichen auch Bergahorn auf unbelasteten Böden mit ausreichend Wurzelraum teilweise die Hitze und Trockenheit viel besser ertragen haben, als das zu erwarten war. Die Rotahorne haben unter den diesjährigen Bedingungen bei uns dann doch relativ stark gelitten. Es wird sich zeigen, ob von den zahlreichen Sorten in Zukunft über Stecklinge auf eigener Wurzel vermehrt diesbezüglich eine Verbesserung erzielt werden kann.

Die heimischen Eichen, sicher auch, weil sie durch ihr tief gehendes Wurzelwerk Wasser besser erschließen können, aber vor allem auch die Eichen aus dem vorderasiatischen Raum, konnten und können in der Regel Trockenheit viel besser vertragen als etwa Linden. Die Eiche – inclusiveQuercus rubra (Roteiche) –war und ist derzeit einer der wenigen Bäume, die mit sattem, dunklem Laub im gesamten Bundesgebiet gut dastehen. Schade, dass der Eichenprozessionsspinner in der Praxis die Akzeptanz der Eichen bei Neupflanzungen sehr stark einschränkt.

Linden haben 2018 nahezu deutschlandweit enorm starke Blatt- und Kronenschäden gezeigt, mit erstem und teilweise sehr starkem Laubfall ab Juli – nur auf besten Böden und bei ausreichend großem Standraum ohne Probleme. Tendenziell kann die Gruppe der Silberlinden diesbezüglich etwas besser eingestuft werden, wobei auchTilia tomentosa in der Jugendphase kontinuierlich mit Wasser zu versorgen ist.

… Carpinus und Gleditsia triacanthos…


Foto: Körber

… Malus tschonoskii wie neu…


Foto: Körber

Leguminosen wie Robinien, Schnurbaum und Gleditsien sind auf trockenen und ärmeren Standorten auch nach diesem Sommer meist sehr stabil, es fällt lediglich auf, dass etwas früher in die Herbstfärbung „eingestiegen“ wird. Die Robinien bilden in diesem Sommer nach der berauschenden Bienenblüte extrem viele Früchte.

Esche und gleich daneben Winterlinde…


Foto: Körber

Die Gruppe der resistenten Ulmen besticht auch 2018 durch ihre enorme Zähigkeit und Wüchsigkeit bei Hitze und Trockenheit. Ulmen zählen ganz eindeutig zu den Gewinnern in dieser Kommentierung.

Alnus xspaethii und übrigens auch die italienische ErleAlnus cordata haben sich 2018 wiederum sehr stabil und zuverlässig wachsend präsentiert.Ginkgo biloba und seine bei uns getesteten Sorten zeigen sich sehr gesund, nur im Extremfall mit Chlorosen am Blattrand.

Die Maulbeere hat auch bei uns gezeigt, warum sie zu einem der meistgepflanzten Gehölze im vorderen und mittleren Orient gehört. Es bleibt zu hoffen, dass der Vormarsch der Maulbeerschildlaus nicht zu Einschränkungen in der Verwendung führen wird.

Die Platane mit all ihren Fehlern wieMassaria , Echtem Mehltau, Netzwanzen und was sonst noch alles denkbar wäre, steht trotz allem in vielen deutschen Städten gut bis sehr gut. Vielleicht sollte man zusätzlich noch verstärkt den Einsatz der abendländischen Platane und ihrer schlankwüchsigen Sorten austesten. Auch deshalb, weilPlatanus orientalis in den großen eurasischen Städten wie zum Beispiel Istanbul oder Teheran der dominierende Schattenspender in den heißen Straßen ist.

Die heimischen Eschen, die vom Pilz nicht befallen sind, haben eine sehr hohe Hitze- und Trockenheitsverträglichkeit gezeigt. Das gleiche gilt auch fürFraxinus ornus undFraxinus pennsylvanica und deren Sorten, die übrigens vom Eschentriebsterben unter unseren

Tabellen zum Herunterladen in unserem neuen Downloadbereich

Baumarten und Sorten, die sich im Sommer 2018 noch vergleichsweise gut präsentierten. Bäume, die an schwierigen Standorten Probleme hatten und nach der Pflanzung gute Betreuung brauchen.

Tabelle 3 beschreibt einen Teil der an der LWG getesteten Bäume, die sich als sehr hitzeund trockenheitsverträglich erwiesen haben, die aber bisher im Sortiment der Baumschulen nur eine untergeordnete Bedeutung haben und verstärkt produziert werden sollten. Download:taspo.de/multimedia/downloads/

… Quercus frainetto und Zelkova serrata…


Foto: Körber

Spitzahorn gut und, wie hinten rechts, schlecht.


Foto: Körber

Bedingungen bisher nicht befallen werden. Ein herausragender Baum in vielen schönen Exemplaren ist in unserer WeinbauregionFraxinus angustifolia ‘Raywood’. Diese südeuropäische Esche besticht auch nach diesem Trockensommer mit gesundem Wuchs und der typisch dunkelroten Herbstfärbung. Zu den Gewinnern dieses Sommers gehört die Walnuss, die sich überall sehr vital zeigt. Gleiches gilt – mit einigen Abstrichen, weil auf Kalk nicht so gut wachsend – fürCastanea sativa , die Marone, die sich am Naturstandort südlich der Alpen schon an diese Bedingungen anpassen musste.

Bäume mit (standortabh.) größeren Problemen

Die optischen „Verlierer“ auf vor allen Dingen extrem trockenen beziehungsweise eingeengten Stadt- Standorten sind Birke, Buche, rotund weißblühende Kastanie, Spitzund Bergahorn, die gängigenSorbus- undCrataegus -Arten und -Sorten (Ausnahme: ‘Carrierei’) sowie ein Großteil des vorherrschenden Lindensortiments.

Hainbuchen sind in dichten Gemischtpflanzungen stark verbräunt, lediglich an Standorten mit großem Wurzelraum kann man noch schöne Hainbuchen sehen.

Die Baumhasel, aber auch die Robinie gehören ebenfalls zu der Kategorie von Bäumen, die auf problematischen, eingeengten und verdichteten Standorten häufig versagen, aber an geeigneten Stellen sehr schön dastehen können.Parrotia persica ist eine gesunde Pflanze mit vielseitigen Gestaltungsmöglichkeiten, aber bei den Witterungsbedingungen 2015 und 2018 hat sie bei uns leider starke Blattverbrennungen bis zum Blattverlust gezeigt.

Ähnlich geht es dem Amberbaum aus der gleichen Familie: 2015 noch sehr stabil, sieht man 2018 an extrem trockenen Standorten doch einige Bäume mit Blattschäden und Laubfall. Anscheinend kann er Hitze vertragen, aber bei starkem Trockenstress zeigt er Wirkung. Er braucht unbedingt in den ersten fünf bis zehn Jahren eine regelmäßige Wasserversorgung, aber das gilt ja eigentlich für alle frisch gepflanzten Bäume.

Miniermottengeschädigte Kastanien und vom Triebsterben befallene Eschen sind in diesem Jahr sehr stark unter Stress und teilweise in einem extrem schlechten Zustand.

In den Kiefernwäldern Brandenburgs sind einzelne Bäume bereits stark verbräunt; es ist zu befürchten, dass sich ähnlich wie nach dem Hitzesommer 2015 die Trockenschäden erst im darauf folgenden Jahr so richtig zeigen werden. Sollen wir bei diesem Ergebnis die heimischen Ahorne und Linden oder Kastanien und deren Sorten überhaupt noch pflanzen? Handelt es sich offensichtlich nicht um „Problemkinder“, die mit einem Anteil bei Neupflanzungen von über 50 Prozent kritisch gesehen werden müssen? Ich sage Nein – darauf zu verzichten wäre absolut falsch!

Nur weil man nicht in der Lage ist, einen Baum ordentlich zu pflanzen und zu versorgen, kann das nicht sein. Als Lösungsansatz gilt, dass diese Bäume nur auf gute Standorte gepflanzt werden sollten, und wenn die Folgepflege garantiert ist. Denn die Vielfalt der Neupflanzung ist die wichtigste Voraussetzung für zukünftige grüne Räume…

Bitte keine Vogel-Strauß-Politik

Der dominierende Bienenbaum in unseren Städten und Gemeinden ist bei uns die Linde, und unsere Gesellschaft ist gerade auch in Zeiten des Klimawandels mit zunehmenden Wetterextremen und längeren Trocken- und Hitzeperioden gefordert, diese Baumart aufrecht zu erhalten, beziehungsweise im Sinne der Bienen bewusst zu verbessern. Linden produzieren bei guter Wasserversorgung (aber eben nur dann) große Mengen an Nektar und sind für unsere Bienen „die“ Nahrungsquelle in den Monaten Juni und Juli. Ähnliches gilt aber auch für den Spitzahorn, einer ersten und deutschlandweit ganz wichtigen Bienenbaumart, sowie für den Bergahorn und beide Kastanien.

Ulmen und Celtis: sehr gut.


Foto: Körber

Der „Lustbaum“ für Bienen ist zweifelsfrei die Robinie. Imker fahren regelmäßig zur Blütezeit mit ihren Völkern zum Beispiel nach Brandenburg, auf dessen sandigen Böden sich die Robinie nach ihrer Einführung aus Amerika hervorragend verbreiten konnte – nicht zuletzt durch ihre Fähigkeit, über Wurzelbrut Ausläufer zu bilden und ganze Regionen zu besiedeln. Auf schweren, nassen, kalten Böden hingegen ist die Robinie in der Regel nicht zu Hause und kann sich da auch nicht gut behaupten.

In der Stadt ist die Robinie ein wichtiger Baum, der mit Hitze und Trockenheit gut leben kann, der aber auf Standorten mit nur geringem Wurzelraum, Salzbelastung und sonstigen negativen Bedingungen zunehmend an seine Grenzen kommt. An schwierigen Standorten ist sie deswegen als kurzlebige Baumart einzustufen.

Ausblick: Konzeptionelle Zusammenarbeit

Die pauschale Ablehnung nicht einheimischer Arten ist bei zukünftigen Pflanzungen nicht immer zielführend.

Es werden in Zukunft vermutlich Pflanzen bei uns wachsen, die aus Klimaregionen kommen, in denen es schon immer vergleichsweise kalte Winter, aber trockene und heiße Sommer gibt. Es gilt, die Herkunft eines Gehölzes in zukünftigen Überlegungen stärker einzubeziehen. Das zweite Kriterium bei der Auswahl von Gehölzen ist ihr derzeitiger Gesundheitsstatus. Baumarten, die bis jetzt kaum von Schaderregern befallen werden, weil sie bei uns bisher nur wenig eingesetzt wurden, können bei vermehrter Pflanzung ebenfalls Probleme mit Schädlingen und Pilzen haben.

Ziel muss es sein, die Baumartenvielfalt in unseren Pflanzungen zu erhöhen. Nur eine breite Basis an geeigneten Pflanzenarten und -sorten mindert das Risiko, dass weitere Klimaveränderungen und neue Krankheiten und Schädlinge die uns zur Verfügung stehende Palette noch mehr verringern.

Wir brauchen im übertragenen Sinn die Idee des gesunden Mischwalds auch bei der Pflanzenauswahl im kommunalen Raum.

Denn der Extremstandort Siedlungsbereich wird noch extremer. Es zählt nicht, was früher bei uns gewachsen ist, sondern was in Zukunft überhaupt noch in unseren Siedlungsbereichen wachsen kann. In der Anzucht sollte die Anfälligkeit gegenüber Trockenstress durch intensives Bewässern und Düngen nicht erhöht werden. Optimal wäre es, wenn der Baum in dem Klimaraum angezogen werden könnte, wo er später auch gepflanzt wird. Dass das nicht immer geht, ist vollkommen klar, aber die regionale Produktion wird in Zukunft vermutlich an Bedeutung gewinnen.

Nur Gehölze binden Kohlendioxid dauerhaft, das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Alle, auch die nach jetzigem Stand für Hitze und Trockenheit gut geeigneten Bäume, haben keine Chance, wenn sie in zu kleinen Baumgruben auf verdichtetem Untergrund bei anaeroben Verhältnissen, Streusalz und Wassermangel zu tief gepflanzt worden sind. Richtiges Pflanzen, optimaler Stammschutz und vor allen Dingen eine konsequente Folgepflege mit Schnittmaßnahmen und einem guten Wasserplan wird immer wichtiger werden. Das kostet Geld, ist aber die Voraussetzung dafür, dass ein neu gepflanzter Baum überhaupt gut wachsen kann.

Um in Zukunft die richtigen Pflanzen für unterschiedliche Standorte in ausreichenden Mengen zur Verfügung stellen zu können, müssen sich alle Beteiligten an einem gemeinsamen Konzept beteiligen. Die Baumschulwirtschaft braucht die Einsicht, dass im Sortiment klimabedingt Veränderungen notwendig sind, und muss das entsprechende Jungpflanzenmaterial heranziehen. Das Konzept funktioniert natürlich nur, wenn die angezogenen Pflanzen letztendlich auch von Landschaftsarchitekten, dem GaLaBau, den Stadtplanern oder sonstigen Entscheidungsträgern nachgefragt werden. Deshalb kommt der Informationsvermittlung zu Produzenten und Verwendern über die veränderten Bedingungen eine herausragende Bedeutung zu.

Fazit: Was wir aus dem Sommer 2018 mitnehmen können

1. Es gibt Standorte, da wächst alles, und es gibt Standorte, da wächst nichts.
2. Wasser ist der absolut begrenzende Faktor, erst dann kommt die Hitze.
3. Verdichtungen und zu tiefes Pflanzen: Wurzeln brauchen Luft zum Atmen.
4. Auf gewachsenen Böden mit großem Wurzelraum geht mehr, als man denkt.
5. Neugepflanzte Bäume unbedingt 5–7 Jahre professionell wässern und pflegen.
6. Die Trockenheitsverträglichkeit ist ein gutes Kriterium, aber kein Allheilmittel.
7. Möglichst viele Arten und Sorten schaffen Vielfalt und minimieren das Risiko.
8. Straßenpflanzungen sind um ein Vielfaches schwieriger als Gartenpflanzungen.
9. Stammschutz kühlt und ist beiAcer ,Tilia ,Carpinus undAesculus ein Muss.
10. Die Salzbelastung durch aufsteigendes Bodenwasser ist hoch und gefährlich.
11. Es gibt viel zu pflanzen – packen wir´s an!