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BABY-NOTARZT-SYSTEM IN NÜRNBERG: Seit 40 Jahren ein Herz für Kinder


Rettungsmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 25.10.2019

Das Baby-Notarzt-System in Nürnberg besteht seit 40 Jahren.Hervorgegangen aus den Erfahrungen eines dramatischen Einsatzes, hat es sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem System mit Vorbildcharakter entwickelt.


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Bildquelle: Rettungsmagazin, Ausgabe 6/2019

Der neueste Baby-NAW, der im Juli 2019 an die Johanniter in Nürnberg übergeben wurde, basiert auf der aktuellen Baureihe der Bayern-RTW.


Mittlerweile sind Baby- oder Neugeborenen-Notarztwagen in vielen Regionen Deutschlands flächendeckend vorhanden. Das System in Bayern unterscheidet sich aber von den anderen. Lediglich in den beiden größten Ballungsräumen des Landes – Nürnberg (Johanniter) und ...

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... München (Berufsfeuerwehr) – wird jeweils ein spezieller Notarztwagen für Früh- und Neugeborene vorgehalten. Ergänzt werden diese Fahrzeuge durch Intensivtransportinkubatoren des Rettungsdienstes, welche an den zu den Perinatalzentren (PNZ) nächstgelegenen Rettungswachen oder, in Abstimmung mit dem jeweiligen PNZ, direkt an den Kliniken vorgehal ten werden. Beide Systeme zusammen bilden den sogenannten Neugeborenenabhol- und Verlegungsdienst in Bayern.

Diese Inkubatoreinheiten können analog zu den Roll-In-Tragen von Stryker, die derzeit standardmäßig im bayerischen Rettungsdienst eingesetzt werden, auf dem Tragentisch der RTW gelagert werden. In diesem Fall kommt also ein herkömmlicher RTW zum Einsatz, der entsprechend mit der Inkubatoreinheit beladen wird. Die Besatzung wird dann durch ein neonatologisches/ pädiatirisches Team aus einer entsprechenden Kinderklinik komplettiert.

Bevor im deutschen Rettungsdienst Fahrzeuge mit Kofferaufbauten nahezu flächendeckend Einzug hielten, gab es bereits die SAVE-Studie. Sie wurde in den 1980er-Jahren vom Bundesforschungsministerium zusammen mit der Firma Porsche durchgeführt.


Anfänge des Baby-NAW-Systems in Bayern

Bis Mitte der 1970er-Jahre galt Deutschland als die Industrienation mit der höchsten Sterblichkeitsate von Säuglingen.

Dies war der Tatsache geschuldet, dass die meisten Geburtsstationen und Kreißsäle Frauenkliniken angegliedert waren, sich in den seltensten Fällen aber auch eine Kinderklinik in der unmittelbaren Nähe befand.

Während in der Noris-Metropole, wie Nürnberg auch genannt wird, erst im Jahr 1974 ein regulärer Notarztdienst in Form eines Rendezvous-Systems etabliert werden konnte, wurde parallel der erste „Rettungswagen für Frühgeborene“, also defacto Deutschlands erster Baby-NAW, durch die Björn-Steiger- Stiftung in Stuttgart stationiert.

Der Bedarf eines speziellen Baby- Notarztwagens wurde in Nürnberg bereits zwei Jahre später erkannt. Nach einer erfolgreichen Reanimation musste ein Kleinkind von der orthopädischen Klinik Rummelsberg in die Kinderklinik der Friedrich-Alexander-Universität nach Erlangen verlegt werden. Zum damaligen Zeitpunkt war der moderne Rettungswagen „Akkon Nürnberg 4“ das nächstgelegene Rettungsmittel für eine annähernd adäquate Versorgung eines derart schwer erkrankten Kleinkindes. Das Fahrzeug der eigentlich nächstgelegenen Rettungswache war ungeeignet, ein intubiertes und beatmetes Kind zu verlegen.

„Bei den Nürnberger Johannitern hatte dieser einprägsame Einsatz zur Folge, dass sämtliche Rettungsmittel mit entsprechendem Material für die Versorgung von pädiatrischen Notfällen aufgerüstet wurden“, erinnert sich der stellvertretende Rettungsdienstleiter, Patrick Krügel.

Den offiziellen Startschuss für die Etablierung eines speziellen Notartwagens zur Versorgung von Früh- und Neugeborenen konnte der Rettungszweckverband im Jahr 1978 geben, nachdem dort die bisher vorherrschenden und gravierenden Versorgungsdefizite in diesem Bereich behoben worden waren.

Der damalige Geschäftsführer des JUH-Ortsverbands Nürnberg, Lorand Szüszner, konnte ab nun die konkreten Planungen für den ersten Baby-NAW in Bayern übernehmen. Bereits Anfang 1979 wurde das Fahrzeug auf Basis eines Mercedes 208 (Bremer Transporter) mit Benzin-Motor und Binz-Ausbau in Dienst gestellt. Parallel dazu wurde eine Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg und der Cnopfschen-Kinderklinik geschlossen, sodass von Anfang an diese beiden Krankenhäuser Neonatologen bzw. Pädiater stellten.

Die Auswahl geeigneter Medizintechnik gestaltete sich damals schwierig. Die Erstausstattung umfasste einen Transportinkubator auf einem herkömmlichen Tragengestell sowie einen speziellen Notfallkoffer.

Ein spezielles Beatmungsgerät stand zunächst nicht zur Verfügung, konn- te aber noch im selben Jahr beschafft werden. Dräger hatte zwischenzeitlich das erste Transportbeatmungsgerät für Säuglinge, den Dräger Babylog 2, auf den Markt gebracht. Dieses Beatmungsgerät stellte eine absolute Innovation dar, ermöglichte es doch eine große Bandbreite von Beatmungsmustern. So waren sowohl die Durchführung einer kontrollierten Beatmung (IPPV) mit PEEP als auch eine CPAP-Beatmung möglich. Außerdem gab es einen Notfallbeatmungsmodus für Reanimationen sowie die Möglichkeit, die Atemfrequenz zwischen 10 und 60 Atemzügen pro Minute einzustellen. Und das mit äußerst kompakten Abmessungen (Höhe: 195 mm, Breite: 120 mm, Tiefe: 200 mm)

Zwei Generationen der Baby-NAW aus Nürnberg.


„Akkon Nürnberg 12“ – das erste Baby-NEF

Parallel dazu wurde 1980 auch ein Baby- NEF eingeführt. „Akkon Nürnberg 12“, so lautete der Rufname, sollte es dem Pädiater ermöglichen, direkt die entsprechende Geburtsklinik anzufahren und sich vor Ort mit dem Baby- NAW zu treffen. Außerdem konnte dieses Fahrzeug neben den regulären RTW und NEF zu neonatologischen/ pädiatrischen Notfalleinsätzen alarmiert werden.

„Obwohl das Bayerische Rettungsdienstgesetz zum damaligen Zeitpunkt einige Hürden für die engagierten Kollegen mit sich brachte, gelang es ihnen, den Neugeborenen-Notarztdienst Stück für Stück zu etablieren. Die Kosten mussten damals jedoch ausschließlich über Spenden gestemmt werden“, berichtet Krügel.

Noch viel paradoxer aus heutiger Sicht: Jedes Mal, wenn der Baby-NAW zu einem Einsatz ausrücken sollte, musste eines der regulären Einsatzmittel der Johanniter einrücken und dafür außer Dienst gehen.

In den darauffolgenden Jahren gelang es Stück für Stück, alle Kritiker von der Notwendigkeit dieses zusätzlichen Spezialfahrzeugs zu überzeugen, so dass der Rettungsdienst Bayern in einem weiteren Schritt die Treibstoff und anschließend sogar die Instandhaltungskosten für das Fahrzeug übernahm. Die Besatzung hingegen musste nach wie vor rein ehrenamtlich tätig werden.

Das änderte sich erst 1982. Nach einer über dreijährigen Testphase sollte der Baby-Notarztwagen Bestandteil der öffentlich-rechtlichen Vorhaltung in Nürnberg sein. Bedingung hierfür war jedoch ein Kuhhandel, denn die Johanniter mussten im Gegenzug einen ihrer Krankenwagen abgeben. Das primäre Einsatzgebiet sollte einen Radius von 150 Kilometern umfassen. Damit auch Zwillinge adäquat versorgt werden konnten, wurden Beatmungsgeräte und Perfusoren in doppelter Ausführung mitgeführt.

Optimierung der medizinischen Ausstattung

Nach Beendigung der SAVE-Studie (siehe Kasten) konnte in Nürnberg erneut ein Mercedes-208-Kastenwagen mit Binz-Ausbau in Dienst gestellt werden. Die Kombination Bremer Transporter mit Binz-Ausbau sollte auch für die nächsten zwei Beschaffungen fortgeführt werden. Ab 1986 setzte man jedoch auf das leistungsstärkere Mercedes- 310-Fahrgestell, welches eine Motorleistung von rund 100 PS vorweisen konnte.

Das neue Kinder-NEF auf Basis eines Skoda Octavia Scout.


Mit jeder neuen Fahrzeuggeneration wurde auch die medizinische Ausstattung optimiert und auf den aktuellsten Stand gebracht. So wurde das von 1986 bis 1989 genutzte Fahrzeug zusätzlich mit einem Druckluftanschluss für das Beatmungsgerät ausgestattet. Ebenso wurden die Betreuersitze mit Dreipunktgurten versehen.

Die letzte Baureihe auf diesem Fahrgestell wurde von 1989 bis 1996 eingesetzt und konnte eine nahezu revolutionäre Neuerung präsentieren: Die Intensiv-Inkubatoreinheit war von da an auf einem Fahrtragen- Untergestell gelagert.

Mit der Einführung des Mercedes Sprinter im Jahre 1995 war die Ära der Bremer Transporter beendet.

So kam ab 1996 auch ein Mercedes Sprinter 312 D, also erstmals ein Fahrzeug mit leistungsstarkem und effektivem Dieselmotor, zum Einsatz. Um einen optimierten Blick auf die jungen Patienten zu ermöglichen, verfügte dieses Fahrzeug über drehbare Sitze.

Der zentralen Fahrzeugbeschaffung in Bayern war es geschuldet, dass der nachfolgende Baby-NAW auf Mercedes Sprinter 313 CDI der Beschaffungsmaßnahme 2002 des Bayerischen Rettungsdienstes entstammt. Somit erhielt die Firma KFB den Auftrag für das Fahrzeug.

Basierend auf der einheitlichen Beschaffungsmaßnahme wurde das Fahrzeug nach den Bedürfnissen der Nürnberger auf den Betrieb als Baby-NAW angepasst. Dies zog sich jedoch so lange hin, dass das Fahrzeug erst Anfang 2004 an die Johanniter übergeben werden konnte.

Im selben Jahr wurden auch die standardisierten Bayern-RTW mit WAS-Kofferaufbau eingeführt. Damit war klar, dass auch die nächste Generation der Baby-NAW an die einheitlichen bayerischen RTW angelehnt sein würde.

Im Februar 2011 war es so weit. Jedoch wies dieser Baby-NAW einige Besonderheiten und Abweichungen auf.

„Nachdem wir auch sehr viele Langstreckenverlegungen zu bewerkstelligen hatten, wurde für unser Fahrzeug abweichend von den damals beschafften RTW ein Sprinter 519 CDI mit laufruhigerem und leistungsstärkerem 6-Zylinder- Dieselmotor als Fahrgestell gewählt“, erklärt Krügel.

Auch der Kofferaufbau wich in seinem Grundriss und seinen Maßen von den Standard-RTW ab. Denn er orientierte sich an den seit 2010 beschafften Schwerlast-RTW. Somit verfügte der Koffer über eine Innenbreite von 2.080 mm und eine angepasste Raumaufteilung.

Analog zu den S-RTW befanden sich beide Betreuersitze gegenüberliegend auf der Fahrerseite angeordnet, während auf der Beifahrerseite neben der Gerätekonsole ein Während in den S-RTW darin Lagerungs- und Immobilisationsmaterial für adipöse Patienten untergebracht wurde, führte der Baby-NAW dort verschiedene Kindersitze (Babyschale, Kindersitz und Sitzerhöhung) sowie zwei zusätzliche 3-Liter-Druckluft- und Sauerstoffflaschen mit.

Intensivtransportwagen für Säuglinge

Dank des großzügigen Platzangebots war es seit dieser Baureihe möglich, auch einen adäquaten Versorgungsplatz an der Stirnseite des Koffers einzurichten.

Hier steht seitdem auch eine spezielle Wärmematte als Unterlage zur Verfügung. Neben dem standardmäßigen Wärmefach gehört ein Kältefach für spezielle Medikamente zur Ausstattung. Außerdem ist das Fahrzeug mit einer Luftfederung ausgestattet.

Über die Jahre hinweg hat sich der Baby-Notarztwagen zu einem richtigen Intensivtransportwagen für Säuglinge entwickelt, welcher primär im Bereich der Sekundärverlegungen zum Einsatz kommt. Dies ist auch an der aktuellen Inkubatoreinheit aus dem Jahr 2016 zu erkennen, die primär im Baby-NAW zum Einsatz kommt. Sie basiert auf einem Stryker-M1-Fahrtragengestell und wird durch einen japanischen Atom-V808-Transportinkubator mit Gel-Matratze dominiert.

Komplettiert wird die Einheit durch fünf B. Braun-Perfusor-compactS, einen Philips-MP5-Intensivmonitor, einen Nea-Pod T Anfeuchter/Anwärmer von Westmed. für Beatmungsluft und ein spezielles Intensivbeatmungsgerät für Säuglinge des Typs Acutronic fabian +nCPAP. Das Beatmungsgerät ermöglicht sowohl eine kontrollierte/ assistierte als auch eine nichtinvasive Beatmung, Highflow und die normale Sauerstoffgabe.

Zusätzlich wird ein Beatmungsgerät vom Typ Weinmann Medumat Transport mit spezieller Konfiguration für pädiatrische Patienten mitgeführt. Als Backup steht eine Intensivinkubatoreinheit von Dräger zur Verfügung. Diese kann als kurzfristiger Ersatz oder für Paralleleinsätze herangezogen werden.

Auch der neueste Baby-NAW, der im Juli 2019 an die Johanniter in Nürnberg übergeben wurde, basiert auf der aktuellen Baureihe der Bayern-RTW. Als Fahrgestell dient somit ein Mercedes- Benz Sprinter 519 BlueTEC, der von einem 190 PS starken V6-Dieselmotor angetrieben wird und mit einem vollautomatischen Wandlergetriebe ausgestattet ist.

Die Raumaufteilung hat sich bei dem Vorgängerfahrzeug bewährt, so dass man diese 1:1 übernommen hat. Auch hier wird wieder der breitere Kofferaufbau wie bei den S-RTW verwendet.

Dennoch trumpft das 2019er-Fahrzeug mit einigen Neuerungen und Innovationen auf: „Es handelt sich hierbei um den ersten Baby-NAW, der mit einer festverbauten Wärmelampe über dem Behandlungsplatz ausgestattet ist.

Somit ist es künftig während der Versorgung im Fahrzeug möglich, die Säuglinge von oben und unten zugleich zu wärmen und dennoch vollen Zugriff für die Notfallversorgung zu haben“, weist Krügel auf eine Besonderheit hin. „Damit es zu keinem Hitzestau unter der Decke kommt, ist die Wärmelampe von der Decke abgesetzt. Außerdem befinden sich zwischen Lampe und Decke zwei leistungsstarke Lüfter, wie sie auch in Computern verbaut werden, um die Abwärme abzutransportieren.“

Als Wärmelampe wurde hier eine Löwenstein Isotherm über einen 230-Volt-Anschluss angeschlossen. Auch der Spannungswandler ist deutlich leistungsstärker als in den herkömmlichen RTW und hat eine Leistung von 3.000 Watt.

Um das Einladen der 170 kg schweren Intensivinkubatoreinheit zu erleichtern, wurde das Multi- Load-Assist-System eingebaut.


Der neue Baby-NAW ist mit einer festverbauten Wärmelampe über dem Behandlungsplatz ausgestattet.


Während die aktuellen S-RTW mit einem elektrischen Power-Load-System von Stryker ausgestattet sind, hat man sich bei dem Baby-NAW bewusst dagegen entschieden. „Aktuell sind alle regulären Bayern-RTW mit einer Stryker- M1-Fahrtrage ausgestattet. Wenn wir ein Ersatzfahrzeug benötigen, greifen wir auf einen unserer regulären RTW zurück, weshalb hier ein Systemwechsel für uns aktuell nicht praktikabel wäre“, begründet Krügel die Entscheidung.

Um dennoch den Besatzungen das Einladen der 170 kg schweren Intensivinkubatoreinheit zu erleichtern und ein möglichst rückenschonendes Arbeiten zu ermöglichen, hat man sich für einen Tragentisch mit einer elektronischen Einzughilfe entschieden – das Multi- Load-Assist-System von WAS. Dieses ist mit allen gängigen, in Deutschland verbreiteten Fahrtragensystemen kompatibel.

Bei der Frage, ob die Lagerung längs oder quer erfolgen sollte, haben sich die Bayern bewusst für eine Längslagerung der Inkubatoreinheit entschieden. Bisher gibt es aus Sicht der Beschaffer und Durchführenden keine Studienlage, die zweifelsfrei belegt, dass eine Längslagerung schädlich und eine Querlagerung besonders schonend fü r das Kind ist. Somit überwogen die ökonomischen Aspekte, das Fahrzeug möglichst ähnlich zu den standardisierten RTW zu halten.

Ein weiterer Aspekt, der gegen eine Querlagerung spricht, ist der enorme seitliche Platzbedarf. Sowohl in einigen Notaufnahmen als auch Hebammenhäusern wäre ein seitliches Aus- bzw. Einladen nicht möglich. Ebenso in engen innerstädtischen Wohngebieten.

Da der Baby-NAW in Ausnahmefällen auch durch die zuständige Integrierte Leitstelle in Nürnberg zur Erstversorgung von normalen Notfalleinsätzen herangezogen wird, ist dieser analog zu den üblichen RTW ausgestattet. Das heißt, er führt auch eine Notfallausrüstung für Erwachsene mit. Lediglich auf den Evakuierungsstuhl wurde verzichtet.

In dem seitlichen Außenstaufach beispielsweise befindet sich der Sauerstoff- und Druckluftvorrat. Das hintere Innenstaufach auf der Fahrerseite beinhaltet unter anderem ein Kühlfach und weiteren Stauraum. Die Ärzte werden mittlerweile durch vier Kliniken gestellt:
• das Klinikum Nürnberg,
• die Cnopfsche-Kinderklinik,
• das Klinikum Fürth und
• das Universitätsklinikum Erlangen.

Neues Kinder-NEF auf Skoda Octavia Scout

Parallel zu dem neuen Baby-NAW konnte im 40. Jahr des Nürnberger Baby-Notarzt-Systems ein neues Kinder- NEF auf Basis eines Skoda Octavia Scout in Dienst gestellt werden. Das aus Spendengeldern finanzierte Fahrzeug der mittlerweile siebten Generation ist mit Funktechnik sowie Sondersignalanlage ausgestattet und im aktuellen Design des bayerischen Rettungsdienstes gehalten. Stationiert ist das Kinder-NEF an der Cnopfschen Kinderklinik und wird dort bei Bedarf durch einen Pädiater besetzt.

Wie bereits 1979 kann der Arzt mit dem Kinder-NEF direkt zu der jeweiligen Klinik oder an die Einsatzstelle fahren. Durch dieses Rendezvous-System, das auch als das „Nürnberger Modell“ bezeichnet wird, kann wertvolle Zeit eingespart werden. Die medizinische Ausstattung umfasst jeweils einen Notfallrucksack für Erwachsene und Kinder sowie einen halbautomatischen Defibrillator des Typs LP 1000.

Unser Autor : Maximilian Kunkel (Jg. 1988) ist Notfallsanitäter und Fachjournalist für Rettungsdienst (Text und Fotos)

SAVE-Studie

Als Vorreiter der heutzutage weit verbreiteten RTW-Kofferaufbauten gilt die SAVE-Studie, welche durch das Bundesministerium für Forschung und Technologie in Kooperation mit Porsche realisiert wurde. Hierzu wurden zwölf RTW, sieben auf Mercedes 208 und fünf auf VW LT28, mit einer schnell austauschbaren Versorgungskabine ausgestattet. Von März bis September 1982 wurde außerhalb der Felderprobung (1980/1981) ein entsprechendes Testfahrzeug auf Mercedes-208-Fahrgestell als Baby-NAW in Nürnberg getestet. Dabei wurden 152 Neugeborene allein durch die Nürnberger Johanniter transportiert. Eine beeindruckende Zahl, wenn man bedenkt, dass die gesamte Felderprobung im Rahmen der SAVE- Studie etwa 200 pädiatrische Notfälle dokumentierte. Letztendlich konnte sich das Fahrzeug jedoch nicht als Baby- NAW bewähren, da unter anderem die separat gefederte Versorgungskabine bei Alarm- und Langstreckenfahrten zu sehr schwankte, was sich wiederum auf Fahr- und Patientensicherheit auswirkte.


Foto: Michael Meyer

Foto: Archiv JUH Nürnberg