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AUSLANDSBESUCH: ABENDS UM 9 IN SPANIEN…


FFussball Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 28.01.2021

TURID KNAAK SUCHT IN MADRID EINE NEUeSportLICHE HERAUSFORDERUNG UND MUSS SICH AN SO MANCHE UMSTELLUNG GEWÖHNEN.


Artikelbild für den Artikel "AUSLANDSBESUCH: ABENDS UM 9 IN SPANIEN…" aus der Ausgabe 1/2021 von FFussball Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: FFussball Magazin, Ausgabe 1/2021

Madrid ist ein beliebtes Reiseziel – Sightseeing, Shopping, Kultur, Sport – für jeden wird in Spaniens Hauptstadt etwas geboten. Madrid ist elegant, dynamisch und steckt voller geschichtsträchtiger Sehenswürdigkeiten. Dennoch gibt es vieles, das die Stadt nicht so ohne weiteres von sich preisgibt. Reliquien vom Heiligen Valentin, dem Schutzheiligen der Liebe finden sich in vielen Kirchen in ganz Europa, aber sein Herz hat er in Madrid gelassen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Es ...

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... befindet sich – zusammen mit seinen anderen sterblichen Überresten – in der Kirche des Heiligen Anton in der Calle de Hortaleza, nördlich des Stadtzentrums. Es ist nur einer von vielen versteckten Schätzen, die es für die gebürtige Essenerin Turid Knaak in Madrid zu entdecken gibt. Die 29-jährige Stürmerin entschied sich im vergangenen Sommer nochmal im Ausland etwas Neues zu wagen. „Madrid ist eine Weltstadt. Es gibt hier so viele verschiedene Viertel, die alle ihren ganz eigenen Charme haben. Ich finde immer wieder schöne, versteckte Ecken und kleine Gässchen mit netten Restaurants und Cafés. Auch der alte Stadtkern mit so vielen historischen Gebäuden ist sehr sehenswert. Madrid ist eine Stadt mit viel Flair und einer schönen, einzigartigen Atmosphäre“, beschreibt Knaak ihre neue Heimat.

Turid Knaak wechselte im Sommer 2020 von der SGS Essen zu Atlético Madrid.


Die Stürmerin gehört mit ihren 29 Jahren fast schon zum „alten Eisen“. Über zehn Jahre ist es her, als sie mit dem FCR 2001 Duisburg den DFB-Pokal und den UEFA Women’s Cup gewann. Es folgten Engagements in Leverkusen, London und Essen. In England unterschrieb Knaak 2014 einen zweimonatigen Leihvertrag, währenddessen sie zu vier Ligaund drei Pokaleinsätzen kam. Nun will sie in Spanien nochmal etwas Neues erleben. „Ich bin jetzt in einem gewissen Alter, wo man die letzten Jahre der Karriere planen möchte“, sagt sie schmunzelnd. Ein Ziel im Ausland hatte dabei hohe Priorität. „Das hatte ich auch meinem Berater signalisiert. Im Sommer kam dann die Anfrage aus Spanien und das hatte sich sofort gut angehört. Es ist für mich die Chance, ein neues Land kennenzulernen und bei einem Top-Verein zu spielen, der auch in der Champions League vertreten ist.“ Ein Wunschziel hatte die 29-Jährige nicht. „Ich wollte aber schon in eine attraktive Liga wechseln – und Spanien passt da ganz gut“, sagt sie.

Ihre neue Station Atlético Madrid gehört zu den angesagtesten Adressen im europäischen Frauenfußball. Seit Jahren arbei- tet der Verein auf allerhöchstem Niveau und bietet seinen Spielerinnen ein Umfeld, das so sicherlich seinesgleichen sucht.

Unter der Bezeichnung Atlético Villa de Madrid eröffnete Atlético im Jahr 1989 erstmals eine Fußballsektion für Frauen, die im ersten Jahr ihres Bestehens sofort den spanischen Meistertitel gewinnen konnte. Nach nur drei Jahren wurde das Team wieder aufgelöst. 2001 formierte sich in Madrid ein neues eigenständiges Frauenteam unter der Bezeichnung Atlético Féminas, das zunächst in der Regionalliga startend bis 2003 den Durchmarsch in die zweite Liga schaffte. 2005 wurde dieses Team schließlich als neue Vereinssektion bei Atlético Madrid eingegliedert. Unter dem Dach des Traditionsklubs etablierte sich Atlético zu einem Top-Team in der spanischen Liga und gewann von 2017 bis 2019 drei Meistertitel. „Man merkt, dass der Verein im Frauenbereich schon seit Jahren auf hohem Niveau arbeitet. Atlético verfügt über eine gewachsene Infrastruktur, wir haben ein eigenes Trainingsgelände und ein eigenes kleines Stadion. Uns steht zudem ein großer Staff zur Verfügung – mitsamt medizinischer Versorgung, Kraftraum und alles was dazugehört“, so Knaak. Der Verein ist also erstklassig aufgestellt. „Es ist aber etwas anders als in England, wo die Frauen teilweise das komplette Equipment und die Infrastruktur der Männer mit nutzen können. In Madrid haben wir einen kom- pletten eigenen Trainingskomplex für uns, der extra für die Frauen gebaut wurde.“

Atlético stand im letzten Jahr erstmals im Champions League-Viertelfinale, was auch in Zukunft als Minimalziel gilt. National bekommt der Verein neben dem FC Barcelona mit dem großen Stadtnachbarn Real Madrid neue Konkurrenz – doch die belebt bekanntlich das Geschäft – und künftig wohl auch den spanischen Frauenfußballsport. Dieser erlebte in den letzten Jahren einen enormen Boom und füllte gar die großen Arenen. „Die spanische Liga ist schon sehr präsent in den Medien. Ich habe das Gefühl, dass, besonders von Atlético, sehr viele Spiele im Fernsehen übertragen werden. Es wird sich schon sehr bemüht, den Frauenfußball – gerade jetzt in der Coronazeit – für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagt Knaak, die den Erfolg des spanischen Frauenfuß- balls auch in seiner attraktiven Spielweise begründet sieht. „Was die taktische und spielerische Herangehensweise angeht, da merke ich bei Atlético keinen großen Unterschied zu Deutschland. Ich habe aber schon festgestellt, dass bei unseren Gegnern sehr viel versucht wird, spielerisch zu lösen. Selbst die Mannschaften, die ganz unten in der Tabelle stehen, sind spielerisch und technisch ziemlich stark und versuchen, sich aus engen Situationen herauszukombinieren und eher wenig mit langen Bällen zu agieren.

Das 2019 eröffnete „Centro Deportivo Wanda Alcalá de Henares“ ist die offizielle Spielstätte der Atlético-Frauen.


SICHERLICH IST DAS AUCH WIEDER EIN KLISCHEE – ABER ICH VERMISSE DAS DEUTSCHE BROT TOTAL.


Turid Knaak im Zweikampf mit Sandra Castello Oliver von Sporting Huelva.


Der spanische Fußball hat auf jeden Fall ein hohes Niveau und ist geprägt davon, in allen Situationen spielerische, fußballerische Lösungen zu finden“, resümiert Knaak nach ihrem ersten halben Jahr in Madrid. Insgesamt fühlt sie sich pudelwohl in Spaniens Hauptstadt – auch weil der Verein total hinter seiner Frauenabteilung steht und seine Spielerinnen an nichts fehlen lässt. Knaak wohnt, wie die meisten ausländischen Spielerinnen des Vereins, in einem kleinen Appartement, das vom Verein gestellt wurde. Von hier aus können sich die Stürmerin und ihre internationalen Kolleginnen – darunter Hedvig Lindahl (Schweden), Alia Guagni (Italien) oder Deyna Castellanos (Kolumbien) – voll und ganz auf den Fußball konzentrieren und ganz nebenbei die einzigartige Atmosphäre der Stadt genießen. „Madrid ist schon besonders und verkörpert das typische spanische Lebensgefühl. Es ist eigentlich so, wie man es sich auch vorstellt. Die Menschen sind alle ein wenig entspannter und offener – auch ein bisschen lauter und extrovertierter als in Deutschland.“ Für Knaak eine besondere Erfahrung, die auch Entbehrungen mit sich bringt. „Sicherlich ist das auch wieder ein Klischee – aber ich vermisse das deutsche Brot total. Ansonsten lass ich mich komplett auf Spanien und die neue Kultur ein. Obwohl manches auch gewöhnungsbedürftig ist. So ist es in Spanien üblich, das Abendbrot vergleichsweise spät zu sich zu nehmen – das passiert hier oft erst gegen 21 Uhr oder noch später. Auch in Restaurants bekommt man vor 20 Uhr keinen Tisch – und wenn man um diese Zeit da ist, gehört man oft zu den ersten. Das ist mit meiner deutschen Inneren Uhr schon etwas spät“, sagt Knaak. Doch sie wird sich auch an diese Gepflogenheiten anpassen und ihre neue Wahl-Heimat so nehmen wie sie ist: elegant, entspannt und ein wenig extravagant.

Die Metropolregion Madrid zählt mit etwa sieben Millionen Einwohnern zu den größten Metropolen Europas. Madrid ist (ohne Vororte) mit über 3,2 Millionen Einwohnern nach Berlin die zweitgrößte Stadt der Europäischen Union und die größte Stadt Südeuropas. Mit Real Madrid und Atlético Madrid sind in der spanischen Hauptstadt zwei europäische Fußball- „Schwergewichte“ angesiedelt.


Fotos: Atlético Madrid, imago

Fotos: Atlético Madrid, imago