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Bad Leadership


founders magazin - epaper ⋅ Ausgabe 26/2021 vom 30.06.2021

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Alfons Hörmann auf dem Neujahrsempfang 2019 des Deutschen Olympischen Sportbunds

Vor einigen Tagen entdeckte ich morgens beim Durchscrollen der Nachrichten eine Schlagzeile, die mich neugierig machte. Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds, erklärte wenige Wochen vor den Olympischen Spielen in Tokio seinen Rücktritt. So weit, so gut. Als ich die Gründe dafür las, ist mir jedoch die Spucke weggeblieben: Auslöser war vor allem ein anonymer Brief, vermutlich von Mitarbeitern des Verbandes verfasst. Die expliziten Vorwürfe gegen den Präsidenten: mangelnde Führungsqualitäten, konkret war von einer »Kultur der Angst« die Rede. Zudem standen die Kritikpunkte fehlender Respekt und Fairplay gegenüber Mitarbeitern im Raum.

Autoritäre Führung hat ausgedient

Das musst du dir mal auf der Zunge zergehen lassen. Schließlich sind ausgerechnet die Olympischen Spiele der Inbegriff von Fairplay und gegenseitiger Wertschätzung. Zumindest in meinem Weltbild. Ein Verband braucht Stärke und Geschlossenheit, um etwas zu erreichen, keine Frage. Das ist in einem Unternehmen nicht anders. Doch Angst kann dabei nicht das vorherrschende Führungsinstrument sein! Der Chef sagt, wo es langgeht – und alle anderen spuren?

Der autoritäre Führungsstil gilt als überholt, obwohl er in vielen Unternehmen nach wie vor praktiziert wird. Er zeichnet sich durch eine starke Leistungs- und eine geringe Mitarbeiterorientierung aus. Im Fokus steht die optimale Nutzung der Arbeitskraft der Mitarbeiter, deren Interessen und Vorschläge sind dabei für Führungskräfte zweitrangig. Das beliebteste Führungsinstrument in dieser Leadership-Konstellation: Angst.

Respekt verdienst du dir nicht über Angst

Da kann ich mir ehrlich gesagt nur an den Kopf fassen. Durch die Krise ist die Wirtschaft branchenübergreifend auf den Kopf gestellt worden und Unternehmen sind gefragt, ihre Route für die Zukunft festzulegen. Das erfordert neue Ideen, Kreativität und Innovation – alles Dinge, die nicht in einem Klima der Angst entstehen können. Hinzu kommt, dass Angst nicht nur Fortschritt verhindert, sondern sich dadurch weiter verstärkt. Und so rückt der Erfolg in noch weitere Ferne – obwohl der Chef mit seinem Verhalten vermutlich genau das Gegenteil erreichen wollte.

Die gute Nachricht: Die wenigsten Führungskräfte wollen heute bewusst von ihren Mitarbeitern gefürchtet werden. Im Rahmen meiner Projekte hatte ich schon öfter mit Führungsverantwortlichen zu tun, die sich ihrer Ausstrahlung gar nicht bewusst und dementsprechend erstaunt vom Urteil ihrer Mannschaft waren.

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Ex-US-Präsident und Multimilliardär Donald Trump, für seinen autoritären Führungsstil bekannt

Der autoritäre Führungsstil gilt als überholt, obwohl er in vielen Unternehmen nach wie vor praktiziert wird. Das beliebteste Führungsinstrument in dieser Leadership-Konstellation: Angst

Die Ursache dahinter war häufig der Wunsch nach Respekt. Natürlich möchte ich als Chef respektiert werden. Doch Respekt verdienst du dir nicht über Angst. Sondern indem du klar, wahr und direkt mit deinen Mitarbeitern umgehst. Sag ihnen, was Sache ist, nimm sie als Partner auf Augenhöhe wahr – denn ihr zieht alle an einem Strang. Führung ohne Druck und Angst steigert die Leistungsbereitschaft und innovative Lösungskompetenz von Mitarbeitern nachweislich. Daher möchte ich dir fünf Tipps mit auf den Weg geben, die das Klima in deiner Company deutlich verbessern und den Weg für eine Zusammenarbeit ebnen, die von Respekt, Verständnis, Innovation und Wertschätzung geprägt ist.

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Gründerin des Huffington Post, Arianna Huffington, ist seit ihrem eigenen Zusammenbruch 2007 aufgrund von Überarbeitung große Verfechterin einer Work-Life-Balance mit Betonung auf Life. Ihre eigene Führungsrolle beschreibt sie als »eher in der Mitte eines Kreises befindlich als vom Gipfel eines Berges hinabrufend.«

Fünf Tipps für eine offene und produktive Unternehmenskultur

1. Führung beginnt bei dir: Grundvoraussetzung für eine offene Kommunikationskultur ist aus meiner Sicht, dass du als Chef mit dir selbst ehrlich bist. Reflektiere dich regelmäßig und kritisch. Was ist gut gelaufen, was nicht? Wo macht es absolut Sinn, deine Mitarbeiter um Feedback zu bitten und auf ihr Know-how und ihre Ideen zurückzugreifen?

2. Schweigen und zuhören: »Sicher Herr Martens. Aber schauen Sie mal, das könnten wir doch auch so machen …« Nur weil du Chef bist, heißt das noch lange nicht, dass du deinen Leuten ständig über den Mund fahren darfst. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie überhaupt nicht mehr mit dir reden und ihre Gedanken für sich behalten. Eines der wichtigsten Gebote ist für mich daher das Zuhören. Egal, ob Kunde, Mitarbeiter oder Freunde – höre ihnen zu. Bis zum Ende. Ohne ihnen ins Wort zu fallen oder direkt zu kontern. Und fang auch nicht an, schon im Kopf deine Gegenargumente zu sammeln, dann hörst du nämlich auch nicht richtig zu und dir entgehen unter Umständen wichtige Feinheiten.

Führung ohne Druck und Angst steigert die Leistungsbereitschaft und innovative Lösungskompetenz von Mitarbeitern nachweislich

3. Aktiv nach Meinungen fragen: »Herr Müller, was halten Sie davon, wenn wir unser CRM aufrüsten würden?« Viele Führungskräfte tappen hier ins immer gleiche Fettnäpfchen und sagen erst einmal, wie sie selbst über ein Thema denken. Die Folge: Manche Mitarbeiter werden sich nicht mehr trauen, ihre Meinung zu äußern und dir lieber nach dem Mund reden. Das bringt jedoch weder dich noch deine Company weiter! Frage also immer zuerst deine Mannschaft – und gerne auch die ruhigen Mitarbeiter, deren Meinungen sonst leicht untergehen.

4. Offene Diskussionen zulassen: Ich mag es, Ideen mit meinem Team zu diskutieren. Hier kann es auch hilfreich sein, wenn du den »Bad Cop« mimst, um deine Mitarbeiter aus der Reserve zu locken und sie dazu zu bringen, klar Stellung zu beziehen.

5. Schutzschild statt Bauernopfer: Einem Verkäufer ist ein Fehler unterlaufen und der Kunde tobt? Es ist aus meiner Sicht ein absolutes No-Go, dafür den Mitarbeiter an die Wand zu stellen. In einer guten Unternehmenskultur sollte es stattdessen heißen: Einer für alle und alle für einen! Gib nicht den Druck des Kunden weiter, sondern nimm ihn stattdessen von den Schultern deiner Mitarbeiter!

Hand aufs Herz: Wie sieht es in deinem Unternehmen aus? Gerade jetzt lohnt es sich, nochmal genauer hinzuschauen. Denn wenn sich kein Mitarbeiter traut, seine Meinung zu äußern, gehen deinem Unternehmen wertvolle Perspektiven verloren – die für komplexe Lösungsfindungen und eine zukunftsfähige Unternehmensausrichtung jetzt notwendiger denn je sind.

Der Autor

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Martin Limbeck ist unter anderem Inhaber der Limbeck® Group, Wirtschaftssenator (EWS) und einer der führenden Experten für Sales und Sales Leadership in Europa.

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