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BACK TO THE ROOTS


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Audio - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 07.10.2021

Analogquellen › PLATTENSPIELER MIT SYSTEM

Bevor Plattenspieler wiedergeboren werden konnten, mussten sie erst sterben. Das war Anfang der 90er: Die CD boomte, und die Musikindustrie vergoldete sich mit der Silberscheibe gerade den Allerwertesten. Niemand hätte damals auch nur eine müde Mark darauf gewettet, dass Analog-Dreher anno 2021 wieder in Mode sein würden. Wer sich in den 90ern für Schallplatten erwärmte, der schaute in die Röhre, wen er ein preisgünstiges, gutes Phonogerät erwerben wollte. Das gab es damals einfach nicht mehr, denn Ende der 80er war die weltweite Plattenspielerproduktion zusammengebrochen − auch in Olmütz, in einem Werk von Tesla. Wie es der Zufall wollte, tauchte dort zu jener Zeit ein enthusiastischer HiFi-Händler aus Österreich auf. Seine tschechische Freundin hatte ihm aus besagtem Werk einen Plattenspieler mitgebracht − und ...

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Bildquelle: Audio, Ausgabe 11/2021

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... damit kam die Erfolgsstory von Pro-Ject vor 30 Jahren ins Rollen. Der Händler war Firmengründer Heinz Lichtenegger. Er konnte die Tesla-Direktoren überzeugen, mithilfe ein paar alter Techniker eine kleine Produktion aufzubauen. Schon wenig später war der erste eigene Plattenspieler fertig – der Pro-Ject 1, zu haben für bescheidene 399 Mark.

HIGH-END FÜR JEDERMANN

Spricht man heutzutage mit Heinz Lichtenegger, merkt man, dass es ihm noch immer darum geht, möglichst viele Menschen mit Pro-Ject-Produkten zu erreichen. Deshalb war für ihn klar, dass sein Unternehmen zum Jubiläum keinen großen, schweren oder teuren Plattenspieler herausbringen würde. Sondern einen, der aufs Wesentliche reduziert zurück zu den Anfängen führt – den Debut Pro. „High-End für jedermann“ eben.

Dass dieses Marketingversprechen kein Gedöns ist, wird einem klar, sobald man den Brettspieler mit dem achtfach handlackierten MDF-Chassis und den höhenverstellbaren Alu-Füßen aufbaut und dabei die hohe Güte seiner Mechanik und Oberflächen begutachtet: In der Preisklasse bis 750 Euro dürften die Österreicher damit Maßstäbe setzen − insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass der Debut Pro inklusive vormontiertem MM-System Pick it Pro geliefert wird, das solo 119 Euro kostet. Dazu kommt das hochwertige Phonokabel Connect it E. Nur der Plattenbeschwerer, den man auf dem Foto links sieht, gehört nicht zum Lieferumfang.

Die vernickelten Metallteile, die sich vor allem an dem einteiligen 8,6-Zoll- Carbon-Alu-Arm finden, wären ohne die Stückzahlen, die Pro-Ject verkauft, übrigens nicht vorstellbar. „Wirklich teuer“ ist laut Lichtenegger auch der Teller des Debut Pro, auf dem eine dünne Filzmatte liegt: Es handelt sich um einen nichtmagnetischen Alu-Druckguss teller, der auf der Innenseite mit einem Ring aus thermoplastischem Elastomer bedämpft ist. Er thront auf einer hochprä zisen Edelstahlachse, die sich in einer eng tolerierten Bronzebuchse dreht. Der Antrieb erfolgt via Flachriemen und einem von Pro-Ject selbstgefertigten AC-Motor. Dieser sitzt zwecks mechanischer Entkopplung in einer Aufhängung.

MESSLABOR

Das MM-System punktet mit breitbandig hoher, kanalsymmetrischer Übersprechdämpfung und linearem Frequenzgang. Es tastet ordentlich ab (80 µm), ist laut (6,3 mV mit DIN-Bezugston), aber verzerrt im Hochton leicht (0,75%). Das Laufwerk bietet guten Gleichlauf (±0,09%) und exakte Einhaltung von 33½ UpM (+0,03%). Im Gleichlauf-Tonspektrum (Mitte) und Rumpelspektrum (rot Schallplatte, blau Messkoppler) lassen sich Motor-Brummkomponenten vor allem bei 40 und 80 Hz nachweisen. Der Störabstand verschlechtert sich dadurch auf passable 68 dB beziehungsweise 72 dB (Platte/Messkoppler).

Der überaus solide Gesamteindruck, den der Debut Pro generell hinterlässt, verfestigte sich im Hörtest: So beeindruckte der Jubiläums-Dreher mit dem Pick it Pro-System mit einem substanziellen, durchzugsstarken und stabilen Klang, den der Autor in dieser Preis- und Gewichtsklasse so nicht erwartet hatte.

Eine Stärke des Pro-Ject war seine Fähigkeit, auch in komplexen Passagen die Übersicht zu behalten. Das gelang ihm selbst bei einem so dicht produzierten Track wie „Got To Keep On“ der Chemical Brothers (aus dem Album „No Geography“). Der ungemein treibende, aggressive und auf 90er-Dance getrimmte Sound sowie die gnadenlose, dynamische Steigerung, die den Electro-Titel nach knapp dreieinhalb Minuten zum Überkochen bringt − all das brachte der Debut Pro, gemessen am Preis, der für ihn fällig wird, unglaublich stark auf den Punkt. Ein zum Vergleich herangezogener Edwards Audio TT4 mit SC 5 Speedbox (AUDIO 8/21) verbeugte sich an dieser Stelle ehrfürchtig.

Hätte man dem Autor 1991 erzählt, was Pro-Ject mit dem Debut Pro im Jahr 2021 für 750 Euro an stimmigem und packendem Analogklang möglich machen würde − er hätte bei seinem Gegenüber glatt einen Ecstasy-Trip vermutet.

FAZIT

Marius Dittert AUDIO-Mitarbeiter

Ein schöneres Geschenk hätte Pro-Ject Analog-Freunden zum Firmenjubiläum nicht machen können: Der aus europäischer Fertigung stammende Debut PRO ist famos verarbeitet und spielt mit vormontiertem MM- System von Ortofon weit über seiner Preisklasse. Und: Auch für dieses Gerät gibt’s bei Pro- Ject 25 Jahre lang Ersatzteile!