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AUSZIEHEN furs OMMMM


Jolie - epaper ⋅ Ausgabe 12/2018 vom 02.11.2018

Wie erhebend ist es, nackig Sonnengrüße zu machen? Unsere Kollegin hat den Instagram-TrendNude Yoga ausprobiert. Ohne Selfie-Kamera – aber eben auch ohne Klamotten

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Bildquelle: Jolie, Ausgabe 12/2018

Pluspunkt für Nudisten: Sonnenlicht und frische Luft sollen das Immunsystem pushen


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BIS DAHIN KANNTE ICH NACKTYOGA nur von irgendwelchen Instagral-uccounts, auf denen Frauen mit perfekten Körpern vor perfekten Hintergründen (Hotel-Balkone, Ozeane, private Infinity Pools) zeigen, wie unglaublich gelenkig sie sind. Über 42000 Posts gibt es zum Hashtag#nudeyoga . Um die Userin @nude_yogagirl gibt es sogar einen richtigen Hype. In Interviews erklärt die anonyme Schönheit, sie setze sich mit ihren Bildern für Body Positivity ein. Sie wolle ihren Followern zeigen, dass auch sie von Natur aus schön sind. Tatsächlich bieten die Pics von ihren ästhetischen Verrenkungen in etwa so viel Identifikationspotenzial für normale Frauen wie Kim Kardashians Extremkurven. Aber auch die schaut man sich ja irgendwie gerne an. Der Nacktturnerin folgen immerhin 810000 Menschen.

KEIN WUNDER, dass Nude Yoga von vielen als PR-Gag abgetan wird. Denn so präsent die hüllenlosen Yogaistas in den Medien sind – so wenige Nude-Yoga-Kurse gibt es im richtigen Leben. Und es kostet wohl auch wirklich etwas Überwindung in einer gemischten Gruppe gaaaanz tief in den Hund (Popo rausstrecken, bitte!) oder die Grätsche zu gehen. In Berlin gibt es deswegen Kurse nur für Männer – der Lehrer muss übrigens immer wieder betonen, dass auch Heteros kommen.

AUCH SANDRA KLEIN ISTES WICHTIG, dass es beim Nude Yoga nicht um Erotik geht. Lange unterrichtete sie regelmäßig gemischte Gruppen. In den frühen Morgenstunden traf sie sich mit Männern und Frauen an einem See im Dresdner Umland. Wer mochte, sprang nachher ins kalte Wasser. Nackt, natürlich. Wenn die 43-Jährige von diesen Kursen erzählt, klingt es wildromantisch. Vorbehalte wischt sie beiseite: „Wenn jemand sagt: Da kann mir doch beim herabschauenden Hund jeder überall reingucken, muss ich lachen. Wenn alle mitmachen, gucken alle anderen während der Übung ja auch auf den Boden. So einfach ist das.“ Aktuell pausiert die schlanke Brünette mit ihren Gruppenstunden allerdings. „Am Ende waren es nur noch Männer, das fand ich irgendwie schade. Außerdem bin ich von Radebeul nach Dresden gezogen. Da habe ich dann auch nicht diesen schönen See.“

BYE-BYE, BLüs chen ! Bevor der Kurs anfing, musste unsere Kollegin Friederike Trudzinski sich auch vom letzten Stück Stoff trennen. Nur so viel: In der Sauna fällt es ihr leichter, auf Textilien zu verzichten.

OB EINSEE MIR HELFEN WÜRDE, beim Nude Yoga abzutauchen? Ich habe Zweifel. Immerhin: Das Wetter ist traumhaft. Auch wenn wir bereits Herbst haben, herrschen sommerliche Temperaturen. Ein Badeanzug oder ein paar Shorts würden trotzdem nicht schaden. Nur um etwas in der Hand zu haben, greife ich nach einer Karaffe mit Kristallen am Boden und schenke mir ein Glas Wasser ein. Dann bittet meine Lehrerin – mittlerweile selbst nackt – mich, die Matte auszubreiten. „Vielleicht hier unter der Birke, mit Blick in die Morgensonne.“ Ich suche einen sicheren Stand – und schließe die Augen. Teils, weil die Sonne mich blendet, teils aus blanker Scham: Schon beim Ausziehen wusste ich nicht, wo ich hinschauen sollte, und erwischte mich dabei, Sandras Brüste zu mustern oder allzu krampfhaft wegzuschauen. „Hör auf, Deinen Bauch einzuziehen!“, ermahne ich mich gerade noch, bevor Sandra beginnt, mir sanfte Anweisungen zu geben. Als treuer Yogl-uan bin ich in meinem Element: nicht denken, nur atmen und bewegen. Das kann ich. Für einen kurzen Moment vergesse ich, dass ich nackt bin. Nur die leichte Brise ruft es mir in Erinnerung. Die Augen halte ich geschlossen. Na ja, bis ich bei den Gleichgewichtsübungen ins Straucheln komme. „Es ist einfacher, wenn du einen Punkt am Boden fixierst“, empfiehlt mir meine Yogalehrerin.

HALLO HAUT! Ich schaue zu, wie mein Bein sich Richtung Sonne streckt, und lasse den Fuß kreisen. „Selbst lockere Kleidung engt uns ein“, wird Sandra mir später erklären. „Es ist wichtig, dass wir den gesamten Körper der Luft und dem Sonnenlicht aussetzen – inklusive des Intimbereichs und der Brüste.“ Sie selbst fühle sich viel gesünder und schöner, seit sie textilfrei praktiziere. Dabei waren es ursprünglich ihre Yogaschüler, die sie auf die Idee brachten. „Ich hatte mit diesem ganzen Nackten am Anfang nicht viel am Hut“, verrät sie in leichtem Sächsisch. Na ja, das hat sich dann schnell geändert.“

GUCKE ich ihr GERADE auf die BRÜSTE?

DIE HABEN DEN DREH RAUS Um als Nudistin den harten Communitl-uichtlinien von Instagram zu trotzen, kann es nicht schaden, ein paar Asanas draufzuhaben. Jugendfrei sind diese Posen aber immer nur aus einer Perspektive.

TJA, SO WEIT BIN ICH NOCH NICHT. Bei „Shivas Beckenschaukel“ fühle ich mich, als würde ich Trockenübungen für einen Pornofilm machen. Vielleicht mein größter Brrr-Moment der Sitzung. Dafür bekomme ich später, beim Shavasana, auch eine Ahnung von der Anziehungskraft des Nude Yoga. Ich liege auf dem Boden, fühle, wie mein Blut in den Adern pulsiert, spüre Atem, Herzschlag, meine Haut. Sandra Klein beginnt indische Mantren zu singen, einen Segen vielleicht. Und wie auf Ansage beginnen in der Ferne die Kirchenglocken zu klingen. Wow! Ob ich meinen Körper nach diesem Erlebnis mehr liebe als vorher? Absolut. Aber das tue ich auch nach einer Runde Joggen …

1 Sie ist mit 810000 Abonnenten der Star unter den Yoga-Nudisten: @NUDE_YOGAGIRL möchte ihren Fans ein positives Körpergefühl vermitteln. 2 Wer sich in seinem Körper wohlfühlt, braucht nichts zu verbergen, ist auch die Botschaft von @ELENARANGEL , die auch im echten Leben Yoga unterrichtet. 3 Instagram-Yogaista @Documen ted . HAPPINESS turnt ihre „irdische Hülle“ , wie sie es nennt, beim Einzel- und Partnel-uoga fit. Zuschauer willkommen!


FOTOS: GETTY IMAGES, INSTAGRAM @ELENARANGEL, @DOCUMENTED.HAPPINESS, @NUDE_YOGAGI RL, PRIVAT