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Bärbel (48) und Dirk (47) schenkten dem kleinen Thaio (8) eine Familie „Unser Wunschkind kommt aus Thailand“


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 28.02.2019

Mit der Schwangerschaft wollte es nicht klappen, für die Adoption eines Babys fand das deutsche Jugendamt sie zu alt. Darum wagten die Haselhorsts vor gut fünf Jahren das Abenteuer Auslandsadoption – und fanden das Glück. BILD der FRAU-Reporterin Jana Henschel haben sie jetzt zum ersten Mal ihre bewegende Geschichte erzählt


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 10/2019

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Bärbel ist 35, als die Babysehnsucht immer größer wird. Auf normalem Wege klappt es nicht. Kinderwunschbehandlungen scheiden irgendwann aus gesundheitlichen Gründen aus. Eine Leihmutterschaft ist unbe-zahlbar. Das Paar wagt vier Eizellspenden in Alicante und Prag. Bärbel: „Einmal war ich sieben Wochen schwanger – und verlor das Kind.“

„Mit jedem Misserfolg bricht dein Herz mehr“

Die Hoffnung sinkt. Und der Kontostand mit: Nach drei Jahren haben die Gestalterin für visuelles Marketing und der Personaleiter 30 000 Euro in ihren Kinderwunsch gesteckt. „Wir begannen, über die Adoption eines Babys nachzudenken.“ Nächster Tiefschlag: „Das Jugendamt sagte, dafür seien wir zu alt.“ Dann erfährt das Paar: Im Ausland sind Adoptionen leichter. Es findet eine anerkannte Vermittlungsstelle in Berlin, bewirbt sich als Eltern für ein Kind aus Thailand.

„Und dann habt ihr mich gehoooolt“, ruft Thaio. Bärbel streicht ihm übers Haar. „Genau. Du hast uns gefunden.“ Die Haselhorsts haben nie ein Geheimnis draus gemacht, dass Thaios „Bauchmama“ aus Bangkok kommt. „Sie war alleinstehend und bitterarm, als sie ihn nach der Geburt ins Kinderheim brachte“, erzählt Bärbel. Sie sucht ein Foto raus: eine junge, ernste Frau mit einem Bündel im Arm.

„Seine Mutter wollte, dass er es besser hat“

Es soll dauern, bis sie Thaio treffen dürfen. Erst müssen sie zu Infoveranstaltungen, Unterlagen ausfüllen, Finanzen offen legen, ihre Wohnung begutachten und sich auf „Adoptionstauglichkeit“ prüfen lassen. 2012. Nach zwei Jahren Warten der Anruf: „Wir haben ein Kind für Sie.“
Die E-Mail mit Fotos kommt.

So müde von der Aufregung: Thaio am Adoptionstag. Bärbel und Dirk haben ihn in einem Kinderheim in Bangkok abgeholt. Unten schaut er noch etwas schüchtern


Das rät Bärbel kinderlosen Paaren:

Früh überlegen, ob man Kinder will. Wenn es nicht klappt, rechtzeitig verschiedene Möglichkeiten prüfen. Man sieht an uns, wie viele Jahre ins Land gehen, wenn man nur einen Schritt nach dem anderen geht.
Keine Angst haben. Eine Auslandsadoption ist leichter als man denkt. Und sie lenkt vom ständigen Hadern mit dem eigenen Körper ab. Das Erfolgserlebnis und das Wissen, Gutes zu tun, sind Balsam für die Seele.
Nur über seriöse Auslandsvermittlungsstellen adoptieren! Adresslisten gibts u. a. beim Bundesjustizamt.
Um anderen Wunscheltern bei einer Auslandsadoption zu helfen, hat Bärbel Haselhorst die Beratung Familienwunsch gegründet. Sie hilft ehrenamtlich per E-Mail oder Telefon mit ihren Erfahrungen und Tipps. Kontakt: www.familienwunsch.com

Dem Paar bleibt vor Liebe fast die Luft weg. Dirk: „Ich sah den kleinen Knopf, kein Jahr alt, mit dünnen Beinchen in der Windelhose und wusste: Das ist unserer.“ Sie schicken Spielzeug, Fotos von sich, streichen das Kinderzimmer grün. Kratzen das letzte Geld zusammen: Die Adoption wird über 6000 Euro kosten.

Ein Jahr später, am 28. Februar 2013, steigen Bärbel und Dirk ins Flugzeug nach Bangkok. In der Tasche zwei Tickets für den Hinweg – und drei für zurück. Dazu Buggy, Kindersitz und Schühchen in drei Größen. „Wir wussten ja nicht, was ihm passt.“ Dirk zeigt ein Video: „Hier hat Bärbel ihn das erste Mal auf dem Schoß“, sagt er. Ein zarter Junge schaut schüchtern in die Kamera. „Er roch so gut“, erzählt Bärbel mit Tränen in den Augen. „Wir waren ganz behutsam. Für ihn waren wir ja Fremde.“

Eine Stunde später dürfen sie mit Thaio schon in das Apartment fahren, das sie für zwei Wochen gemietet haben. Abends schlafen alle erschöpft ein. Morgens um sieben holt Thaio – noch im Schlafanzug – schon den Ball. Auf ins Familienleben! Die frischgebackenen Eltern lernen, was der Kleine gern isst („Reis und Gemüse“) oder wie er schläft („wie ein Murmeltier“).

Der Heimflug klappte reibungslos, das Heimkommen ist toll. „Thaio raste gleich mit dem Bobbycar los.“ Seine Eltern schicken ein Foto zu dritt an Freunde und Verwandte raus. Darauf steht: „We are familiy.“ Ihr Traum ist wahr geworden!

Heute sind die drei eine ganz normale Familie. Eine, die am Wochenende gern im Bett frühstückt und Spaghetti kocht, zum bestimmt 40. Mal noch gern das „Dschungelbuch“ liest und jeden Abend Händchen hält, bis Thaio einschläft. Bärbel arbeitet halbtags, damit nach der Schule genug Zeit ist zum Spielen.

„Ich möchte von unserem Glück etwas abgeben“

Die Zeit bis zur Adoption war nicht leicht. Heute hilft sie anderen Paaren mit Kinderwunsch(s. Kasten).

Den 1. März, den Tag ihrer Familiengründung, feiert die Familie jedes Jahr mit einem Schokokuchen, der so viele Kerzen trägt wie Thaio Jahre in Deutschland lebt. Die Haselhorst waren schon drei Mal mit ihm in Thailand, damit er seine Wurzeln nicht verliert, immer mit Geschenken fürs Kinderheim. „Sobald er nach seiner leiblichen Mutter fragt, soll er sie auch kennenlernen“, sagt Bärbel. In ihrem riesigen Mutterherz ist kein Platz für falsche Eifersucht oder Angst.

Gerade aber hat Thaio noch dringendere Anliegen. „Papa, wann geht’s eeendlich auf den Spielplatz, bitte?“ Dirk lacht, schnappt ihn. Und ruft „Jetzt!“

* Wir haben den Namen zum Schutz des Jungen verändert.


Fotos: Tom Gufler (2), privat (3)