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BACKKATALOG


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musikexpress - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 13.10.2022

Auf zu neuen Ufern!

Alte Musik auf neuen Platten

Artikelbild für den Artikel "BACKKATALOG" aus der Ausgabe 11/2022 von musikexpress. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

The Beatles

Revolver (Super Deluxe)

Capitol/Universal (VÖ: 28.10.)

Innovationsschub bei der größten Pop-Band aller Zeiten, oder: Die Siebzigerjahre beginnen 1966.

In der sehenswerten DVD-„Anthology“ der Beatles gibt es jene denkwürdige Szene: Die Band spielt gerade „Paperback Writer“ in Tokios Budokan-Halle und hat aufgrund kreischender Japaner*innen und einer rudimentären Monitoranlage gelinde Probleme, die A-cappella-Passage unfallfrei über die Bühne zu bringen. Weshalb George Harrison hektisch ins Publikum winkt, auf dass es noch lauter schreie – und die leichten Intonationsprobleme im allgemeinen Lärm untergehen. Die künstlerischen Ambitionen der Band standen 1966 eben zweifellos im Missverhältnis zu den technischen Gegebenheiten, was die Beatles letztlich dazu bewog ein neues Kapitel einzuläuten – zusätzlich befeuert vom alltäglichen Irrsinn des ...

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... Tourbetriebs, von wachsenden Sicherheitsbedenken und einer zunehmenden Lustlosigkeit, für ein Publikum zu spielen, das sie kaum hören konnte. Die Ära ihrer Live-Shows endete im August 1966, kurz nach Erscheinen ihres siebten Studioalbums REVOLVER.

Denn eines war offensichtlich: Neue Stücke wie das Streichoktett „Eleanor Rigby“, der Motown-Soul von „Got To Get You Into My Life“, das indisch inspirierte „Love You To“ oder der Acid-Folk von „I’m Only Sleeping“ mit seinen rückwärts laufenden Gitarrensolos war ohne Gastmusiker oder Playbacks anno ’66 live nicht mehr reproduzierbar – vom schwer psychedelischen „Tomorrow Never Knows“ mit seinen Samples und Loops ganz zu schweigen. Das Studio war, wie kurz zuvor bei PET SOUNDS der Beach Boys, zur eigentlichen Bühne geworden, und Bands, die etwas auf sich hielten, folgten diesen Beispielen. Womit ein Trend geboren wurde, der im Laufe der Siebzigerjahre manche Produzenten und Plattenfirmenbosse an den Rand des Wahnsinns treiben sollte. Alben wurden nicht mehr binnen weniger Tage oder Wochen aufgezeichnet, sondern brauchten mitunter Monate oder gar Jahre bis zur Fertigstellung. Die Aufnahmen zu REVOLVER verliefen noch vergleichsweise zügig, sie dauerten, mit Unterbrechungen, vom 6. April bis zum 21. Juni. Die Lust aufs mitunter zeitraubende Experiment erhob REVOLVER jedoch zum bislang komplexesten Beatles-Werk. Das Zeitalter potenzieller Studio-Exzesse war hiermit angebrochen. File under: SGT. PEPPER’S LONELY HEARTS CLUB BAND. Nur war die Bastelei in der Abbey Road eben kein Selbstzweck, sondern zeitigte erstaunliche Resultate: Die indische Musik, bei „Norwegian Wood“ im Jahr zuvor noch dezente Klangfarbe, war bei „Love You To“ ein tragendes Element, während das epochale „Tomorrow Never Knows“ den Schulterschluss mit der elektronischen Avantgarde suchte. Beat-Musik, wie man seinerzeit sagte, war damit nicht mehr zwangsläufig Teil einer unter generellem Banalitätsverdacht stehenden Jugendkultur, sondern konnte sogar progressive Kunst sein. Die in manchen Teenie-Köpfen gewiss mehr als drei Fragezeichen evozierte und nahelegte, dass auch Drogen im Spiel waren.

In der Kunst, Alben zu erschaffen, die einerseits stringent klangen, andererseits genügend Abwechslungsreichtum boten, waren die Beatles bekanntlich geübt, wovon bereits die von Giles Martin neu gemischten Standard-LPs und -CDs Zeugnis ablegen. Die CD erscheint optional auch als Deluxe-Doppelpack, eine Vinyl-Picture-Disc ist ebenfalls erhältlich. Am interessantesten sind natürlich die „Super Deluxe“-Pakete, sei es als 4-LP-Box mit Bonus-Single oder als 5-CD-Ausgabe mit 100-seitigem Buch, den neuen Stereo- und Mono-Mixes, einer Bonus-EP sowie zwei Scheiben mit diversen Session-Outtakes. Letztere bestätigen zwar erneut, dass die Beatles stets die besten Versionen auf ihre Werke packten, geben aber interessante Einblicke in die Werdegänge. Bei „Yellow Submarine“ beginnt es sogar mit einem herzzerreißenden Demo, das mit dem späteren Stimmungs-Schunkler rein gar nichts gemein hat. Zudem wird deutlich, etwa bei der Single-B-Seite „Rain“, wie kreative Studioarbeit die gewünschten Ergebnisse überhaupt erst ermöglichte.

REVOLVER steht qualitativ auf einer Stufe mit ihren besten Werken. Ohne jeden Zweifel.

Dass die nachträgliche Beurteilung einzelner Beatles-Alben zeitgeistbedingten Schwankungen unterliegt, dürfte bekannt sein. Nun kristallisiert sich seit einiger Zeit heraus, dass die „Übergangswerke“ RUBBER SOUL und REVOLVER in Sachen Publikumsgunst die Alben der Hippieund Spätphase abzulösen scheinen, wofür es auch durchaus gute Gründe gibt. Vor allem RE-VOLVER atmet zwar Aufbruchsstimmung und den Mut zur Grenzüberschreitung, ist aber als Werk einer Band zu verstehen, die (noch) fröhlich an einem Strang zieht und sich Ego-Trips sowie provokante, aber letztlich nährstoffarme „Revolution #9“-Spielereien verkneift. Was es qualitativ auf eine Stufe mit ihren besten Werken stellt. Ohne jeden Zweifel.

★★★★★★ Uwe Schleifenbaum

Kiev Stingl

X RINUIT

Klangbad

Vier Fundstücke des Hamburger Underground-Literaten, elektronisch nachbearbeitet.

Was Kiev Stingl zur Veröffentlichung von X RINUIT mitzuteilen hat, gibt eine ins Literarische drehende Räuberpistole mit Ansätzen zum Polit-Thriller ab. Ja, der Autor und Musiker bespielte seine Existenz gerne mit vertonten Filmrissen und aufhorchend irrlichternder, bisweilen etwas abgenudelter Suff- und Fick-Poesie. Mit X RINUIT ist eine Art Soundtrack entstanden, als vage Folge jener Ereignisse, die sich an einem Februarmorgen im Jahr 1982 auf Madagaskar zugetragen haben sollen. Stingl wird von der örtlichen Geheimpolizei in der Villa eines heroinabhängigen Mathematikprofessors verhaftet und verdächtigt, als Söldner an einem Komplott gegen den Präsidenten beteiligt gewesen zu sein. Der Todesstrafe entgeht er nur dank der Kontakte des Professors, der ihn außer Landes schmuggeln lässt. Zurück in Deutschland nimmt Stingl in den Hamburger Teldec-Studios mit dem Keyboarder und Gitarristen Götz Humpf fünf Songs auf, darunter „Ozean“, „Spiel den Brief“ und „Shanghai Café“, die hier erstmals veröffentlicht werden, in einem „Rework“ des Produzenten Niklas David. Die Basic-Tracks betreute einst Achim Reichel, doch weil er den Aufnahmen kommerziell keine Chance gab, wanderten sie ins Archiv. Was wir jetzt hören, sind drei Erzählungen aus Stingls Dark Room, existenzialistische Prosa, die mit Sex und Tod zu tun hat, von Gitarre, Keyboards, elektronischen Störgeräuschen und Gedanken an Lou Reed durchzogen. Dazu eine Skizze namens „Feu Follet“. Näher an den Neubauten, mit deren Alex Hacke und FM Einheit er später Tracks aufnahm, als an seinem eigenen Gossen-Rock/Blues der Mittsiebziger. Der Anspruch stimmte. O-Ton Stingl: „Ich hab noch was vor mit einer lausigen Stimme.“

★★★★ Frank Sawatzki

Insgesamt gibt es hier 65 Aufnahmen erstmals zu hören, was das „Super Deluxe Box Set“ zu einem hervorragenden Studienobjekt für Musik-Archäologen macht.

The Libertines

Up The Bracket (20th Anniversary Edition)

Rough Trade/Beggars/Indigo (VÖ: 21.10.)

Indie-Rock: Das beste Debütalbum der Nullerjahre wird 20. Zur Geburtstagsfeier gibt es ein Wiederhören in verschiedenen Ausführungen.

Die Wiedergeburt des Rock’n’Roll hat ein Datum: Es ist der 21. Oktober 2002. An diesem Tag wurde UP THE BRACKET veröffentlicht, das Debütalbum der Libertines. Carl Barât (Gesang, Gitarre), Pete Doherty (Gesang, Gitarre), John Hassall (Bass), und Gary Powell (Schlagzeug) aus London wirkten wie ein Rudel räudiger Hunde im Vergleich zu den auf Indie-Schick gestylten New Yorker Strokes, die das Garagenrock-/ Post-Punk-/Indie-Revival ein Jahr zuvor mit dem Album IS THIS IT in Gang gesetzt hatten. UP THE BRA-CKET wurde in eine Zeit hineingeboren, in der britische Musiker*innen sich im Imitieren fad gewordener Neunzigerjahre-Britpop-Muster gefielen. The Libertines dagegen ließen eine musikalische Urgewalt frei, die maßgeblich von der Songwriter-, Partner- und Freundschaft Doherty/Barât befeuert wurde. Mit der Energie des Punk gelang ihnen ein Album, das im Grunde seines Herzens reiner Pop war, der allerdings von angriffslustigen Gitarren, besoffen und bedrogt vor sich hin torkelnden Songs, zweistimmigem Un-Gesang und dem Charme des Unfertigen überdeckt wurde – das Verdienst von Produzent Mick Jones (The Clash), der auf Schnickschnack wie Soundpolitur und Fehlerkorrektur verzichtete. Nach dem Debütalbum der Libertines war alles anders geworden, scheinbar jede*r in Großbritannien wollte eine Band gründen, und im Indie-Jahr 2005 sah es dann so aus, als hätte sich jede*r diesen Wunsch erfüllt.

Zum 20-jährigen Jubiläum wird das Genre-definierende Album in verschiedenen Konfigurationen neu aufgelegt: als Doppel-LP, Doppel-CD, digitaler Download und als „Super Deluxe Box Set“. Alle Versionen enthalten neben dem remasterten Original das Live-Album LIVE AT THE 100 CLUB. Die Aufnahmen des Konzerts vom 4. Oktober 2002 aus dem 100 Club in der Londoner Oxford Street zeigen The Libertines in all ihrer schäbigen Punk-Pracht, einschließlich Verspielern und nicht unbedingt sattelfesten Gesangsvorträgen. Im Box-Set ist das Live-Album auf weißem Vinyl enthalten plus die LP UNHEARD DEMOS 2002 mit ebensolchen, zwei CDs mit Studio-Outtakes, Radio-Sessions, Single-B-Seiten und Live-Aufnahmen, eine DVD mit Video-Clips und Auftritten bei „Later With Jools Holland“ und „Top Of The Pops“, die Kassette EARLY DEMOS mit Demoaufnahmen von der Jahreswende 2001/2002, die 7-Inch-Singles „Up The Bracket“ auf blauem Vinyl und „Time For Heroes“ auf rotem Vinyl sowie und ein 60-seitiges Buch mit aktuellen Interviews mit der Band und raren Fotos. Insgesamt gibt es hier 65 Aufnahmen erstmals zu hören, was das „Super Deluxe Box Set“ von UP THE BRA-CKET zu einem hervorragenden Studienobjekt für alle Musik-Archäologen macht.

★★★★★★ Albert Koch

Recoil

Unsound Methods/ Liquid/Subhuman

Mute/PIAS

Die drei bislang letzten Alben von Alan Wilders Dark-Electronica-Projekt.

Von den sechs Alben, die Alan Wilder zwischen 1986 und 2007 aufnahm, erntete UNSOUND ME-THODS (★★★★ ) 1997 die größte Aufmerksamkeit. Plötzlich war Recoil kein Nebenprojekt mehr – Wilder war nun Ex-Depeche-Mode, diese Platte sein musikalisches Statement zum Ausstieg. Während seine ehemalige Band am Rock-Brocken ULTRA arbeitete, konstruierte Wilder diese Mitte der Neunziger zeitgemäß dunkle Electro-Platte mit Spoken-Word-Passagen, dramatischen Streichern, TripHop-Beats, wabernden Sequencern und Industrial-Elementen. Die Stimme in „Incubus“ stammt von Douglas McCarthy, Sänger des EBM-Acts Nitzer Ebb, der sich mit den Worten ins Spiel bringt, er sei der Tod und fühle sich in dieser Rolle sehr lebendig. Später hören wir die Stimme von Hepzibah Sessa, damals Wilders Ehefrau sowie Mitglied der Mittelalter-Gothic-Gruppe Miranda Sex Garden, sowie von der Dichterin Maggie Estep, deren lüsterne Performance beim Stück „Luscious Apparatus“ Nick Caves Vorträge zu diesem Thema in den Schatten stellt. Wem Massive Attack noch zu viel Licht bietet, der sollte UNSOUND METHODS hören. Dass Wilder auch danach wenig Lust auf Entertainment hatte, zeigt die Rahmenhandlung von LIQUID (★★★ ) im Jahr 2000: die Suche nach der „Black Box“ nach einem Flugzeugabsturz. Viele Stücke erinnern mit ihren Streichern und großen Beats an Soundtracks jener Zeit, erstaunlich beschwingt wirkt „Jezebel“, ein TripHop-Blues im Moby-Stil. Nach sieben Jahren Pause unternahm Wilder mit SUB-HUMAN (★★★ ) den Versuch, den Kampf Gut gegen Böse anhand eines post-industriellen New-Orleans-Sounds zu erzählen. Der Blues-TripHop wirkt zunächst etwas aus der Zeit gefallen, doch die Dichte von Wilders Arrangements überzeugt auch heute noch.

André Boße

Eine zeitgemäß dunkle Electro-Platte der 90er.

Kevin Rowland & Dexys Midnight Runners

Too-Rye-Ay As It Should Have Sounded 40th Anniversary Remix (Deluxe Edition)

Mercury/UMC

Soul/Celtic Folk: das Doppel-Platin-Werk im optimierten Remix.

Kevin Rowland stand im Dezember 1981 vor gewissen Herausforderungen. Als die Aufnahmen für die zweite LP TOO-RYE-AY von Dexys Midnight Runners begannen, beschloss er in letzter Sekunde, den Sound durch Streicher zu modifizieren. Parallel dazu verabschiedete sich die Horn-Sektion um Dexys’ Co-Anführer und -Komponist „Big“ Jim Paterson, die den Sound des Debüts SEARCHING FOR THE YOUNG SOUL REBELS maßgeblich dominiert hatte, um als The TKO Horns durchzustarten. Mit Engelszungen überredete Rowland Paterson, zumindest noch an den Sessions mitzuwirken. Alle aufnahmebereiten Songs erhielten neue Arrangements, die in Richtung Celtic Folk tendierten – just in jenem Moment, als sich die Band als Blue-Eyed-Soul-Novität zu etablieren begann. Als TOO-RYE-AY im Juli 1982 erschien, angeschoben von zwei Singles – dem moderat erfolgreichen „The Celtic Soul Brothers“ sowie dem Ohrwurm „Come On Eileen“ – war der Durchbruch perfekt. Auch der Rag-Look, jene textile Anti-Strategie, um die New-Romantics-Bewegung zu konterkarieren, hob die um das Streicherduo Helen O’Hara und Steve Brennan sowie die Sängerinnen Carol Kenyon, Katie Kissoon und Sam Brown ergänzte Truppe aus dem Gros der UK-Bands hervor. Jetzt schickt Rowland das Doppel-Platin-Werk erneut an den Start. Das 3-CD-Set TOO-RYE-AY AS IT SHOULD HAVE SOUNDED – 40TH ANNIVERSA-RY REMIX (DELUXE EDITION) mit 12-seitigem Booklet kündigt schon im Titel die Neuerung an: Mit dem finalen 82er-Mix haderte Rowland schon in damaligen Interviews. CD 1 erfährt nun eine erstaunliche Aufwertung der zehn Originaltracks, CD Nummer 2 beinhaltet 13 B-Seiten, Raritäten sowie zuvor unveröffentlicht gebliebene Outtakes. Ein kompletter Konzertmitschnitt mit 16 Tracks vom Oktober 1982 erfreut auf der dritten Scheibe.

★★★★★★ Mike Köhler

V.A.

Hallo 22! – DDR Funk und Soul 1971-81

Amiga/Sony

Soul/Funk: Max Herre und Dexter führen ein in die real existierende Unterhaltungsmusik.

Wer alt genug ist, die DDR nicht nur aus dem Geschichtsunterricht zu kennen oder dort vielleicht sogar popmusikalisch sozialisiert wurde, dem sind Namen wie Holger Biege, Veronika Fischer, Regine Dobberschütz oder Frank Schoebel sicher vertraut. Denn das, was Herre und Dexter für HALLO 22! an, so der Untertitel, „DDR Funk und Soul 1971- 81“ kompiliert haben, ist ein Who’s Who des einst real existierenden Unterhaltungsbetriebs. Man muss den beiden aus dem Schwäbischen stammenden Kuratoren zugute halten, dass sie sich schon länger mit dem DDR-Pop beschäftigen, ihn gecovert und gesampelt haben. Dennoch kann man spüren, wie den beiden der Mund offen stand angesichts der Qualitäten, die die größtenteils an Hochschulen ausgebildeten Musiker*innen aufs Parkett legten, und dem nachgerade heiligen Ernst, mit dem sie die anglo-amerikanischen Vorbilder umsetzten. Das groovt, das swingt, das funkt, und selbst die deutsche Sprache wird zum eleganten Tiger, der sich in den Rhythmus schmiegt – zumindest, wenn Manfred Krug die Frühlingsgefühle besingt, in Szene gesetzt von Günther Fischer und seinem großartigen Orchester. Anderswo, bei Electra oder Uve Schikora, entwickelt gerade das Eckige, Unrunde im Kontrast zum wunderweichen 70ies-Sound zwischen Soul und Progrock seinen speziellen Charme. Prima Einstieg in eine Musik, die eine Wiederentdeckung verdient hat.

★★★★★★ Thomas Winkler

Leonard Cohen

Hallelujah & Songs From His Albums

Sony (VÖ: 14.10.)

Nichts Halbes, nichts Ganzes, aber immerhin: Schön ist die neue Werkschau der Singer/Songwriter-Ikone.

Dass Leonard Cohens 1984 wenig beachtetes „Hallelujah“ ein Welthit wurde, ist zunächst John Cales Version von 1991, noch stärker Jeff Buckleys Einspielung von 1994 zu verdanken, vor allem aber dem Einsatz im 2001er-Kinderfilm „Shrek“ und den darauffolgenden Performances in Castingshows. Parallel zum Kinostart der Doku „Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song“, die sich dem nun doch noch berühmtesten Song des Lyrikers widmet, erscheint eine Best-of. Die ist zwar nicht so überflüssig, wie man zunächst denken mag, denn die letzte ihrer Art, eine erweiterte Fassung des klassischen THE BEST OF LEONARD COHEN von 1975, kam nur im UK auf den Markt. Und zwar 2009, weshalb sie die grandiosen drei letzten Studioalben sowie das posthume THANKS FOR THE DANCE nicht abbilden konnte. Die neue Zusammenstellung berücksichtigt zwar all diese Platten, verzichtet aber auf Essenzielles wie „So Long, Marianne“, „Sisters Of Mercy“, „Closing Time“, „First We Take Manhattan“ und „Everybody Knows“, weshalb die Notwendigkeit einer Anschaffung infrage zu stellen ist. Auch das die Setlist eröffnende „Hallelujah (Live At Glastonbury 2008)“ lässt wundern: Warum stattdessen nicht den ganzen Konzertmitschnitt veröffentlichen? Die versammelte Musik hier ist natürlich über jeden Zweifel erhaben und kann nur mit★★★★★★ bewertet werden. Die Songauswahl verdient dagegen eher .★★

Stephan Rehm Rozanes

WAS KOMMT

Duran Duran Medazzaland (14.10.)

Jesus Jones

Some Of The Answers (21.10.)

Hans Joachim Roedelius /Tim Story Lunz (26.10.)

World Party Egyptology (29.10.)

The Jimi Hendrix Experience Los Angeles Forum -April 26, 1969 (18.11.)

Michael Jackson Thriller 40 (18.11.)

The Cure Wish (25.11.)