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Ausgleich


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Atrium - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 20.09.2022
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Bildquelle: Atrium, Ausgabe 5/2022

Der Aussensitzplatz öffnet den Wohnbereich in den von Wäldern und Natur umgebenen Garten.

Das Elgin Valley ist ein üppiges, von Bergen umgebenes Gebiet in der südafrikanischen Region Overberg. Dieses breite Hochlandtal, voll von Obstgärten und Weinbergen, ist Südafrikas Hauptregion für den Apfelanbau. Gut 60 Prozent der gesamten jährlichen Apfelernte werden hier produziert. Nicht umsonst wird das Tal auch als «Tal der Äpfel» bezeichnet. Weniger als eine Autostunde von Kapstadt entfernt, ist Elgin zudem ein perfekter Wochenendausflug für die Städter. Darunter etwa der Hotelier und Unternehmer Jody Aufrichtig, der diesen Ort für sein «Old Mac Daddy», einen einzigartigen Camping- und Wohnwagenpark mit scheunenartigem Haupthaus, wählte. Von der Region so sehr angetan, beschloss Jody kurzerhand, hier auch für sich und seine Frau Deirdre und die vier gemeinsamen Kinder ein eigenes Hideaway bauen zu lassen. Mit seinem Plan wendete er sich dabei an den Architekten Greg Scott, der gemeinsam ...

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... mit seinem Team im Laufe der Jahre bereits an verschiedenen Projekten mit Jody zusammengearbeitet hat – darunter auch das «Old Mac Daddy». Und so begannen die Aufrichtigs, mit ihm über ihre Idee für ihr Wochenend- und Feriendomizil zu sprechen.

Die Nähe zum Wasser war Jody besonders wichtig, der von der sich dort aufhaltenden Vogelwelt fasziniert ist. Und die Kinder lieben es zu schwimmen, zu paddeln oder Kanu zu fahren. Ein Haus direkt am Wasser sollte es also sein. Die passende Lage war rasch gefunden: Ein wunderschönes Plätzchen nahe dem Stausee, mit Blick auf einen Obstgarten und das dahinter liegende Tal. Nach Westen ausgerichtet, bieten sich einem hier abends, wenn die Sonne hinter den fernen Bergen untergeht, traumhafte Lichtstimmungen über dem Wasser. Von nichts als Natur umgeben, verspricht das Landstück genau das, was die Aufrichtigs sich als einen Ausgleich zum dynamischen, schnelllebigen Stadtleben wünschten.

Luxuriöser Unterschlupf

Greg hatte bereits für das Haupthaus des «Old Mac Daddy» mit einer modernen Scheunenästhetik gespielt und wollte diese Idee auch für das Ferienhaus der Aufrichtigs wieder aufgreifen. «Die Scheune ist eine sehr reine architektonische Form. Und natürlich passt sie auch gut zum Kontext der Umgebung», erklärt der Architekt. Scheunen lassen sich zudem einfach bauen – vor allem in abgelegenen Gebieten wie Elgin, wo man die Landschaft so wenig wie möglich beeinträchtigen möchte. Der Stahlrahmen des Portals konnte vorgefertigt und vor Ort schnell aufgebaut werden. Bei der anschliessenden Wellblechverkleidung wurden auf dem Dach auch gleich Solaranlagen installiert, um den Komfort nachhaltig und den ökologischen Fussabdruck klein zu halten. Zur Seeseite hin schneiden sich ein paar quaderförmige Fenster mit rundum hervorstehenden Holzrahmen in die Fassade, die gebündeltes Licht in den Innenraum bringen und dort die Ausblicke in die umgebende Natur rahmen.

Die schwarze Möblierung schafft einen kontrastreichen Gegenpol zur hellen Holzverkleidung der Scheune.

Von der Vorderseite des Hauses aus ist die stilisierte Scheunenform am deutlichsten zu erkennen. Der Eingangsbereich ist mit einer Pergola aus geschwärztem Holz überdacht, die einen gestreuten Lichteinfall und ein Schattenspiel erzeugt, ganz so, als würde man sich unter einem Blätterdach befinden. Darunter findet sich ein grosszügiger Aussensitzplatz samt Küche und einer einladenden Lounge wieder, der deutlich macht, dass sich das Leben hier grösstenteils draussen abspielt. So auch das der Aufrichtigs, wenn sie an den Wochenenden oder in den Ferien nach Elgin kommen. Jodys Lieblingsplatz etwa ist die Grillstelle, ausgestattet mit einem Gas- und einem Holzkohlegrill. Die Kinder gehen dann im See schwimmen und die Obstplantagen und Berge rund um die moderne Scheune laden zum Wandern und Entdecken ein.

Kontrastreich

Tritt man ein, wird man von einem einladenden Wohn- und Essbereich begrüsst. Wände, Boden und Dach sind komplett in Fichtenholz gekleidet und schaffen eine helle Atmosphäre. Die Wände und die Dachschrägen folgen dabei der äusseren Silhouette des Gebäudes, sodass man die Form der Scheune auch innen lesen kann. Auf der dem Stausee zugewandten Seite sind eine Reihe von Fenstern eingelassen. Bei deren Anordnung ging der Architekt sehr zurückhaltend vor. «Es gibt nur wenige, dafür sehr durchdachte Öffnungen», so Greg. «Sie wurden so gesetzt, dass sie die Aussicht einrahmen und eine leicht unregelmässige Lichtverteilung im Innenraum schaffen.» Die tiefen Nischen, die die Fenster umrahmen, laden dabei dazu ein, sich hineinzusetzen, ein Buch zu lesen oder einfach die grandiose weitläufige Landschaft zu geniessen. Die Illusion, dass man durch das Haus hindurch auf die andere Seite sehen kann, wird durch eine raumhohe verspiegelte Wand in der Mitte des Wohnbereichs erzeugt, die den dahinter liegenden Garten spiegelt und den Ausblick damit direkt ins Haus holt. So lässt sich selbst mit dem Rücken zum Garten dessen Schönheit betrachten. Dadurch wird nicht nur der Raum optisch vergrössert, sondern auch die Natur mit dem Innenraum auf poetische Weise verbunden.

Greg und sein Team standen den Aufrichtigs nicht nur beim Bau zur Seite, sondern entwarfen auch gleich einen Grossteil der Ausstattung, die im Gegensatz zu der hellen Holzverkleidung beinahe durchgehend in Schwarz gehalten ist und von einer klaren, reduzierten Sprache zeugt. Dazu gehört beispielsweise auch die skulptural anmutende Küche mit Gasherd, die sich in den grosszügigen Esstisch hineinzuschneiden scheint. Die Arbeitsplatte besteht aus geschwärztem Messing, das wärmebehandelt wurde, um einen bestimmten Schwärzungsgrad zu erreichen. «Das Material oxidiert mit der Zeit und es entsteht eine Patina, fast wie ein Charakter mit einer eigenen Geschichte», erklärt Greg. «Zudem unterstreicht sie auch die industrielle Ästhetik, mit der wir hier gearbeitet haben.»

Der Esstisch bietet derweil ausreichend Platz für die Familie und Gäste, die unmittelbar am Kochgeschehen teilhaben können. «Viele Leute haben Angst vor Schwarz», sagt Greg. «Ich liebe hingegen die Präsenz, die es hat: Schwarz verleiht jedem Möbelstück eine Identität, ohne dabei überladen zu wirken, was insbesondere in einem kleinen Raum ein Vorteil ist. Durch die Kontinuität werden zudem Räume, Objekte und Elemente miteinander verbunden.» Während der Grossteil der Umgebungsbeleuchtung in die Wände integriert wurde – zum Beispiel die vertikalen LED-Lichtbänder hinter dem Esstisch –, haben sie durch ihre Unscheinbarkeit Platz für ein paar Besonderheiten geschaffen, etwa für die Pendelleuchten von Foscarini mit Diesel Home über dem Esstisch und in der Küche, oder die Tischleuchte «Cage» von Weilandts seitlich der Spiegelwand.

Ein Haus zum Entspannen

Im Wohnbereich bilden die eigens angefertigten Sofas mit einem Untergestell aus Fichtenholz – passend zum Haus – gemeinsam mit dem Couchtisch und den luftigen Stühlen von Block & Chisel eine Sitzecke, die sich in das minimalistisch-pure Interieur gekonnt einfügt. Greg weist auf die schlanken Designs hin, die hier vorherrschen. «Alles ist ziemlich tief oder steht auf filigranen Füssen, sodass man ein Gefühl für die Kontinuität des Bodens und damit die Grösse des Raums bekommt», sagt er. Die Accessoires, auch diese in Schwarz gehalten, sind sehr bewusst gewählt. Alles scheint seinen Platz zu haben, nichts scheint zu viel und doch – oder vielleicht gerade deswegen – lädt das Haus zum einfachen Sein und Entspannen ein.

Die Inneneinrichtung mag zwar sorgfältig kuratiert sein, doch die asymmetrische Anordnung der einzelnen Möbel bringt eine gewisse Dynamik ins Spiel. «Ich mag keine Symmetrie», sagt Greg. «Nichts steht in der Mitte, nichts ist gespiegelt und nichts wiederholt sich.» Gleichzeitig werden die überwiegend kantigen, maskulinen Formen durch gelegentliche runde Elemente, wie etwa dem kleinen dreibeinigen Beistelltisch neben dem Sofa oder den beiden Hockern aus Kork ausgeglichen. Diese Art von Schlichtheit passt perfekt zu Jody, der vehement die Meinung vertritt, dass ein Teil der Klarheit und Ruhe, die ihm seine Besuche in Elgin bieten, mit dem Verzicht auf Überflüssiges und mit Unordnung zu tun haben.

Seitlich des offenen Wohn- und Essbereichs führt ein Durchgang vorbei an der Spiegelwand zu den Schlafzimmern und Bädern, die im hinteren Teil der Scheune angelegt sind. Die Badezimmer bestehen überwiegend aus hellen Oberflächen und Stein. Graue Betonplatten und weisse Kieselsteine kleiden den Boden, für die Wände wurde eine Steinmauer errichtet, deren rötlichbraune Steine vom Gelände selbst und der unmittelbaren Umgebung stammen und eine gewisse rustikale Note einfliessen lassen. Ihre Rauheit wird von den weissen Badezimmermöbeln, viele davon von Greg und seinem Team selbst entworfen, ergänzt. Die kreisrunden Waschbecken und dazu passende Spiegel lockern die ansonsten vorherrschende kantige Geometrie auf.

Einfach und strukturiert

«Aus irgendeinem Grund scheinen die Leute hierher zu kommen und zu lächeln.»

JODY AUFRICHTIG, BAUHERR

Die minimalistische und pure Designsprache des Hauses setzt sich dabei auch in den Schlafzimmern fort. Das Bett im Hauptschlafzimmer sowie auch in den Kinderzimmern, wurde massgefertigt. Auch hier schaffen Bettrahmen und Nachttische in Fichtenholz eine visuelle Einheit mit Wand und Boden. Im Kinderzimmer führt zudem eine schwarze Stahlleiter auf den Dachboden, wo die Kinder laut Jody am liebsten schlafen. Und ausgeschlafen möchte man auch sein, denn das Spektakel, das sich jeden Morgen vor der Scheune offenbart, zeugt von einzigartiger Schönheit und Poesie.

«Frühmorgens beobachte ich die Enten, die auf dem Wasser landen. Es ist einfach herrlich», schwärmt der Bauherr Jody Aufrichtig. Selbst einen privaten Steg zum Wasser planten die Architekten für die grosse Familie ein. Im noch feuchten Morgentau lässt sich hier eine Tier- und Pflanzenwelt entdecken, die einen Hektik und Lärm der Stadt vergessen lässt. «Ich mag, dass das Haus sehr einfach und strukturiert gehalten ist,ich bin tatsächlich viel glücklicher hier», sagt Jody und fügt an: «Aus irgendeinem Grund scheinen die Leute hierherzukommen und zu lächeln, und das ist für mich der beste Beweis.»