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BAHN UND KLIMA: Im grünen Bereich?


Bahn Extra - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 12.12.2019

Es ist die große Frage unserer Zeit: Wie lässt sich die Erwärmung des Erdklimas aufhalten oder zumindest verlangsamen? Die Deutsche Bahn verweist dabei auf die Umwelt verträglichkeit des Verkehrsträgers Schiene. Liegt sie damit richtig?


Artikelbild für den Artikel "BAHN UND KLIMA: Im grünen Bereich?" aus der Ausgabe 1/2020 von Bahn Extra. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bahn Extra, Ausgabe 1/2020

Am 17. September 2019 passiert eine 155 bei Ovelgünne einen Windpark. Strom aus Windkraft ist eine Option, um Emissionen zu verringern. Eine weitere ist, Elloks einzusetzen, die anders als die 155 Bremsenergie ins Netz zurückspeisen können Uwe Miethe


Weltweit gehen Wissenschaftler inzwischen davon aus, dass der Mensch eine Erwärmung des Erdklimas verursacht. Wetterextreme ...

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... wie Hitzewellen, Dürren, Stürme und Überschwemmungen nehmen zu. Ein Maximum von 1,5 Grad Celsius höherer Durchschnittstemperatur im Vergleich zur vorindustriellen Zeit ist mittlerweile das, was Wissenschaftler als absolute Obergrenze ansehen, um irreparable Folgen beim Klima zu verhindern. Auch Schüler haben mit der Streikaktion „Fridays for Future“ den Klimaschutz als Thema in die politische Diskussion gehievt.


Die DB AG erklärt, dass der Fernverkehr allein mit Ökostrom fahre


Da überrascht es kaum, dass die Deutsche Bahn sich in die Diskussion einklinkt. Im November 2019 porträtierte sie in ihrem Kundenmagazin „DB Mobil“ junge Aktivisten und warb für ökologisch sinnvolles Verhalten. An anderer Stelle bringt sie sich selbst als beste Alternative für Klimaschutz ins Gespräch. Die Schiene, so der Tenor der

DB, sei umweltfreundlicher als Flugzeug oder Straßenverkehr; erst recht, da die Fernverkehrszüge nur mit Strom aus regenerativen Quellen unterwegs seien. Grüne Bänder und Stecker auf ICE-Zügen sollen dies unterstreichen. Soweit dieTheorie. Wie sieht es in der Praxis aus?

Problematische Berechnung

Zur Wirkung der Verkehrsträger auf das Klima liegen zahlreiche Studien vor - allerdings mit sehr verschiedenen Berechnungsansätzen. Im September 2019 berechnete die DB AG für ihren Personenfernverkehr eine Emission von ein Gramm C02-Äquivalent (der Maßeinheit) pro Person und Kilometer, gegenüber 32 Gramm beim Reisebus, 139 Gramm beim Pkw und 201 Gramm beim Flugzeug. Das Umweltbundesamt kommt in etwa auf ähnliche Werte, die Allianz pro Schiene geht - bezogen auf den Energieverbrauch - zum Teil sogar von noch größeren Unterschieden zwischen Schiene und anderen Verkehrsträgern aus (siehe Grafik). Eine Studie der Internet-Seite airliners.de gibt wiederum für den Energiebedarf im Verhältnis Bahn/Flugzeug nur die Relation 1:1,7 an. Trotz der abweichenden Angaben: Dass die Eisenbahn zu den umweltfreundlichsten Verkehrsmitteln zählt, ist unbestritten.

Ihre Stärke liegt vor allem im vergleichsweise geringen Energieaufwand, der zur Beförderung von Personen und zum Transport von Gütern erforderlich ist. Ein gut ausgelasteter Containerzug kann bis zu 90 Standardcontainer aufnehmen, das entspricht 45 schweren Lkw. Dank des geringeren Reibungskoeffizienten bei Stahl auf Stahl im Gegensatz zu Gummi auf Asphalt ist rein physikalisch pro Tonne Ladung auf der Schiene weniger Energie aufzuwenden als auf der Straße. Auch das Verhältnis Zuladung zu Leermasse ist auf der Schiene günstiger als auf der Straße, der Zug muss je Tonne Fracht weniger Gesamtmasse bewegen: 1.200 bis 1.500Tonnen im Vergleich zu 45 mal 40Tonnen, was 1.800Tonnen ergibt. Schließlich haben vor allem Elloks einen höheren Wirkungsgrad. Das addiert sich zu einer günstigen Bilanz für die Schiene.

Die Potenziale ausgereizt?

Das heißt allerdings nicht, dass es nicht besser ginge. Laut Dominik Seebach, Senior Researcher am Öko-Institut Freiburg, entfallen rund 19 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland auf den Verkehrssektor. Dessen Emissionen seien in den vergangenen 30 Jahren aber konstant gebliebenemissionen durch Einsparungen auf anderen Gebieten um circa ein Drittel reduziert habe. Für den Verkehrssektor plant die Bundesregierung nun bis 2030 eine Emissionsminderung um bis zu 42 Prozent.

Ein Weg dorthin ist, bei der Stromgewinnung fossile Energieträger wie Kohle und Öl durch erneuerbare Energien wie Windkraft, Solaranlagen, Wasserkraftanlagen zu ersetzen. Wie steht es da um die Bahn? Laut DB lag der „Öko-Anteil“ an ihrem Strommix 2018 bei 42 Prozent. Dagegen nennt eine 2019 im Auftrag des Bundesumweltamts erstellte Studie für die Bahn insgesamt nur 32 Prozent aus erneuerbaren Energien. Diese erzeugt die DB in eigenen Wasserkraftwerken (knapp 1.000 Gigawattstunden Strom); weitere 900 Gigawattstunden aus Wasserkraft erwirbt sie über langfristige Lieferverträge mit RWE und schließlich noch 140 Gigawattstunden aus 14 Windkraftanlagen.

Die Allianz pro Schiene bescheinigt der Bahn 2018 günstige Verbrauchswerte (l.); in Berlin Ostbahnhof wird 2019 ein ICE 4 als „grüner Zug“ präsentiert (o.)


Volker Emersleben (Bild o.)

Ein Weg dorthin ist, bei der Stromgewinnung fossile Energieträger wie Kohle und Öl durch erneuerbare Energien wie Windkraft, Solaranlagen, Wasserkraftanlagen zu ersetzen. Wie steht es da um die Bahn? Laut DB lag der „Öko-Anteil“ an ihrem Strommix 2018 bei 42 Prozent. Dagegen nennt eine 2019 im Auftrag des Bundesumweltamts erstellte Studie für die Bahn insgesamt nur 32 Prozent aus erneuerbaren Energien. Diese erzeugt die DB in eigenen Wasserkraftwerken (knapp 1.000 Gigawattstunden Strom); weitere 900 Gigawattstunden aus Wasserkraft erwirbt sie über langfristige Lieferverträge mit RWE und schließlich noch 140 Gigawattstunden aus 14 Windkraftanlagen.

Rein rechnerisch mögen ICE und IC mit erneuerbaren Energien fahren; die DB AG erwirbt wohl auf dem Strommarkt so viel Ökostrom, dass sie damit ihren Fernverkehr betreiben kann. Aus Sicht des Öko-Instituts ist dies aber nicht ausschlaggebend. Entscheidend ist vielmehr, inwiefern sich die Bahn, der größte Ökostromverbraucher in Deutschland, für den Ausbau erneuerbarer Energien engagiert. Laut Dominik Seebach könnte sie aufgrund ihrer Position den Bau entsprechender Kraftwerke deutlich mehr forcieren. Derzeit bezieht sie jedoch 55 Prozent konventionell erzeugter Energie noch über langfristige Verträge, unter anderem mit den Betreibern von Gas- und Kohlekraftwerken, also großen Kohlendioxid-Erzeugern.

Eine weitere Möglichkeit der Emissionsminderung besteht darin, den Energieverbrauch als solchen einzuschränken. In den letzten Jahren stieg der Bedarf durch klimatisierte Reisezüge und Fahrten mit bis zu 300 km/h eher an. Da der Luftwiderstand im Quadrat wächst, entfallen beim ICE 3 bei 200 km/h etwa 40 Prozent der Gesamtenergie auf die Überwindung des Luftwiderstandes, bei 300 km/h sind es bereits 80 Prozent.

Andererseits lässt sich die Energie mit neuen Technologien effizienter einsetzen - etwa durch Triebfahrzeuge, die beim Bremsen Strom gewinnen und ins Netz zurückspeisen. Im Jahr 2018 wurden so 1.349 Gigawattstunden Strom erzeugt, fast ein Fünftel des eingesetzten Traktionsstroms (8.245 Gigawattstunden). Außerdem, erklärt Dominik Seebach, kann ein schneller Zug, wenn er als Alternative zum Flugzeug dient, in jedem Fall Emissionseinsparungen bewirken.

Ehrgeizige Ziele

Für die Zukunft hat sich die Deutsche Bahn große Klimaziele gesetzt: Bis 2038 will sie den gesamten elektrischen Betrieb aus erneuerbaren Quellen versorgen, für 2050 ist der völlig klimaneutrale Bahnbetrieb in Deutschland geplant. Das heißt auch, bis dahin für Dieselloks und -triebzüge eine Alternative zu finden. Ob das gelingt?

Für den Moment kann man konstatieren, dass die grünen Bänder und Stecker auf den ICE-Zügen in eine richtige Richtung weisen. Die Bahn, resümiert Dominik Seebach, ist bei allem bestehenden Verbesserungsbedarf schon jetzt ein vergleichsweise vorteilhafter Verkehrsträger. Aber fest steht auch: Es gibt für die DB (und die anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen) noch einiges zu tun. Zumal die Bundesregierung bis 2030 erheblich mehr Verkehr auf die Schiene verlagern will, was neuen Energiebedarf mit sich bringt.