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AUSRÜSTUNG: Dieselpest Additive: Placebo oder Heilsaft?


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 30/2020 vom 17.02.2020

Das Thema „Dieselpest“ ist immer noch aktuell, die Tankreiniger haben alle Hände voll zu tun und mittlerweile hat es auch der letzte Skipper begriffen: Vorsorgen mit entsprechenden Additiven ist besser, als sich abschleppen zu lassen, oder zu stranden. Entsprechend steigt das Angebot an Additiven auf dem Markt, die allesamt eines gemeinsam haben: Sie versprechen die „Pest“ erfolgreich zu bekämpfen und für runden Motorlauf zu sorgen. Darüber hinaus: Weniger Kraftstoffverbrauch, verringerte Neigung zur Kraftstoffalterung, saubere Einspritzdüsen. Alles bestens also?s hat es nachprüfen lassen


Neben den ...

Artikelbild für den Artikel "AUSRÜSTUNG: Dieselpest Additive: Placebo oder Heilsaft?" aus der Ausgabe 30/2020 von segeln. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: segeln, Ausgabe 30/2020

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... Anbietern aus der Mineralölindustrie streben auch Anbieter von sogenannten Enzymadditiven auf den Markt. Auch ihre vermittelte Botschaft verspricht sauberen Sprit, und eine Verbesserung der Kraftstoffqualität und das sogar ohne Biozide. Da stellt sich auch die Frage, wie sich diese Mittel im Vergleich zu den bekannten Additiven aus der Mineralölindustrie schlagen.

Um Neutralität zu wahren und einen fachkundigen Nachweis der Wirksamkeit zu gewährleisten, wurde daher mit der Durchführung der Untersuchungen die ASG Analytik- Service- Gesellschaft in Neusäß beauftragt. Die ASG gilt als anerkanntes, neutrales Prüflabor, führt seit 1992 chemische Analysen für ihre Kunden durch und ist seit 1998 für die Analytik zahlreicher fossiler und biogener Kraftstoffe akkreditiert. Zu ihren Kunden zählen Industriepartner, der Handel, Behörden sowie Dienstleister der Mineralöl- und Automobilindustrie.

Um die Prüfungen ordnungsgemäß durchzuführen, wurde zunächst bakteriell belasteter Diesel im Labor auf den Grad der Belastung hin geprüft. Hier wurden sowohl Bakterien als auch Fadenpilze nachgewiesen, jedoch noch keine Hefen. Bakterien sind dabei immer die ersten, die sich im Kraftstoff bilden (sogenannte „Prokaryoten“). Die Bakterien führen im Kraftstoff zwar zur Alterung, sind aber an sich für die Funktionsweise des Motors zunächst einmal unschädlich. Von den Bakterien ernähren sich allerdings die Hefen und Pilze (sogenannte Eukaryoten“), die Zellagglomerate bilden, also Aufwuchs erzeugen. Neben der Tatsache, dass dadurch über die häufig korrosiven „Ausscheidungen“ Rostnester entstehen können, neigen sie bei Ablösung von den Oberflächen dazu, das System zu verstopfen.

Dann kamen die Probanden ins Spiel: Je ein Enzymadditiv der Hersteller XBEE und reguLiQ sowie die weit verbreiteten Produkte Grotamar, Liqui Moly Dieselschutz und das neue Diesel Plus von ERC. Die Produkte von Liqui Moly und ERC dürften in diesem Zusammenhang besonders interessant sein, da sie als Nachfolgeprodukte der nur für gewerbliche Anwender vorbehaltenen Biozid-Additive auch von „normalen“ Endverbrauchern im Handel erworben werden können.

Nachdem der mit Bakterien belastete, zuvor untersuchte Ausgangskraftstoff entsprechend den Dosierempfehlungen der jeweiligen Additivhersteller mit den Additiven versetzt wurde, hieß es zunächst einmal: Warten. Nach Ablauf der für Beprobungen dieser Art vorgeschriebenen Warte- beziehungsweise Einwirkzeit war das Testergebnis eindeutig und ist zumindest für die drei etablierten Produkte schnell erklärt: Liqui Moly Dieselschutz, ERC Diesel Plus (beide für Endanwender) und Grotamar vernichteten messbar und in deutlichem Umfang Bakterien, Hefen und Fadenpilze und zeigten somit eine eindeutige Wirkung gegen die gefürchtete Dieselpest.

Wenn das Kraftstoff-System erst mal mit der „Dieselpest“ befallen ist, ist oft eine Tankreinigung unumgänglich. Additive sollen vorbeugen und auch bei einer Akut-Anwendung eine „heilende“ Wirkung haben


Hier geht nichts mehr durch: Ein mit den Rückständen der „Dieselpest“ zugesetzter Kraftstofffilter


In Bezug auf die beiden getesteten Additive auf Enzymbasis bestätigte sich leider das, was uns Kraftstoffexperten schon im Vorfeld der Untersuchung hinter vorgehaltener Hand prophezeit hatten: Sie zeigten keine antibakterielle Wirkung! Im Gegenteil: Hier hatte sich laut des Testergebnisses der Zustand des Ausgangskraftstoffs über die vorgeschriebene Einwirkdauer sogar noch verschlimmert. So stieg beim XBEE-Additiv während des Testzeitraums die Anzahl der Bakterien um den Faktor zehn weiter an, zusätzlich waren jetzt auch Hefen in beträchtlicher Anzahl im Vergleich zum Ausgangskraftstoff und weiterhin Spuren von Fadenpilzen feststellbar, auch wenn letztere in einem etwas geringeren Umfang nachgewiesen wurden. Ähnlich verhält es sich auch mit den reguLiQ-Additiven: Der Test ergab, dass nach dem Beprobungs-Zeitraum sowohl mehr Bakterien als auch Hefen in der Probe auffindbar waren. Lediglich Fadenpilze waren nicht mehr nachweisbar.

Fazit:

Nach dem Testergebnis sind die beiden getesteten Enzymadditive als Schutz vor der „Dieselpest“ nicht geeignet. Die anderen drei getesteten Additive der Hersteller aus der Mineralölindustrie aber greifen, und bekämpfen die Dieselpest wirksam, indem sie die Ausbreitung der Bakterien, Hefen und Pilze unterbinden beziehungsweise ihre Anzahl deutlich messbar verringern. Die vorbeugende Behandlung des Dieselkraftstoffes mit einem der drei wirksamen Additive ist für den Freizeitskipper, dessen Boot lange ungenutzt liegt, daher empfehlenswert.

Wie es im Inneren des Tanks aussieht kann ein Tankreiniger mit einer Kamerauntersuchung sichtbar machen. Hier sind deutliche „Dieselpest“-Ablagerungen am Tankboden erkennbar


Die Menge der Bakterien und Hefen werden als koloniebildende Einheit (KBE) in der Zehnerpotenz (10² entspricht also 10x10=100, 10³ entspricht 10x10x10=1.000; … usw.) dargestellt. Diese Größeneinheit wird bei der Ermittlung der Anzahl lebender Mikroorganismen benutzt und bezeichnet einzelne oder mehrere zusammenhängende Individuen von Mikroorganismen, die durch ihre Vermehrung in oder auf einem Nährmedium eine Kolonie bilden. In der oberen Zeile ist die Ausgangssituation der untersuchten Dieselprobe dargestellt, die mit den Additiven behandelt wurde. Dabei wurden Bakterien und eine Vielzahl von Spuren der Fadenspilze nachgewiesen, Hefen hingegen nicht.

Die Zu-+ Abnahmen der Messergebnisse scheinen auf den ersten Blick gering zu sein, es handelt sich aber bei genauer Betrachtung um absolut signifikante Größenordnungen, da die Veränderung um nur eine Zehnerpotenz eine Verzehnfachung der nachgewiesenen Anzahl bzw.die entsprechende Abnahme um den Faktor 10 pro Milliliter Kraftstoffprobe bedeutet.

In der mit dem XBEE versetzten Probe wurde nach dem Beprobungs-Zeitraum somit eine deutliche Zunahme der Bakterien, eine sehr deutliche Zunahme der Hefen und eine leichte Abnahme der Fadenpilze nachgewiesen. Ähnlich verhielt es sich bei der Probe, die mit dem ReguLiQ-Additiv versetzt war. Bakterien und Hefen nahmen massiv zu, Fadenpilze waren nicht mehr nachweisbar. Beim frei verkäuflichen Liqui Moly Dieselschutz war eine sehr deutliche Abnahme der Bakterien zu beobachten, Hefen und Fadenpilze waren nicht mehr nachweisbar, ebenso beim ebenfalls frei verkäuflichen Diesel Plus Additiv von ERC (untere Zeile). Weder Bakterien noch Hefen oder Fadenpilze waren beim Grotamar 71 Additiv nachweisbar, dessen Wirkstoff lt.den Aussagen des Prüflabors dem aktuellen Grotamar 82 entspricht. Das Additiv ist jedoch nicht für den freien Verkauf an Endkonsumenten zugelassen. Es kann aber z.B. über Tankreiniger, Marinas, Serviceunternehmen oder Tankstellenbetreiber zum Kraftstoff hinzugefügt werden, oder an Gewerbetreibende verkauft werden.


Fotos: Wolfgang Kroeger