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Ausgefaucht


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ÖKO-TEST Spezial Umwelt & Energie - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 07.10.2021

BAUEN UND ENERGIE SPAREN

Ein Energiesparprogramm für die eigenen vier Wände? Das funktioniert im neuen Fertighaus mit modernsten Technologien oder durch den Wechsel von der Jahrzehnte alten Ölheizung auf eine Wärmepumpe.

Artikelbild für den Artikel "Ausgefaucht" aus der Ausgabe 10/2021 von ÖKO-TEST Spezial Umwelt & Energie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Umbau Wärmepumpe

Drei Jahrzehnte wohnen Harald und Ulrike Hötzel mit ihren beiden fast erwachsenen Töchtern in dem schmucken Haus am Fuß der Schwäbischen Alb. Genauso lange hat sie eine Ölheizung warm gehalten. „Das war beim Bau 1990 Stand der Technik. Weil in unserer Straße keine Gasleitung lag, gab es keine Alternative“, erzählt Harald Hötzel. Das Fauchen des Blaubrenners, der das Heizöl in die Brennkammer des Kessels bläst, gehörte zum Alltag. Regelmäßig und zuverlässig, alle paar Minuten im Winter, ab und zu im Sommer, wenn nur warmes Wasser zum Baden und Duschen gefragt war. „Der Takt gehörte zum Haus dazu“, erinnert sich der 62-Jährige.

„Ich stehe anderthalb Meter ...

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... von der Wärmepumpe entfernt, und ich weiß nicht, ob sie läuft – so leise arbeitet sie.“

Harald Hötzel, Hauseigentümer

Jetzt faucht da nix mehr. Denn die Familie hat sich im vergangenen Jahr von dem orangefarbenen Kasten und den 6.000 Liter fassenden Öltanks verabschiedet. „Der Schornsteinfeger war selbst zum Schluss noch begeistert, wie gut die Abgaswerte waren – daran lag es nicht“, sagt Harald Hötzel.

Klar war aber auch, dass der Oldtimer im Keller nicht ewig durchhält. Auch die Kunststofftanks wurden immer poröser, immer stärker roch es deshalb nach Öl. Dazu kam die im Gebäudeenergiegesetz geregelte gesetzliche Austauschpflicht nach 30 Jahren.

Der stärkste Antrieb war jedoch die Erkenntnis, dass fossiles Heizen keine Zukunft hat. „Wir haben uns die Umwelt werte zur Klimaerwärmung angeschaut und wollten selbst etwas tun, nicht auf andere warten“, betont Harald Hötzel, der als Experte im Bereich der Notfallmedizin arbeitet.

Nur Heizkörper im Haus? Kein Problem.

Also fingen die Hötzels an, sich zu informieren. Fragten Nachbarn, ließen sich bei der regionalen Energieagentur beraten, holten den Rat von Installateuren ein.

Eine fossile Gasheizung kam aus Umweltgründen nicht infrage, für eine Pelletheizung gab es nicht genug Platz im Keller. Außerdem störte sich Harald Hötzel an der Vorstellung, dass diese Anlage Feinstaub ausstößt. Nicht viel, aber immerhin. Blieb eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die einen Großteil der nötigen Heizenergie von der Außenluft auf das Heizwasser überträgt und damit weitgehend erneuerbare Umweltwärme nutzt.

Doch klappt das? Auch ohne Fußbodenheizung? Nur mit Heizkörpern? „Viele haben uns abgeraten – auch vermeintliche Fachleute“, sagt Harald Hötzel. Die Befürchtung: Die Heizkörper würden nicht genug Wärme übertragen, um die Zimmer auf eine angenehme Temperatur zu bringen. Eine weitere Frage: Arbeitet die Wärmepumpe auch bei kalten Temperaturen, oder muss zusätzlich ein elektrischer Heizstab einspringen? Diese Direktheizung wäre sehr teuer, und mit dem Umweltvorteil wäre es in dieser Zeit dann auch vorbei.

Berechnung Raum für Raum

Die Familie fand mit der Elit GmbH direkt am Ort einen kompetenten Ansprechpartner. „Wir haben uns das Haus Raum für Raum angeschaut und dann vom Hersteller und dem Fachhandel die nötige Heizleistung berechnen lassen, damit die Heizkörper mit den vorgesehenen Vorlauftemperaturen der Wärmepumpe diese Leistung auch liefern können“, sagt Firmenchef Dieter Elit. Das Ergebnis der Berechnungen: Es funktioniert.

Den Heizungstausch plante Familie Hötzel bewusst für den Sommer. „Alles in allem erstreckte sich der Umbau von fossil auf erneuerbar über zwei Monate“, erzählt Harald Hötzel. Natürlich wurde nicht jeden Tag gearbeitet. Aber allein bis die alte Ölheizung und die Tanks, nach Begutachtung durch einen Sachverständigen über die korrekte Entsorgung, verschwunden waren, ging etwas Zeit ins Land. „Wir hatten lediglich ein paar Tage kein warmes Wasser. Da waren wir zum Duschen bei den Eltern ein paar Hundert Meter weiter.“ Wo das nicht geht, hilft ein provisorisch installierter Elektroboiler.

BAUTAFEL

Umbau Ölheizung auf Wärmepumpe

Einfamilienhaus, Baujahr 1990, 135 m² Wohnfläche.

Luft-Wasser-Wärmepumpe: Nennleistung 9,5 kW, maximale Vorlauftemperatur 55 °C, SG-ready.

Jahresarbeitszahl gesamt berechnet: 3,5.

Warmwasserbereitung mit Wärmepumpe und thermischer Solaranlage:

Kollektorfläche 10,4 m², Solarspeicher 1.000 l.

Trinkwasserpuffer Wärmepumpe: 300 l, Heizwasserpuffer 100 l.

Hersteller: Glen Dimplex

Kosten ohne Bafa-Förderung: Wärmepumpe 32.000 Euro, Solaranlage 14.000 Euro, Gesamtkosten inklusive Installation und aller Nebenarbeiten 51.000 Euro.

Darin enthalten sind der Elektroumbau mit neuem Zählerschrank, der Ausbau und die zertifizierte Entsorgung der Öltanks mit dem verbliebenen Ölschlamm sowie die Dämmung der Rohre und Verbindungen.

Solaranlage als Unterstützung

Die Handwerker räumten den Heizungskeller aus. Parallel hat Harald Hötzel eigenhändig die Wände neu gestrichen. Dann verlegte die Firma von Dieter Elit neue Leitungen und montierte die Wärmepumpe. Zusätzlich kam eine thermische Solaranlage aufs Dach. Die Sonne ins Heizkonzept einzubinden, war der Familie wichtig. Im Sommer bleibt die Wärmepumpe aus, was deren Effizienz steigert. Denn um warmes Wasser zu erzeugen, muss das Gerät einen relativ hohen Temperaturunterschied überwinden. Gut zehn Quadratmeter Kollektoren unterstützen nun die Heizung und liefern warmes Wasser. Der Einbau der neuen Heizung selbst dauerte zweieinhalb Wochen.

„Wenn das möglich ist, muss man es auch machen.“

Harald Hötzel, Hauseigentümer

Insgesamt drei Pufferspeicher stehen im Heizraum: Einer mit 300 Litern Inhalt für das von der Wärmepumpe bereitete Trinkwasser. Ein weiterer puffert die Wärme für die Heizung und enteist im Winter automatisch die Außeneinheit der Wärmepumpe. Speicher Nummer drei ist mit 1.000 Litern der größte, er ist an die Solaranlage angeschlossen. Eine Steuerungselektronik regelt das Zusammenspiel. Der Elektriker hat einen zweiten Stromzähler installiert, über den der Wärmepumpenstrom mit einem gesonderten Tarif abgerechnet wird. Wo früher die Öltanks standen, hat die Familie jetzt zusätzlichen Lagerraum.

Optisch und akustisch unauffällig

Die eigentliche Wärmepumpe mit Ventilator und Verdichter steht im Garten, etwa einen Meter von der Hauswand entfernt. Dass das Gerät im Betrieb kaum zu hören ist, war Familie Hötzel wichtig. „Wir haben lange nach einem Hersteller gesucht, der seine Wärmepumpen so baut, dass sie nur wenige Geräusche abgeben. Denn weder die Nachbarn noch wir selbst sollten von dem Rauschen der Luft, die der Ventilator durch den Wärmetauscher zieht, genervt sein“, erklärt Harald Hötzel. Das ist gelungen: „Ich stehe anderthalb Meter von der Wärmepumpe entfernt, und ich weiß nicht, ob sie läuft – so leise arbeitet sie.“ Auch optisch sollte das immerhin 1,65 Meter hohe Gehäuse nicht stören. In Absprache mit dem Hersteller Glen Dimplex steht die Außeneinheit nun neben der Kellertreppe etwa 50 Zentimeter tiefer in einem eigens angelegten Schacht. „Wenn wir aus dem Fenster schauen, versperrt uns das Aggregat nicht die Sicht“, sagt Ulrike Hötzel.

Angenehm warme Temperaturen

Das Wichtigste: Die Wärmepumpe heizt das Haus sicher und komfortabel. „Man bekommt eine andere Art von Heizung“, sagt Harald Hötzel über die Erfahrung des ersten Winters. Statt ständigem An und Aus mit dem Rauf und Runter der Temperatur wie beim Ölbrenner läuft die Wärmepumpe deutlich länger, aber auf niedrigem Temperaturniveau. Die Radiatoren werden mit 40 bis 45 Grad etwas mehr als handwarm, eine Nachtabsenkung gibt es nicht mehr. Das sorgt für eine angenehme Wärme. Trotz des letzten, besonders kalten Winters musste der elektrische Heizstab insgesamt nur für zwei Stunden einspringen, meldet die Systemzentrale.

Das alles funktionierte, ohne einen einzigen Heizkörper auszutauschen. Installateur Dieter Elit hatte vorgeschlagen, zur Sicherheit die Heizfläche im Wohnzimmer zu vergrößern. Familie Hötzel ließ es aber darauf ankommen und fühlt sich trotzdem rundum wohl. Sollte es nötig oder sinnvoll sein, das Heizaggregat zum Beispiel mit einer Photovoltaikanlage zu koppeln oder übers Internet fernzusteuern, ist das Modell auch dafür gerüstet. Der Fachbegriff dafür heißt Smart-Grid-ready, also bereit für das intelligente Stromnetz. „Das ist ein weiterer Schritt zur Eigenversorgung“, sagt Dieter Elit. Die Sonnenstromanlage steht schon auf dem Investitionsplan der Familie.

Deutlich bessere CO2 -Bilanz

Die Energiebilanz der ersten zwölf Monate stimmt Familie Hötzel optimistisch: etwas mehr als 8.000 Kilowattstunden (kWh) Wärme lieferte die Wärmepumpe, dazu kamen 1.800 kWh von der Solaranlage. Den gesamten Strombedarf kalkuliert sie mit rund 5.000 kWh im Jahr. Im Vergleich: Früher flossen jedes Jahr im Schnitt 1.380 Liter Öl durch die Düse des Ölbrenners. Umgerechnet sind das 13.524 kWh. Dazu kam der Holzverbrauch des regelmäßig angefeuerten Kachelofens, dessen Brennholzmenge allerdings nicht erfasst wurde. Im letzten Jahr wurde er ebenfalls auf eine emissionsarme Verbrennung umgebaut und stand daher im vergangenen Winter kaum zur Verfügung. Das erklärt den etwas hohen Stromverbrauch der Wärmepumpe. Zur deutlich besseren CO 2 -Bilanz trägt der Stromtarif bei. Der regionale Versorger liefert zu fast 70 Prozent Öko-Strom. Hier ist noch Luft nach oben. Um die Effizenz der Wärmepumpe weiter zu optimieren, soll jetzt doch ein neuer Heizkörper ins Wohnzimmer einziehen. Das senkt die nötige Vorlauftemperatur um ein Grad. Scheinbar nicht viel – bei Wärmepumpen zählt aber jedes Grad beziehungsweise Kelvin, wie die Einheit korrekt heißt.

Ein Schnäppchen war der Schritt in die Energiezukunft nicht. Immerhin hat die attraktive staatliche Förderung die Kosten von insgesamt 51.000 Euro fast um die Hälfte gedrückt. „Damit liegen wir in der Endabrechnung etwa bei den Kosten für eine konventionelle Gasheizung“, sagt Harald Hötzel. Wichtiger ist der Familie aber der ökologische Aspekt: „Mit dem Fauchen des Ölbrenners sind auch die schlechten Gedanken weg, mehr als unvermeidbar nötig zum Klimawandel beizutragen“.