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AUSZEIT FÜR DAS ICH


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Emotion Slow - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 07.10.2022
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Bildquelle: Emotion Slow, Ausgabe 2/2022

Unserer Cover-Frau Caro Herz sieht man an, dass sie lebt, was sie lehrt: pure innere Freude

Als ich am Berliner Hauptbahnhof auf meinen Zug Richtung Retreat warte, spiegeln die umherirrenden Passanten perfekt mein inneres Gedankenkarussell wider. Wo steuere ich gerade hin in meinem Leben? Kenne ich meinen Kurs? In einer Welt, die immer unbeständiger wird, frage ich mich oft, was mir Halt gibt. Aber mit Ungewissheit beginnen ja oft die schönsten Geschichten: 1 Stunde 40 Minuten Bahnfahrt entfernt von der Hauptstadt hat Carolin Herz das Yoga-Retreat FOR REST geschaffen, ein Wortspiel mit Forest, denn es liegt mitten im Wald. Als ich dort ankomme, empfangen mich die Nadelbäume mit freundlicher Ruhe. Die Luft ist klar, es duftet nach Tanne. Auf dem 4000 Quadratmeter großen Grundstück ist so viel Platz zum Atmen, dass fast augenblicklich eine schwere Last von mir abfällt. Wo werde ich schlafen? Auf dem Dachboden einer alten Remise: Caro und ihr Freund haben hier einen gemütlichen Schlafsaal ...

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... mit fünf Betten hergerichtet – ihre YOGASCHEUNE. Unten in der Küche bereitet Köchin Lorena eine Key Lime Pie als Willkommenssnack vor, das Brodeln der Kaffeemaschine ist zu hören. Nach und nach kommen weitere Frauen an und beziehen ihre Schlafplätze: im romantischen Glashaus FRIDA, das einen Rundumblick in die Natur bietet, im urigen Bauwagen FRED und in einem Glampingzelt. Dazwischen baumelt hier eine Hängematte, da verführt eine Schaukel zum Träumen, ein Palettensofa schwebt in der Luft, und bunte tibetische Gebetsfahnen wehen friedlich im Wind.

Eines Tages war Caro mit der Vision aufgewacht, einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen frei fühlen können. Yin-Yoga-Sessions im Park zu geben war zwar schon gut, aber da ging doch noch mehr: „Wenn du nach 90 Minuten wieder in die Berliner U-Bahn steigst, ist der Yogabliss direkt wieder verpufft. Diese kurzen Auszeiten sind wichtig, aber um wirklich Distanz zum Alltag zu kriegen und nachhaltig zu entschleunigen, musst du mal raus.“ Nie hätte sie gedacht, dass sie hier in der Heimat ihres Freundes ihren Traum so schnell verwirklichen konnte. Durch Zufall stießen die beiden auf das verwucherte Waldgrundstück, befreiten es in sechs Monaten von hüfthohen Laubhaufen und verwandelten es mit vollem Körpereinsatz in diese charmante Location mit Festivalflair. Retreat-Orte wie dieser sind gerade Trend. Wie geschaffen für die Reise nach innen, die wir uns im hektischen Alltag nicht erlauben. Wann habe ich mir das letzte Mal eine Pause gegönnt? Das ist mein erster Urlaub in diesem Jahr, und damit bin ich nicht die Einzige unter den Teilnehmerinnen. 14 Frauen hat es hierher verschlagen, alle mit der Intention, eine Antwort auf die Frage zu finden, was Halt gibt. Wie kann es sein, dass wir so viel unserer Energie aufwenden, um für andere da zu sein, es aber nicht schaffen, unsere eigenen Akkus aufzuladen? Beim Gedanken an meinen vollen Terminkalender empfinde ich permanent Zeitdruck. Einen freien Slot fülle ich schnell mit Verabredungen oder Dingen, die zu erledigen sind. Einfach mal nichts zu tun würde mir nicht einfallen. Warum? Weil es guttut, gebraucht zu werden. Produktiv zu sein. Ich kenne das Muster, aber komme da oft nicht raus.

Beim gemeinsamen Abendessen wird uns Frauen klar, was uns verbindet. Es ist die Sehnsucht, sich von äußeren Zwängen zu befreien. Der Wunsch, die kritischen Stimmen in uns leiser zu stellen, um die innere endlich zu hören. Ich bin schockverliebt in die kraftvolle Energie, die schon bald in unserer Gruppe entsteht. In meiner eigenen Reflexion habe ich das Retreat in vier Phasen erlebt: Anhalten, Innehalten, Loslassen und Behalten.

Anhalten:

Wenn wir unsere Körpersignale zu lange überhören, übernimmt eine unerwartete Krankheit manchmal eine Vollbremsung im Leben. So weit will ich es nicht kommen lassen, ich will rechtzeitig merken, wann ich eine Auszeit brauche. Mit meinen Füßen spüre ich die Erdung auf dem kühlen Waldboden. Ich hole tief Luft und fülle meine Lungen mit Sauerstoff. „Oft merken wir gar nicht, dass wir viel zu flach atmen. Unser Atem ist unser Anker. Bewusstes Atmen gibt uns Halt in jeder Alltagssituation. Wie eine Art Stoppschild hin zu mehr Achtsamkeit“, erinnert Caro uns. Sobald ich wie jetzt anhalte im Hamsterrad, kann ich die Situation mit Abstand betrachten: Für wen mache ich das eigentlich? Für die Anerkennung meiner Eltern oder meines Arbeitgebers? „Du bist nur für dich hier. Für niemand anderen.“ Die Worte, die Caro mit ins Yoga einfließen lässt, hallen nach. Auf der YOGA SHALA, einem Holzplateau unter hohen Laubbäumen, treffen wir uns zu einer sanften Yogastunde. Ein Hauch von geräuchertem Palo Santo kitzelt meine Nase. Ich liege in der Brückenpose, blicke in die Baumkronen, ein Yogablock stützt meinen unteren Rücken und hilft mir, mehr in die Herzöffnung zu kommen. „Wir benutzen unseren Körper nicht, um in eine Pose zu kommen. Wir nutzen die Pose, um in unseren Körper zu kommen“, zitiert Caro den kanadischen Yin-Yoga-Experten Bernie Clark. Einfach dazuliegen, von meiner Matte getragen zu werden, umweht von einer leichten Brise, lässt mich langsam vom Kopf ins Herz fallen. Und ich kann die Tränen in meinen Augen nicht mehr zurückhalten. Der Stress der letzten Wochen fängt an, abzufließen. Mit welcher Härte ich mich selbst gepusht habe, immer weiterzumachen. Meinen Körper verurteilt habe, wenn ich müde oder lustlos war. „Wir verlangen unserem Körper jeden Tag so viel ab, gib ihm etwas zurück“, besänftigt Caro. „Geben und nehmen“ lautet das Mantra für dieses Wochenende. Carolin lässt dabei die Weisheit der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) einfließen, nach der das Leben ein ständiger Wechsel aus den Gegensätzen Yin und Yang ist. Yang steht für Hitze, Sonne, Härte,

Das For Rest Retreat

Caro Herz bietet dreitägige Retreats in Weißwasser/Oberlausitz an, mit dem Auto etwa 2 Stunden von Berlin entfernt, mit dem Zug 1 Stunde 40 Minuten. Ab 320 € p. P. für Übernachtung, Essen, Yoga, Workshop plus Materialien. Neue Termine ab Mai 2023. Mehr Infos per PN über ihren Instagram-Account @caro__corazon (FEEL FREE YOGA) oder über die Webseite

Bewegung, Machen, das Männliche. Yin dagegen für Kälte, Mond, Weichheit, Ruhe, Loslassen, das Weibliche. „Beides bedingt sich gegenseitig“, sagt die Gründerin. Und spiele sich wie ein gemeinsamer Tanz überall in der Natur ab, wenn man mal genau hinschaut: wie die Sonnenstrahlen auf der türkisblauen Seeoberfläche glitzern oder wie Sonne und Mond sich die Hand geben. Dass unsere leistungsorientierte Gesellschaft größtenteils von Yang-Energie geprägt ist, führe stattdessen zu einem Ungleichgewicht. „Wir brauchen alle mehr Yin im Leben“, ist Caro überzeugt. Mehr fließen lassen, vertrauen, empfangen.

Innehalten:

Nach der ersten Nacht öffne ich die knirschende Holztür zum Balkon der Yogascheune, und der frische Morgentau des Waldes strömt mir entgegen. Wir starten in den Tag mit SILENT JOURNALING. Mit einem Becher Kaffee, Notizbuch und einem Fragenzettel setze ich mich an den Balkontisch. Anders als zuhause sind meine ersten Gedanken nicht, wer mir wohl eine Nachricht geschickt hat oder was gerade in der Welt passiert, sondern was meine innere Stimme zu sagen hat. Mir bisher unbewusste Gedanken finden plötzlich Ausdruck auf dem leeren Blatt. „Ein wichtiger Teil dieses Retreats ist es, den Muskel zu trainieren, den man Intuition nennt“, sagt Caro. „Alle Antworten sind in uns, wir suchen sie aber leider oft im Außen.“ Also: Was will ich denn? „Eine Beziehung“, schreit es in meinem Kopf. In meinem Freundeskreis, in dem alle vergeben, verlobt oder verheiratet sind, Häuser bauen und Kinder kriegen, fühle ich mich als Single oft nicht ganz zugehörig. Auf der Suche nach einem Partner war ich allerdings viel zu oft im Yang und habe versucht, den Ablauf zu kontrollieren. Ist eine Beziehung überhaupt mein Wunsch oder ein gesellschaftliches Ideal, das ich zu erfüllen versuche? Brauche ich wirklich jemanden an meiner Seite, der mich liebt, oder geht es nicht darum, mich authentisch zu zeigen und meinen Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen?

Loslassen:

Nach einem Wildkräuterspaziergang, einem Sprung ins kühle Wasser und vielen intimen Gesprächen lassen wir den Tag mit einem Cacao-Ritual ausklingen. Caro leitet eine SOUND HEALING SESSION mit tibetischen Klangschalen an. Noch bin ich nicht bereit, meinen Wunsch nach einer Beziehung loszulassen. Halt finden heißt aber nicht festhalten. Erst durch das Loslassen kann Raum zur Entfaltung entstehen. Der bittere Cacao beginnt in mir zu wirken, die vibrierenden Klänge durchströmen meinen Körper. Ich spüre, dass in mir Vertrauen wächst. Dass das Leben einfach so passiert, wenn ich mich dafür öffne. Und dass ich überall Halt finden kann: in anderen, in der Natur – und vor allem in mir selbst. Beim Betreten des Waldbodens kribbelt es in meinem ganzen Körper, und ich habe meine Antwort gefunden: Halt entsteht, wenn wir uns mit etwas verbinden.

Behalten:

Bei allem, was ich loslasse, darf ich auch behalten, was mir guttut. Mir gefällt die Idee, mein Leben rückwärts zu gestalten – REVERSE ENGINEERING nennt sich diese Methode. Es bedeutet für mich: Erst wenn ich mir Ruhe erlaube, darf ich hart arbeiten. Erst wenn ich Freiräume für meinen Schlaf schaffe, kann ich neue Termine planen. Erst wenn ich meinen Energiespeicher auflade, kann ich liebevoll für andere da sein. Genauso hat es Caro gemacht: Sie wollte mit ihrer Ausbildung zur Yogalehrerin eigentlich etwas für sich tun und hat so ein Stückchen Wald in eine Oase der Verbundenheit verwandelt.

Orte zum inneren Ankommen

Casa Erica

Eine Woche Zeit, noch nie Yoga gemacht, aber Lust, mal allen Stress hinter dir zu lassen? Dann bietet sich dieser Ort an, denn er macht das Runterkommen denkbar leicht. Nur 40 Kilometer von Málaga entfernt liegt Casa Erica ganz ruhig in einer hügeligen Gegend wenige Minuten vom Strand entfernt. Es gibt dort nur zehn Studios und Apartments, sodass schnell eine familiäre Atmosphäre entsteht. Zwischen den Yogastunden kann man am Pool chillen oder die Umgebung erkunden, rundherum gibt es viele Wanderwege. Mehr unter , Retreat-Termine: yogaspiritcircle.com/yoga-retreat-spanien

Maraviglia

„Thank you for disconnecting and being present“, heißt es so schön, wenn man die Website des „Conscious Living Centers“ im Herzen der Toskana bei Arezzo aufruft. Besitzer Francesco Piattelli verbrachte hier seine Kindheit, ging dann nach New York, gründete ein Unternehmen – und merkte, was ihm fehlte: Stille. So kehrte er zurück und schuf diesen besonderen Ort. Neben der Ruhe ist hier das Essen ein Geschenk: eigenes Olivenöl, alles aus der Region und in Bioqualität. Man kann auch bei der Olivenernte dabei sein, an Gruppenretreats teilnehmen oder das Farmhaus mit Freunden mieten.

Barefoot Ericeira

Ein Ort nördlich von Lissabon, an den man wunderbar allein reisen kann – und dann spätestens beim Frühstück mit selbst gemachtem Granola Freund:innen für den Tag trifft… oder eben für sich bleibt. Weitere Pluspunkte: Schön designte Zimmer und ein traumhafter Surfstrand wenige Meter vom Guesthouse entfernt. Dort kann man stundenlang im Beach-Restaurant abhängen, wenn man sich nicht in die Wellen traut. Nur logisch, dass hier auch Surf-Retreats oder Events wie Yoga & Diner stattfinden. Für alle aktuellen Angebote hier schauen: