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FFussball Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 10.03.2022

Frauen-Bundesliga

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1 Wie eine kuriose Kooperation den Frauenfußball pushen soll...

Chattanooga ist die viertgrößte Stadt im US-Bundesstaat Tennessee. Die idyllisch in einem Tal am Ufer des Tennessee Rivers gelegene Metropolregion ist von der Größe her mit Bremen, Dresden oder Essen vergleichbar und besticht durch ihre Naturnähe und dem größten Süßwasseraquarium der Welt. Doch was hat eine Stadt in Tennessee nun mit dem VfL Wolfsburg zu tun?

Im Enterprise South Industrial Park von Chattanooga, rund 17 km östlich vom Stadtzentrum, wurde schon vor Jahren ein nagelneues Volkswagen-Werk gebaut – mit einer Jahreskapazität von 150.000 Autos. Dafür investierte der Konzern rund eine Milliarde Dollar in den Standort. 2017 folgte auch auf sportlicher Ebene eine Kooperation mit den US-Amerikanern. Nun wurde die Partnerschaft zwischen dem VfL Wolfsburg und dem drittklassigen Fußballklub FC Chattanooga ausgebaut. ...

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... So läuft der Verein aus Tennessee seit einem Jahr mit einem dicken grünen W auf seinen Auswärtstrikots in der Liga der National Independent Soccer Association auf. Neben dem Sponsoring soll der VfL mithelfen „eine Frauenmannschaft zu etablieren, sowie Spieler und Trainer auszubilden“, heißt es in der Pressemitteilung von Chattanooga. Und die Verantwortlichen aus Wolfsburg erhoffen sich ganz nebenbei eine Werbewirkung: „Das ikonische W wird bei Bundesligafans in Südostamerika und auf der ganzen Welt auf Resonanz stoßen“, sagt etwa VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer. Obwohl Chattanooga hierzulande wohl kaum jemandem ein Begriff ist, setzen die Wolfsburger große Hoffnungen in den Standort. „In meinen Augen ist Chattanooga FC ein absolutes Unikat. Der Verein ist zu einhundert Prozent im Besitz von Fans und hat dadurch eine ganz besondere Ausstrahlung“, so Schäfer weiter. Dass ausgerechnet der Sportdirektor der 100-prozentigen Volkswagen-Tochter VfL Wolfsburg diesen Umstand hervorhebt, macht die Kooperation beider Vereine umso kurioser.

Die neu gegründete Frauenabteilung beim US-amerikanischen CFC könnte jedoch auch für den VfL bald von großer Bedeutung sein. In den USA nur auf der Brust prangernd, spielt „das grüne W“ in Europa in der Champions League ganz vorn mit – und der ruhmreiche Europapokalwettbewerb erfreut sich schließlich weltweit wachsender Beliebtheit. So könnte über den kleinen Chattanooga FC bald auch das eine oder andere US-Talent in Wolfsburg aufschlagen. „Durch unsere Partnerschaft mit Wolfsburg werden wir einige großartige Aktionen umsetzen, an denen auch unser neues Frauenteam teilnehmen wird“, sagte Jeremy Alumbaugh, Geschäftsführer des Chattanooga Football Club.

Und in Sachen Frauenfußball hat der Chattanooga FC durchaus einiges zu bieten. 2014 stellte der Verein erstmals ein Team in der Top-Amateurliga WPSL. Vor einer Pause im Jahr 2018 blieben die CFC Women in der Regular Season ungeschlagen und wurden Southeast Conference Champions in ihrer Liga. 2022 soll der Klub nun in die WPSL zurückkehren und weitere Fortschritte im US-amerikanischen Frauenfußball machen. Von der vereinseigenen Fußballakademie könnte mittelfristig auch der VfL Wolfsburg profitieren.

2 Die Bayern auf den Spuren von Europas Elite

2020 haben die FCB-Frauen ihren 50. Geburtstag gefeiert. Auf so eine lange Tradition können weltweit nur die wenigsten Fußballvereine zurückblicken. „Wir können stolz auf unsere Geschichte schauen – und selbstbewusst nach vorne“, sagt Teammanagerin Bianca Rech. Ihre Aufgabe kann man gerade als eine der spannendsten im europäischen Frauenfußball bezeichnen: Der FC Bayern hat einen grandiosen Ruf, er hat riesige Ressourcen – und verfolgt hohe Ziele mit enormen Ambitionen. Das mittelfristige Ziel lautet, die deutsche Nummer eins zu werden – und sich auch in Europas Spitze zu etablieren. Um das zu erreichen, hat Rech ein Strategiekonzept erstellt. Der Blick auf die internationale Konkurrenz macht klar: bloß keine Zeit verlieren! tus Turin, AS Rom, Milan, Arsenal, Chelsea oder die beiden Klubs aus Manchester mit.

Was so viele große Namen in der Vergangenheit vorlegten, setzen auch die Bayern sukzessive um. So sind die Fußballerinnen stets ganz nah an den männlichen Stars – und werden gar gemeinsam vermarktet. Als im Herbst 2020 das „Human Race“-Trikot offiziell vorgestellt wurde, war Bayerns Schwedin Hanna Glas neben David Alaba und Serge Gnabry eine Figur des Vereins, die die Botschaft des Shirts, Vielfalt und Toleranz, transportierte. Das sei eine Ehre für sie gewesen, erzählt Glas, „und solche gemeinsamenAktionen sind wichtig, denn sie zeigen, dass wir Fußballerinnen ein Teil des FC Bayern sind“.

Und am 22. März folgt ein weiterer wichtiger Meilenstein auf den Spuren der großen europäischen Namen. Wie schon ManCity, Atlético Madrid oder Juventus Turin zuvor, werden an diesem Tag auch die Münchnerinnen erstmals im Stadion der Männer spielen. Das Champions-League-Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain ist ein absoluter Höhepunkt im europäischen Vereins-Frauenfußball und sollte bei den Fans entsprechenden Anklang finden. Europas Frauenfußball brach in den vergangenen Jahren wiederholt Zuschauerrekorde, vorrangig allerdings außerhalb Deutschlands: In Spanien besuchten 2019 mehr als 60.000 Zuschauer das Topspiel Beim FC Barcelona ernten sie gerade, was sie mit einem klugen Plan vor sechs Jahren gesät haben, in England investieren nahezu alle namhaften Premier League-Klubs in die Frauensparte, und auch Italien entdeckt, dass hier charmantes Potenzial schlummert. Real Madrid baut neben Barcelona etwas auf, es mischen nun klangvolle Namen wie Juvenzwischen Atlético und Barcelona, in Italien kamen fast 40.000 zur Partie zwischen Juventus und Florenz – die Klubs lockten die Zuschauer dabei zwar zum Teil mit Freikarten, dennoch ist die Resonanz beeindruckend und medienwirksam.

In den vergangenen Jahren haben sie bei den Fußballerinnen des FC Bayern insgesamt an vielen Kleinigkeiten gewerkelt und hatten dabei stets Europas Elite im Blick. Ob in Sachen Nachwuchsarbeit, Marketing oder Infrastruktur – die Bayern wollen den Abstand zu den Besten des Kontinents verringern und für die Bundesliga das prunkvolle Aushängeschild werden, das die Männer seit Jahrzehnten sind.

3 Leipzigs Fünfjahresplan fürs Oberhaus

Die RB-Frauen spielen nach wie vor um den Aufstieg mit und haben nach dem überzeugenden 3:0 zum Jahresabschluss gegen den MSV Duisburg weiterhin alle Chancen, nach Lokomotive Leipzig (2011/12) der zweite Leipziger Vertreter im Frauenfußball Oberhaus zu sein – und die Erstklassigkeit der „Rasenballerinnen“ wird der Liga mittelfristig ein höheres Niveau verleihen. „Wir machen natürlich unsere Hausaufgaben im Hintergrund, im Falle eines Aufstiegs. Aber wir sind auch jetzt schon sehr gut aufgestellt und wollen uns Schritt für Schritt weiterentwickeln und organisch wachsen, unabhängig von der Ligazugehörigkeit“, sagt Abteilungsleiterin Viola Odebrecht. „Wir haben einen klaren Fünfjahresplan, der besagt, dass wir mittelfristig in die 1. Liga aufsteigen wollen, um uns im Anschluss in der Liga zu etablieren. Wir werden davon nicht abgehen oder größere Änderungen vornehmen, wenn wir hochgehen sollten.“ Die RB-Verantwortlichen stehen bereits mit Spielerinnen in Kontakt, die den Verein im Falle eines Aufstiegs verstärken würden. „Alle, mit denen wir sprechen, haben aus unserer Sicht Erstliga-Potential oder bereits Erfahrung im Oberhaus gesammelt“, so Odebrecht.

Was das Scouting betrifft, so steht man intern mit der Abteilung der Männer im stetigen Austausch, um die Synergien zwischen Frauen-und Männerabteilung auszubauen und zu nutzen. Die RB-Frauen könnten langfristig von einem internationalen Partner-Netzwerk profitieren, das sich bei den Männern bereits ausgezahlt hat. Die New York Red Bulls haben zwar selbst noch kein eigenes Frauenfußballteam, sind dafür aber im US-amerikanischen Fußballmarkt bestens vernetzt. Red Bull Bragantino aus São Paulo spielt seit 2020 in der ersten brasilianischen Liga und könnte mittelfristig die Tür zum aufstrebenden südamerikanischen Markt öffnen, der in den kommenden Jahren eine immer stärkere Bedeutung für Europa bekommen wird (FFussball berichtete in seiner letzten Ausgabe). „Wir arbeiten zunächst einmal an unserer internen Professionalisierung und werden sehen, wann wir auch im Frauenfußball länderübergreifend mit unseren Partnervereinen zusammenarbeiten werden. Aktuell ist da noch nichts geplant“, verrät uns Odebrecht.

RB Salzburg ist seit 2015 offiziell kein Partnerverein mehr. Red Bull verzichtete auf das Bestellungs-und Abberufungsrecht und bleibt dem Verein seither als Sponsor erhalten, um sicherzustellen, dass Salzburg und Leipzig gleichzeitig am Europapokal teilnehmen dürfen. Die Kontakte nach Österreich sind dennoch vorhanden und auch hier könnte das eine oder andere Talent den Weg nach Leipzig finden. „Im Allgemeinen macht Österreich in der Ausbildung seiner weiblichen Jugend eine gute Arbeit, so dass viele gute Spielerinnen nach Deutschland kommen, wie man beispielsweise auch an unserer Spielerin Yvonne Weilharter sieht“, so Odebrecht mit Blick auf das internationale Scouting.

In Leipzig bastelt man behutsam an einem neuen, starken Erstligisten, der die FLYERALARM Frauen-Bundesliga langfristig konkurrenzfähiger, spannender, attraktiver machen wird. Und RB wird dabei von einem Netzwerk profitieren, das im europaweiten Frauenfußball seinesgleichen sucht.

4 Dank Digitalisierungs-Offensive mittelfristig ins Oberhaus?

Nach drei Jahren Regionalliga haben es die Fußballerinnen des 1. FC Nürnberg im vergangenen Frühjahr endlich geschafft und spielen erstmals in der 2. Frauen-Bundesliga – doch damit nicht genug. Nach dem Aufstieg am grünen Tisch folgte eine stabile Saison unter den Top-Teams der Liga. Damit werden die Club-Frauen ihrem eigenen Anspruch gerecht – streben sie doch mittelfristig einen Platz unter den besten Teams im deutschen Frauenfußball an, was konkret Erste Liga bedeutet. „Wir können als 1. FC Nürnberg nicht beim SV Henstedt-Ulzburg antreten und sagen, dass der SV Henstedt-Ulzburg der Favorit ist“, sagte FCN-Trainer Osman Cankaya vor der Saison.

Der 1. FC Nürnberg will mehr, gehört der Club doch zu den traditionsreichsten Top-Adressen im deutschen Fußball. Reich werden die Spielerinnen nicht bei den Franken aber wahrscheinlich besser. Sie können sich entwickeln und von der Infrastruktur profitieren. Die Plätze, die Organisation, alles genügt allerhöchsten Ansprüchen. Und fortan wollen die Fußballerinnen aus Nürnberg auch von den neuen digitalen Möglichkeiten profitieren. So setzt der Verein künftig auch auf das Angebot des Münchner Startups „B42“, das mit einer innovativen App und zahlreichen neuen Features die Digitalisierung des Amateurfußballs beschleunigen will.

Das neue Angebot soll die Spielerinnen mit professionellen Experten verbinden und insbesondere für TrainerInnen zum perfekten digitalen Hilfsmittel werden. „Trainer und Trainerinnen können mit der App nun nicht nur die Belastung steuern und individuelle Schwerpunkte setzen. Vor allem profitieren sie von der Trainings-Expertise, die in den Übungen steckt. Somit können die Spieler und Spielerinnen individuell per App trainieren, während auf dem Platz Technik, Taktik und Spielformen im Vordergrund stehen”, sagt Andreas Gschaider, CEO und Gründer von B42.

Alle Programme für Performance und Reha basieren dabei auf der Expertise renommierter SportwissenschaftlerInnen und PhysiotherapeutInnen – darunter Oliver Schmidtlein, ehemaliger Physiotherapeut des FC Bayern München und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Yogalehrerin und Fitnessratgeberin Katharina Brinkmann oder Hosea Frick, Geschäftsführer von HYCYS, einem Trainingsinstitut für systematische, ganzheitlich, wissenschaftlich basierte Perfor- mance-Steigerung für Ausdauersportler sowie Trainingsbetreuer beim Männer-Bundesligisten Fortuna Düsseldorf.

Es sind auch diese kleinen, digitalen Helfer, die Fußballvereine langfristig vom Amateur-in den Profi-Status verhelfen sollen. In genau dieser Phase befinden sich nämlich die Fußballerinnen des 1. FC Nürnberg gerade. Neben der Digitalisierungsoffensive soll als nächstes die Verschmelzung des eigenständigen Frauenvereins mit dem Gesamtverein angegangen werden – und der Club somit zu einer festen Adresse in Deutschlands Top-Frauenfußball werden.

5 Europas bester Frauenfußball-Verein spielt in Deutschland

Ein Team. Ein Weg. Ein Ziel. So lautet das Motto von Turbine Potsdam. Doch müsste das Motto nicht viel eher „Zwei Teams. Ein Weg. Ein Ziel“ lauten? Schließlich wurde im Sommer 2020 die Kooperation zwischen Potsdam und der Hertha BSC aus Berlin verkündet. Es ist Halbzeit der vorerst auf drei Jahre begrenzten Zusammenarbeit. Eine Kooperation, bei der vieles unklar bleibt: Potsdam als einer der erfolgreichsten Vereine im Frauenfußball ist stolz auf seine Eigenständigkeit, eine Fusion wie in Frankfurt, so scheint es, ist nicht angestrebt. Die Turbinen verdienen auch unter dem Ex-Berliner Jugendcoach Sofian Chahed als eigenständiger Frauenfußballverein größten Respekt, auch wenn es schon lange nicht mehr für Titel oder die Teilnahme in der UEFA Women’s Champions League reicht. Immerhin spielt man oben mit, steht knapp hinter den Spitzenteams mit einem Männerlizenzverein im Rücken.

Auf der Webseite von Hertha BSC ist Potsdam unter der Rubrik „Mannschaften“ aufgeführt, bei Potsdam muss man etwas länger suchen. Die Pandemie mag die Sichtbarkeit der Kooperation erschwert haben, doch sichtbare Aktionen und eine direkte Zusammenarbeit suchte man bislang vergebens. Berlin-Maskottchen Herthinho ist ab und an zu Besuch im Karl-Liebknecht-Stadion, man wünscht in kurzen Clips auf Social Media Glück, unterstützt Potsdam bei der medizinischen Betreuung oder hilft mit Geld und Kontakten weiter. Die Vereine hingegen sprechen von einer „vielseitigen Unterstützung“. Man arbeite eng auf der sportlichen Ebene zusammen, Berlin setze sich finanziell ein, verschiedene Marken-und Kommunikationsmaßnahmen würden durchgeführt. „Wir sind überzeugt davon, dass beide Klubs von dieser Kooperation profitieren werden“, sagte Hertha-Präsident Werner Gegenbauer. Sein Potsdamer Kollege RolfKutzmutz erklärt: „Turbine Potsdam als reiner Frauenfußballverein steht überwiegend mit Lizenzvereinen im sportlichen Wettbewerb. Durch die Kooperation mit Hertha BSC bekommen wir eine wirksame Unterstützung.“ Der 74-jährige Turbine-Präsident bleibt standhaft und erklärt immer wieder gebetsmühlenartig: „Es ist kein Automatismus, dass die reinen Frauenfußballvereine zum Abstieg verdammt sind und verschwinden.“

Das große Faustpfand in Potsdam ist schon immer die Ausbildungsarbeit gewesen. Spielerinnen wandern ab, Talente stehen in den Startlöchern. Und genau hier kommt die Kooperation tatsächlich zum Tragen: Gemeinsam mit der Hertha sollen zukünftig bei dem Berliner Programm „Profivereine machen Schule“ Talente gesichtet und die Marke gestärkt werden. Das Projekt widmet sich der Sportförderung an Schulen. Durch die Unterstützung im Sportunterricht erhoffen sich die Berliner Vereine das Interesse an ihrem Angebot und schlussendlich auch Zuwächse in die Abteilungen. Für Hertha, Eisbären, Alba und Co. geht es dabei primär um Markenförderung – und die Brandenburgerinnen sind nun auch dabei. Die Frauenfußballmarke Turbine Potsdam war in der Vergangenheit ein wichtiger Baustein für die Dominanz der Frauenfußball Bundesliga in Europa und wird auch weiterhin als eigenständiger Frauenfußballverein über die Landesgrenzen Brandenburgs hinaus für Furore sorgen – denn in dieser Kategorie ist Turbine das beste Team Europas. Tradition, Marke, Nachwuchskonzept und Hertha-Kooperation machen Potsdams Frauenfußball zu einem Leuchtturm der Liga.

6 So wird eine Weltmarke den Frauenfußball pushen

Wie kann eine sagenumwobene Bergkette mit dichten Wäldern und gespenstischen Mythen der FLYERALARM Frauen-Bundesliga nutzen? Nun, einst haben es sich findige Geschäftsläute zur Aufgabe gemacht, der ländlichen Region zwischen Rhein und Neckar mit einem cleveren Marketingplan zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen und den Schwarzwald zu einer Dachmarke zu machen, die mehr als 300Gemeinden unter sich vereint.Längst ist das Logo mit den stilisierten roten Bollen des Schwarzwälder Trachtenhutes aus dem Kinzigtal zu einer internationalen Berühmtheit geworden und lockt Jahr für Jahr Millionen Touristen in die Skigebiete und auf die Wanderwege.Für die Wirtschaft der Region ist der neue Markenauftritt ein Segen – und das bekommen auch die ortsansässigen Vereine zu spüren.

So hält sich der vergleichbar kleine SC Freiburg seit Jahrzehnten im deutschen Spitzenfußball. Kaum ein deutscher Verein ist dabei so eng und partnerschaftlich mit der regionalen Wirtschaft verzahnt wie der SC – das hat zuletzt gar für einen Stadionneubau und eine Frauenfußball-Offensive gereicht. Die wachsende wirtschaftliche und sportliche Stärke lässt die Vereinsverantwortlichen voller Selbstvertrauen in die Zukunft schauen. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt entwickelt“, so Finanzvorstand Oliver Leki. Es ist auch der Schwarzwälder Symbiose zwischen Wirtschaft und Sport zu verdanken, dass die Frauenfußball-Bundesliga eine der ausgeglichensten und spannendsten Ligen Europas ist.

Auch der SC Sand hat dieses Potential erkannt und sich vor zwei Jahren kurzerhand zum „Schwarzwald Club“ ernannt. Der Verein hatte sich den neuen Namen ausgedacht, um neue Sponsoren zu gewinnen. Auch beim „noch kleineren“ Bundesligisten wolle man sich künftig stärker mit der Region identifizieren, um weiter in der höchsten deutschen Spielklasse bestehen zu können. Obwohl dieWillstätterinnen in diesem Jahr stärker denn je mit dem Abstiegsgespenst ringen, sucht ihre Erfolgsstory der letzten Jahre europaweit ihresgleichen.

Zukünftig soll es aber der VfB Stuttgart sein, der als regional verwurzelter und international renommierter Fußballklub der deutschen Frauenfußball-Eliteliga einen weiteren hochklassigen Mitbewerber beschert. Der VfB rangiert mit einem Markenwert von 64 Millionen Euro auf dem 25. Platz der Rangliste der wertvollsten Fußballklubs der Welt. Weil man kürzlich auch den Frauenfußball für sich entdeckte und mittelfristig in die Erste Liga will, wird auch der VfB dazu beitragen, die Frauenfußball-Bundesliga zurück an Europas Spitze zu führen. Die immer wieder diskutierte Aufstockung der Liga auf 14 oder gar 16 Vereine, wie es die Schweden seit diesem Jahr umsetzen, wird mit Namen wie Leipzig, Stuttgart oder Hamburg Jahr für Jahr wahrscheinlicher – und die Schwarzwald-Klubs werden dank ihrer stark wachsenden Wirtschaftsstandorte ein wichtiger Teil dieser neuen, starken Bundesliga sein.