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AUSRÜSTUNG ENDURO-REIFEN IM TEST: Grip und Krach


Motorrad News - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 08.11.2019

Das Angebot an Pneus für große Reise-Enduros ist umfangreich wie nie. Wir haben 14 Paare im Format 120/70-19 und 170/60-17 auf Handling und Fahrstabilität überprüft sowie die Abrollgeräusche gemessen – mit zum Teil erstaunlichen Ergebnissen.


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Bildquelle: Motorrad News, Ausgabe 12/2019

Das Contidrom bietet optimale Bedingungen für vergleichbare Messergebnisse.


Auf dem Contidrom fahnden wir nach den Kollegen »Grip« und »Krach«. Denn unsere Test-GS ist laut, sehr laut sogar. Und das nicht nur wegen der unsäglichen Klappensteuerung im Auspuff. Grund sind neuerdings vielfach die Reifen, die durch ihre Profilierung mit zum Teil sehr deutlich ...

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... wahrnehmbaren Abrollgeräuschen auf sich aufmerksam machen. Und das nervt. Nicht so sehr die Außenstehenden, vielmehr den Fahrer selbst, der in bestimmten Geschwindigkeitsbereichen ein monotones säuselndes Geräusch wahrnimmt, dies aber in der Regel nicht genau zu orten weiß. Wir haben deshalb die aktuelle BMW R 1250 GS samt allen wichtigen am Markt erhältlichen Straßen- und Enduro-Profilen auf das Contidrom gebeten, um unter bestmöglichen Bedingungen ihre Qualitäten auf der Straße zu testen und ihr Geräuschverhalten zu messen.

In der Tabelle auf Seite 63 sind die Messwerte zusammengefasst, wobei hier zwischen der Geräuschmessung (Außen- und Innenmessung in dBA bei Geschwindigkeiten von 50, 80 und 120 km/h) sowie der Geschwindigkeits- bzw. Zeitmessung (angegeben im km/h bzw. s) in verschiedenen Sektionen des Handlingkurses unterschieden wird. Farblich hervorgehoben sind die jeweiligen Bestwerte, sprich die leisesten und lautesten Reifen, die höchsten und niedrigsten Geschwindigkeiten in der Spitzkehre bzw. der schnellen Links sowie die besten und schlechtesten Zeiten in der Schikane. Die Abrollgeräuschmessung (s. Seite 61) erfolgte bei rollendem Fahrzeug und abgestelltem Motor. Trotzdem bewegen wir uns bei der Innenmessung im Spektrum zwischen Hauptverkehrsstraße (85 dB), Orchestergraben eines Opernhauses (90 dB) und Holzfräsmaschine (95 dB), wobei die Windgeräusche ab 90 km/h extrem in den Vordergrund rücken und die Abrollgeräusche kaum mehr eine Rolle spielen – zumindest nicht für den Piloten. Von außen sind auch bei höheren Geschwindigkeiten Unterschiede weiterhin deutlich messbar. Mit Helm und Ohrenstöpseln lässt sich die Belastung für den Fahrer natürlich absenken, aber nicht ganz ausblenden.

Anlas Capra RD

Die Capra-Serie von Anlas wird in der Türkei produziert. Zur Auswahl stehen zwei Profile für die großen Reise-Enduros: der mehr straßenorientierte RD-Radialreifen und der Offroad-Gürtelreifen »Capra X«.
Größe vorn/hinten: 120/70 R19 60V TL / 170/60 R17 72V TL
Typ: Radialreifen mit Stahlgürtel
Gewicht vorn/hinten: 5,5/7,5 kg
Breite vorn/hinten: 117/168 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 4,5/7,2 mm
Herstellungsland: Türkei
Preis vorn/hinten: 105/95,90 Euro*

Fazit: Der RD von Anlas ist technisch noch nicht auf dem Niveau der Konkurrenz angekommen. Er rollt ab 50 km/h laut ab, läuft mit beladenen Koffern ab 160 km/h nicht mehr stabil geradeaus und offenbart auch im Handling Schwächen: Beim Anbremsen der 180-Grad-Kehre führt das Vorderrad nicht mehr sauber und sorgt für Unruhe – in der langen, schnell gefahrenen Links drängt das Motorrad weit nach außen und muss mit Zug am Lenker auf Kurs gehalten werden. Außerdem sind Vibrationen am Lenker deutlich spürbar.

Avon TrailRider AV 53/54

Der TrailRider wird in England produziert und weist trotz des eher straßenorientierten Profils sogar eine M+S-Kennung auf. Er löst den Distanzia ab und ist für mittlere bis große Reise-Enduros erhältlich.
Größe vorn/hinten: 120/70 ZR19 60W M+S / 170/60 ZR17 72W M+S
Typ: Radialreifen
Gewicht vorn/hinten: 5,3/8,6 kg
Breite vorn/hinten: 119/172 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 5,3/7,9 mm
Herstellungsland: England
Preis vorn/hinten: 93,50/148 Euro*

Fazit: Der Avon kommt mit ordentlich viel Profil daher und garantiert hohe Laufleistungen für relativ kleines Geld. Die Paarung ist schwer und baut auch relativ breit, was das schwerfällige Handling zum Teil erklärt. Trotz hoher Temperaturen baut der Avon nur befriedigenden Grip auf und lässt das Hinterrad schon mal wegrutschen. Zu den großen Pluspunkten zählen die gute Grundstabilität – auch beim harten Anbremsen – und die hohe Zielgenauigkeit beim Einlenken. Bei den Abrollgeräuschen liegt er im Mittelfeld.

Bridgestone Battlax A41

Der A41 wird mit der Sonderspezifikation (G) für die GS ausgeliefert und gehört zu den Erstausrüstern. Am Vorderrad kommt sogar ein stabiler Stahlgürtel zum Einsatz.
Größe vorn/hinten: 120/70 R19 60V TL / 170/60 R17 72V TL
Typ: Radialreifen mit Stahlgürtel (v.)
Gewicht vorn/hinten: 5,2/7,8 kg
Breite vorn/hinten: 117/168 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 3,8/5,7 mm
Herstellungsland: Japan
Preis vorn/hinten: 85,70/110,30 Euro*

Fazit: Das japanische Reise-Enduro-Profil ist ein sehr verlässlicher Allrounder, der beim Kurvenspeed und auch bei der Grundstabilität ganz vorn mitspielt. Angenehm sind sein extrem breiter Grenzbereich, die gute Eigendämpfung und die enorm hohe Stabilität selbst mit Beladung. Im Handling etwas schwerfälliger als Conti und Metzeler, aber schön neutral in der Einlenkphase. Die hohen Abrollgeräusche zwischen 50 und 80 km/h, ausgelöst durch die Querprofilierung vorne, und die geringe Profiltiefe stören.

Continental RoadAttack 3

* Quelle: ReifenDirekt.de

Conti bietet derzeit das breiteste Programm für Reise-Enduros. Der RoadAttack 3 übernimmt dabei den Part des Straßenreifens. Das Profil ist ein guter Mix aus Längs- und Querrillen.
Größe vorn/hinten: 120/70 ZR19 60W TL / 170/60 ZR17 72W TL
Typ: Radialreifen mit Stahlgürtel
Gewicht vorn/hinten: 4,9/7,7 kg
Breite vorn/hinten: 114/170 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 4,7/7,1 mm
Herstellungsland: Deutschland
Preis vorn/hinten: 116,70/139,20 Euro*

Fazit: Dieser Conti konzentriert sich aufgrund seiner minimalistischen Profilierung auf die Straße und fährt hier alles in Grund und Boden. Extrem zielsicher und mit stoischer Ruhe durcheilt er die schnelle Links auf dem Handlingkurs und ist Spitze in Sachen Kurvenspeed. Der Grip ist enorm, das Feedback für den Fahrer einzigartig, aber bei der Stabilität (mit Koffern) sind leichte Abstriche hinzunehmen. Der RoadAttack 3 gehört zu den ganz leisen Profilen, die zwischen 50 und 80 km/h die wenigsten Geräusche machen.

Continental TrailAttack 3

Der TrailAttack 3 kam 2019 frisch aus dem Reifenwerk im hessischen Korbach. Er unterscheidet sich optisch kaum vom Road-Attack 3, weist aber deutlich mehr Profil auf und besitzt eine härtere Mischung.
Größe vorn/hinten: 120/70 R19 60V TL / 170/60 R17 72V TL
Typ: Radialreifen mit Stahlgürtel
Gewicht vorn/hinten: 5,2/7,9 kg
Breite vorn/hinten: 115/170 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 5,7/7,4 mm
Herstellungsland: Deutschland
Preis vorn/hinten: 129,10/132,49 Euro*

Fazit: Auch der TrailAttack 3 baut aufgrund seiner rauen Oberflächenstruktur (»Traction Skin«) früh sehr viel Vertrauen auf. Die Enduro-Version des Attack bietet ebenfalls exzellente Haftwerte in Schräglage, rollt zielsicher in die Kurven und gibt sich sogar etwas handlicher in Wechselkurven. Zudem ist der Reifen vorn und hinten mit ordentlich viel Profil gesegnet und dürfte von daher auch erste Wahl für Vielfahrer sein. Unauffällig leise bei den Abrollgeräuschen, aber ab 180 km/h nicht mehr der stabilste Pneu.

Continental TKC 70

Mit dem TKC 70 hat Conti einen Mix aus Grobstoller und Enduro-Reifen etabliert. Wer auf Offroad-Look steht, aber primär auf Straßen unterwegs ist, kann sich mit dieser Art »Mischbereifung« anfreunden.
Größe vorn/hinten: 120/70 R19 60V TL M+S / 170/60 R17 72V TL M+S
Typ: Radialreifen mit Stahlgürtel
Gewicht vorn/hinten: 4,8/8,2 kg
Breite vorn/hinten: 114/171 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 4,5/9,7 mm
Herstellungsland: Deutschland
Preis vorn/hinten: 97,60/126,40 Euro*

Fazit: Auf der Straße kann der TKC 70 mit den mehr straßenorientierten Enduro-Profilen mithalten. Er läuft zwar auf der Flanke rauer ab und lenkt sich über die Front auch nicht so souverän und zielgenau ein, doch an der Grundstabilität während der Kurvenfahrt gibt es nichts zu meckern. Auch dieser Conti ist trotz des groben Profils mit fast zehn Millimetern Tiefe hinten noch erstaunlich leise, da die Hinterhand einen durchlaufenden Mittelsteg aufweist. Negativ: hoher Verschleiß und nur wenig Profil auf der Vorderhand.

Continental TKC 80

Der Klassiker von Conti und immer noch State of the Art in seiner Kategorie. Die Anordnung der Profilblöcke garantiert coole Optik, hohe Offroad-Tauglichkeit und einen eher geringen Verschleiß.
Größe vorn/hinten: 120/70 B19 60Q TL M+S / 170/60 B17 60Q TL M+S
Typ: Gürtelreifen
Gewicht vorn/hinten: 4,6/6,5 kg
Breite vorn/hinten: 112/171 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 6,4/10,2 mm
Herstellungsland: Südkorea
Preis vorn/hinten: 94,70/134,60 Euro*

Fazit: Wer ins Gelände will, greift fast reflexartig zum TKC 80 von Conti, weil das Gesamtpaket einfach stimmig ist. Der 80er läuft stabil geradeaus, verschleißt überschaubar – wenn er nicht gerade über die Autobahn gescheucht wird – und büßt auf dem großen Handlingkurs nur wenig Zeit gegenüber der straßenorientierten Konkurrenz ein. Ein Reifen mit großer Bandbreite, der auf losem Grund mehr Vortrieb und Fahrspaß garantiert, ohne auf der Straße zu kapitulieren. Naturgemäß kein Leisetreter beim Abrollen.

Dunlop RoadSmart III

Der RoadSmart ist der Straßenreifen von Dunlop für die große GS. Die Dunlops laufen immer ein wenig unter dem Radar – gerade bei den großen Enduros –, zu Unrecht, wie wir meinen.
Größe vorn/hinten: 120/70 ZR19 60W TL / 170/60 ZR17 72W TL
Typ: Radialreifen mit Stahlgürtel
Gewicht vorn/hinten: 5,2/7,8 kg
Breite vorn/hinten: 117/166 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 4,8/8,3 mm
Herstellungsland: Frankreich
Preis vorn/hinten: 115,50/139 Euro*

Fazit: Der RoadSmart III kommt straßentypisch mit wenig Profiltiefe und hohen Positiv-Anteilen daher. Das sorgt für eine hohe Grundstabilität während der Kurvenfahrt, ein sehr transparentes Abkippen in Schräglage, aber auch für ein hohes Aufstellmoment beim Bremsen. Im Handling etwas schwerfälliger als der Conti- und der Michelin-Straßenreifen. Vorbildlich bei der Geräuschmessung durch das primär in Laufrichtung gestaltete Profil. Gehört auch mit Gepäck zu den stabilsten Reifen für die GS.

SO HABEN WIR GETESTET

Innengeräuschmessung via App (o.), Außenmessung mittels Richtmikrofon.


Abrollgeräusche Reifen

»Was soll das denn?«, werden sich viele fragen. »Motorräder rollen doch deutlich leiser ab als Autos!« Das stimmt zwar, aber auch Enduro-Profile machen zum Teil erheblichen Lärm. Wobei es hier nicht um die Belästigung von Außenstehenden geht – da ist unsere Auspuffanlage deutlich lauter –, es geht hier primär darum, was der Fahrer selbst auf die Ohren bekommt. Es wird quasi die »Belästigung am Arbeitsplatz« gemessen. Das Thema macht derzeit nicht nur im Netz die Runde, auch bei den Stammtischen wird kontrovers diskutiert – und das völlig zu Recht, wie unsere Messwerte bestätigen.

Und woher kommen diese Geräusche? Ein Reifen ohne Profil macht kaum Geräusche. Je mehr Profilrillen und je höher der Negativanteil, umso lauter wird es. Ein Straßenreifen ist daher normalerweise leiser als ein Straßen-Enduro-Reifen, der wiederum deutlich leiser ist als ein Grobstoller. Gemessen wurde bei 50, 80 und 120 km/h mit abgeschaltetem Motor, um explizit auch nur die Abrollgeräusche zu erfassen. Das Testfahrzeug rollt also mit Geschwindigkeit »X« durch die Pylonen, von außen werden die Fahrgeräusche nach Vorgabe (in 7,5 Metern Abstand und das Mikro 1,2 Meter über dem Boden) erfasst, während der Fahrer die Innengeräuschmessung am Motorrad via Handy durchführt. Die Messwerte sind in der Tabelle auf Seite 63 aufgelistet.

Stabilität mit Gepäck

Um der Grundstabilität der Reifenpaarungen auf den Zahn zu fühlen, haben wir die beiden serienmäßig montierten Seitenkoffer der BMW R 1250 GS mit jeweils 15 Kilogramm beladen und sind damit bewusst über das tolerierte Maß des Herstellers hinausgegangen. Die maximale Zuladung von 209 Kilogramm ist damit zwar noch nicht erreicht, aber auf Solisten, die mit viel Gepäck am Heck unterwegs sind, reagiert das Fahrwerk oftmals deutlich nervöser als auf den klassischen Zwei-Personen-Betrieb mit Gepäck. Mit automatischer Federanpassung und maximaler Dämpfung (Dynamic) geht es also auf das Conti-Oval mit seinen beiden überhöhten Steilwandkurven und den langen Geraden, die mit unterschiedlichen Belägen aufwarten und daher fast schon die ganze Bandbreite deutscher Autobahn-Strukturen nachbilden. Wobei die 1250er von Haus aus nur schwer aus der Ruhe zu bringen ist. Sie läuft in der Regel unter allen Bedingungen stabil geradeaus, aber nicht mit jedem Reifen, wie unser Test mit den 14 Reifenpaarungen eindeutig aufzeigt. Zu den stabilsten Vertretern gehören die vielfach auch schon ab Werk montierten Bridgestone A41, der Metzeler Tourance Next und der Michelin Anakee Adventure. Zu den nicht sonderlich stabilen zählen die Grobstoller von Conti und Heidenau, der Avon TrailRider, der ab 180 km/h leicht aufschwingt, und der Anlas Capra RD, der ab 160 km/h nicht mehr stabil geradeaus läuft.

Dunlop TrailSmart Max

TrailSmart Max heißt der renovierte Pneu aus Frankreich. Die neue Struktur vorne soll für ein leichteres Handling und ein Plus an Laufleistung sorgen. Neu: Zweikomponenten-Mischung hinten.
Größe vorn/hinten: 120/70 R19 60V TL / 170/60 R17 72V TL
Typ: Radialreifen mit Stahlgürtel
Gewicht vorn/hinten: 5,2/7,8 kg
Breite vorn/hinten: 117/166 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 4,8/8,3 mm
Herstellungsland: Frankreich
Preis vorn/hinten: 107,90/122,50 Euro*

Fazit: Der TrailSmart ähnelt in den Grundzügen dem Straßenprofil RoadSmart. Ein komfortables Reifenpaar, das sich zwar nirgendwo in den Vordergrund spielen kann, aber durch seine Neutralität und Ausgewogenheit überzeugt. Nicht ganz so agil und handlich wie die Konkurrenz, aber stets souverän und verlässlich unterwegs. Auch weil sich der nicht zu spitz konturierte Vorderradreifen sehr zielgenau in die Kurve legen lässt. Erstaunlich auch hier die Stabilität mit Gepäck bis weit über 200 Stundenkilometer.

Heidenau K60 Scout

Der K60 Scout aus und von Heidenau ist gerade bei den Reisenden gefragt, da er hohe Laufleistungen für relativ kleines Geld verspricht. Klassischer Diagonalreifen mit M+S-Kennung (bis 190 km/h).
Größe vorn/hinten: 120/70 B19 60T TL M+S / 170/60 B17 72T TL M+S
Typ: Diagonal-/Gürtelreifen
Gewicht vorn/hinten: 5,2/8,4 kg
Breite vorn/hinten: 113/166 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 7,4/9,0 mm
Herstellungsland: Deutschland
Preis vorn/hinten: 91,20/123,70 Euro*

Fazit: Der K60 Scout bietet einen interessanten Mix aus Geländetauglichkeit, Straßen-Performance und Laufleistung und ist damit eine echte Alternative zu den reinen Grobstollern. Die 7,4 Millimeter Profiltiefe auf der Vorderhand hat sonst keiner – und die Verschleißfestigkeit auf der Hinterhand auch nicht. Dafür sind im Gelände (Profil hinten setzt sich auf feuchtem Grund schnell zu) und auf der Straße (laut, nicht so stabil und zielgenau) einige Kompromisse in Kauf zu nehmen.

Metzeler Tourance Next

Der Tourance gehört ja schon seit Jahren zu den Topsellern am Markt und bei der GS quasi zur Grundausstattung. Ein Stahlgürtelreifen der ersten Stunde, dessen Vorderradreifen aus China kommt.
Größe vorn/hinten: 120/70 R19 60V TL / 170/60 R17 72V TL
Typ: Radialreifen mit Stahlgürtel
Gewicht vorn/hinten: 5,2/7,2 kg
Breite vorn/hinten: 121/164 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 4,7/7,7 mm
Herstellungsland: Deutschland
Preis vorn/hinten: 88,70/115,20 Euro*

Fazit: Der bewährte Metzeler passt auch weiterhin gut zur großen GS, wenn da nicht die nervigen Abrollgeräusche zwischen 50 und 80 km/h wären. Ansonsten brilliert er mit Topwerten bei Haftung, Kurvenspeed und Stabilität. Leichte Abstriche sind beim Bremsen in Schräglage (Aufstellmoment) und beim Handling (Schräglagenwechsel in der Schikane) hinzunehmen, wobei diese »Minuspunkte « im Alltag kaum auffallen. Nach wie vor ein guter und sehr verlässlicher Allrounder mit hohem Fahrkomfort.

Metzeler Karoo Street

Die jüngste Kreation von Metzeler ist ein Semi-Grobstoller, in der Lücke zwischen Tourance Next und Karoo 3. Wobei der Hersteller von 20 Prozent Offroad- und 80 Prozent Onroad-Fähigkeiten spricht.
Größe vorn/hinten: 120/70 R19 60V M+S / 170/60 R17 72V M+S
Typ: Radialreifen mit Stahlgürtel
Gewicht vorn/hinten: 5,4/7,0 kg
Breite vorn/hinten: 118/167 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 6,7/9,5 mm
Herstellungsland: China
Preis vorn/hinten: 96,10/120,40 Euro*

Fazit: Mit dem Karoo Street wetteifert Metzeler mit dem Conti TKC 70. Diese Art Bereifung liegt im Trend, ergibt aber nicht wirklich viel Sinn, da man zwischen den Stühlen sitzt: Genau genommen erreicht man mit dem Karoo Street nicht die Kurvengeschwindigkeiten und das Feedback des Tourance und muss mit überschaubaren Laufleistungen auf Asphalt und mäßigen Offroad-Qualitäten leben. Zu den Vorzügen zählen erstaunlich hoher Grip, das geringe Aufstellmoment beim Bremsen und das sehr neutrale Einlenkverhalten.

Michelin Road 5 Trail

Der Road 5 mit dem Zusatz »Trail« ist speziell für Groß-Enduros entwickelt. Er fällt durch seine ausgeprägte Lamellen-Struktur etwas aus dem bekannten Muster, was aber guten Nass-Grip erzeugt.
Größe vorn/hinten: 120/70 ZR19 60W TL / 170/60 ZR17 72W TL
Typ: Radialreifen
Gewicht vorn/hinten: 4,9/6,0 kg
Breite vorn/hinten: 117/163 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 4,3/6,5 mm
Herstellungsland: Spanien
Preis vorn/hinten: 117,10/148,10 Euro*

Fazit: Der Straßenpneu verzichtet auf einen Stahlgürtel und gehört daher zu den leichtesten Reifen am Markt. Auffällig ist das leichtfüßige Handling aufgrund der relativ spitzen Kontur vorn und des vergleichsweise schmalen Hinterrads, was sich auch in den Topwerten auf dem Kurs bei Spitzkehre und Schikane zeigt. Außerdem erfreulich: Der Road 5 macht dank seiner Profilgestaltung längs zur Fahrrichtung kaum Geräusche. Nicht so stabil bei schnell gefahrenen Kurven und mit Gepäck (leichte Unruhe ab 160 km/h).

Michelin Anakee Adventure

Der Anakee Adventure löst den Anakee III ab, was mit einer komplett veränderten Profilgestaltung einhergeht. Jetzt mit Zweikomponenten-Mischung: harte Mitte (Laufleistung), weiche Flanken (Grip).
Größe vorn/hinten: 120/70 R19 60V TL M+S / 170/60 R17 72V TL M+S
Typ: Radialreifen
Gewicht vorn/hinten: 4,9/7,2 kg
Breite vorn/hinten: 118/164 mm
Profiltiefe vorn/hinten: 4,6/7,7 mm
Herstellungsland: Thailand
Preis vorn/hinten: 97,60/122 Euro*

Fazit: Mit dem Anakee Adventure präsentiert Michelin ein klassisches Enduro-Profil für die großen Reise-Enduros, das mit einem ausgewogenen Fahrverhalten und hoher Grundstabilität glänzt. Der Michelin ist zwar bei keiner Disziplin vorn dabei (nicht schnell und nicht laut), fällt aber auch nirgends durch. Ihm fehlt etwas die Leichtigkeit des Road 5. Auf der Flanke bei schnell gefahrenen Kurven nervöser als Conti & Co. und auf der Bremse mit deutlich mehr Eigendynamik. Gut: hohe Stabilität mit Beladung bis 200 km/h.

Messergebnisse auf einen Blick: Die Abrollgeräusche der 14 Reifenpaarungen wurden von außen und innen gemessen, jeweils bei Geschwindigkeiten von 50, 80 und 120 km/h – die Angaben erfolgen in dB(A). Hervorgehoben sind hier jeweils die leisesten (grün) und die lautesten (rot) Messergebnisse. Auf dem großen Handlingkurs haben wir die Kurvengeschwindigkeiten in einer Spitzkehre und in einer langen Links aufgenommen sowie die Zeit gemessen, die die GS zum Durcheilen einer Links-Rechts-Schikane benötigt. Auch hier sind die Bestzeiten (gelb) und die langsamen Vertreter (blau) ausgewiesen.

Schräglagen mit GPS-Sensor am Helm: Via Datarecording werden die Kurvengeschwindigkeiten aufgezeichnet.


BEZUGSNACHWEIS

Anlas: Tel. +90/212/2650680 www.anlas.com
Avon: Tel. 06103/960760 www.avontyres.com
Bridgestone: Tel. 06172/40801 www.bridgestone.de
Continental: Tel. 0511/93801 www.continental-reifen.de
Dunlop: Tel. 06181/6801 www.dunlop.eu
Heidenau: Tel. 03529/552801 www.reifenwerk-heidenau.com
Metzeler: Tel. 06163/710 www.metzeler.com
Michelin: Tel. 0721/5300 www.michelin.de