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Bad. Staatstheater: Ausblick Spielzeit 2022/23


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INKA Regiomagazin - epaper ⋅ Ausgabe 139/2022 vom 01.08.2022
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Schauspiel

Acht Premieren erzählen von Wahrheiten und Perspektivwechseln. Anton Tschechows „Anna Iwanowa“ hat nach privaten Schicksalsschlägen den Glauben an ihre Handlungsstärke verloren. Anna Bergmann inszeniert das Stück vor dem Hintergrund einer nahenden globalen Katastrophe (ab 29.10.). Brechts Parabel vom „Leben des Galilei“ bekommt in Zeiten von Fake News neue Aktualität (ab 5.11.). Die Wahrheit in Yasmina Rezas „Gott des Gemetzels“ ist nicht so leicht zu finden, wie die zwei streitenden Elternpaare nach der Prügelei ihrer Söhne glauben (ab 3.12.). In ihrer Inszenierung von August Strindbergs „Fräulein Julie“ führt Charlotte Engelkes mit dem allwissenden Grafen eine vierte Perspektive ein (ab 18.12.). Nach der Rückkehr aus dem Afghanistaneinsatz ist im Heim von Isaac Connor alles verdreht: Die Mutter erklärt dem Patriarchat den Krieg und unterstützt ihre Tochter Maxine, die sich jetzt als Sohn Max definiert (ab 14.1.). Regisseur Milan Peschel entwickelt aus Molières „Das Impromptu von Versailles“ und Elementen aus dessen breiten Komödienrepertoire ein turbulentes Potpourri (ab 3.3.). Frei nach Christa Winsloes Film „Mädchen in Uniform“ setzt das Regieduo Kaufmann/Witt die lesbische Liebesgeschichte von 1931 in Bezug zu ähnlichen Erzählungen von weiblich-weiblicher Liebe (ab 25.5.). Die Verbreitung von Klaus Manns Roman „Mephisto“ wurde 1971 von Karlsruher Richtern aus fragwürdigen Gründen gestoppt. Mittlerweile wird er verlegt und von Nils Strunk auf der Bühne inszeniert. Doch: Wie steht es heute um die Kunstfreiheit (ab 26.5.)?

Oper

Sechs Geschichten von HeldInnen stehen auf dem Opernspielplan. Mit dem „Fliegenden Holländer“ schrieb Richard Wagner seine erste Oper auf Basis einer Volkslegende (ab 10.12.). In seiner Inszenierung von Georges Bizets „Carmen“ kriecht Immo Karaman in die dunklen Winkel der männlichen Psyche (ab 21.1.). Bemühter Held in Georg Friedrich Händels früher Oper „Ottone, Re di Germania“ ist der römisch-deutsche Thronfolger Otto II. (ab 17.2.). In ganz anderen sozialen Kreisen handelt Alban Bergs „Wozzeck“: Um sein Kind ernähren zu können, lässt er sich für unmenschliche Experimente bezahlen und wird allmählich wahnsinnig (ab 25.3.). Die Wassernixe „Rusalka“ verliebt sich in den Prinzen, doch als sie Menschengestalt annimmt, verliert er das Interesse an ihr. Antonín Dvorák vertonte die tragische Geschichte zwischen Schein und Sein (ab 13.5.). Ernst hält auch Einzug in die flatterhafte Pariser Welt in Giacomo Puccinis „La Bohème“, als ein Todesfall das sorglose Künstlerleben erschüttert (ab 24.6.).

Ballett

Mit „Giselle“ entkoppelte der britische Choreograf Richard Dawson 2008 den klassischen Ballettstoff aus dem 19. Jh. in einen zeitlosen Raum. Hier wird die schmerzhafte Liebe zwischen zwei jungen Menschen austariert (ab 19.11.). Ballettdirektorin Bridget Breiner choreografiert Schillers Drama „Maria Stuart“ aus feministischer Sichtweise. Mit Werken von Benjamin Britten und dem Schotten James MacMillan wird der politische Konflikt auch musikalisch widergespiegelt (ab 16.4.). Kevin O’Day und Stina Quagebeur stehen für zeitgenössische Ballettsprache. Mit ihrer Uraufführung „Jazz“ lassen sie Improvisationen, Jazzmusik, Liveband und Choreografie aufeinanderprallen (ab 28.5.). Den Blick nach vorne richtet der Abend „Zukunft Choreografie“, bei dem Mitglieder des Staatsballetts eigene Kreationen präsentieren (ab 23.6.).

Konzert

Mit Max Reger und Sergei Rachmaninow ehrt die Bad. Staatskapelle zwei Komponisten, die 2023 ihren 150. Geburtstag feiern würden. Regers „Romantische Suite“ und die „Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart“ sind Bestandteil des 4. Sinfoniekonzerts (29. 30.1.); Rachmaninow wird mit seiner Sinfonie Nr. 3 im 7. Sinfoniekonzert (21. 22.5.) gefeiert. Die insgesamt acht Sinfoniekonzerte streifen von der Wiener Klassik (Beethoven, Haydn) über das frühe 20. Jh. (Richard Strauss, Paul Hindemith) bis in die Musik unserer Zeit (Christian Jost, Cristóbal Halffter). Zu Gast sind aufstrebende und renommierte InstrumentalistInnen wie die Geigerin Maria Ioudenitch (18. 19.9.), Trompeter Simon Höfele (20. 21.11.) oder Harfenist Xavier de Maistre (21. 22.5.). Bei den fünf Sonderkonzerten vertont die Staatskapelle u.a. Chaplins Stummfilm „Goldrausch“ (18.12.) und inszeniert Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ in einem bebilderten Entdeckungskonzert (4.7.). Die sechs Kammerkonzerte gestalten Mitglieder der Staatskapelle in kleinen Besetzungen nach eigenem Gusto. Stummfilmmusik gibt’s auch bei der dreiteiligen Reihe „Nachtklänge“ für zeitgenössische Musik mit einer Komposition von Damon Lee für „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ (4.11.).

Junges Staatstheater

Das Junge Staatstheater spricht verschiedene Altersgruppen an – nach oben hin stets offen! Das Publikum ab sieben darf sich auf Otfried Preußlers „Räuber Hotzenplotz“ freuen (ab 24.9.). Für Jugendliche ab 13 erzählt „Blackbird“ von erster Liebe, erstem Rausch, Konflikten mit den Eltern – aber auch davon, was passiert, wenn Krankheit und Tod ins gerade erst beginnende Leben kommen (ab 12.11.). „Der Katze ist es ganz egal“ (ab 4.3.), dass Leo jetzt Jennifer ist. Den Erwachsenen nicht, für sie ist Jennifer noch immer ein Junge. Franz Orghandl zeigt im Dialog zwischen drei Generationen, wie Ängste und Unsicherheiten durch Austausch abgebaut werden können. Noch ein Stück Schokolade? Eine Zigarette? Ein Level? Ist es Verlangen oder schon Abhängigkeit? Daniel Rattheis hat für Jugendliche ab zwölf ein packend-humorvolles Stück über Süchte geschrieben (ab 29.4.).

Volkstheater

Neben vielen Theatergruppen lädt das Volkstheater wieder zum Mitmachen in große Produktionen ein. In „Übergrenzen“ entwickelt die Gruppe Choreografien über Schwellenräume und Grenzbereiche, in Körper, Gesellschaft und Gedanken (Premiere: 5.3.). Heinrich von Kleist hat in „Der zerbrochne Krug“ offengelegt, wie Macht und Einfluss vor Strafe schützen können und alternative Wahrheiten entstehen lassen. In einer medialen Analyse überträgt die Gruppe mit Regisseurin Nike-Marie Steinbach Kleists Analyse auf den undurchsichtigen Mediendschungel von heute (ab 22.4.). „Nerds retten die Welt“ ist ein Bekenntnis zum Geekund Nerdtum, ein performativer Dialog zwischen Wissenschaft und Stadt und ein Versuch, mehr über das Wissen an sich herauszufinden (ab 15.6.). (Foto: Arno Kohlem)

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Erasmus

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Wie Nachhaltigkeit schmeckt, erfährt man in Deutschlands erstem Bio-Fine-Dining-Restaurant. Das in einem Dammerstocker Bauhausdenkmal ansässige Erasmus hat Pionierarbeit geleistet und wurde für sein Konzept der zukunftsfähigen authentisch-italienischen Genusskultur vielfach ausgezeichnet; jüngst zum dritten Mal vom „Guide Michelin“ mit dem „Grünen Stern“ für nachhaltige Gastronomie. Gekocht wird bei Andrea und Marcello Gallotti mit wertvollen Bio-Zutaten, bevorzugt aus der Karlsruher Region; die angebotenen Spezialitäten sind direkten Beziehungen in italienische Regionen zu verdanken. Bis zu sechs vegane Gänge lassen sich im Erasmus genießen, ebenso können Fleisch- und FischliebhaberInnen hier besten Gewissens dinieren – alternativ auf der frisch renovierten Gartenterrasse und seit Juli donnerstags und freitags auch wieder zu Mittag. (Foto: Joshua Kaiss Fotografie)

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· Nürnberger Str. 1, Di-Sa 18.30-22.30 Uhr, Do Fr 12-15.30 Uhr, 0721/40 24 23 91, www.erasmus-karlsruhe.de

Studio Eins Records

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Daniel „Wani“ Wandres’ Plattenladen ist seit 2001 erste Wahl für Tonträger aus zweiter Hand in Karlsruhe. Neuer Service: Schallplattenreinigung in der Ultraschallwaschmaschine und das Glätten von gewelltem oder verformtem Vinyl in der Bügelmaschine. Außerdem hat Studio Eins Records nun auch ausgewählte Vinylneuware (u.a. aus dem hauseigenen Label Studio Heinz Records) im Sortiment und bietet einen Bestellservice. Unter den 20.000 (hauptsächlich) Secondhandschallplatten und 10.000 CDs findet sich Sound aus allen Genres – Independent, Punk, Metal, Soul, Funk, Pop, Rock, Hip-Hop, Rap, Reggae, Techno, House, Jazz, Rock’n’Roll, Schlager, Klassik, Weltmusik, Chanson, Blues, Country, Gospel und Easy Listening ebenso wie Kinderplatten, Hörspiele und Filmmusik. Neben dem An- und Verkauf von Vinyl, CDs, MCs, (Musik-)DVDs und -VHS-Kassetten gibt’s auch gebrauchte und überholte Audioabspielgeräte wie Plattenspieler, CD-Player, Verstärker oder Boxen; außerdem wird die Kundschaft mit Zubehör von Ersatznadeln über Phonovorverstärker, Pflege-Utensilien und Schutzhüllen bis hin zu LP-Winkeln versorgt.

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· Karlstr. 85, Mo-Fr 12-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr, 0721/384 10 01, www.studioeins.de

Atoll

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Das Festival „Atoll“ spürt in seiner siebten Ausgabe die aktuellen Entwicklungen im zeitgenössischen Zirkus auf. Über 20 internationale Produktionen finden in Sälen, Zelten und unter freiem Himmel statt. Das erste Stück im großen Saal des Tollhauses kommt von Inbal Ben Haim, Domitille Martin und Alexis Mérat. Das Ausgangsmaterial von „Pli“ ist über 2.000 Jahre alt: Papier wird zum Objekt philosophischer Überlegungen und sensibler Performance (Do Fr, 15. 16.9.). Im kleinen Saal vereinen Michael Zandl, David Eisele und Kolja Huneck in der „Sawdust Symphony“ ihr Faible für Werkzeug und Holz mit ihrem zirkuskünstlerischen Hintergrund (15. 16.9.). Das Zelt im Otto-Dullenkopf-Park eröffnet Circus Ronaldo, Aushängeschild der flämischen Zirkuskunst, das schon in sechster und siebter Generation auf der Bühne steht. „Sono io? – Bin ich das?“ ist ein Dialog zwischen Vater und Sohn, vergangenem Ruhm und neuen Chancen (16.-18.9.). Jean-Paul Lefeuvre und Didier André sind Urgesteine des zeitgenössischen Zirkus’ und für ihren Stil der Langsamkeit und des Minimalismus bekannt. In „Parbleu!“ wird ein riesiges Rechteck zur Spielfläche für absurde Einfälle (17. 18.9.). Mit „Winter“ verschmilzt die Gruppe My Laika mit dem Publikum zu BewohnerInnen eines Wandertheaters (17./18./24.9., Foto: Guido Mencari). Die junge Kompagnie Kundle Cru fragt sich, warum Menschen(gruppen) anderen Menschen(gruppen) Schuld zuschieben wollen und liefert eine Antwort aus Hip-Hop- und House-Dance, Jonglage, chinesischem Mast und Parcours (Mi Do, 21. 22.9.). Circus Baobab aus Guinea und der Diaspora vereint traditionelle Elemente des afrikanischen mit dem zeitgenössischen Zirkus. „Yé! – Wasser!“ ist ein poetischer Appell in Sachen Umwelt (21. 22.9.). Mit Alexander Vantournhouts „Screws“ bespielt „Atoll“ das ZKM. Mit Bowlingkugeln, Eis- und Antigravitationsschuhen trotzt die Kompagnie der Physik (Do Fr, 22. 23.9.). „Pulse“ ist ein Luftballett der Compagnie Kiaï mit sechs AkrobatInnen auf drei Trampolinen in schwereloser Trance (Sa So, 24. 25.9.).

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· 15.-25.9., Tollhaus, Otto-Dullenkopf-Park & ZKM, komplettes Programm: www.tollhaus.de

Freiluftateliers & „Pizzaparty“ auf dem Kronenplatz

Die Offenen Werkstätten des Jubez zieht es für zwei Wochen raus auf den Kronenplatz (Mo-Fr, 1.-5.8. 8.-12.8., 11-15 Uhr, Anm. am Haupteingang), wo man sich kostenfrei an allen möglichen Materialien der Holz-, Kunst-, Theater- und Medienwerkstatt austoben und mit verschiedensten Techniken gestalten, entwerfen und experimentieren kann. Und bei der „Pizzaparty“ (Fr, 16.9., ab 12 Uhr) werden in der Holzwerkstatt erst Brettchen gesägt und geschliffen, um anschließend in der Keramikwerkstatt den Teig darauf auszurollen. Das Tomatensoßen-Basilikum-Käse-Topping gibt’s einen Treppenaufgang weiter im Atelier; und noch ein Stockwerk höher nähen die TeilnehmerInnen in der Textilwerkstatt eine nachhaltige Serviette, bevor sich alle Bäcker in der Medienwerkstatt vor dem Greenscreen fotografieren lassen. Und bis die Pizzas auf dem Platz durch sind, schlürft man einen der dort gemixten Cocktails.

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