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AUSRÜSTUNG GEHÖRSCHUTZ: Aktiv oder passiv fürs Jägerohr?


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 20/2019 vom 18.01.2019

Welchen Gehörschutz RevierjagdmeisterRoman v. Fürstenbergseinen Jagdschülern empfiehlt, zeigt dieser Test.


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Kapselgehörschützer können das Gehör effektiv vor Schaden bewahren, wenn man sie denn aufsetzt vor jedem Schuss.


FOTO: PAULINE V. HARDENBERG

Das Gehör ist eines unserer wichtigsten und sensibelsten Sinnesorgane. Einmal geschädigt, ist die volle Leistungsfähigkeit unwiederbringlich verloren! Gerade zu Beginn der Schießausbildung, noch vor dem Beginn des Jägerlebens, stellt sich zwangsläufig die Frage nach dem richtigen Gehörschutz. Die Verwendung ist auf Schießstätten klar vorgeschrieben. Ob nun der ...

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... aktive oder der passive Gehörschutz der erste wird, hängt einerseits nicht selten vom Geldbeutel ab, andererseits aber auch von der richtigen Beratung. Wer hier Abstriche macht, macht dies auf Kosten seines Gehörs. „Wer billig kauft, kauft oft“ trifft auch hier zu. Gerade wenn einmal Geld investiert wurde, ist die Hemmschwelle, ein besseres Gerät zu kaufen, höher als direkt am Anfang – oft ist dann auch nicht klar, ob das teure Gerät hält, was es verspricht.

KAPSEL ODER IN-EAR?

Der Kapselgehörschutz schützt nicht nur den Gehörgang, sondern auch das gesamte Außenund Innenohr durch seine überdeckende und dämmende Kapsel. Besonders der Teil des Gehörgangs hinter dem Ohr ist bei allen In-Ear-Lösungen ungeschützt. Zwar dämmt ein richtig eingesetzter In-Ear-Schutz ebenso wie eine Kapsel, der gerade bei einem Schussknall entstehende Lärm kann jedoch trotzdem zu Schädigungen führen. Bei längerem Schießbetrieb mit dem Schutz eines In-Ear, gleich ob aktiv oder passiv, bleibt das abendliche Pfeifen auf den Ohren nicht aus. In-Ear, ob elektronisch oder einfach nur aus Gummi in Tannenbaumform oder aus akustischen Schaumstoffen, sind somit für seltene Gelegenheiten besser als gar kein Schutz. Bei längerem oder häufigen Betrieb jedoch sollten sie nicht eingesetzt werden. Das oft von Gehörschutzherstellern genannte Argument, der Knochen um das Gehör herum übertrage den Knall, ist nicht komplett haltbar, denn schließlich besteht der ganze Schädel aus Knochen, der den Schall überträgt, allerdings wird zusätzlich zum In-Ear der dem Innenohr naheliegendste Teil wirkungsvoll geschützt. Problem bei In-Ear-Schützern: die Benutzung. Ein nicht ganz korrekter In-Ear-Schutz lässt den Schall passieren, der das Ohr schädigt. Um diese Benutzerfehler zu minimieren, bieten sich teure Otoplastiken an, die an die individuelle Anatomie des Ohrs angepasst werden. Die einzige, jedoch geringe „Fehlerquelle“ bei Kapselgehörschützern kann das Tragen einer Brille darstellen. Durch die Bügel liegt das Polster bei einigen Modellen nicht optimal an. Hier sind MePaBlu-Schützer in einem ebenfalls unabhängigen Test mit der Brille wirkungsvoller als andere hervorgegangen.

Getestete Kapselgehörschützer und ihre Bauhöhe (v.l.): Sordin Supreme Pro X, Twin-Tex, SportTac und Optime 2.


FOTOS: ROMAN V. FÜRSTENBERG

PELTOR OPTIME 2

www.grube.de • 35,50 Euro

Der Peltor Optime 2 als passiver Kapselgehörschutz ist bereits für 35,50 Euro bei Grube erhältlich. Dieser Gehörschutz dämmt den Lärm um 31 Dezibel – Spitzenreiter in diesem Test! Die Kapseln bieten den Ohren den meisten Platz im Test, trotzdem trägt er nicht zu dick auf und ist somit auch zum Flintenschießen geeignet. Das größere Modell Optime 3 trägt zum Schießen zu dick auf, das ganz flache Einstiegsmodell dämmt immer noch um 27 Dezibel. Alle getesteten aktiven Modelle liegen bei einer Dämpfung von 25 bis 26 Dezibel. Der Optime 2 eignet sich besonders für das Schießen auf dem Stand; kurz vor dem Schuss aufgesetzt, ist er auch auf dem Ansitz ein zuverlässiger und zudem extrem günstiger Partner.

MEPABLU COMFORT

www.mepablu.de • 227,00 Euro

Das Modell Comfort von MePaBlu aus Bordesholm in Schleswig-Holstein ist ein „günstiges“ Einstiegsmodell des deutschen Herstellers für Medizintechnik. Als sehr gut erwies sich das Gelkissen, welches optimal zum Kopf hin abdichtet. Der Dämmwert von 25 Dezibel liegt im Bereich der anderen aktiven Geräte, jedoch unter denen der passiven Kapseln. Als sehr umständlich erwiesen sich die getrennt einzuschaltenden und einzustellenden Kapseln, für den hohen Preis muss hier eine einfache Bedienung vorhanden sein. Die zehnfache Verstärkung der Umgebungsgeräusche ist ausreichend für die Jagd.

PASSIVE SCHÜTZER

Passive Kapselgehörschützer bieten mit die höchsten Dämmwerte zu einem sehr niedrigen Preis. Bereits für ungefähr 20 Euro sind Markenprodukte mit sehr guten Dämmwerten erhältlich. Gerade für einen langen Schießbetrieb, besonders in Raumschießanlagen, ist es durchaus sinnvoll, einen passiven Gehörschutz zu verwenden. Eine Verständigung ist dann jedoch nahezu nicht mehr möglich. Der größte Nachteil passiver Gehörschützer zeigt sich auf der Jagd. Kann der Passive auf dem Schießstand optimal schützen, wird auf der Drückjagd kein anwechselndes Wild mehr vernommen – so kann nicht gejagt werden!

AKTIVE SCHÜTZER

Der aktive Kapselgehörschutz schützt nicht nur effektiv vor Schuss- und anderem Lärm, er ist auch durch seine Technik in der Lage, Geräusche der Umgebung zu verstärken. Hierdurch kann beim Jagen anwechselndes Wild deutlich frühzeitiger wahrgenommen werden. Weiterhin ergibt sich auch ein Zugewinn an Sicherheit, da leise Geräusche, die andernfalls gar nicht wahrgenommen würden, nicht nur hörbar, sondern auch Hunden, Treibern oder Wild besser zuzuordnen sind. Selbst wenn sämtliche fast unhörbaren Umgebungsgeräusche verstärkt werden, schalten die aktiven Modelle bei Lärm oder dem plötzlich auftretenden Schussknall blitzschnell ab bzw. verringern den Lautstärkepegel binnen eines Sekundenbruchteils auf einen für das Gehör unschädlichen Wert. Sogar während der Abschaltung wird ein geführtes Gespräch nicht einfach unterbrochen, sondern nur so weit abgedämpft, dass es unmerklich ist, dass der Schuss in der Nähe war.

MEPABLU TWIN-TEC

www.mepablu.de • 389,00 Euro

MePaBlu Twin-Tec ist für Jäger das Spitzenmodell der Firma aus dem Norden Deutschlands. Das Modell verstärkt Umgebungsgeräusche um das 20-fache. Ebenso wie beim Einstiegsmodell Comfort sorgen die Softgelpolster für eine sichere Abdichtung und eine druckfreie Anlage am Kopf. Das exakte Richtungshören ist problemlos möglich. Beachtlich ist hierbei, dass auch bei 20-facher Verstärkung nahezu kein Grundrauschen zu hören ist, der Klang ist sehr klar. Treten laute Geräusche auf, schaltet das Gerät sehr schnell komplett ab, auch das Gespräch wird dann abrupt leise. Laut Hersteller soll die Abschaltung die schnellste auf dem Markt sein. Das schnelle Abschalten der Elektronik ist gut, aber tatsächlich zweitrangig, da die Elektronik ohnehin nicht über einen Maximalwert verstärkt. Die Absenkung der Umgebungsgeräusche ist geräuschquellenabhängig unangenehm unruhig. Der Gehörschutz wird per Drehknopf an der rechten Seite ein- und ausgeschaltet, die Lautstärke kann stufenlos reguliert werden. Auf der linken Seite befindet sich eine rote LED, welche ebenfalls mit einem Drehschalter eingeschaltet werden kann. Diese bietet eine gute Nahfeldbeleuchtung bei Nacht, ohne durch weißes Licht die Augen zu sehr zu irritieren. Der Druck auf den Kopf ist höher als bei anderen Modellen und führt nach etwa drei Stunden zu einem unangenehmen Gefühl. Die Verarbeitung erscheint mittelmäßig.

MSA SORDIN SUPREME PRO X

www.msa-arbeitsschutz.com • 239,00 Euro

MSA aus Schweden stellt den Sordin Supreme Pro X seit kurzem in einer LED-Variante her. Dieser verfügt anders als der Supreme Pro über eine wasserdichte Ausstattung, eine Fünf-Jahres-Garantie auf die Elektronik und eine an der Seite angebrachte, weiße LED für die Nahfeldbeleuchtung. Rot wäre hier besser geeignet. Die Digitaltechnik sorgt für ein fast rauschfreies Hören, das Richtungshören ist exzellent. Das leichte Hintergrundrauschen geht schnell unter anderen Geräuschen unter. Sehr angenehm wirkt die Dämmung lauter Geräusche, die auf ein geringes Maß herabgeregelt werden, während Gespräche jedoch zeitgleich nicht merklich leiser werden. Das Herabregeln der Schüsse und dergleichen geschieht unmerklich angenehm und schnell. Gespräche wirken auf allen Verstärkungsbereichen klar und deutlich. Die Verstärkung der Umgebungsgeräusche wird mit 4:1 angegeben, auf höchster Stufe liegt er gleichauf mit dem 20-fachen MePaBlu Twin-Tec. Die sehr weichen Gelkissen schließen dicht ab, der Druck auf den Kopf ist sehr angenehm. Die Verarbeitung ist sehr stabil und hochwertig.

WER BRAUCHT WAS?

Für den Gelegenheits-Schießstandbesucher eignet sich immer der Peltor Optime 2. Zum geringen Preis wird hier die beste, wenn auch eine passive Dämmleistung geboten. Auf dem Ansitz noch brauchbar, reicht er für eine Drückjagd keineswegs aus. Der Einstieg in die Aktivklasse sollte nicht mit Geräten unter der Leistung und Qualität des Peltor SportTac erfolgen. Dieses Gerät reicht für Schießstandbesuche und Drückjagden im normalen Rahmen. Über viele Jahre ist so das Gehör günstig und sicher geschützt. Der Comfort von MePaBlu ist zum Preis von 227 Euro deutlich teurer als der Sport-Tac von Peltor. Die Elektronik ist gut, die einzeln zu verstellenden Seiten und die lediglich zehnfache Verstärkung schmälern den Vorteil der Gelkissen aber stark. Das geringste Grundrauschen bot der MePaBlu Twin-Tec. Wie auch die Geräte von MSA wird das wasserfeste Modell von nationalen und internationalen Behörden eingesetzt. Die noch wahrnehmbare Lautstärkeabsenkung sowie das teilweise unentschlossen wirkende Abschaltverhalten werden dem hohen Preis nicht gerecht. Die Gelkissen dichten sehr gut ab, das Richtungshören ist sehr gut, daher ist er auf Drückjagden ein zuverlässiger Begleiter. Als preislicher Spitzenreiter mit fast 400 Euro muss die Verarbeitung höherwertig sein, aber ein Tipp für den klangqualitätsbewussten Jäger, der Wert auf Made in Germany legt. Als Preis-Leistungssieger stellte sich der wasserdichte MSA Supreme Pro X aus Schweden heraus. Das Gerät kostet mit „nur“ 239 Euro rund 40 Prozent weniger als das Spitzengerät von MePaBlu und ungefähr das Doppelte des deutlich schlechter ausgestatteten SportTac mit im Verhältnis starkem Grundrauschen. Die Verstärkung der Umgebungsgeräusche ist mit der 20-fachen des Twin-Tec gleichauf; einzig ein leises Grundrauschen ist in absolut leiser Umgebung wahrnehmbar. Sobald weitere Geräusche hinzukommen, ist dieses nicht mehr wahrnehmbar. Das Abregeln der Schüsse geschieht weich und unaufdringlich. Die sehr weichen Gelkissen und der angepasste Anpressdruck lassen auch nach mehreren Stunden kein Druckgefühl aufkommen. Unter dem MSA entwickelte sich deutlich langsamer Schweiß als bei den anderen Geräten, die Kapseln tragen weniger auf als die des MePaBlu, wodurch er bei keiner Art des Anschlagens stört. Im Test war er an der Unterkante der dünnste. Die Fünf-Jahres-Garantie ist eine klare Ansage, dass MSA als Ausstatter vieler Behörden selbst von seiner Qualität restlos überzeugt ist.

PELTOR SPORTTAC

www.amazon.de • 119,96 Euro

Das Erfolgsmodell Peltor SportTac scheint der Bestseller im europäischen Jagdbereich zu sein. Für gerade mal 119,96 Euro ist dies der günstigste Einstieg in die Markengeräteklasse. Preislich darunterliegende, günstige Hersteller können nicht auf dasselbe Wissen im Thema Arbeitsschutz zurückgreifen. Laut der Werksangaben regelt der SportTac auf maximale 80 Dezibel herunter – damit etwa zwei Dezibel besser als die Geräte von MePaBlu und MSA. Das ist aber ein sehr theoretischer Wert, in den weitere Gegebenheiten einbezogen werden müssen: die Ohrpolster. Die Schaumstoffpolster liegen lange nicht so gut an, wie die Gelpolster der anderen Kandidaten, was dazu führt, dass die effektive Dämmleistung bereits im ausgeschalteten Zustand deutlich hinter den Mitbewerbern zurückliegt. Das räumliche Hören ist möglich, wenn auch nicht so gut wie bei den hochpreisigen Geräten.


FOTOS: ROMAN V. FÜRSTENBERG