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AUSRÜSTUNG: Sicherheitssysteme im Praxis-Test: Zerreißprobe


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 18.07.2018

Anbinden ist Alltag. Zugleich ist es nicht ohne Risiko für das Pferd. Wenn es sich ins Halfter hängt, drohen Genickverletzungen und Knochenbrüche. Spezielle Anbindesysteme sollen sich bei Panik lösen und Unfälle verhindern. Ob sie etwas taugen? Reiter Revue hat den Praxis-Test gemacht.


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Wer gibt nach? Airedale Terrier Nora lässt sich auf ein Tauziehen mit der Panikschlaufe ein. Den richtigen Test hat die Hündin aber den Pferden überlassen.


FOTO: S. SCHNIEDER

Pferde sind Fluchttiere. Auch die wohlerzogensten und ruhigsten Zeitgenossen können sich erschrecken, zurückspringen und dann gegebenenfalls im Halfter ...

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... hängen. Ein Horrorszenario. Denn das Sprichwort „Der Klügere gibt nach“ kennen Pferde nicht. Sie ziehen, ohne Rücksicht auf Verluste. Das kann ganz schön aufs Genick gehen. Genauer gesagt, droht eine Schleimbeutelentzündung unter dem Nackenband.

Es kann noch schlimmer kommen, beispielsweise, wenn Halfter oder Strick auf den Zug ruckartig nachgeben und das Pferd – salopp gesagt – auf seinem Allerwertesten landet. So hat es schon gebrochene Beckenknochen und lädierte Sprunggelenke gegeben. Deshalb schwören viele Reiter auf selbstgebaute Helferlein, wie Strohkordeln oder Kabelbinder als Zwischenstücke zwischen Strick und Anbindering. Ideen, die gut gemeint sind, aber oftmals die Gefahr nicht eindämmen. Dafür verspricht die Industrie die Lösung: Moderne Anbindesysteme sollen schwerwiegende Folgen von panischen Pferden beim Anbinden verhindern. Im Ernstfall sollen sie das Pferd nicht an Ort und Stelle halten, sondern sich lösen oder kinderleicht öffnen lassen.

Sieben Systeme im Stall

Doch wie schnell und flexibel sind diese Systeme wirklich? Und wie unterscheiden sich die – teils bereits mit Preisen belohnten – Modelle der unterschiedlichen Hersteller? Halten sie was sie versprechen oder dienen sie nur der Beruhigung der Pferdebesitzer?

Vier Mitarbeiter der Reiter Revue-Redaktion haben sieben unterschiedliche Systeme mit in den Stall genommen und auf den Prüfstand gestellt. Egal, ob aus Plastik, Nylon oder Metall. Wir wollten wissen, was die Produkte taugen.

Im Einsatz waren die Sicherheitssysteme sowohl bei erfahrenen älteren Pferden, die eher besonnen auf Gegendruck reagieren, als auch bei Jungtieren, bei denen schnelle Hilfe im Panik-Ernstfall von Nöten ist.

Das Fazit nach einigen Wochen: Anbinden kann risikoärmer sein – mit den richtigen Systemen. Aus den Augen lassen, sollte man ein angebundenes Pferd trotzdem nicht.

FOTOS: S. SCHNIEDER

Equi-Ping soll bei Zug einfach aufspringen. Daher auch der Name.


DAS EQUI-PING SICHERHEITSSTÜCK: Einfach und effektiv

Wie ist der erste Eindruck?

Ein stabiler Kunststoffring, der problemlos zusammengesteckt werden kann. Die Farben sind hübsch, aber nicht dominant. Der Ring fällt beim Anbinden nicht sonderlich auf.

Wie einfach lässt sich das System anbringen?

Das System erklärt sich von selbst. Das pfeilähnliche Ende muss simpel in die dafür passenden Ausstanzungen gelegt und eine kleine Öse darüber gezogen werden. Equi-Ping wird zwischen Strick und Anbindevorrichtung eingebracht.

Wie funktioniert das System?

Das System soll sich bei mittlerem Druck von selbst öffnen. Wenn ein Mensch dran zieht, passiert nichts, doch wenn sich das Pferd tatsächlich ins Halfter hängt, ist der Zug groß genug. Der Plastikring ist etwas locker. Aber Equi-Ping erfüllt seinen Zweck voll und ganz.

Gab es eine Situation, in der das System sich hätte lösen sollen oder eine, in der es versehentlich ausgelöst worden ist?

Durch die Öse ist das System so gut gesichert, dass es eigentlich nicht von selbst auslösen kann. Auch im Test gab es keinen Fehlalarm.

Preis: 6,99 Euro,www.kraemer.de

DER PULL OFF-STRESSÖFFNER: Simpel, aber sicher

Wie ist der erste Eindruck?

Der sogenannte Stressöffner sieht aus wie ein Teilstück eines Halfters mit Klettverschluss und Metallring. Er fühlt sich durch das Kunststoffmaterial sehr leicht an. An einer Seite ist ein Karabinerhaken angenäht. Angaben zur Maximalbelastung des Karabiners werden nicht gemacht.

Wie einfach lässt sich das System anbringen?

Der Stressöffner wird mittels eines Karabiners an einem Anbindering eingehakt. Im Anschluss wird das Pferd am silbernen Anbindering der orangefarbenen Schlaufe ganz normal mit Pferdeknoten angebunden. Bei dicken Stricken (siehe Foto) war es schwierig, eine Schlaufe durch den Ring zu führen. Es empfiehlt sich ein dünnerer Strick.

Wie funktioniert das System?

Durch schnelles Ziehen am Klettverschluss öffnet sich die Schlinge und der Metallring rutscht heraus. Es muss deutlicher Druck ausgeübt werden. Das System ist sehr einfach zu bedienen, insofern man im Panikfall schnell das Ende der Klettverschlussschlinge findet. Insgesamt eine sehr gute Idee. Da der Klettverschluss bei einem festen Anbindering nicht häufig geöffnet werden muss, sollte er lange halten. Tipp: Beim Anbinden die Schlaufe etwas über den Klett überlappen lassen.

Gab es eine Situation, in der das System sich hätte lösen können oder eine, in der es versehentlich ausgelöst worden ist?

Das Pferd stand sicher am Anbindesystem, versehentlich öffnete sich nichts. Der Klettverschluss hielt sicher und fest.

Mit einem Handgriff lässt sich im Panikfall der Klettverschluss lösen. Das Pferd ist dann frei.


FOTOS: S. RIECK

Preis: 9,95 Euro,www.equest-online.de

DAS EQ-STRETCH HALFTER: Dehnbarer Durchschlupf

Wie ist der erste Eindruck?

Das EQ-Stretch Halfter besteht aus festem, stabilem Nylon mit Messingschnallen. Das Besondere: Genick- und Nasenriemen sind aus dehnbarem Material gefertigt, welches ebenfalls sehr dick und strapazierfähig erscheint. Die elastischen Teile sind zusätzlich zur Schonung des Nasenrückens und der Genickpartie mit abnehmbarem Neopren ummantelt. Das Halfter fühlt sich dadurch sehr gut an.

Wie einfach lässt sich das System anbringen?

Das Halfter wird ganz normal über den Pferdekopf gestreift.

Wie funktioniert das System?

Sollte das Pferd am Strick ziehen, geben die elastischen Partien nach. Dadurch wird Druck im Genick vermieden. Zieht das Pferd weiterhin heftig am Strick, weitet sich das Halfter dank der Elastikeinsätze so, dass das Genickstück vom Pferdekopf rutscht.

Gab es eine Situation, in der das System sich hätte lösen sollen oder eine, in der es versehentlich ausgelöst worden ist?

Nein, eine Stallnachbarin hat aber mehrjährige Erfahrung mit dem Halfter. Für ihr Pferd war das Halfter eine Offenbarung. Durch das elastische Nachgeben blieb der Wallach ruhig stehen. Allerdings hat er sich mehrfach vom Halfter befreit. Unbeaufsichtigt sollte das Pferd daher nicht angebunden werden. Dennoch ist die Haltbarkeit des Halfters sehr gut: Auch nach mehrmonatigem Gebrauch mit einem heftigen Pferd waren die Elastikeinsätze höchstens minimal weiter gedehnt als zu Testbeginn.

Preis: 36,95 Euro,www.equestonline.de

Bei Zug gibt das elastische Gewebe des Halfters nach. So bekommt das Pferd keinen Druck auf das empfindliche Genick.


FOTOS: J. WIEDEMANN

Durch das Anbindesystem soll der Strick einfach hindurchgleiten. In unserem Test hat dies nicht funktioniert. Möglicherweise war der Strick zu dick.


FOTOS: S. RIECK

DER IDOLO - TETHER TIE: Schlaue Schlaufe

Wie ist der erste Eindruck?

Das britische Anbindesystem Idolo wird mit einem verschraubbaren Karabinerhaken und einem zusätzlichen Karabiner mit zwei Verschlüssen ausgeliefert. Sowohl die Karabiner als auch das schwarze Kunststoffverbindungsstück wirken wertig und stabil.

Wie einfach lässt sich das System anbringen?

Den Karabiner hakt man in den Anbindering des Putzplatzes ein. Nun wird der Strick mit einer Schlaufe durch die untere Öffnung der Idolo-Anbindevorrichtung gefädelt. Im Anschluss stülpt man die Schlaufe über den oberen Ring. Das schwarze Plastikteil wird danach in den Karabiner des Anbindeplatzes gehakt. Das gesamte System ist nur für einen festen Putz- oder Anbindeplatz geeignet, der mit einem Anbindering ausgestattet ist.

Wie funktioniert das System?

Der Strick legt sich wie eine Schlinge um das schwarze Verbindungsstück. Im Panikfall wird es unserer Einschätzung nach schwierig, den Strick am Verbindungsstück zu lösen, da sich der Strick im Test durch Zugkraft fester zog. Bei sehr starkem Anzug rutschte der Strick sehr langsam durch die Anbindevorrichtung und gab nach. Der Karabiner lässt sich im Panikfall nicht schnell lösen.

Gab es eine Situation, in der das System sich hätte lösen sollen?

Nein, den Extremfall gab es im Test nicht. Tendenziell ist das System aber für Pferde zu empfehlen, die relativ ruhig am Putzplatz stehen. Für kurze Anbindestricke und einen festen Putzplatz ist es gut geeignet.

Preis: 14,95 Euro,www.idolotethertie.com

DIE PANIKSCHLAUFE: Praktisch bei Panik

Wie ist der erste Eindruck?

Die Panikschlaufe macht einen stabilen Eindruck. Auf den ersten Blick ist das System nicht direkt verständlich, aber man kann sich schnell einlesen, wie sie eingesetzt werden muss. Die Farbgebung ist ansprechend.

Wie einfach lässt sich das System anbringen?

Es lässt sich ganz simpel mit einem Klettverschluss am Anbindering anbringen.

Wie funktioniert das System?

Erschrickt das Pferd und hängt sich ins Halfter, kann der Mensch mit einem Zug an der Schlaufe den Klettverschluss lösen. Bei neuen Schlaufen hält das System super. Allerdings wird sich im Laufe der Zeit Dreck festsetzen und der Klettverschluss leiden. Deshalb der Tipp: Die Schlaufe dauerhaft am Anbindering befestigen und tatsächlich nur im Notfall lösen, um den Klettverschluss nicht unnötig zu strapazieren. Ein Pferd angebunden alleine zu lassen, ist damit allerdings keine Lösung. Denn der Druck auf den Klettverschluss müsste schon sehr hoch sein, damit die Schlaufe von selbst reißt.

Gab es eine Situation, in der das System sich hätte lösen sollen oder eine, in der es versehentlich ausgelöst worden ist?

Die Panikschlaufe muss per Hand ausgelöst werden, wenn sich das Pferd ins Halfter hängt. Das funktioniert problemlos mit einem Zug. Von alleine hat sich nichts gelöst und auch bei erhöhtem Druck hält die Schlaufe Stand.

Preis: 20 Euro,www.panikschlaufe.de

FOTOS: S. SCHNIEDER

Einfach angeklettet und mit einem raschen Zug zu lösen. Dafür muss aber ein Mensch eingreifen.


FOTOS: J. WIEDEMANN

DER SAFE CLIP: Cleverer Clip

Wie ist der erste Eindruck?

Auf den ersten Blick wirkt der Safe Clip etwas brachial. Das liegt an dem wuchtigen Clip aus Metall, der deutlich größer ist als ein normaler Panikhaken.

Wie einfach lässt sich das System anbringen?

Der Clip wird an der Anbindevorrichtung befestigt. Das geht ganz leicht dank eines speziellen Bügels und lässt sich auch leicht und schnell wieder öffnen. Durch den Clip ist ein drei Meter langes, sehr stabiles, dickes Nylonseil als Schlaufe gefädelt. Das eine Ende des Seils baumelt am Boden, das andere Ende wird mittels Karabiner am Halfter befestigt.

Wie funktioniert das System?

Erschreckt sich das Pferd und zieht rückwärts, „wandert“ der Strick durch den Clip mit und lässt sich herausziehen. Das verschafft dem Pferd Bewegungsfreiheit, ohne dass es starken Druck im Genick bekommt. Es gerät daher nicht in Panik. Selbst bei einem Satz nach hinten und einem zwei Meter herausgezogenen Strick bleibt immer noch ein Meter Strick, der am anderen Ende des Clips baumelt. Wie leicht oder wie schwer sich das Seil durch den Clip ziehen lässt, kann man mit einer Stellschraube am Clip variieren, die auf das Seil drückt. Die Schraube lässt sich prima mit den Fingern drehen und individuell auf das Pferd anpassen. So wird verhindert, dass das Seil schon bei der geringsten Bewegung des Pferdes herausgezogen wird.

Gab es eine Situation, in der das System sich hätte lösen sollen oder eine, in der es versehentlich ausgelöst worden ist?

Unser vierjähriges Testpferd hatte in Nullkommanichts raus, dass der Strick sich herausziehen lässt und es dadurch mehr Bewegungsfreiheit erhält.

Preis: 14,95 Euro,www.the-safe-clip.de

THE BLOCKER TIE RING II: Raffinierter Ring

Wie ist der erste Eindruck?

Wow – Stahl pur: Das Tie Ring-Paket besteht aus drei Elementen: dem Tie Ring (Höhe ca 12 cm), einem Karabiner (8 cm), einer Ringschraube (12 cm) mit Holzgewinde und einer Bedienungsanleitung auf Englisch.

Wie einfach lässt sich das System anbringen?

Es lässt sich sehr einfach an bestehende Halterungen durch den mitgelieferten Karabiner anbringen. Wer die Ringschraube noch in die Wand oder das Holz montieren muss, benötigt Werkzeug.

Wie funktioniert das System?

Der Tie Ring II bietet drei verschiedene Möglichkeiten, den Strick durchzuführen und damit auch Widerstandsgrade. Bei der simpelsten Variante führt man den Strick hinter dem Metallglied zweifach durch den Ring (großes Bild). Sie bietet wenig Widerstand. Variante zwei führt das freie Ende des Stricks erneut zwischen Ring und Metallglied durch (Detailbild). Das Pferd hat jetzt mehr Widerstand, ist aber nicht festgebunden. Zieht man am Strick, öffnet das Metallglied und man ist automatisch bei Variante eins – eine Art Panik-Entriegelung. Variante drei verspricht den meisten Halt und funktioniert im Prinzip wie Variante zwei: Dabei wird aber das Ende des Strickes, das zum Pferd führt, erneut durch den Tie Ring gezogen.

Gab es eine Situation, in der das System sich hätte lösen sollen oder eine, in der es versehentlich ausgelöst worden ist?

Das System ist so konzipiert, dass es, je nachdem wie der Strick durch den Tie Ring geführt wird, unterschiedlich viel Widerstand leistet. Versehentlich kann sich das bewegliche Metallglied, das durch einen Magnetismus gehalten wird, nicht lösen.

Preis: 35,95 Euro,www.toklat.com

Je nachdem, wie der Strick durch den Tie Ring gezogen wird, ergeben sich unterschiedliche Widerstandsgrade.


FOTOS: M. WÖRMANN