Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 16 Min.

Außenaufnahmen bei gutem Licht: Fototalente


ColorFoto - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 12.12.2018

Huawei Mate 20 Pro, Google Pixel 3 XL, Apple iPhone Xs im Test. Das Huawei Mate 20 Pro arbeitet gleich mit drei Kameras, das Apple iPhone Xs mit einer Doppeloptik und Googles Pixel 3 XL mit nur einer Fotoeinheit. Die drei Topmodelle stellen sich dem Vergleich: Wer macht die besseren Bilder?


Artikelbild für den Artikel "Außenaufnahmen bei gutem Licht: Fototalente" aus der Ausgabe 1/2019 von ColorFoto. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ColorFoto, Ausgabe 1/2019

Landschaftsfotos mit dem Smartphone – geht das überhaupt? Wir haben den Vergleich mit Aufnahmen aus der Fujifilm XF10 gemacht. Dieser ist natürlich nicht umfassend, zeigt aber, dass die Unterschiede bei guten Lichtverhältnissen kleiner sind, als man erwartet. Alle Aufnahmen wurden vom gleichen Standort fotografiert. ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ColorFoto. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Sonnige Aussichten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Sonnige Aussichten
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Leica D-Lux 7: Eleganter Begleiter. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leica D-Lux 7: Eleganter Begleiter
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Leica Q-P: Mattschwarz. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leica Q-P: Mattschwarz
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Volksformat. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Volksformat
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Reisebegleiter. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Reisebegleiter
Titelbild der Ausgabe 1/2019 von Zeitenwende. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Zeitenwende
Vorheriger Artikel
Zeitenwende
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Canon EOS R Funktionen im Überblick
aus dieser Ausgabe

...


Fujifilm XF10 JPEG, ISO 400, f4, 28 mm KB, 1/300 s


Fujifilm holt mehr Details heraus, doch der Vorsprung ist nicht groß. Vor allem im Hintergrund sind die Unterschiede klein.

Mate 20 Pro DNG, ISO 50, f1,8, 27 mm KB, 1/300 s


Trotz 40 MP kann das Mate 20 Pro den Baum im Vordergrund nicht so scharf abbilden wie die Fujifilm XF10.

Mate 20 Pro DNG, ISO 50, f2,4, 80 mm KB, 1/120 s


Mit Tele kommt Huawei im RAW-Modus ganz nah an die JPEGs der Fujifilm heran. Man sieht aber auch mehr Rauschen.

Huawei Mate 20 Pro, Google Pixel 3 XL und Apple iPhone Xs – das sind aktuell die spannendsten Smartphones, wenn es ums Fotografieren geht. Zugleich setzen alle drei auf völlig unterschiedliche Konzepte: Das Mate 20 Pro kombiniert eine 40-MP-Weitwinkelkamera mit einem 20-MP-Superweitwinkel und einem 8-MP-Tele mit 128 GB Speicher für 880 Euro. Im Apple arbeiten ein 12-MP-Weitwinkel und eine 12-MP-Normalbrennweite zusammen. Mit 256 GB Speicher, ohne die Möglichkeit zur Erweiterung, kostet das iPhone Xs 1150 Euro. Google setzt auf eine besonders ausgeklügelte Signalverarbeitung und auf eine Solo-Optik mit 12 Megapixeln. Mit 128 GB Speicher, ebenfalls ohne die Möglichkeit zur Erweiterung, gibt es das Pixel 3 XL für 1050 Euro.
Alle drei Geräte sind sehr gut verarbeitet. Bei den Android-Modellen liegt das Mate 20 dank abgerundeter Kanten und etwas schmalerem Body ein bisschen besser in der Hand als das Pixel 3 XL. Hingegen hat das Huawei keine erkennbare Sensorfläche für die Fingererkennung; sie ist bei diesem Modell vorn ins Display integriert. Die Rückseite aus Glas sieht schick aus, ist aber ziemlich rutschig. Das macht Google besser: Die hintere Glasoberfläche des Pixel 3 XL ist matt gestrahlt. Das Gerät fasst sich samtig weich an und gleitet weniger. Die beiden Android-Smartphones werden mit der neuen 9er-Version des Betriebssystem ausgeliefert. Das hat für Fotografen den Vorteil, dass nun RAW-Aufnahmen mit jedem Kameramodul möglich sind.
Das iPhone Xs ist mit einem 5,8-Zoll-Display ausgerüstet, beim Mate 20 Pro und dem Pixel 3 XL sind sie 6,3 Zoll groß. Im Gewicht macht sich der Unterschied kaum bemerkbar, bei der Bildansicht schon. Wer auch bei Apple das größere Display will, bekommt für 1250 Euro das Xs Max mit 6,5-Zoll-Display, den gleichen Kameras und 256 GB Speicher. Das Mate 20 Pro löst am feinsten auf – mit 3120 x 1440 Pixeln. Sein Display ist heller und hat kräftigere Farben als Google oder Apple, dessen Farben wiederum am natürlichsten von den drei Smartphones wirken.
Deutliche Unterschiede zeigen sich in der Akkukapazität. Hier trumpft das Mate 20 Pro mit 4200 mAh auf. In einigem Abstand folgen das Pixel 3 XL mit 2915 und das iPhone Xs mit 2666 mAh. Während unserer Tests war das iPhone immer als erstes leer.
Apple und Google bieten keine Möglichkeit zur Erweiterung des Speichers, nur die Wahl zwischen 64 und 128 GB (Pixel) bzw. 64, 256 und 512 GB (Xs) interner Speicherkapazität. Huawei bietet das Mate 20 Pro mit 128 oder 256 GB und einem NM-Card-Slot an. Die NM Card ist ein neues Speicherformat von Huawei. Die kleine Karte hat die gleichen Abmessungen wie die NanoSIM.

Die Kameraausstattung

Apple iPhone Xs: Apple kommt mit einer Doppelkamera. Beide Module haben 12 Megapixel Auflösung, aber verschiedene Optiken: ein 1,8/4,25-mm-Weitwinkel und ein 2,4/6-mm-„Tele“, auf KB gerechnet also ca. 26 und 52 mm. Damit hat Apple ein optisches Zweifachzoom. Für DNGs braucht man eine Fremd-App. Apples Kamera-App fotografiert nur im hauseigenen HEIC-Format und entscheidet beim Zoomen je nach Situation zwischen den zwei Modulen. Bei wenig Licht wählt die Automatik wegen der größeren Pixel öfter die Weitwinkel optik. Sie schneidet dann die Bildmitte aus und interpoliert den Ausschnitt wieder auf 12 MP.
Über die Größe der Sensoren macht Apple keine Angaben, nur dass der WW-Sensor 1,4 _m große Pixel hat. Die Online-Plattform www.techinsights.com hat das aktuelle iPhone Xs Max mit der gleichen Kameraausstattung auseinandergenommen und in der Weitwinkelkamera einen Sony-BSI-Sensor mit Stacked-Technik gefunden. Er misst außen 7,01 x 5,79 mm. Laut Sonys Webseite dürfte es sich um einen 1/2,55-Zoll-CMOS handeln.
Zum Sensor der „Tele“-Optik fanden wir keine weiteren Informationen, nur dass auch hier ein BSI-Sensor verbaut wird. Da das Brennweitenverhältnis der beiden Optiken nur gut 1,4 beträgt, die Differenz der umgerechneten KB-Brennweiten aber bei 2 liegt, dürfte der „Tele“-Sensor etwas kleiner sein.
Pixel 3 XL mit Serienbildern: Während die Konkurrenz geschlossen auf mehrere Kameraeinheiten integriert, kommt das Pixel 3 XL mit einer einzigen Kame ra aus. Der Sensor mit 1,4 _m großen Pixeln hat laut DevCheck-App einen Cropfaktor von 6,1 – das wäre dann wohl ein 1/2,5-Zoll-Sensor, ähnlich dem Apple WW-Sensor. Er ist in der Dual-Pixel-Struktur ausgebaut. Die Optik mit f1,8 bietet 4,44 mm oder 27 mm KB sowie einen optischen Bildstabilisator.
DNG-Dateien legt das Pixel auch beim Fotografieren mit dem Digitalzoom gleich mit ab, speichert sie jedoch gecroppt entsprechend der Zoomeinstellung. Das gleichzeitig aufgenommene JPEG rechnet das Pixel dagegen immer wieder auf die 12 Megapixel hoch. Das geschieht selbst dann noch, wenn die DNG-Datei in der maximale Zoomstufe gerade einmal 672 x 504 Pixel groß ist.
Google setzt stärker als die anderen Hersteller auf Serienbilder und liefert bei aktiviertem HDR immer ein auf mehreren Einzelbildern basierendes Ergebnisbild – auch im DNG-Format.

Das Bild zeigt das mit einem Weitwinkel aufgenommene Motiv.


iPhone Xs DNG, ISO 25, f1,8, 26 mm KB, 1/700 s


2


iPhone Xs DNG, ISO 16, f2,4, 52 mm KB, 1/260 s


3


Pixel 3 XL DNG, ISO 56, f1,8, 27 mm KB, 1/1500 s


4


Mate 20 Pro DNG, ISO 50, f1,8, 27 mm KB, 1/630 s


5


Mate 20 Pro DNG, ISO 50, f2,4, 81 mm KB, 1/460 s


6


Mate 20 Pro DNG, ISO 50, f2,2, 16 mm KB, 1/310 s


7


Mate 20 Pro JPG, ISO 50, f2,2, 16 mm KB, 1/310 s


Sonne und blauer Himmel: beste Voraussetzungen für jede Kamera, auch für Smartphones. Bei iPhone und Pixel fällt als erstes auf, dass sie die DNGs zu hell aufnehmen. Das Mate 20 tendiert dagegen eher dazu, RAWs zu dunkel abzustimmen. Das ist jedoch kein Problem, denn in beiden Fällen ist die Belichtung mit einem RAW-Konverter korrigiert. In dieser Szene gefallen uns die Weitwinkelfotos aus dem iPhone etwas besser als die aus dem Pixel (1 und3 ). Das Xs schafft es, noch etwas mehr Details abzubilden – sowohl beim Baum als auch hinten im Zaun. Das etwas höhere Rauschen fällt hier nicht wirklich auf. Insgesamt sind die Unterschiede aber sehr klein.

Das Tele bringt in dieser Aufnahmesituation einen großen Vorteil(2) . Damit kommt man bei gleichem Aufnahmeabstand näher ans Motiv, und das zahlt sich aus. Im Vergleich zu seiner Weitwinkel optik holt das iPhone-Tele sowohl im Vordergrund beim Baum als auch hinten am Zaun eine detailreichere Darstellung heraus.

Das Huawei Mate 20 Pro präsentiert bei solchen Szenen die Stärken seiner 40-MP-Weitwinkeloptik(4) . Es zieht deutlich an den beiden Weitwinkelkameras der beiden Konkurrenten vorbei und kommt fast an das Tele des iPhone heran – bei wesentlich größerem Bildwinkel. Leider zeigen sich auch im RAW des Huawei Störungen, die gerade die feinen Strukturen im Bild teilweise unnatürlich erscheinen lassen. Womöglich ist es auch die Folge des besonderen Sensoraufbaus mit jeweils 2 x 2 Farbblöcken nebeneinander. Abhilfe schafft wiederum das Tele mit seiner natürlichen Abbildung und scharfen Details(5) . Im Vergleich zum Weitwinkel zeigt das Huawei-Tele ein stärkeres Rauschen, das dann gezielt behandelt werden muss. Doch das lohnt sich. Auch im Vergleich zur Tele-Kamera des iPhone kann das Huawei-Tele mit besseren Abbildungen trumpfen – speziell bei der Darstellung feinerer Details im Hintergrund.

Enttäuschend ist die Abbildungsleistung der Superweitwinkelkamera des Huawei Mate 20 Pro (Bild6 und7 ). Per se ist ein 16-mm-KB-Objektiv eine schöne Sache, denn sein Bildwinkel ist gut geeignet, um in der Natur oder auch in Räumen zu fotografieren. Doch das Abbildungsniveau des 20-MP-Sensors liegt deutlich unter dem der beiden anderen Huawei-Kameras. Selbst bei einer Szene mit viel Licht ist die Detailauflösung nicht ausreichend hoch und das Rauschen sichtbar. Über die RAW-Konvertierung gelingt es selten, die RAW-Aufnahme wirklich zufriedenstellend zu optimieren. Hinzu kommt die JPEG-Verarbeitung dieser Kameraeinheit: Sie ist völlig überzogen und zerstört die meisten feinen Strukturen in den Fotos(7) . Wenn das Superweitwinkel verwendet werden soll, empfehlen wir dringend, das RAW-Format zu verwenden und nur kleinformatige Ausdrucke zu machen.

Mate 20 Pro mit Foto-Troika: Huawei stattet das Mate 20 Pro mit gleich drei Kameras aus – anders als noch beim P20 Pro alle in Farbe. Die Haupt kamera hat 40 MP Auflösung und eine f1,8/3,95 mm-(27 mm KB)-Optik. Die Pixel sind 1 _m groß, der Cropfaktor beträgt 4,7 – das spricht für einen circa 1/1,7 Zoll großen Sensor. Die Weitwinkeloptik nutzt erneut eine spezielle Farbfilteranordnung, bei der immer vier gleiche Farben als Block nebeneinander sitzen. Damit lässt sich die Hauptoptik bei wenig Licht von 40 auf 10 Megapixel umschalten. Zusätzlich hat das Mate 20 Pro noch ein Superweitwinkel mit f2,2/3,95 mm (16 mm KB) und 20-MP-Auflösung sowie eine echte Teleoptik mit f2,4/3,95 mm (81 mm KB) und 8-MP-Auflösung. Verglichen mit der Superweitwinkeloptik erhält man also ein 5fach- oder 3fach-Zoom im Vergleich zur 27-mm-Hauptkamera.
Beim Tele sind die Pixel laut DevCheck 1,4 _m und beim Superweitwinkel 1,55 um groß. Es könnte sein, dass das Mate 20 Pro beim Superweitwinkel mit einem 1/2,7-Zoll-Sensor und bei der Telekamera mit einem 1/4-Zoll-Sensor arbeitet. Eine optische Bildstabilisierung hat wohl nur die Teleoptik.

Die Autofokus-Systeme

Die Scharfstellung erfolgt beim Huawei Mate 20 Pro sowohl mit Phasen-AF als auch mit Kontrast- und Laser-AF. Die Methode hängt vom jeweiligen Sensor ab. Im Pro-Modus bietet das Mate 20 Pro AF-C, AF-S und MF als Optionen an und ermöglicht auch die Trennung von AF- und Belichtungsmessung.
Wenn nicht gerade ein Gesicht verfolgt wird, entscheidet die Huawei-Kamera im AF-C-Modus oft selbst, auf was sie fokussiert. Auch die 4D-AF-Funktion, die Fokuspunkte auf bewegten Objekten in Echtzeit anzeigt, hat uns nicht voll überzeugt. In der Praxis verschwanden sie oft. Tendenziell fokussiert das Mate 20 Pro ebenso wie das iPhone und das Pixel auf die Bildmitte. Die beiden Letztgenannten stellen mit Phasen-AF scharf. Sie bieten aber von Haus aus weder MF noch die Wahl der AF-Messmethodean. Mit Googles Smartphone kann man die AF- und die Belichtungswerte speichern, allerdings nicht getrennt voneinander.

Die Kamera-Apps

Apple iPhone Xs: Statt JPEG nutzt das iPhone das Apple-Bildformat HEIC. Wir haben die Dateien mit dem iMazing HEIC Converter in JPEGs umgewandelt. RAW-Fotografie ist nur mit Fremd-App smöglich. Wir haben die DNGs mit Lightroom aufgenommen. Diese App erlaubt nicht nur DNG, sondern auch manuelle Kontrolle von ISO, Belichtung und MF mit Peaking.
Die beim Apple mitgelieferte Kamera-App sieht mit den schlanken Symbolen gut aus. Leider leidet die Erkennbarkeit unter der Ästhetik. Mit drei Video- und vier Fotomodi (Foto, Porträt, Quadrat, Panorama) ist die App übersichtlich. Das wichtigste Aufnahme programm ist der Foto-Modus. Damit kann man auf Blitzeinstellungen, Live (für bewegte Bilder), Selbstauslöser und Bildstile zugreifen. Zoomen ist bis 2fach optisch möglich, darüberhinaus digital. Über längeres Drücken aufs Display ruft der Fotograf die Belichtungskorrektur auf. ISO und Zeit bestimmt die App.
Google Pixel 3 XL: Die Foto-App präsentiert sich grundsätzlich gut strukturiert mit kräftigen, weiß auf schwarz dargestellten Symbolen. Dank hoher Kontraste sind sie gut erkennbar.

1 iPhone Xs DNG, ISO 25, f1,8, 26 mm KB, 1/640 s


2 iPhone Xs DNG, ISO 16, f2,4, 52 mm KB, 1/240 s


3 Pixel 3 XL DNG, ISO 60, f1,8, 27 mm KB, 1/2900 s


4 Mate 20 Pro DNG, ISO 50, f1,8, 27 mm KB, 1/1100 s


5 Mate 20 Pro DNG, ISO 50, f2,4, 81 mm KB, 1/670 s


Viel Licht und eine relativ kurze Distanz zum Motiv sind die besten Bedingungen für das Mate 20 Pro. Hier kann es seinen 40-MP-Auflösungsvorteil (4 ) gegen das Weitwinkel des iPhone (1 ) und des Pixel (3 ) gut ausspielen. Das Pixel zeigt bei diesem Motiv etwas mehr Details als das iPhone. Das Huawei-Weit winkel kommt auch fast an das Tele von Apple heran (2 , gleiche Aufnahmedistanz wie WW). Im Telebild des iPhone finden sich am Ende doch ein Hauch mehr Details. Aber gegen das 8-MP-Tele des Huawei kommt auch das 12-MP-Tele des iPhone nicht an (5 , gleiche Aufnahmedistanz wie WW). Dank längerer Brennweite ist die Abbildung am klarsten – trotz der kleineren Pixelzahl.

1 iPhone Xs DNG, ISO 250, f1,8, 26 mm KB, 1/60 s


2 iPhone Xs DNG, ISO 320, f2,4, 52 mm KB, 1/60 s


3 Pixel 3 XL DNG, ISO 181, f1,8, 27 mm KB, 1/25 s


4 Mate 20 Pro DNG, ISO 341, f1,8, 27 mm KB, 1/50 s


5 Mate 20 Pro DNG, ISO 334, f2,4, 81 mm KB, 1/35 s


Bei leicht nachlassendem Licht wechselt das iPhone schneller zu höheren ISO-Werten (WW:1 , Tele:2 ). Das führt zu stärkerem Rauschen. Es spricht einiges dafür, dass Huawei und Google auch beim RAW bereits eine Rausch unterdrückung anwenden – und das sehr geschickt. Beide machen klare Bilder, und das, obwohl das Mate 20 Pro (WW:4 , Tele:5 ) im WW deutlich höhere Auflösung liefert. Bei guten Lichtverhältnissen kann Huawei seine Auflösungsvorteile stärker ausspielen. Sieger ist hier das Pixel (3 ), das trotz nachlassenden Lichts sehr saubere Bilder liefert.

1 Mate 20 Pro JPEG Nachtmodus, ISO 3200, f1,8, 27 mm KB, 5 s


2 Pixel 3 XL DNG, Pro, ISO 2880, f1,8, 27 mm KB, 1/3 s


3 Mate 20 Pro JPEG Nachtmodus, ISO 1600, f1,8, 27 mm KB, 4 s


4 Pixel 3 XL DNG, Pro, ISO 553, f1,8, 27 mm KB, 1/17 s


Aus Fotosicht ist „Kamera“-Mode das wichtigste Programm. Nur damit sind DNG-Aufnahmen möglich. Leider erlaubt das Pixel 3 XL keine Zugriffe auf ISO oder Zeit und zeigt weder diese Werte noch ein Histogram an. Man kann auf Timer, HDR, Bildformat, Motion-Funktion, Weißabgleich und Blitz zugreifen. HDR ist wichtig, denn nur mit aktiviertem HDR+ kann man DNGs aufnehmen. Pixel berechnet aus einer Aufnahmeserie ein Endbild – sowohl im JPEG- als auch im DNG-Format. Ohne HDR erhält man deutlich schlechtere Ergebnisse mit weniger Zeichnung sowie ausschließlich JPEGs. Desweiteren bietet das Pixel 3 XL als Modi Porträt, Video, Panorama, Zeitlupe sowie Goole Lens.

Huawei Mate 20 Pro: Die Foto-App des Mate 20 Pro zeigt sich eng mit der des P20 Pro eng verwand, ist aber überarbeitet. Im Vergleich zum P20 Pro sind die Symbole schlanker geworden – das wirkt eleganter, ist aber teilweise auch schlechter erkennbar.
Die App bietet eine Fülle unterschiedlicher Programme: Blende, Nacht, Porträt, Foto, Video, Pro sowie zwölf weitere unter „Mehr“, darunter Panorama, Monochrome, HDR und Zeitlupe sowie die Möglichkeit, drei zusätzliche Programme nachzuinstallieren. Die Vielfalt ist einerseits großartig, andererseits kann sie verwirren.
Fotografen empfehlen wir den Pro-Modus mit zahlreichen Einstellmöglichkeiten und unbedingt der aktivierten DNG-Funktion. Im Pro-Modus blendet das Mate 20 Pro eine weitere, etwas dunkler unterlegte Leiste ein. Sie zeigt die regulierbaren Parameter an: Belichtungsmessmethode, ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit, Belichtungskorrektur, AF-Modus (AF-S, AF-C, MF) und Weißabgleich. Wer mag, kann die Belichtung manuell steuern oder ISO/ Zeit-Shift wählen. Huawei führt dann entweder die Zeit bei vorgewählter Empfindlichkeit oder den ISO-Wert bei vorgewählter Zeit nach. Die Steuerungsoptionen sind deutlich zahlreicher als beim Pixel oder iPhone.
Wenn RAW aktiviert ist, wechselt man im Pro-Modus exakt von Kamera zu Kamera mit jeweils voller Auflösung. Dabei zeigt die App per Zoomfaktor, welche Optik gerade aktiv ist: 0,6 steht für f16 mm KB mit 20 MP, 1x für die Hauptoptik mit 27 mm KB und 40 MP und 3x für 81 mm KB und 8 Megapixel. Parallel zu DNG erhält man auch ein JPEG mit eingestellter Auflösung.
Ist RAW nicht aktiv, arbeiten Foto- und Pro-Modus gleich und erlauben das Zoomen erst, wenn die Auflösung der Hauptkamera auf maximal 10 MP steht. Optisch zoomt man bis Faktor 3. 5fach- und 10fach-Zooms werden digital gebildet. Wer ohne aktiviertes DNG die Hauptkamera auf 40 MP stellt, verliert nicht nur die Zoomfunktion, sondern erhält bei wenig Licht ein mit 10 Megapixeln aufgenommenes und auf 40 Megapixel interpoliertes JPEG. Wir empfehlen daher, immer DNG zu aktivieren.

Bildqualität

DNG im Weitwinkel: Während Huawei das Mate 20 Pro – wie schon das P20 Pro – mit einer 40-MP-Hauptoptik ausstattet, treten Apple und Google mit je 12-MP-Auflösung an. Bei gutem Licht liegen das iPhone Xs und das Pixel 3 XL ziemlich nah beieinander. Die Xs-Aufnahmen sind stellenweise einen Hauch detailreicher, rauschen aber auch stets mehr als die des Pixel; das gilt für DNGs beider iPhone-Kameras. Stellt man im übrigen die Lightroom-App beim iPhone auf HDR und RAW, erhält man zwar rauscharme, aber leider auch weniger detailgetreue Bilder. Hier verrechnet die App die Serienbilder weniger effizient als das Pixel, daher haben wir beim Testen darauf verzichtet.
Das Pixel 3 XL berechnet DNGs immer aus mehreren Einzelbildern. Dabei hält Google das Rauschen auch bei nachlassendem Licht erstaunlich gering und belässt zugleich sehr viele Details im Bild. Bei nachlassendem Licht zieht das Google Pixel deswegen am Apple iPhone vorbei.
Das RAW des Mate 20 Pro rauscht für die große Auflösung überraschend wenig, zeigt aber mehr unnatürliche Details als Folge einer intensiveren Signalverarbeitung. Hier spielen offensichtlich auch die verschobenen Farbfilter eine Rolle. In Sachen Detailauflösung kann das Huawei den Vorteil seines 40-MP-Sensors vor allem bei viel Licht ausspielen. Bei nachlassender Helligkeit nähern sich Pixel und Mate jedoch einander an, sodass im Ergebnis vieles von der Situation abhängt: Das Pixel bleibt auch bei schwächerem Licht lange detailreich und rauscharm. Huawei verliert dagegen mehr Details, wahrscheinlich eine Folge der kleineren Pixel, die zu einer stärkeren Rauschunterdrückung mit mehr Detailverlusten führen.

1


2


3


4


5


6


Hauwei Mate 20 Pro
RAW-Aufnahmen sind nur im Pro-Modus (1 ) möglich. Die App gewährt viele Zugriffe auf wichtige Einstellungen. Für die SW-Fotografie gibt es einen Monochrom-Modus (2 ).
iPhone Xs
RAWs macht das iPhone nur mit einer Fremd-App wie z. B. Lightroom mit Zugriff auf beide Kameras und vielen Einstellungen (3 ). Der Kamerawechsel ist auch in der iPhone-App möglich, ebenso das digitale Zoomen bis Faktor 10. Als Format steht aber nur HEIC zur Verfügung (4 ).
Google Pixel 3 XL
Die Kamera-App des Pixel ist sehr übersichtlich. Es mangelt aber an Möglichkeiten zur manuellen Kontrolle (5 ). Neben dem Kameramodus gibt es noch je ein Programm für Porträts und Panorama (6 ).

1 Mate 20 Pro JPEG, ISO 64, f2,2, 16 mm KB, 1/100 s


2 Mate 20 Pro JPEG, ISO 50, f1,8, 27 mm KB, 1/240 s


3 Mate 20 Pro JPEG, ISO 50, f2,4, 81 mm KB, 1/125 s


Das Huawei stimmt die JPEGs jeder Kamera anders ab. Mit der 16-mm-Kamera bekommt man fast schon Aquarelle (1 ). Dramatisch besser sieht es mit der 27-mm-Hauptoptik aus (2 ). Aber auch hier sind Eingriffe sichtbar – wir würden uns weniger wünschen. Bei der 80-mm-Teleoptik sind die JPEGs am saubersten verarbeitet (3 ). Struk turen bleiben am besten stehen, wenn auch die Rausch unterdrück ung etwas stärker zugreift als im iPhone.

Neben einer Weitwinkelkamera mit 27 mm KB hat das Mate 20 Pro noch ein Superweitwinkelmodul mit 16 mm und 20-MP-Auflösung. Diese konnte uns nicht überzeugen. Der Bildwinkel ist super, aber die 16mm-RAWs sind auch bei viel Licht oft verrauscht. Das können auch die 20 MP nicht wettmachen.

JPEG im Weitwinkel: Am schonendsten behandelt das iPhone seine JPEG-Bilder. Dies gilt für beide Kameras. Apple stimmt die beiden tatsächlich sehr ähnlich ab. Beim iPhone Xs wirken nicht nur die Farben natürlicher als beim Mate 20 Pro oder beim Pixel 3 XL. Auch Schärfe, Kanten und Kontrast sind ausgewogener und nicht überzogen verstärkt. Ein Nachteil der Xs-JPEGs ist – wie auch der DNGs – das höhere Rauschniveau. Bei gutem Licht fällt es nur wenig auf, steigt aber mit nachlassender Helligkeit und wirkt zunehmend störend.
Dieses Problem hat das Pixel 3 XL gut im Griff. Auch bei wenig Licht bleiben die JPEGs erstaunlich rauscharm. Jedoch sind sie generell härter als beim iPhone abgestimmt. Die Kanten sind stärker aufgesteilt, Kontrast und Schärfe großzügiger verstärkt. Tendenziell gilt: Je weiter die Motive entfernt sind, desto stärker sieht man die Eingriffe. Generell sind sie aber noch akzeptabel.
Bei Huawei hängt die Abstimmung zunächst von der gewählten Optik ab. So liefert die Superweitwinkelkamera aquarellähnliche Fotos: Da für diese Auflösung schon die RAWs des Superweitwinkels weniger Details als erwartet zeigen und hohes Rauschen mitbringen, muss das Mate 20 Pro verstärkt „optimieren“ und schießt dabei über das Ziel hinaus.

Wadim Herdt, Autor


FAZIT

Alle drei Geräte sind Top-Smartphones mit sehr guter Verarbeitung und Ausstattung. Wenn das Licht gut ist und die Aufnahmeentfernung stimmt, spielt das Mate 20 Pro seinen Megapixel-Vorsprung aus. Auch seine Tele-Optik ist eine überzeugende Lösung mit guten Bildergebnissen. Für die 16-mm-Superweitwinkeleinheit wünschen wir uns jedoch ein Software-Update, das mehr Details in den JPEGs belässt. Grundsätzlich kann das Mate 20 Pro auch mit seiner Kamera-App punkten: Sie ist zwar ein wenig unübersichtlich, bietet dafür aber die mit Abstand meisten Einstellungen.
Das Pixel beeindruckt dagegen durch seine sehr geschickte Signalverarbeitung und berechnet gerade unter ungünstigen Lichtbedingungen gute Bilder – es ist unsere erste Wahl bei schlechtem Licht.
Das iPhone liefert die natürlichsten JPEGs. Aber bei wenig Licht zieht das Pixel mit den besseren JPEGs und DNGs am iPhone vorbei. Und bei viel Licht hat das Huawei mit der höheren Weitwinkelauflösung und der attraktiveren Telebrennweite die Nase vorn.

4 iPhone Xs JPEG, ISO 32, f1,8, 26 mm KB, 1/120 s


5 iPhone Xs JPEG, ISO 40, f2,4, 52 mm KB, 1/120 s


6 Pixel 3 XL JPEG, ISO 67, f1,8, 27 mm KB, 1/600 s


Das iPhone stimmt die HEIC-Dateien (4 und5 ) schonender ab als das 3 XL (6 ) und das Mate 20. Von allen drei Geräten haben uns die iPhone-JPEGs bei viel Licht am besten gefallen. Google schärft zu stark nach, gibt mehr Kontrast und Dynamik hinzu.

Die Hauptkamera arbeitet deutlich zurückhaltender. Das Rauschen ist gut unterdrückt. Kantenverstärkung und Schärfung können zu unschönen Strukturen führen. Auch fällt bei den Aufnahmen der 40-MP-Kamera der Unterschied zwischen groß und klein abgebildeten Motiven stärker auf. Generell schwankt die Bildqualität je nach Motiv und Helligkeit stärker als bei Apple und Google.
DNG und JPEG im Tele: Auch wenn das Pixel 3 XL keine „Tele“-Optik hat, ist (Digital-)Zoomen generell mög lich: Die DNGs werden entsprechend der Zoomeinstellung gecroppt, die JPEGs aber stets auf 12 Megapixel hochgerechnet. Doch auf dieser Basis kann das Pixel 3 XL mit dem Mate 20 Pro oder iPhone Xs nicht konkurrieren. Mit rund 52 mm KB kommt das iPhone auf ein Zweifachzoom, das Mate mit circa 80 mm KB dagegen auf ein Dreifachzoom. Gerade für Porträts sind 80 mm geeigneter. Trotz unserer Kritik am Superweitwinkel hat das Mate 20 Pro also die interessanteste Kameraausstattung.
Wie schon beim Weitwinkel neigt das iPhone Xs auch im Tele zu einer zu hellen Belichtung von DNGs. Das stärkere Rauschen bleibt ebenso wie die schonendere JPEG-Abstimmung. Apple geht behutsam vor und liefert natürlich wirkende Bilder.

Die Tele-JPEGs des Huawei sind zurückhaltender abgestimmt als die Fotos der 40-MP-Hauptoptik und wirken auf diese Weise natürlicher. Im Gegensatz zu Apple ist zudem das Rauschen weniger auffällig, Kontrast und Schärfe sind gut dosiert.
Bei beiden Geräten lohnt sich das Umschalten auf die Teleoptik umso mehr, je weiter das Motiv entfernt ist. Bei kurzen Entfernungen punkten die Weitwinkelkameras. Mit wachsendem Abstand arbeiten sich dann aber die Teleoptiken nach vorne. Huawei schafft es dabei, noch einen Hauch mehr Details einzufangen als Apple – die Unterschiede sind aber nicht gewaltig.

Erläuterung der Messwerte: Bei Auflösung und Dead Leaves (DL) stehen hohe Messwerte für hochaufgelöste Bilder mit guter Feinzeichnung. Die Messwerte für Artefakte und Rauschen – beides sind Bildstörungen – sollten möglichst niedrig sein. Hohe Dynamik-Werte signalisieren eine gute Zeichnung in Lichtern und Schatten. Im Fall der Chrominanz weisen Werte um 10 auf eine gute, aber auch nicht übertriebene Farbsättigung kontrastreicher Strukturen hin. Der Farbverlauf über das Bildfeld – etwa ein Blaustich in den Ecken – sollte wie die Delta-E-Werte für Farbgenauigkeit und Hauttöne niedrig sein. Gleiches gilt für Vignettierung (dunkle Bildecken) und Verzeichnung (krumme Linien am Bildrand). Tele und Superweitwinkel (SWW) werden bei 1000 Lux gemessen.


Fotos: Hersteller, Werner Lüttgens, Wadim Herdt, Image Engineering