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„BADEHOSE? BRAUCHE ICH NICHT. ICH HABE WÜRMER UND KÖFIS!“


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 80/2021 vom 09.07.2021

AALE IN BADESEEN

Artikelbild für den Artikel "„BADEHOSE? BRAUCHE ICH NICHT. ICH HABE WÜRMER UND KÖFIS!“" aus der Ausgabe 80/2021 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 80/2021

Fabian im Glück. Ein toller Aal hat den auftreibenden Tauwurm mitten am Tag genommen. Ja, genau: An Badeseen sind solche Fänge auch tagsüber möglich!

Laut prasseln die Regentropfen auf die Windschutzscheibe meines Autos, kaum schafft es der Scheibenwischer, die Wassermassen zu verdrängen. Schwierige Sichtverhältnisse, aber immer im Blick – die Aussichten auf einen tollen Aalfang. Die Regenradar-App auf meinem Smartphone hat den gesamten Tag über immer wieder kurze, aber teils heftige Regenschauer gemeldet. Mutmaßlich werden wenig Badegäste den Strand meines Lieblingssees bevölkern. So ist es auch, als ich auf den Parkplatz abbiege, scheint dieser fast menschenleer zu sein. Perfekt!

WIE COOL: IN BAGGER- SEEN BEISSEN AALE AUCH TAGSÜBER!

Mein heutiges Gewässer liegt direkt am Waldrand und ist ein ehemaliger Braunkohle-Tagebau. Etwas weiter draußen im See gibt es viele Unterstände, in denen sich die Aale wohlfühlen. In den letzten Jahren habe ich hier immer wieder gute Aalfänge am Tage erzielen können. Wichtig ist, dass man sozusagen ...

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... direkt im Wohnzimmer der Aale angeln muss. Aber dazu später mehr! Jetzt ist erst einmal Schleppen angesagt, denn die angedachte Angelstelle liegt leider einen ordentlichen Fußmarsch vom Auto entfernt.

Am Platz angekommen, ist die Freude groß. Kein Mensch, weit und breit. Es ist aber nicht so, dass ich die Badegäste nicht ausstehen könnte oder es hier in der Vergangenheit Ärger zwischen Badenden und Anglern gegeben hätte, ganz im Gegenteil! Es herrscht immer ein respektvoller Umgang miteinander. Das ist auch ein Grund, warum ich nur ungerne den Badebetrieb durch meine Angelschnüre stören möchte. Allerdings freue ich mich natürlich über mehr Ruhe, insbesondere unter Wasser.

Natürlich beißen die Fische auch während des laufenden Badebetriebs, zumal ich meine Köder meist weit draußen im See anbiete.

ACHTUNG! BADEGÄSTE LOCKEN DIE HUNGRIGEN AALE AN!

Jetzt heißt es aber zuerst einmal schnell sein, denn in der Ferne sieht der Himmel ziemlich dunkel aus. Gleich wird es wohl wieder einen Schauer geben, also fix aufbauen, damit mein Tackle und ich nicht nass werden.

Zwei Ruten platziere ich auf einer Entfernung von circa 50 bis 60 Metern direkt hinter einer steilen Kante des flach auslaufenden Sandstrandes. Hier ist bei Badebetrieb das Wasser immer trübe, da die Badegäste den leichten Sandboden aufwühlen. Dadurch werden Kleinstlebewesen von der Sandfläche über die Kante direkt ins tiefere Wasser gespült. Hier herrschen wirklich paradiesische Bedingungen für die Aale. Viel Nahrung und perfekte Versteckmöglichkeiten in den Bodenspalten und dem hier liegenden Totholz.

Die dritte Rute positioniere ich bestückt mit einem Köderfisch an einer Posenmontage direkt im Kraut vor einem Schilfgürtel. Auch hier gab es in der Vergangenheit immer wieder den ein oder anderen tollen Aal.

DER TRICK SIND AUFTRIEBSWÜRMER UND POP-UP-KÖDERFISCHE

An einem hängerträchtigen Spot setze ich daher auf auftreibende Köder. Dadurch bekomme ich, wie an diesem Angelplatz, meist deutlich weniger Hänger, da sich der Haken nicht direkt am Grund befindet.

Ein weiterer Vorteil: die Duftspur meines „angehobenen“ Köders kann sich besser im Wasser verteilen. Aale haben bekanntlich ein sehr feines Näschen und können ihre Nahrung selbst über größere Entfernungen wittern.

Jeder Aalangler, der regelmäßig an stehenden Gewässern unterwegs ist, wird bestätigen können, dass die Aale meist mit Einbruch der Dunkelheit, sowie in den ersten Nachtstunden am aktivsten sind.

Das heißt aber nicht, dass sie am Tage nicht fressen. Allerdings muss man den Köder zu den Aalen in ihren Unterständen bringen. Für einen appetitlichen Happen verlassen sie, wenn auch nur kurz, ihr Versteck. Ich würde sogar behaupten, dass man manchmal am Tage in der Nähe eines Unterstandes mehr Aale fangen kann, als in einer durchschnittlichen Nacht beim Ansitzangeln!

Als Köder setzte ich unter anderem auf Tauwürmer, die ich mit Hilfe von gängigen Pop Up-Auftreibern vom Karpfenangeln zum Schweben bringe. Die runden Schaum-Auftreiber werden mit einer Ködernadel auf die Vorfachschnur gezogen. Zwei Silikonstopper, die beidseitig befestigt werden, fixieren den Pop Up. Den Wurm biete ich etwa zwanzig bis fünfzig Zentimeter über Grund an. So kann sich der Duft weit im Gewässer entfalten.

ECHT BÖSE: EVA-SCHAUM MIT LOCKSTOFF BESPRÜHT

Meine Pop Ups bestehen aus EVA- Schaum. Diesen kann man hervorragend mit Dips und Flavours besprühen. Dadurch kann man noch zusätzlich den ein oder anderen Reiz setzten und die Aale mit ihrem feinen Näschen aus ihrem Versteck zum Köder locken.

Stehen die Aale eher auf Fisch, werden natürlich auch die Köfis „aufgepoppt“. Es gibt die EVA Schaum-Auftreiber sogar als Stangenware. Kinderleicht lassen sie sich entsprechend der Köderfischgröße zurechtschneiden und anschließend durch den geöffneten Kiemenbereich in den Bauchraum des Fisches drücken. Umwickelt man jetzt den Köder noch zusätzlich mit Bait Elastic-Wickelgarn, haben wir einen perfekten Köder, der auftreibt und selbst Distanzwürfe unbeschädigt übersteht.

DIE STILLE NACH DEM PRASSELREGEN BRINGT OFT EINEN BISS

Der heftige Regenschauer ist nun voll da. Die Tropfen prasseln so laut auf den Schirm, dass ich kaum ein Wort verstehe, was Fotograf Waldo zu mir sagt. Zum Glück liegen die Köder im Wasser. Es klingt paradox, aber jetzt möchte ich gerade keinen Biss bekommen. Zu groß wäre die Gefahr, komplett durchnässt zu werden. Allerdings scheint es in der Ferne wieder heller zu werden und kurze Zeit später ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Gespenstische Stille kehrt ein am Badesee. Heute ist wirklich niemandem zum Baden zumute, lediglich ein paar Hundebesitzer befinden sich auf Gassi- Runden um den See.

Längere Zeit passiert nichts. Kein Piep meines elektronischen Bissanzeigers und meine Posenmontage steht seit längerem wie festgenagelt direkt am Sockel eines Krautfeldes. Deshalb ist es an der Zeit, die Köder zu kontrollieren. Ist man nah genug an einem Aal-Unterstand dran, braucht man nicht allzu lange auf den Biss warten. Ich versuche einen Rhythmus zu finden und alle 30 bis 45 Minuten meine Ruten neu auszubringen.

Die Köder der Grundruten draußen im See sehen aus, als wären sie gerade erst neu aufgezogen. Ich werfe sie ein weiteres Mal aus und positioniere die Ruten auf dem Rutenhalter.

EIN HÄNGER ENTPUPPT SICH ALS STRAMMER AAL!

Als ich die Rute mit der Posenmontage aufnehme, merke ich, wie mein Köder im Kraut festhängt. Klar, sie ist die ganz Zeit auch nicht getrieben. Ich versuche, Druck auf die Schnur aufzubauen und den Hänger zu lösen. Doch plötzlich löst sich der Hänger und am anderen Ende merke ich deutliche Gegenwehr. Schnell ist klar, das ist ein Aal! Kurzer, heftiger Drill und im Keschernetz windet sich wenig später der erste Fang des Tages. Ein strammer See-Aal, gut anderthalb Pfund dürfte der tolle Fisch wohl auf die Waage bringen.

Ich bin happy – plötzlich und unerwartet kam der Fang. Aber was war eigentlich genau passiert? Warum habe ich keinen Biss gesehen? Ganz einfach: Meine Pose ist vom tieferen Wasser an der Kante hoch ins Flachere getrieben. Hier am Sockel des Krautfeldes hatte der Aal mutmaßlich seinen Unterstand und der Köder wurde ihm quasi direkt vorm Maul serviert. Er musste nur noch zupacken und fressen, ohne sich zu bewegen.

DER BAUCHKLATSCHER UND DIE SACHE MIT DEM BISSAN- ZEIGER

Natürlich bin ich jetzt extrem motiviert und brenne förmlich darauf, einen weiteren Fisch zu fangen. Immer wieder neu auswerfen, Köder kontrollieren. Aalangeln am Tag kann teilweise richtig Arbeit bedeuten. Augenscheinlich scheint es jetzt trocken zu bleiben und das haben offensichtlich auch die ersten Badegäste mitbekommen, die einige Meter von mir entfernt ins kühle Nass hüpfen. Nach ein paar skeptischen Blicken kommen wir ins Gespräch und ich erkläre, wo ungefähr meine Schnüre im Wasser verlaufen.

Piep, Piep, Piep … der Bissanzeiger meldet sich plötzlich. Lag es an den Wellen des Bauchklatschers des jungen Mannes, der unmittelbar vor meinem Platz ins Wasser gesprungen ist? Piep, Piep – Nein! Da macht sich etwas an meinem Köder zu schaffen!

WER SITZT GERNE UNTERM REGENSCHIRM AM BADESTRAND?

Die Schnur läuft ab – Anhieb! Sitzt! Zuviel Zeit möchte ich dem Aal nicht geben. Zu groß wäre das Risiko, dass er sich im Unterstand festsetzt. Aber alles geht gut und am anderen Ende spüre ich einen starken Gegner, der immer wieder versucht, durch Rückwärtsschwimmen in sein Versteck zu gelangen. Nach heftigem „Tauziehen“ bekomme ich die Oberhand und kurze Zeit später gleitet Aal Nummer zwei über den Kescherrand. Was für ein Prachtkerl, sogar noch größer als der erste!

„WENN DIE BADEGÄSTE WÜSSTEN, WAS ZWISCHEN IHNEN RUMSCHWIMMT …“

Überglücklich beschließe ich, Feierabend zu machen. Ich habe zwei wirklich tolle Fische gefangen, die Badegäste werden jetzt zum späten Nachmittag immer mehr. Und zudem bin ich heute Abend mit meiner Familie zum Grillen verabredet. Aber es wird bestimmt diesen Sommer noch den ein oder anderen Regentag geben. Wo man mich dann findet? Ganz klar: Unterm Regenschirm.

Am Badestrand.

Auf Freilauf ist Verlass

Beim Aalangeln auf große Distanzen im Baggersee vertraut Fabian seinen Freilaufrollen. Der Freilauf wird so eingestellt, dass der Aal mit dem Köder abziehen kann, ohne gleich wieder in sein Versteck flüchten zu können.