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Außergewöhnliche Pfleglinge


aquaristik - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 11.09.2019

Stachelaale, auch pfeilschnäbel genannt, sind eine Familie von rund 90 ausschließlich im Süßwasser lebenden Arten


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Bildquelle: aquaristik, Ausgabe 5/2019

Trotz seiner erheblichen Endgröße ist der Feuerstachelaal wegen seiner Farbigkeit ein beliebter Aquarienfisch.


Sie gehören zweifelsohne zu den merkwürdigsten Gestalten unter den Süßwasserfi schen. Ihre gemeinsamen Merkmale sind kurze, freistehende Stacheln am Rücken vor der Rückenfl osse (das sind, je nach Art, neun bis 42), fehlende Bauchfl ossen, ein spitz zulaufender Kopf mit bartelarti gen Verlängerungen an der Schnauzenspitze und eine aalarti ge Körperform. Mit den Aalen (Anguillidae) ...

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... sind die Stachelaale (Mastacembelidae) allerdings nicht verwandt. Sie gehören vielmehr in die Verwandtschaft sgruppe der Kiemenschlitzaalverwandten (Ordnung Synbranchiformes), die den barscharti gen Fischen nahesteht.

HERKUNFT

Stachelaale leben allesamt im Süßwasser, vorwiegend in den Tropen Afrikas und Asiens. Es gibt aber auch subtropische Arten, so den im Tigris lebendenMastacembelus mastacembelus , die Typusart der ganzen Familie, die allerdings aquaristi sch noch nicht in Erscheinung getreten ist. Die maximal erreichbare Länge ist artabhängig sehr unterschiedlich, die kleinsten Arten werden nur etwas über zehn, die größten um 90 Zenti meter lang.

Unten: Die bartelartigen Anhängsel am Maul dienen wahrscheinlich dem Erschmecken von Nahrung.


Nur selten sieht man Stachelaale, wie hierMastacem - belus cf.favus , frei schwimmen.


Jungti ere des Riesenstachelaals können leicht mit den kleinenMacrognathus - Arten verwechselt werden, wenn man die Flossen nicht beachtet.


KLEIN VON GROSS UNTERSCHEIDEN

Es gibt eine ganz gute Faustregel, anhand derer man erkennen kann, ob ein Stachelaal klein bleibt: Alle Arten, bei denen die Schwanzfl osse deutlich von der Rücken- und Aft erfl osse getrennt ist, werden nur 10- 20 cm lang. Bei allen ganz großen Arten (z. B. beim FeuerstachelaalM. erythrotaenia aus demM. armatus - Formenkreis) sind diese drei Flossen miteinander verschmolzen. Es gibt freilich auch kleinwüchsige Arten ohne abgesetzte Schwanzfl osse, aber eben nicht umgekehrt. Einige der sehr großen Arten haben eine so abweichende Jugendfärbung, dass eine Fehlidenti fi zierung möglich ist. Alle anderen Arten sehen als Jungti ere bereits wie die erwachsenen Tiere aus.

HALTUNG

Ähnlich wie bei Schlangen ist der Raumbedarf eines Fisches mit aalförmigem Körper eher gering; man kann darum auch die größten Arten in handelsüblichen Aquarien von 150-200 Zenti meter Kantenlänge gut pfl egen. Da jedoch alle Stachelaale obligatorische Fleischfresser sind, ist in Bezug auf eine mögliche Vergesellschaft ung die erreichbare Endgröße durchaus wichti g. Fische von etwa einem Viertel der eigenen Körperlänge werden von Stachelaalen als Nahrung angesehen, bei sehr schlanken Arten können sie sogar etwas größer sein. Abgesehen davon sind Stachelaale als friedliche Fische einzuordnen. Es mag individuelle Ausnahmen geben, aber Stachelaale mögen grundsätzlich sogar die Gesellschaft von ihresgleichen und fi nden sich oft in großer Zahl in besonders günsti gen Tagesverstecken. Darüber hinausgehende soziale Interakti onen sind bei Stachelaalen allerdings kaum zu beobachten. Es kommt gelegentlich zum Zank um Futter und während der Paarungshandlungen treiben die Männchen die Weibchen. Die meiste Zeit des Jahres ignorieren die Tiere einander jedoch.

Stachelaale können oft nicht eng genug beisammen liegen, wie hierMastacembelus cryptacanthus .


Solange die anderen Fische groß genug sich, lassen sich Stachelaale, wie hierMastacembelus marchei , gut vergesellschaft en.


Der nur bis gut 15 cm lange Indische Zwergstachelaal wird recht häufi g im Zierfi schhandel angeboten.


An die Wasserzusammensetzung stellt keine Art besondere Ansprüche, nur eines sollte man unbedingt beachten: Stachelaale brauchen ein grabfähiges Substrat, am besten feinen Sand, in den sie sich bei Bedarf vollständig eingraben können. Fehlt dies, kann es zu ernsthaft en Hauterkrankungen der Fische kommen. Berücksichti gt man die artspezifi sch zu erwartende Endgröße bei der Wahl der Aquariengröße, eignen sich grundsätzlich alle Stachelaale sehr gut für die Pfl ege im – unbedingt lückenlos abgedeckten! – Aquarium und bereiten dem Pfl eger durch ihre ungewöhnliche Gestalt, ihre Intelligenz und ihr interessantes Verhalten viel Freude.

ERNÄHRUNG

Die Ernährung von Stachelaalen im Aquarium ist grundsätzlich einfach, dennoch häufi g ein Knackpunkt, wenn man sie im Gesellschaft saquarium pfl egen möchte. Denn Stachelaale sind eher langsame Fresser, die tagsüber auch nicht so fl ink sind und oft – zumindest in der Eingewöhnungszeit – eine Weile brauchen, bis sie sich am Tag aus dem Versteck trauen. Bis dahin haben fl inke Mitbewohner ihnen oft schon die besten Brocken weggefressen. Darum muss man unbedingt im Auge behalten, ob und wie viel Futt er bei den Stachelaalen ankommt. Gegebenenfalls muss man abends, wenn die Beleuchtung aus ist, nochmals Futt er ins Becken geben. Es eignen sich alle üblichen Frostf utt ersorten, wobei Rote Mückenlarven besonders gut für alle kleineren Tiere geeignet sind. Mit Trockenfutt er braucht man Stachelaalen zumindest anfangs nicht zu kommen, sie ignorieren es. Manchmal nehmen eingewöhnte Tiere Pelletf utt er an. Große Stachelaale ab etwa 30 Zenti meter Länge kann man sehr gut mit gefrosteten Sti nten oder Frutti di Mare fütt ern, auch große Regenwürmer werden als Leckerbissen sehr gern genommen. Da Stachelaale intelligente Tiere sind, kann man sie an eine Futt erpinzett e gewöhnen und sogar etwas dressieren. Ich hatt e einmal einen etwa 60 Zenti meter langen Riesenstachelaal (Mastacembelus armatus ), den ich (in Anlehnung an das klassische Experiment von Karl von Frisch mit Katzenwelsen) auf einen Trillerpfeifenpfi ff dressiert hatt e. Wann immer ich den Pfi ff ertönen ließ, kam das Tier aus seinem Versteck und wartete an der Wasseroberfl äche auf Futt er. Dabei nehmen Stachelaale eine S-förmige Körperhaltung ein, Schwanz nach unten, Kopf nach oben.

Eine Rarität ist der Blinde Stachelaal (Mastacembelus brichardi ) aus dem Tanganjikasee, der trotz seines Aussehens nicht aus Höhlen stammt.


Sand als Bodengrund ist für alle Stachelaale, so auch den etwa 30 cm groß werdendenMacrognathus maculatus , überlebenswichti g.


Ebenfalls zu den kleinen Arten zählt der aus Thailand und Kambodscha stammendeMacrognathus taeniagaster .


ZUCHT

Stachelaale sind – soweit bekannt – allesamt Freilaicher, die ihre klebrigen Eier in feinfi edrigen Pfl anzen oder Schwimmpfl anzenwurzeln ablegen. Wurzelbärte von Schwimmpfl anzen (Muschelblume, Sumatrafarn) werden dabei als Ablaichsubstrat bevorzugt. Es ist vielleicht erstaunlich, dass Bodenfi sche gerne nahe der Wasseroberfl äche ablaichen. Angesichts der oft schlammigen Habitate der Tiere ist dieses Verhalten aber sehr sinnvoll, da in Bodennähe abgelegter Laich leicht in Folge von Sauerstoff mangel verderben würde. Die Zucht dieser Fische in Aquakultur – besonders des kleinen, gewöhnlich nur 10-15 Zenti mter lang werdenden Indischen Zwergstachelaals (Macrognathus pancalus ) – wird in jüngster Zeit intensiv erforscht, da diese Tiere trotz ihrer geringen Größe sehr beliebte Speisefi sche sind und die natürlichen Bestände durch den massiven Einsatz von Pesti ziden im Reisanbau in Indien und Bangladesch stark rückläufi g sind. Aber es gibt bereits aus den 1960er-Jahren gute Zuchtberichte in der aquaristi schen Fachliteratur.

Frank Schäfer , geboren 1964, Diplom-Biologe, seit frühester Jugend Tier- und Pfl anzenhalter aus Leidenschaft . Sein besonderes Interesse gilt seit jeher den Fischen, aber Repti lien, Amphibien, Wirbellose, Kleinsäuger und Vögel sowie viele Pfl anzen begeistern ihn ebenso.