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AUSRÜSTUNG: FALTBOOTE: FREI ENTFALTEN!


Kanu Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 07.08.2020

Zerlegbar und dementsprechend einfach zu lagern und zu transportieren – das ist allen Faltbooten gemeinsam. Damit hört die Gleichschaltung aber auch schon auf: Die Sparte der Faltboote reicht von Freizeit-Hybriden bis zu Hochleistungskajaks und -canadiern.


Artikelbild für den Artikel "AUSRÜSTUNG: FALTBOOTE: FREI ENTFALTEN!" aus der Ausgabe 5/2020 von Kanu Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kanu Magazin, Ausgabe 5/2020

Ganz gleich, ob im Canadier, im Kajak oder im Hybridboot – Faltboote gibt es heutzutage für so gut wie jeden Einsatzzweck, von der spontanen Runde am Sommerabend bis zur Expedition unter rauen Bedingungen. Im Bild: das Triton advanced Canoe (oben), das nortik argo (unten links) und ein Faltcanadier canadier von Ally.


Es ist nun schon einige Jahre her, ...

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... dass ich mein erstes Faltboot aufgebaut habe. Bei meiner diesbezüglichen Premiere handelte es sich um das nortik navigator – und das ist ein bisschen so, als würde man einem Grundschüler Tolstois »Krieg und Frieden« als Erstlektüre verabreichen. Naja, fast. Aber fest steht: Das nortik navigator ist ein expeditionstaugliches Falt-Seekajak aus dem Premiumsegment. Ein schnelles und spurtreues Boot zum »Strecke machen«, egal auf welchen Gewässern. Als solches verfügt es über ein klassisches Gerüst- Innenleben mit kleinen, seitlichen Luftschläuchen. Vor dem Erstaufbau eines solchen Faltbootes empfiehlt es sich zunächst, die Anleitung, die den Aufbau Schritt für Schritt in Wort und Bild erklärt, einmal gründlich durchzusehen und am besten auch das Aufbauvideo auf der Webseite des Herstellers (Out-Trade, www. faltboot.de) erst einmal in Ruhe zu Hause anzuschauen. Dann ist man bestens gerüstet, und auch der Erstaufbau geht sicher von der Hand. Später, mit etwas Übung, geht es dann sowieso ruckzuck.

Es dauerte nicht lange, da bekam ich mein zweites Faltboot in die Finger. Wieder von nortik, diesmal das scubi 1. Und damit sind auch schon die beiden Pole der Faltboot-Welt beschrieben: das expeditionstaugliche navigator auf der einen Seite, das Freizeit-Hybridkajak scubi 1 auf der anderen. Hybrid meint: viel Luft, wenig Gestänge, was den Aufbau zum Kinderspiel macht. Eine Kielstange und die Luftschläuche in die Bootshaut, danach vier Spanten und den Sitz, aufpumpen, das war’s. Zehn Minuten in etwa, mit etwas Übung auch weniger. Mühelos genug für die spontane Feierabendrunde auf dem Hausgewässer – und das auch dann, wenn man das Boot jedes Mal neu zusammensetzen und danach wieder zerlegen muss. Eine Tagestour geht auch, kein Problem, aber eine Expedition entlang der norwegischen Küste? Eher nicht.

HYBRIDBOOTE: MEHR LUFT, WENIGER MÜHE

Wobei man erwähnen muss: Das scubi 1 ist das kleinste Boot der Hybridflotte bei nortik. Da gibt es noch das scubi 1 XL, das auch größeren und schwereren Einzel-Paddlern Platz bietet. Außerdem das scubi 2, das zwei Personen aufnehmen kann, und das scubi 3 mit drei vollwertigen Sitzplätzen. Neuester Spross der Familie: das vielseitige scubi 2 XL, in das zwei Erwachsene mit Kind hinein passen, das man aber auch alleine paddeln kann. Der Clou an der von nortik entwickelten Hybridtechnologie ist die auf ein nötiges Minimum reduzierte Gestängestruktur, die dem Kajak im Wasser Tiefgang verleiht und so für Spurtreue und Leichtläufigkeit sorgt. Sprich, man kommt dahin, wo man hin möchte – und das auch bei auffrischendem Wind (die »scubi«-Familie im Detail: siehe Seite 54).

Alle scubis sind als Freizeitboote konzipiert. Vor allem die größeren Exemplare können aber durchaus im Einsatzbereich klassischer Tourenkajaks wildern. Zwei, drei Tage auf dem See oder dem Wanderfluss, der auch mal den einen oder anderen gemütlichen Schwall aufweisen kann – kein Problem, auch wenn die Bootshaut von Faltbooten kein Freund verblockter Stellen mit scharfkantigen Steinen ist. Aber welches Nicht-PE-Boot ist das schon? Und der Aufbau geht auch bei den größeren Modellen so leicht von der Hand wie beim scubi 1. Zwar gibt es dann ein paar Stangen und Spanten mehr, dafür sind die Luftschläuche bei den größeren scubis bereits Bestandteil der Bootshaut, so dass das Hineinfädeln entfällt.

Leichter Aufbau, kleines Packmaß, gutmütiges Fahrverhalten, so gut wie unsinkbar – die wichtigsten Vorteile der Hybridboote. Ein paar Abstriche machen muss man im Vergleich zu den Faltbooten mit höherem Gestängeanteil natürlich schon – und das vor allem beim Tempo und der Präzision des Fahrverhaltens.

DIE KLASSISCHEN FALTKAJAKS: MEHR GERIPPE, MEHR STEIFIGKEIT

Als Faustregel kann gelten: Je steifer ein Boot bei gleichem Grundriss ist, desto leichtläufiger ist es, je fester, desto schneller und besser im Geradeauslauf. Punktsieg für die Festboote? Jein. Denn zum einen ist eine leichte Flexibilität des Bootskörpers bei Wellengang durchaus willkommen, da der dann die Bewegungen des Wassers etwas mitmachen kann. Und zum anderen punkten Faltboote dadurch, dass sie durch die seitlichen Luftschläuche tendenziell kippstabiler und so gut wie unsinkbar sind.

Viele klassische Faltkajaks verfügen über so viel Gestänge und so wenig Luft, dass sie der Steifigkeit eines Festboots so nahe kommen wie möglich. Packmaß und Gewicht sind natürlich dementsprechend größer, das Gebastel beim Aufbau aufwändiger – für eine zweistündige Runde über den Hausteich dürfte kaum jemand ein solches Boot eigens zusammensetzen. Dafür sind sie aber auch nicht gemacht. Schon äußerlich ähneln die klassischen Faltboote viel eher den Touren- und Seekajaks aus dem Festbootbereich. Und ähnlich wie bei ihren Festboot-Verwandten muss man sich vor dem Kauf überlegen, wo und wie man paddeln will. Ob es ein über fünf Meer langes, schlankes Seekajak für großflächige Gewässer sein soll, das seinen Besitzer auch nahe der Meeresküste und auf dem offenen Meer sicher, schnurgerade und schnell ans nächste Ziel bringt. Das ihm genug Platz für wahres Expeditionsgepäck bietet. Und für das ein See oder ein ausreichend breiter Wanderfluss schon gar keine Herausforderungen sind. Oder eben ein Tourenkajak aus der Vier- bis Fünf-Meter-Liga, das wie seine Festboot-Vettern dafür geschaffen ist, bis zu ein paar Tagen mit Zelt und Zahnbürste auf Flüssen oder Seen unterwegs zu sein. Das nicht so schnell ist wie die Fünf-Meter-Geschosse, dafür aber in der Regel wendiger und geeigneter für einen mäandernden Kleinfluss.

Damit aber nicht genug. Wer vor einem Faltbootkauf steht, sollte ein paar zusätzliche Kriterien beachten.

Vor das Lospaddeln hat die Natur der Faltboote den Zusammenbau gesetzt (im Bild: Triton advanced Canoe). Der ist mal mehr, mal weniger aufwändig. Das Prinzip ist aber immer das gleiche: Erst kommt das Gestänge in die Bootshaut, danach die Luft. Dabei versteift das Aufpumpen die ganze Konstruktion noch weiter.


DIE STAURÄUME

Einen deutlichen Unterschied zwischen Faltund Festbooten gibt es bei der Aufnahme von Gepäck. Viele Festkajaks verfügen über abgeschottete Laderäume in Bug und Heck, zu erreichen über große und trotzdem leicht zu öffnende und schließende Luken. Was nicht heißen soll, dass man auf einer Faltboot-Tour auf Zelt, Proviant und frische Unterhosen verzichten müsste. Allerdings erfolgt die Beladung über das Cockpit: Von dort aus wird das Gepäck zwischen das Gestänge an Bug und Heck geschoben. Die dort manchmal angebrachten kleinen Luken dienen eher dem Zugriff und dem Verschieben als der Beladung. Eine Ausnahme bilden natürlich die Hybridkajaks (außer das scubi 1) und Faltcanadier mit optionalem Verdeck. Hier ist das Be- und Entladen so einfach wie das Unterbringen des Wochenendeinkaufs im Kofferraum eines Kombi.

DAS MATERIAL

PE, ABS, Composite-Verbundstoffe – bei den Festbooten gibt es hinsichtlich des Materials riesige Unterschiede hinsichtlich Gewicht, Fahreigenschaften, Robustheit und Preis. Bei den Faltbooten ist die Materialfrage nicht ganz so kriegsentscheidend. Und doch: Vor allem beim Gestänge-Material gibt es Unterschiede, und daher sollte es bei der Kaufentscheidung eine Rolle spielen. Im Handel sind Gestänge aus Aluminium (mit rund 90 Prozent der größte Anteil), Holz und Kohlefaser. Hat man vor, ins Salzwasser zu gehen, sollte man ein Alugerüst mit entsprechenden Pflegemitteln behandeln (z.B. »CorroFilm«), um eine so genannte Salzwasserkorrosion zu vermeiden. Die weiteren Vor- und Nachteile (zum Material der Bootshaut siehe Kasten auf Seite 53):

Aluminium + struktursteif + leicht + kleines Packmaß + günstiger im Preis
im Salzwasser verstärkter Rostschutz notwendig
weniger »wertige« Optik und Haptik

Holz
(meist Esche und/oder Birke)
+ ökologisch neutral
+ anspruchsvolle Haptik und Optik
+ relativ struktursteif
meist etwas schwerer
zieht Wasser, wenn Lack beschädigt
oft etwas größere Packmaße
aufwändiger und teurer in der Verarbeitung

Kohlefaser

+ unempfindlich gegen Rost
+ struktursteif
+ leicht
teuer
spröde
schlecht zu reparieren

VERDECK: JA, NEIN, BEIDES?

Neben leichter Lagerung und Transport bieten manche Faltboote in Sachen Flexibilität einen weiteren Vorteil: Man kann sie mit und ohne Verdeck fahren, und so die Vorteile eines geschlossenen Kajaks genießen, ggf. auch mit Spritzdecke, oder das Oberdeck weglassen und so echte Canadier-Gefühle empfinden – mitsamt der leicht gemachten Mitnahme von Hund, Kegel und sonstigem Gepäck. Ein paar Beispiele für solche Boote: das Ladoga und das Vuoksa von Triton advanced sowie die Pakboats- Modelle Puffin Saco, Puffin Saranac und Quest 150. Außerdem die scubi-Familie: Nur das scubi 1 verfügt über eine Bootshaut mit festem Verdeck, die anderen können optional damit ausgestattet werden

FALT-CANADIER

Auch Stechpaddler können auf eine umfangreiche Produktpalette an Faltbooten zurückgreifen. Die als Expeditionsboote entwickelten PakCanoes von Pakboats seien hier genannt, ebenso das Triton advanced Canoe, die Umiak- Reihe von Nautiraid und die Canadier von Ally. Alle genannten Modelle verfügen über einen relativ hohen Gestängeanteil und über viel Steifigkeit – was wiederum für einen vergleichsweise hohen Aufwand beim Aufbau sorgt, ebenso wie bei den klassischen Faltkajaks.

FAZIT

Wenn Sie in in einer Großstadt-Wohnung leben, einen Kellerverschlag von der Größe einer Schuhschachtel und einen Fiat Panda als Auto haben, können Sie trotzdem ein vollwertiger Paddler sein. Vom mäandernden Wanderfluss bis zum offenen Meer – Faltboote gibt es heutzutage für so gut wie jeden Einsatzbereich. Nur das wirklich schwere Wildwasser gehört nach wie vor den PE-Booten allein (Ausnahmen bestätigen die Regel: Mit dem Hype hat Grabner ein Luftboot fürs Wildwasser herausgebracht, siehe Seite 58). Und keine Bange: Auch der Zusammenbau der Boote mit hohem Gestängeanteil ist alles andere als ein Hexenwerk – besonders dann, wenn man nach einigen »Durchgängen « etwas Übung hat. Und wenn man auch mal mit Bus oder Bahn zum Paddeln fahren möchte, dann gibt es sowieso keine Alternative zu den »Zerlegbaren«.

DIE HAUT

Bootshäute bestehen aus beschichtetem Gewebe, ausgestattet mit geringem Dehnungsfaktor sowie hoher Reiß- und Durchstoßfestigkeit. Folgende Materialien finden sich auf dem Markt:

PVC
+ gute Abriebfestigkeit
+ leicht
+ gut zu kleben und zu reparieren
+ relativ günstig
+ gut verschweißbar (Heißluft und HF)
bei Kälte weniger geschmeidig
eingeschränkt UV-stabil

Polyurethan (PU)
+ sehr gute Abriebfestigkeit
+ leicht
+ umweltfreundlicher als PVC
+ gut verschweißbar (Heißluft und HF)
teuer
schwer zu kleben
in Reinform UV-labil

Mischung aus PVC und PU
+ gute Abriebfestigkeit
+ leicht
+ gut zu kleben
+ kälteresistent
+ Preis-/Leistungsverhältnis
+ umweltfreundlicher als PVC
+ gut verschweißbar (Heißluft und HF)
+ gute UV-Stabilität
etwas teurer als PVC

Hypalon/CSM
+ kälteneutral
+ umweltfreundlich
+ UV-stabil
teuer
relativ schwer
nicht verschweißbar

Polychloropren
+ gute Abriebfestigkeit
+ kälteneutral
teuer
schwer zu reparieren
relativ schwer