Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 10 Min.

AUSSTELLUNGEN


Trödler - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 16.10.2019

Schritt für Schritt

Artikelbild für den Artikel "AUSSTELLUNGEN" aus der Ausgabe 11/2019 von Trödler. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Trödler, Ausgabe 11/2019

Fetischstiefel, Lackleder, Deutschland, 1975; Deutsches Ledermuseum Offenbach am Main


© DLM, M. Özkilinc

Für die Ausstellung „Step by Step: Schuh.Design im Wandel” hat das Deutsche Ledermuseum in Offenbach aus seiner weltweit einzigartigen, über 15.000 Objekte umfassenden Schuhsammlung eine Ausstellung rund um das Thema Schuhe mit Beispielen aus aller Welt und durch alle Zeiten zusammengestellt. Woher kommt der Flip-Flop? Wie hat sich der Absatz entwickelt? Seit wann unterscheiden wir zwischen rechtem und linkem Schuh? Worin besteht der erotische Reiz von bestimmten Schuhen oder welche ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Trödler. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2019 von EXPERTISEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
EXPERTISEN
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von BÖRSEN/MESSEN/MÄRKTE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BÖRSEN/MESSEN/MÄRKTE
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von AUSSTELLUNGSTERMINE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AUSSTELLUNGSTERMINE
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von POSTKARTENPIONIER EUGEN FELLE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
POSTKARTENPIONIER EUGEN FELLE
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von DAS TEEMUSEUM IN HONGKONG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DAS TEEMUSEUM IN HONGKONG
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von VORBERICHTE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VORBERICHTE
Vorheriger Artikel
EXPERTISEN
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel BÖRSEN/MESSEN/MÄRKTE
aus dieser Ausgabe

Für die Ausstellung „Step by Step: Schuh.Design im Wandel” hat das Deutsche Ledermuseum in Offenbach aus seiner weltweit einzigartigen, über 15.000 Objekte umfassenden Schuhsammlung eine Ausstellung rund um das Thema Schuhe mit Beispielen aus aller Welt und durch alle Zeiten zusammengestellt. Woher kommt der Flip-Flop? Wie hat sich der Absatz entwickelt? Seit wann unterscheiden wir zwischen rechtem und linkem Schuh? Worin besteht der erotische Reiz von bestimmten Schuhen oder welche kulturelle Bedeutung haben einzelne Schuhmodelle? All diesen Fragen wird in der unter inhaltlichen Gesichtspunkten ausgerichteten Neupräsentation, die sich über zwei Etagen im Museum erstreckt, nachgegangen.
Über 150 ausgewählte Schuhpaare – von denen mehr als die Hälfte der Exponate zum ersten Mal zu sehen sind – werden unter thematischen Ansätzen in neuer Form präsentiert. Im bewussten Kontrast sind historische Exponate mit Exemplaren aus dem 21. Jahrhundert unmittelbar zusammengestellt, um sowohl Kontinuitäten als auch Brüche in der Entwicklung des Schuhs wie des Schuhdesigns zu akzentuieren und damit eindringlich ablesbar zu machen.
Fußbekleidung für Frauen, Männer und Kinder aus über zwei Jahrtausenden, angefangen mit einem aufwändig gestalteten Sandalenpaar aus Peru 300 bis 200 v. Chr. bis zu zeitgenössischen Modellen namhafter Designerinnen und Designer – von Manolo Blahnik, Jimmy Choo, Christian Louboutin, Roger Vivier bis Vivienne Westwood – veranschaulichen die Spannbreite der Sammlung des Deutschen Ledermuseums. 14 cm hohe historische Badeschuhe aus Syrien, reich verzierte Mokassins aus Nordamerika und zeitlos elegante Pumps der Schweizer Schuhfirma Bally geben einen Einblick in handwerkliches Können und Kreativität von Schuhdesignern über Jahrhunderte. Die Vielfalt der in der Schuhherstellung verwendeten Materialien, von Konstruktionen aus Papyrus oder Holz bis hin zu gegenwärtig innovativen Herstellungsverfahren von Schuhen im 3D-Druck, aber auch die Verwendung nachhaltiger, abbaubarer Stoffe wie bei Sneakers wird ebenfalls dargestellt.
Schuhe sind, das zeigt die Ausstellung eindrücklich, weit mehr als funktionale und modische Bekleidung des Fußes. Neben der Entwicklung und Gestaltung verschiedener Schuhtypen über Jahrhunderte hinweg, stehen sie als schützendes Kleidungsstück, Statussymbol, Fashion Item oder politisches Statement ihrer Trägerinnen und Träger im Fokus der Schau. Die Ausstellung erzählt von Kontinuitäten und Transformationen der globalen Schuhmode und zeigt deren Entwicklung auf. Sie spannt dabei den Bogen vom historischen Schuhwerk zu aktuellen Moden, die den Besucherinnen und Besuchern aus ihrem eigenen Alltag sehr vertraut sein werden.
Begleitend zur Ausstellung erscheint eine gleichnamige Publikation in der arnoldsche Art Publishers Verlagsanstalt mit ca. 280 Seiten und ca. 220 Farbabbildungen, herausgegeben von Dr. Inez Florschütz, mit Texten u. a. von Maureen Ogrocki und Leonie Wiegand. (26. Oktober 2019 bis 31. Mai 2020)

Stelzsandale, Holz, Perlmutt, Damaskus, 19. Jahrhundert und Querriemensandale, adidas, adilette, Kunststoff, Herzogenaurach, 2019; Deutsches Ledermuseum Offenbach am Main


© DLM, M. Özkilinc

Telefon: 069/82979811
Webseite: www.ledermuseum.de

Pumps, Roger Vivier für Christian Dior, Seide, Leder, Paris, um 1962; Deutsches Ledermuseum Offenbach am Main


© DLM, M. Özkilinc

Schrift für die Schiene

Ihre qualitätvoll gestalteten Bahnhöfe, Züge und Plakate machen die Schweizerischen Bundesbahnen SBB zu einem Paradebeispiel für Schweizer Design. Die Ausstellung „SBB CFF FFS” im Museum für Gestaltung Zürich erzählt erstmals diese über hundertjährige Designgeschichte. Die Schweiz verfügt europaweit über das Bahnnetz mit der größten Verkehrsdichte. Seit mehr als einem Jahrhundert sorgen die Schweizerischen Bundesbahnen SBB für eine hohe Mobilität und prägen das öffentliche Leben in weiten Teilen des Landes. Ihre Bahnhöfe, Züge und Plakate sind markante und international bekannte Zeichen des öffentlichen Verkehrs. Deren qualitätvolle Gestaltung, die Teil eines sorgfältigen Markenauftritts ist, macht die nationale Bahngesellschaft zu einem herausragenden Beispiel der Schweizer Designgeschichte. Für ihre Designleistungen wurde sie mit zahlreichen Brunel Awards belohnt, die weltweit außergewöhnliche Eisenbahngestaltung auszeichnen.

GGK, Plakat, Den Koffer packen und einfach in den Zug steigen. Das wär’s; Museum für Gestaltung Zürich Foto: Elfriede Semotan, 1992, Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung,


© SBB AG

Erstmals präsentiert das Museum für Gestaltung Zürich in einer umfassenden Ausstellung das Design der SBB in Architektur, Industriedesign und visueller Kommunikation. Der große Raum an der Ausstellungsstraße verwandelt sich in eine Bahnhofshalle und lädt zur Zeitreise von den Anfängen der SBB bis hin zur Mobiliät von morgen. Neben Originalobjekten, Plakaten, Fotografien, Video- und Klanginstallationen drehen unterschiedlichste Züge auf einer Modelleisenbahn ihre Runden und Holzschienen laden Klein und Groß dazu ein, eine eigene Bahnstrecke zu bauen. Besucher können in alten Zugsitzen platznehmen und sie mit den neusten Entwürfen vergleichen.
Ein Unternehmen, das dem ganzen Land gehört und dient: Dies verkörpert das vom Schweizerkreuz adaptierte Firmensignet von Hans Hartmann. Dieses Signet kombinierte Josef Müller-Brockmann später mit den blauen Tafeln zu den bekannten Bahnhof-Ortsschildern und mit dem Firmenkürzel zum Logo. Sein umfassendes Informationssystem ermöglicht es bis heute, die seither erheblich vergrößerten Passagierströme intuitiv zu lenken.
Auch bei der Plakatwerbung setzten die SBB in den ersten Jahrzehnten auf bedeutende Gestalter wie Emil Cardinaux, Hans Erni oder Herbert Leupin. Ab den 1950er- Jahren schmiedete der Textchef Werner Belmont ebenso eingängige wie langlebige Verse, die von Hans Thöni („Der Kluge reist im Zuge”) oder Mark Zeugin („Gute Idee SBB”) visuell umgesetzt wurden. Mit dem Aufkommen des Marketings in den 1980er-Jahren prägen mehrjährige Kampagnen von Agenturen wie GGK oder Jung von Matt den Auftritt der SBB.

Young & Rubicam, Wir fahren mit Takt, 1982, Plakat zur Einführung des Taktfahrplans, SBB Historic, Plakatsammlung; Museum für Gestaltung Zürich


© SBB AG

Auch sie ist ein höchst effizientes, visuelles Kommunikationsmittel: Die zur Ikone gewordene Bahnhofsuhr von Hans Hilfiker ist ein Symbol für Pünktlichkeit – manche tragen sie gar als Armbanduhr. Am Bahnhof passen die Heraneilenden ihre Gangart unweigerlich der roten Sekundenkelle an. Das Synchronisieren der zahlreichen Bahnhofsuhren in der ganzen Schweiz ist aber auch eine ingenieurtechnische Leistung.
Als „Krokodil” bekannt, fuhr die erste Strom-Güterlok vor genau hundert Jahren zum ersten Mal. Sie konnte schwere Züge über die Gotthardstrecke ziehen und war entsprechend als kantiger Kraftprotz gestaltet. Bei den leichteren und schnelleren Personenzügen dominiert hingegen die Stromlinienform, heute etwa bei der Lok 2000. Im Trans Europ Express bestimmte sie auch das elegante Innere mit den Sitzen und der Bar im Speisewagen.
Die Umstellung von Kohle auf Strom machte den Bahnbetrieb dereinst effizienter und die dicht gesetzten Strommasten veränderten – zusammen mit den zahlreichen Eisenbahnbrücken – das Aussehen der Landschaft. Und auch seit den frühen 1950er-Jahren, als der Straßenverkehr das Zepter übernahm, sind die SBB nicht untätig geblieben: Sie nahmen neue Linien in Betrieb und bauten sorgfältig gestaltete Bahnhöfe wie Zürich Stadelhofen (Santiago Calatrava), aber auch markante Stellwerke wie in Basel (Herzog & de Meuron). In jüngerer Zeit hat sich der Ausbau des Schienennetzes und Infrastruktur zunehmend Untertage verlagert: So die Tunnels der Bahn 2000 oder jene der NEAT. Dank seiner weiträumigen unterirdischen Erweiterungen kann der Hauptbahnhof Zürich mehr als ein Drittel der landesweit täglich 1,25 Millionen Bahnpassagiere bewältigen. Die große Bedeutung, die Bahnhöfen im Städtebau auch im 21. Jahrhundert zukommt, zeigen exemplarisch Kontroversen um den Hauptbahnhof Zürich – vom gescheiterten Projekt HB Südwest bis zur realisierten Europaallee. (Bis 5. Januar)

Werner Belmont (Text), Hans Thöni (Grafik), Der Kluge reist im Zuge, 1958, Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung


© SBB AG

Telefon: +41/(0)43/4466717
Webseite: www.museum-gestaltung.ch

ATAK/Prof. Georg Barber, Der Struwwelpeter, Konrad und Schneider, 2009; Ludwiggalerie Schloss Oberhausen


© ATAK und Kein & Aber Verlag, Zürich 2009

Der Struwwelpeter in seiner bekannten Gestalt; Ludwiggalerie Schloss Oberhausen


© Heinrich Hoffmann

Sara Ball, Der tierische Struwwelpeter, 2007; Ludwiggalerie Schloss Oberhausen


© Sara Ball

Karikatur und Kinderschreck

„Sieh einmal hier steht er, Pfui! der Struwwelpeter!” Viele Kinder sind mit diesem Satz, der die Erzählung vom Struwwelpeter einleitet, groß geworden. 1844 erfindet der Arzt Dr. Heinrich Hoffmann nicht nur die Geschichte vom Jungen, der sich weder die Haare kämmen noch seine Nägel schneiden lässt, sondern erdenkt zahlreiche weitere Figuren in diesem Stil. Neben Suppenkaspar und Hanns Guck-in-die- Luft prägt auch der Zappel-Philipp bis heute den deutschen Sprachgebrauch. Warum ist der Struwwelpeter weltberühmt, obwohl es nicht nur unter dem Stichwort der schwarzen Pädagogik oft Kritik hagelte und zahlreiche Kinder nach der Gute- Nacht-Geschichte Angst um ihre Daumen hatten?
Zum einen erzählt erstmals ein Bilderbuch überhaupt Geschichten gezielt für Kinder. Zum anderen nutzt Hoffmann eine neue reduzierte und karikierende Bildsprache, die sich von den biedermeierlichen Sehgewohnheiten stark abhebt. Mit seinem erzählenden Bilderbuch erschafft er ein Werk, das seine Leser bis heute fasziniert und zugleich erschaudern lässt. Das Buch inspiriert seit 175 Jahren Künstler zu eigenen Varianten dieses Klassikers. Überall lassen sich der Struwwelpeter, aber auch Paulinchen, Konrad, Hanns und Friederich wiederfinden – mal auf den ersten Blick, mal nach intensiver Betrachtung. Die Bildthemen sind bis heute hochaktuell und teilweise politisch.
In Hoffmanns Geschichte von den schwarzen Buben taucht der große Nikolas die fremdenfeindlichen Buben zur Strafe in ein großes Tintenfass. 2013 thematisiert Luise Bofinger den in dieser Geschichte dargestellten Rassismus eindringlich und mit unmissverständlicher Botschaft. Mangaka David Füleki hingegen verhilft dem Struwwelpeter und „der ganzen Bande” gleich zu mehreren Auftritten in zwei unterschiedlichen Comics. Einmal als Remake der originalen Geschichte, einmal mit völlig neu erdachter Handlung. Reduziert und rein typografisch greift dagegen Hans Witte den Text von Heinrich Hoffmann auf und spricht damit nicht nur die bibliophilen Betrachter an. Mit pointiertem Humor setzt Anke Kuhl in ihrem Buch „Lola rast” gleich mehrere Kinder in Szene, die an alltäglichen Gefahren scheitern und verzweifeln, aber auch daran wachsen können: Malte erstickt im vollgerümpelten Spielzeugzimmer, Konstantin geht verloren und Lisa-ohne-Zahn hat zu viele Süßigkeiten genascht! Der Struwwelpeter und seine Kumpanen – sie alle leben weiter bis heute. Ein Ausstellungsbereich zeichnet Hoffmanns Porträt nach und zeigt sein Wirken im Kontext mit dem Biedermeier.
Struwwelpetriaden – international, schrill, politisch, kitschig, daneben, pointiert, mal im Geiste Hoffmanns, zum Teil mit originalem Text, aber auch umgedichtet, neu erdacht, weitergeschrieben oder mit neuen Charakteren versehen. Mehr als 200 Zeichnungen, Illustrationen, Gemälde, Bücher und Objekte unter anderem aus der facettenreichen und internationalen Sammlung Sauer veranschaulichen die Geschichte und Entwicklung des Themas. Wie aus dem Urstruwwelpeter der uns allen bekannte Struwwelpeter wurde und was Darth Vader oder Mark Twain damit zu tun haben, können Besucherinnen und Besucher bis zum 19. Januar in der Ludwiggalerie entdecken.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Kerber Verlag, herausgegeben von Linda Schmitz und Christine Vogt, 128 Seiten, 29,80 €.

Telefon: 0208/4124916
Webseite: www.ludwiggalerie.de

Unverzichtbares Utensil

Der Liebling der Frauen kann klein oder groß sein, weich oder hart, am Henkel getragen werden oder am Riemen über der Schulter. Mit glänzenden Goldkettchen verziert oder schlicht und elegant – die Handtasche. Dass Taschen Kultobjekte für Frauen sind, ist nicht immer so gewesen. In früheren Zeiten konnten Beutel und Säckchen von Männern wie Frauen getragen werden. Damals trug man Taschen recht praktisch am Gürtel oder auch als Umbindetaschen unter der ausladenden Kleidung. Langsam entwickelte sich in der Modegeschichte die Tasche für beide Ge- schlechter zur reinen Damenhandtasche. Als enge Chemisenkleider aus hauchdünnem Musselin aufkamen, blieb gar keine andere Wahl, als die Beutel in die Hand zu nehmen oder am Arm zu tragen. Es dauerte noch einige Zeit, bis 1875 die Handtasche mit Henkel eingeführt war. Die Damen gewöhnten sich nun schnell daran, immer eine Tasche am Henkel mitzutragen.

Clutch mit Kette, um 2013, MCM (Modern Creation München), Canvas, Stickerei und Strasssteine; Spielzeug Welten Museum Basel


Foto: Spielzeug Welten Museum Basel

Handtasche, 1996, Louis Vuitton, Paris (Frankreich), Modell: L.E. Leopard Alma Azzedine Alaïa, Monogramm Canvas und Kalbsfell; Spielzeug Welten Museum Basel


Foto: Spielzeug Welten Museum Basel

Handtasche aus Leder, 2008, Gabriela Hearst, New York (USA), Modell: Diana, Cognac; Spielzeug Welten Museum Basel


Foto: Spielzeug Welten Museum Basel

Im 20. Jahrhundert erlebten die Handtaschen dann ihren großen Boom. Sie wurden zu absoluten Kultobjekten und Ikonen, wie die sogenannte Kelly Bag. Einige der großen, stilbildenden Taschendesigner wie Louis Vuitton, Hermès, Gucci oder Prada waren aus dem Sattlergewerbe hervorgegangen und hatten ursprünglich luxuriöses Reisegepäck hergestellt. Dass die Handtasche als Symbol für Weiblichkeit und als Objekt weiblichen Begehrens gilt, hat viel mit Modeinszenierungen zu tun. Bei allem historischen Wandel ist etwas gleich geblieben: Die Tasche ist ein höchst persönlicher Gegenstand. Sie ist das Behältnis, in dem wir aufbewahren und mit uns nehmen können, was zu uns gehören soll.
Diese Ausstellung im Spielzeug Museum Basel mit rund 400 Exponaten ermöglicht einen Einblick in die frühe Geschichte der Taschen ab 1550 aus Stoff, Gobelin, Perlen und Leder. Die Reise endet mit exklusiven und ausgefallenen Laufstegtaschen von zeitgenössischen Designern und Künstlern, darunter Teile der angesagten Úna Burke, verspielte Objekte von Stasha Chimbur oder die luxuriösen Taschen von Ming Ray aus London. Das Bild wird abgerundet mit Taschen-Kunstobjekten, wie der Arbeit aus Alabaster von Barbara Ségal oder dem Werk des niederländischen Konzeptkünstlers Ted Noten, beides Einzelstücke. Kurzum, eine Ausstellung, bei der sicher nicht nur Frauen schwach werden.
Frauen sind von jeher Sammlerinnen, und so kann man sich gut vorstellen, dass bereits die Neandertalerin vor der Frage stand: Wie soll ich die ganzen Beeren in die Höhle bringen? So kam zum ersten Mal eine Tasche zum Einsatz. Die ersten angefertigten Taschen bestanden daher mit großer Wahrscheinlichkeit aus Häuten und wurden an einen Stock gebunden, um darin Nahrungsmittel oder Feuersteine zu transportieren. Im Lauf der Zeit wurden für die Beutel Gurte entwickelt, um sie um die Hüfte zu tragen. Das hatte den Vorteil, dass die Hände frei waren. Diese Form der Hüfttasche wurde von den Bewohnern des antiken Roms und danach bis zu den Kreuzzügen getragen, und zwar sowohl von Männern als auch von Frauen. Ab dem 13. Jahrhundert wurden die Beutel mit Metallgestellen ausgestattet, um ihnen mehr Stabilität zu geben und sie zu vergrößern. Diese Fertigungsweise war bis ins 15. Jahrhundert üblich und nur anhand der Verzierungen am Gürtel und des Inhalts war zu unterscheiden, ob die Tasche einem Mann oder einer Frau gehörte. Während des 15. Jahrhunderts kamen erstmals zierlichere Taschen in Form des Almosenbeutels auf. Sie zeugten von Reichtum und Wohlstand. Oft waren sie mit Perlen und Schnüren verziert und wurden an einer Kette am Gürtel befestigt. Große, derbe Beutel zeugten währenddessen von harter Arbeit und wurden hauptsächlich von Bauern benutzt. Im 16. und 17. Jahrhundert kamen beutelförmige Taschen auf, wurden aber seltener getragen. Verbreiteter waren ein oder zwei unter dem weiten Rock versteckte Täschchen, die durch einen Schlitz im Rock zu erreichen waren. Diese Art von Taschen – auch auf dem Unterrock aufgenäht – waren sehr lange üblich und sind bei Trachtenkleidern noch heute zu finden. Die Männer trugen immer häufiger Taschen an den Kleidern, so dass sie keine Beutel mehr brauchten. Damit hat sich die Frau als Taschenträgerin endgültig gegen die Männer durchgesetzt.
An der Tasche lässt sich viel über die jeweilige Zeit, die verwendeten Materialien und Formen, die Mode sowie über frühere Sitten und Gebräuche ablesen. Sie zeugt vom Fortschreiten der Emanzipation, von kunsthistorischen Strömungen und dem Wandel der Dekorationstechniken ebenso wie von ökonomischen und technischen Entwicklungen. (Bis 5. April 2020)

Telefon: +41/61/2259595
Webseite: www.swmb.museum