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AVATARIUM: DUNKLER GOSPEL


Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 13.11.2019

Wie ein Kind, das von seinem Vater aufgezogen und behütet wird, wuchsen AVATARIUM unter dem Schutz von Candlemass-Chef Leif Edling zu dem heran, was die Band nun auf THE FIRE I LONG FOR in die Welt lässt. Eine unterstützende Hand im Hintergrund hält der Meister noch immer, doch laufen kann der Spross jetzt alleine.


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Bildquelle: Metal Hammer, Ausgabe 12/2019

Es waren die Worte „You want it darker“, mit denen Avatarium die Neugierde auf ihr viertes Studioalbum THE FIRE I LONG FOR vor Veröffentlichung schürten. Wohl mehr Feststellung als Frage, legten die mittlerweile führenden Köpfe, das Ehepaar Jennie-Ann Smith und Gitarrist Marcus Jidell, somit ...

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... die kommende Ausrichtung vor. Doch diese Phrase diente nicht nur als Hinweis darauf, wie Avatarium auf ihrem neuen Werk klingen, sondern verrät auch etwas über eine wesentliche Inspirationsquelle. YOU WANT IT DARKER heißt das letzte Werk des kanadischen Sängers Leonard Cohen, der 2016 starb. „Er war nicht die einzige, jedoch eine große Inspiration“, bestätigt Sängerin Jennie-Ann Smith. „Wir haben diese wunderschöne Scheibe sehr häufig gehört, bevor THE FIRE I LONG FOR entstanden ist.“ Zudem würden die Worte treffend die neue Platte als Ganzes beschreiben. Also noch düsterer als in der Vergangenheit: „Es ist ein ernstes Album, das sich mit ernsten Themen beschäftigt.“ Wie für Avatarium typisch, regiert ein harmonisches Zusammenspiel aus Licht, Schatten und großen Emotionen. „Wer Fan unserer vorangegangenen Alben ist, wird das erkennen“, äußert Smith selbstbewusst. Seit ihrem Bandbetitelten Debüt streifen die Schweden durch düstere Doom-Landschaften, liefern wahre Melancholiebrocken und vereinen darin von Jazz über Folk bis Soul verschiedenste Elemente. Avatarium kommen an – auch über unterschiedliche Genre und Geschmäcker hinaus. Alle bisherigen Alben ernteten überwiegend positive Kritiken. Bereits zum dritten Mal steht die Band an der Spitze unseres Soundchecks und erhielt 2016 den METAL HAMMER-Award in der Kategorie „Up And Coming“ – ein Erlebnis, über das Jennie-Ann im Interview noch immer voller Stolz berichtet. Mit ihrer unverkennbaren, schweren und stets poetisch-romantischen Musik sind Avatarium ohne Zweifel eine Bereicherung. Ihren eigenwilligen Stil scheinen die Künstler auf THE FIRE I LONG FOR noch weiter definiert zu haben, drücken verstärkt auf die Seele und manifestieren ihre Stellung als eine dieser Gruppen, um deren qualitative Leistung bestimmt niemand Sorge zu tragen braucht. Die Zeichen könnten besser kaum stehen; so scheint mit Album Nummer vier der richtige Zeitpunkt, aus der Obhut von Schöpfer Leif Edling zu treten…

AUF EIGENEN BEINEN

Der Candlemass-Mastermind war seit jeher Dreh- und Angelpunkt im 2012 errichteten Bandgebilde, verlieh den Stücken seinen ganz eigenen, unverkennbaren Stempel aus Mystik, Fragilität, Melancholie und Härte. Im Zuge eines Burnouts zog sich Edling zurück, war live am Bass nicht mehr präsent, füllte aber nach wie vor die prägende Position im Hintergrund aus. Noch für HURRICANES AND HALOS (2017) schrieb er sechs der acht Stücke. Edling bleibt für immer der Vater von Avatarium, sein Name untrennbar mit der Gruppe verbunden. Doch sein Schützling hat über die Jahre laufen gelernt und steht nun mit voller Stärke auf eigenen Beinen. Mit ‘Epitaph Of Heroes’, ‘Porcelain Skull’ und ‘Stars They Move’ entstammen diesmal nur drei Nummern seiner Feder. „Markus und ich sind für den Großteil des Albums verantwortlich. Daher spiegelt sich darin unser Songwriting wider“, bestätigt Jennie-Ann. „Wir haben schon vor dieser Platte für Avatarium geschrieben – was gut war. So konnten wir uns als Songwriterteam entwickeln. Das braucht seine Zeit“, erklärt die blonde Schwedin, und lobt im selben Atemzug ihren Lehrer: „Leif schreibt großartige Texte, hat einen einzigartigen Stil und ich bin sehr froh, dass ich an seiner Seite arbeiten und von ihm lernen durfte. Doch wir sind unterschiedliche Menschen, die jeweils ihre eigenen, inneren Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen“, fährt sie fort. „Wie ich Lieder schreibe, ist darin verwurzelt, wer ich bin. Ich bin eine Frau, habe meine eigene Geschichte und blicke, basierend auf meinen Erfahrungen, auf das Leben.“ So sind es auch die Erlebnisse aus ihrer Tätigkeit als psychosoziale Beraterin – für Kinder sowie krebskranke Menschen –, die ihr Handeln als Musikerin prägen: „Der Tod ist etwas, das mir recht häufig begegnet. Ich treffe auf Leute, die an schlimmen Krankheiten leiden und mit dem Sterben konfrontiert sind. Natürlich ziehe ich auch Inspiration daraus, wie die Menschen mit ihrer Angst davor umgehen. Mittlerweile habe ich mein Studium fast abgeschlossen, es war ein langer Weg bis dahin. Noch eine Prüfung liegt vor mir, dann bin ich Psychotherapeutin.“ Außerdem ist Jennie-Ann Mutter. 2018 kam ihr Sohn Leonard zur Welt (nicht ausschließlich nach Leonard Cohen benannt, wie sie verrät: „Ich bin auch ein großer Fan von Leonard Bernstein.“). Das kleine „Rock’n’Roll-Baby“, wie Smith ihren Nachwuchs liebevoll lachend nennt („Leonard war bereits bei einigen Europa-Konzerten mit uns auf Tour.“), änderte den Alltag des Ehepaars auf vielerlei Art und Weise. „Man bekommt einen ganz anderen Blick für das Leben sowie auch die Musik. Man muss achtsam mit der Zeit umgehen, die einem gegeben ist, und wir müssen das Bestmögliche aus unseren Fähigkeiten herausholen. Die Musik passiert jetzt; und sie ist so verdammt wichtig!“

ELTERNGLÜCK

Gerade ein halbes Jahr war der kleine Mann alt, als seine Eltern fleißig an THE FIRE I LONG FOR schraubten. „Unser kleiner Junge ist ein Sonnenschein“, schwärmt die junge Mutter. „Er inspiriert uns. Man kann sich bestimmt vorstellen, dass die Situation eine besondere war. Markus schickte mir zum Beispiel Ideen für Strophe und Refrain, dann ging ich ins Studio und arbeitete an den Texten, während er sich um Leonard kümmerte.“ Die perfekte Arbeitsteilung also, obgleich Avatarium natürlich aus mehr als nur zwei Mitgliedern bestehen. „Das Album ist etwas, das wir als Band erarbeitet und geschaffen haben. Auch wenn sich ein großer Teil zwischen mir und Markus abgespielt hat, hat der Rest seinen Beitrag geleistet – etwa, wenn es um Arrangements geht. Wir haben zu Beginn festgelegt, wie wir gemeinsam arbeiten wollen und in welche Richtung die Platte gehen soll.“ Als „dunklen Gospel“ beschreibt Jennie-Ann zusammenfassend alle neun Stücke auf THE FIRE I LONG FOR, von denen das Riff-starke ‘Rubicon’ als erstes das Licht der Außenwelt erblickte. „Der Refrain ist kraftvoll und repräsentiert ziemlich gut das, was Avatarium ausmacht“, begründet Smith die Entscheidung, wählt als ihr (momentanes!) Lieblingsstück jedoch ein anderes: ‘Lay Me Down’ – eine Nummer über obsessive Liebe. „Es ist interessant, wie besessen wir sein können, wenn wir uns in einer Beziehung befinden“, regt die Künstlerin zum Nachdenken an. „Wenn ich das Album höre, bin ich zuversichtlich und überzeugt von dem, was wir erreicht haben“, äußert sie voller Optimismus, und blickt zugleich dankbar auf das bisher Erlebte: „Die vergangenen fünf Jahre waren eine wundervolle Reise. Diese Reise hat uns durch einige Aufnahmen geführt und wir waren so viel wie möglich auf Tour. Außerdem hatten wir das Vergnügen, tolle Fans zu treffen, überhaupt Aufmerksamkeit sowie all das großartige Feedback zu bekommen.“ Diese Erfahrungen seien an keinem materiellen Wert zu messen. „Man trägt sie in und mit sich. Ich habe Dinge erlebt, von denen ich niemals gedacht hätte, dass ich sie erleben würde. In einem Bereich mit Leuten wie Leif und Markus zu arbeiten, denen die Musik so viel bedeutet und die dermaßen viel Erfahrungen mitbringen, ist großartig. Ich bin so dankbar für all das; es ist ein großes Privileg, die Musik in meinem Leben zu haben.“


Fotos: A. Hinchcliffe (PR)