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Außer irdisch!


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Madame - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 12.10.2022
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Bildquelle: Madame, Ausgabe 11/2022

AILLEURS – AUS DEM ALL „Volcano Man“: „Octopus“-Ohrschmuck aus Perlmutt und Diamanten; Diamantreif „Bois Brulé Diamant“ mit Fossilienholz und Kragencollier „Coquillage“ aus Weißgold, Perlmutt und Diamanten; Platinring „Loup“ aus Meteoritgestein, Diamanten und Onyx. Linke Seite: „Earth Woman“: Schulterbrosche „Diamond Wood“ aus Rosenholz, Weißgold und Diamanten

BOUCHERON

Nur der Goldstuck glimmt, sonst ist alles dunkel in Boucherons Boudoir an der Place Vendôme. Dann fällt gleißendes Licht herein. Und als wären sie vom Himmel gefallen, kommen fünf Models in den Salon, umflimmert von Juwelenglanz. Prinzessin Amidala, Mister Spock? Es wirkt wie eine Prozession vom andern Stern. Claire Choisne, Boucherons „Magicienne en chef“ und eine der gefeiertsten Juwelenkünstlerinnen unserer Zeit, tippt auf die Halskrause eines jungen Mannes, den sie als „Volcano Man“ vorstellt. Wie Farnblätter aus Perlmutt und ...

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Nur der Goldstuck glimmt, sonst ist alles dunkel in Boucherons Boudoir an der Place Vendôme. Dann fällt gleißendes Licht herein. Und als wären sie vom Himmel gefallen, kommen fünf Models in den Salon, umflimmert von Juwelenglanz. Prinzessin Amidala, Mister Spock? Es wirkt wie eine Prozession vom andern Stern. Claire Choisne, Boucherons „Magicienne en chef“ und eine der gefeiertsten Juwelenkünstlerinnen unserer Zeit, tippt auf die Halskrause eines jungen Mannes, den sie als „Volcano Man“ vorstellt. Wie Farnblätter aus Perlmutt und Diamanten wirkt sein Kragen und kontrastiert in seiner Zartheit mit dem in japanischer „Chou Sugi Ban“-Technik kohlschwarz gebrannten Holz des Diamantreifs, den er am Hals trägt. Um sein Ohr schlängelt sich ein Krake, das Glitzern der weißen Diamanten simuliert Bewegung, die Tentakel scheinen in der Ohrmuschel von „Volcano Man“ verschwinden zu wollen ... Derweil sitzt ein Wolf aus Meteoritgestein auf seiner Hand „und heult den Mond an“. Choisne liebt diese kleinen Aperçus. Dann kommt die „Erdfrau“ (linke Seite) herein, sie trägt ein Lederkleid und auf ihrer Schulter blüht eine Fantasieblume. „Die Blüte ist im 3-D-Scanner entstanden, wir haben sie dann aus dem Holz einer dreitausendjährigen Mooreiche geschnitzt und mit Diamanten inkrustiert“, erklärt die Designerin. Und zugleich erklärt das auch den Geist dieser Kollektion, in der es perlenbesetzte Seeigel, Aluminium-Gräsergeflecht und mit Diamanten gespickte Kieselsteine gibt. Die Kollektion ist eine Feier der Natur, atemberaubend virtuos und so zartsinnig ins Werk gesetzt, dass sie eine neue Dimension für Boucheron und Claire Choisne öffnet. Ailleurs ... Extraterrestrisch!

1932 Weißgoldbrosche „Comète“ mit Diamanten; Weißgoldcollier „Allure Céleste“ mit Diamanten, einem Diamanttropfen und einem blauen Saphir von 55,55 Karat

CHANEL In den Nächten an der Côte d’Azur, in ihrer Villa La Pausa, konnte sie die Plejaden sehen, glitzernde Paillettengebilde am Firmament. Mit ihrer ersten Haute-Joaillerie-Kollektion 1932, „Bijoux de Diamants“, holte Gabrielle Chanel dann die Sterne vom Himmel. Auch „ihren“ Kometen, den ihr Jean Cocteau einst als Talisman geschenkt hatte, kleidete sie in Diamanten. Patrice Leguéreau, Chanels Kreativdirektor, ließ ihn nun in seiner Kollektion „1932“ wieder strahlen. Ein riesiges Planetarium hatte Chanel in Paris für Leguéreaus Hommage an die große Coco aufgebaut. Konstellationen aus Gold und Diamanten, Onyx und Saphire, Mondglanz und Sternregen. Im Mittelpunkt seines kreativen Sonnensystems: das Collier „Allure Céleste“, an dem ein ovaler Saphir von 55,55 Karat, blau wie die Mitternacht, dem Sterngeflimmer der Diamanten begegnet, jenem Licht, das uns Menschen mit dem Himmel verbindet.

DIOR

„Ich habe mir immer gewünscht, einmal Muster auf Juwelen drucken zu können wie auf Stoff“, sagt Diors Kreativdirektorin Victoire de Castellane. Geht nicht? Gibt’s nicht für die Juwelenkünstlerin, die schon vor Jahren mit Autolack experimentierte und die kleinsten Juwelen der Welt erfand. Von Konventionen hält die Design-Revolutionärin nämlich „rien du tout!“ Dieses Mal also: „Dior Print“. 147 virtuose Schmuckstücke mit Karos, Streifen und Liberty-Prints, nicht gedruckt, aber in Hunderten Stunden mit Edelsteinen „gestickt“. Dabei folgt das Motiv – die Miniaturblüten aus Rubinen, Spinellen und gelben Diamanten oder die Farb-Degradés aus mint- und fliederfarbenen Saphiren – der Rundung eines Rings, einer Armspange oder dem Schwung der windbewegten Bänder eines Ohrringpaars. Und folgt einmal mehr: den Extravaganzen der Comtesse.

HEMMERLES

INFUSED JEWELS Voll bewegliche „Ingwerblüten“-Ohrringe; Brosche aus echten Zimtstangen mit Bonze, Weißgold und kandisfarbenem Diamanten; „Heckenrose“-Brosche aus eloxiertem Aluminium mit einem Altschliffdiamanten

DIOR PRINT Petitpointstickerei mit Edelsteinen (von oben): Ring mit Rubinblütchen und Diamanten, Cuff mit Feueropal, umgeben von Saphiren im Farbdegradé; Ohrgehänge aus Weißgold, besetzt mit Liberty-Blümchen aus Saphiren, Smaragden und Tsavoriten

HEMMERLE

 Lindenblüten, Rosmarin oder Lavendel … Allein die Worte rufen Bilder hervor. Violette Felder, Blütenschnee, Sommerwind in grünen Blättern – und dann: dieser Duft! In Kräutertees, sagen die Münchner Juweliere Yasmin und Christian Hemmerle, wirken die geheimen Kräfte der Pflanzen. Ein zauberhaftes Elixier, dem das Münchner Traditionshaus in diesem Jahr 13 Schmuckstücke gewidmet hat. „Infused Jewels“, Porträts von Teepflanzen, wobei es sich bei den Ohrringen und Broschen sämtlich um vollplastische Miniaturskulpturen handelt. Für eine der Broschen hat Hemmerle Orangenblütchen in der Nymphenburger Porzellanmanufaktur in hauchzartem Biskuitporzellan modellieren lassen. „Das erste Mal, dass wir etwas aus der Werkstatt gegeben haben“, sagt Christian Hemmerle, „Tee stiftet Gemeinschaft.“ Sonst blieb alles im Atelier: Hemmerle ließ die hohe Goldschmiedekunst in altmeisterlich detailverliebten, aber auch in kühn stilisierten Stücken, wie der Brosche mit echten Zimtstangen und kandisfarbenem Diamant, leuchten. Die diamantsprühenden Ingwerblütenohrringe sind beweglich und folgen jeder Geste ihrer Trägerin. Die Heckenrose schließlich, deren Blätter aus farbig eloxiertem Aluminium so leicht und seidenzart sind, könnte schon ein kleines Lüftchen forttragen, würde man sie nicht an der Schulter feststecken. Aber Vorsicht vor Bienen! Der Altschliffdiamant in ihrem Kelch blinzelt gar so begehrlich ...

POMELLATO

Aquamarin. Was für ein sprechender Name. Ein lichtblauer Stein, so vielfarbig wie Wasser und Luft. In dem das Meer, glitzernde Gischt und sonnendurchflutete Tiefen eingefangen sind. Für seine „La Gioia“-Kollektion hat Pomellatos Kreativdirektor Vincenzo Castaldo fünf rohe Aquamarine unterschiedlicher Größe (von zusammen 150 Karat) mit einem Seil aus weißen Diamanten umschlungen und an eine Weißgoldkette gelegt. „Secrets of the Rising Sun“ hat er das Collier genannt, und mit diesem und den 33 anderen „La Gioia“-Stücken, prachtvoll unkonventionell, das 1967 gegründete Mailänder Juwelenhaus in die Haute Joaillerie gebeamt. Ein neuer Sonnenaufgang für Pomellato.

LA GIOIA Fünf barocke Aquamarine an einer mit Diamanten besetzten Weißgoldkette formen Pomellatos „Secrets of the Rising Sun“-Collier.

GROSSES KINO! Chopards Ohrgehänge mit zwei Smaragdcabochons und Quasten aus Türkisen, Mondsteinen, Tsavoriten; Weißgold-Sautoir „Peace and Love“ mit farbigen Edelsteinen und Peridotperlen

CHOPARD Kokett schaukeln die Perlenquästchen unter ihren Baldachinen aus Smaragd-Cabochons und Türkisen ... Was für ein Auftritt! Aber schließlich gehört das Ohrringpaar ja auch zur Red-Carpet-Kollektion „Chopard loves Cinema“ von Caroline Scheufele. 75 glamouröse Juwelen, die bei den Filmfestspielen von Cannes Premiere feierten und den großen Werken der Filmgeschichte die Reverenz erweisen. „City lights“ von Charlie Chaplin, Hitchcocks „Über den Dächern von Nizza“... In diesem Jahr aber spielte ein Stück alle anderen Preziosen an die Wand: die „Love & Peace“-Kette, ein farbsprühender Anhänger aus Edelsteinblütchen – Tsavoriten, Amethyste, Rubelliten, Saphire und Mandarin-Granate – an zwei Strängen aus Peridotperlen. Der Plot: Optimismus und Flower-Power, der Blumenkinder-Charme des „Make Love not War“ und die Zauberkraft der Steine. Die sind bei Chopard, ebenso wie Gold und Edelmetalle, seit vielen Jahren fairmined-zertifiziert, ethisch. Caroline Scheufele hat längst angefangen, an einer schöneren Welt zu arbeiten. Peace!

BULGARI

Gibt es etwas Kostbareres als eine Blume, die aus einem winzigen Samen wächst, Stiel und Blätter und schließlich eine Blüte entfaltet? In „Eden – ein Garten voller Wunder“ spürt Bulgaris Kreativchefin Lucia Silvestri den Wundern der Natur nach – und folgt der Spur der edlen Steine. Im Diamantcollier „Tribute to Paris“ etwa, an dem Blätter aus Diamanten und 461 grün schillernden Bufftop-Smaragden rascheln und in dessen Mitte ein mit Diamanten inkrustierter Smaragd von 35 Karat leuchtet. So maigrün wie der Pariser Frühling. Denn auf den zweiten Blick verwandeln sich die Blätter in stilisierte Miniatur-Eiffeltürme, eine Liebeserklärung an die Stadt der Lichter, „aber auch eine an den Smaragd, den wir seit den Jahren des römischen Dolce Vita besonders lieben“, erklärt Silvestri und muss nicht erst an die Augen von Sophia Loren erinnern, ihre eigenen sind ebenfalls – grün. Paris also, gesehen durch die Augen einer Römerin.

SPIRIT Das Model trägt den Cuff „Radiance“ aus Gelbgoldplättchen mit Diamanten und einem Mandarin-Spessartitgranat im diamantbesetzten „V“. Ring in Form der LV-Logoblüte aus Gelbgold mit einem Spessartitgranat von 14,7 Karat

LOUIS VUITTON

„V“ wie Victory! Mitten in den Goldschuppen der Armspange „Radiance“, eingerahmt von einem diamantfunkelnden „V“, sitzt ein Spessartitgranat, der wie das Signal eines Raumschiffs – oder das Auge eines Zyklopen? – blinzelt. „Spirit“, Francesca Amfitheatrofs vierte Haute-Joaillerie-Kollektion für Louis Vuitton, beschwört Amazonen aus antiken Mythen und Sternenkriegerinnen herauf. Sagenhafte Fernen und neue Horizonte sind es, die sie zu ihren wagemutigen Juwelen inspirieren. So kam es nicht von ungefähr, dass sie ihre Kollektion im Hotelpalast des marokkanischen Königs präsentierte. Ein „Sesam öffne dich“ in Marrakesch. Schaut man in den großen Mandarin-Granat, der auf einer LV-Blüte aus diamantengesäumten Gelbgoldblättern thront, so öffnen sich orange leuchtende Horizonte. Und es ist, als fiele man in die funkelnden Tiefen eines Traums, immer tiefer und tiefer, Facette um Facette ...

In der Abstraktion und im Detailreichtum der Cartier-Juwelen finden die Wunder der Welt wie in einem Kunstkabinett zusammen

BEAUTÉS DU MONDE Die „Schönheiten der Welt“ eingefangen in der Haute-Joaillerie-Kollektion 2022 von Cartier (v. links nach rechts): Diamantcollier „Water Aspis“ mit fünf Sri-Lanka-Saphircabochons und einem Diamanten; Elefantenbrosche aus versteinertem Magnolienholz mit rosa Saphir und Briolette-Diamanten. Weißgoldcollier „Récif“ mit Diamanten und Tutti-Frutti-Früchtchen aus Koralle und Smaragden und einem Smaragd-Cabochon

CARTIER

Die Kronleuchter klingeln leise, als wir durch die Flure des Pariser Ritz gehen und der Security-Chef mit zeremoniöser Geste eine Tür öffnet, dahinter: ein Salon, Macarons, Tee und Geplauder. Und dann noch eine Tür – und in den Vitrinen: Funkelpanther mit Onyxflecken und Saphiraugen, Tutti-Frutti-Colliers ... und dazu „Water Aspis“, ein Weißgoldcollier, das mit seinen beweglichen, diamantenbesetzten Dreiecken und den Lapislazuli-Intarsien an die Geschmeidigkeit einer Schlange erinnert und mit einer hauchzarten Geste zwei tiefblaue Sri-Lanka-Saphire und einen Diamanten im Rosenschliff hält. Eine Schlange, in der sich wie in allen Cartier-Stücken Realismus, Stilisierung und Abstraktion begegnen. Unterdessen feuern auf einer Elefantenskulptur aus versteinertem Magnolienholz ein rosa Saphir und Diamanten im Briolette-Schliff Leuchtgarben ab. Glitzernde Wellen, Korallenrot und Grün – im Collier „Récif“ feiern Diamanten, Smaragdund Korallenfrüchtchen die Schönheit von exotischen Korallenriffen. „Der große Smaragd kommt aus Kolumbien“, erklärt Atelierchefin Jacqueline Karachi-Langane, „er hat kleine Einschlüsse, wie Mückenschwärme über einem Teich sieht das aus, nicht wahr? Aber sein Grün ist mit nichts anderem zu vergleichen.“ Die Goldschmiede haben ihn als Cabochon gefasst und nicht facettiert, damit man seine Augen darin baden kann.

SCHATTENSPIEL Armspange „Ombres mobiles“ aus Roségold, geschwärztem Titan, mit Turmalinen, Diamanten und einem gelben Chrysoberyll. Links: Weißgoldring „Miroir d’ombre“ mit Diamanttropfen und Pavé aus blauen Saphiren

MESSIKA

Akh-Ba-Ka: Das hört sich wie eine Beschwörungsformel an? Ist es auch, denn „KA“ bedeutete im alten Ägypten Lebensenergie, während „BA“ die Transformation und den Flug in ein Leben nach dem Tod meinte und die Vereinigung dieser beiden Mächte schließlich „AKH“, die Verklärung eines Menschen hin zum Licht symbolisiert. Es ist der Name des wohl spektakulärsten Juwels, das je in der Werkstatt von Messika entstanden ist. Und das, obwohl Valérie Messika, Tochter einer Pariser Diamantenhändler-Dynastie, eigentlich das „pompöse Image von Diamantschmuck entstauben“ wollte. Diamanten zur Jeans, lässig und selbstverständlich, hat sie gestaltet. Und nun das. Ein Collier, das wirkt, als stammte es aus einem Pharaonengrab, und doch seltsam modern ist. Phönix- Schwingen, die in eine Kordel übergehen, mit 2550 Diamanten besetzt. Im Mittelpunkt sitzt ein 33 Karat schwerer Stein, der wie die anderen 15 kapitalen Diamanten aus einem Rohdiamanten von 101 Karat geschnitten wurde. Entdeckt in der Lucara-Mine in Botswana, fand er durch André und Ilan Messika, Valéries Vater und Bruder, noch vor der Pandemie 2020 den Weg nach Paris. „Als ich die Steine sah“, erzählt sie, „schlug mein Herz schneller und ich habe alle 15 auf einen Schlag gekauft.“ In Tausenden Arbeitsstunden ist so ein futuristisches Stück für die Ewigkeit entstanden. „Der Körper des zentralen Diamanten an der Kette“, erklärt Valérie Messika, „ist wie ein Skarabäus gestaltet, das altägyptische Symbol für Wiedergeburt.“ Vergangenheit und Zukunft – in diesem Diamantcollier sind sie eins.

SPEKTAKULÄR! Weißgoldcollier „Akh-Ba-Ka“ mit 15 Diamanten von insgesamt 71 Karat und 2550 Diamanten

HERMÈS

Wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Pierre Hardy, Kreativchef der Haute Joaillerie bei Hermès, hat diesen Kontrast ins Zentrum seiner neuen Kollektion gerückt. „Wer hat nicht als Kind versucht, seinem Schatten davonzulaufen?“, sagt der Designer, der während seines Kunststudiums in einer Ballettkompanie tanzte. „Und immer hat er uns wieder eingeholt.“ Auch jetzt. „Bei einigen Stücken habe ich den Schatten, den jeder Stein wirft, ausgedehnt und materialisiert“, erklärt er. Etwa im Ring „Miroir d’ombre“ (links) aus Weißgold: ein Diamanttropfen von 3 Karat in einem Schattenteich aus mitternachtsblauen Saphiren. Für seinen Cuff „Ombres mobiles“ (oben), was so viel heißt wie „bewegliche Schatten“, hat Pierre Hardy schwarz satiniertes Titan in einen organisch geschwungenen Rahmen aus Roségold gesetzt und die dunkle Fläche mit grünen und pinken Turmalinen, einem braunen, einem weißen Diamanten und einem gelben Chrysoberyll bespielt. Wie Spotlights sitzen sie in ihren Fassungen. Und wie auf der Bühne hüpft das Licht von Rosa zu Grün, zu Gelb und Weiß und die Edelsteintonfolge wieder zurück, leuchtet auf, glitzert, sprüht, tanzt. Und weil es über seinen Schatten springt, wirkt es, findet Hardy, vielleicht noch übermütiger als sonst. „Denn der Schatten“, so viel habe er während der Arbeit zu dieser Kollektion begriffen, „ist der Schatz des Lichts.“

BOTANICA Jean Schlumbergers „Leaves and Fruit“-Brosche in Gelbgold mit Türkisen, Turmalinen, Smaragden und Diamanten, neu aufgelegt in Tiffanys Bluebook-Kollektion

TIFFANY

Vielleicht lag sie ja gerade in der Vitrine, die Brosche mit der Türkisstachelfrucht und den vier Blättern aus Smaragden und grünen Turmalinen, als sich Audrey Hepburn alias Holly Golightly im Schaufenster an der Fifth Avenue spiegelte. Zum Frühstück bei Tiffany. Das „rote Grausen“ wäre unserer Heldin angesichts dieses seelenvergnügten Stücks bestimmt vergangen. „Leaves and Fruit“. Der elsässische Juwelenkünstler Jean Schlumberger hat die Brosche in den 1950er-Jahren entworfen. Auch Victoria Wirth Reynolds, als Chefgemmologin ebenfalls Herrin der Archive bei Tiffany & Co., glaubt an die Magie von Schlumbergers grazilen Entwürfen. Schon im letzten Jahr wurden einige in der Bluebook-Kollektion des Hauses neu aufgelegt. In London präsentierten die New Yorker nun das Bluebook „Botanica“ 2022 und schlugen darin für den Herbst ein neues/altes Kapitel auf: Schlumberger-Designs, Oldies but Goldies.