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BALANCE IM ZWEITAKT


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Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 120/2022 vom 04.11.2022
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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 120/2022

Leichttraben gelingt nur in Harmonie mit der Bewegung des Pferdes. Hier könnte die Reiterin den Oberkörper noch mehr nach vorne neigen

Rauf und runter, rauf und runter. Das ist doch nicht so schwer, dachte sich wohl auch die Armee, als sie im 18. Jahrhundert reitunerfahrene Soldaten im Leichttraben schulte, damit diese in kürzester Zeit hoch zu Ross in den Krieg ziehen konnten. Gleichzeitig lernten auf diese Weise auch die Adligen in England, um sich auf den Fuchsjagden in einem höheren Tempo und ohne zu ermüden im Sattel halten konnten. Danach fand diese Übung den Weg in verschiedene Reitlehren.

Geringe Anstrengung „

Es erleichtert dem Reiter die Trabarbeit, da er lediglich zu jedem zweiten Trabtritt für einen kurzen Moment im Sattel Platz nimmt und nicht jede Schwungphase, wie während des Aussitzens, aktiv begleiten muss. Nur die Gesäßmuskulatur, die vordere Oberschenkelmuskeln und die hintere Oberschenkelmuskulatur werden hier stärker im Sinne des Leichten Sitzes beansprucht. Aus diesem Grund bietet es sich auf längeren ...

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... Trabstrecken, z.B. während eines Ausrittes, an“, erklärt der österreichische Bewegungswissenschaftler Dr. Josef Kastner. Auch das Pferd profitiert von der Aufund Ab-Bewegung des Reiters. „Vorausgesetzt, er ist im Gleichgewicht und somit in der Lage, während des Einsitzens kontrolliert in die Rückentätigkeit des Pferdes einzugehen, wird das Pferd weniger in seinem Bewegungsablauf gestört und findet leichter zu dem so oft gewünschten Schwung. Das Leichttraben bietet sich daher besonders in der Aufwärmphase oder in Entspannungsphasen während der Trainingseinheit an“, so der Experte weiter. In den Richtlinien für Reiten und Fahren (Band 1) wird es zudem in folgenden Situationen empfohlen: in der Erholungsphase am Ende einer Arbeitseinheit, beim Reiten junger oder wenig trainierter Pferde, bei Pferden mit Rückenoder Losgelassenheitsproblemen, wenn das Pferd seinen Reiter noch nicht richtig sitzen lässt oder der Reiter den eigenen Rücken entlasten will bzw. muss. Auch auf unebenen Böden und in der Arbeit mit Stangen kommt es zum Einsatz.

Ausbalancierte Bewegung

Die Vorteile des Leichttrabens können jedoch nur genutzt werden, wenn es korrekt ausgeführt wird. Und so geht’s: Zunächst erhebt sich der Reiter bei einem Trabtritt mit dem Gesäß aus dem Sattel und sitzt beim darauffolgenden Trabtritt wieder aus, erhebt sich wieder usw. Das heißt, der Reiter steht beim Vorschwingen eines diagonalen Beinpaares auf und setzt sich beim Vorschwingen des folgenden Beinpaares wieder kontrolliert in den Sattel. Dabei steht er nur so weit auf, wie es nötig ist, und bleibt mit dem Gesäß nah am Sattel. Wichtig ist, stets die gleiche Position im Sattel einzunehmen. Und: Das In-den-Sattel-Setzen darf nicht mit dem Hinsetzen auf einen Stuhl verwechselt werden. „Beim Einsitzen muss die Sitzbasis (Becken und Oberschenkel) genau der dreidimensionalen Bewegung des Pferderückens folgen, die sich auf den Sattel überträgt“, merkt Kastner an. Die Phasen des Aufstehens und Hinsetzens sollten ferner gleich lang sein, fließend und geschmeidig erfolgen.

Dabei balanciert sich der Reiter stets durch ein leichtes Vorneigen des Oberkörpers aus der Hüfte heraus über den Steigbügeln aus. Um im Gleichgewicht zu bleiben, müssen Reiter mit einem kurzen Oberkörper diesen jedoch etwas weiter nach vorne bringen als Reiter mit einem langen Oberkörper.

Mehr Gleichgewicht

Für Dr. Josef Kastner entwickelt sich die Technik des Leichttrabens aus dem Leichten Sitz heraus – und zwar durch das Hinsetzen in den Sattel. Er empfiehlt folgende Rhythmusübungen, die dem Reiter helfen, seine eigene Gleichgewichtssituation besser einschätzen zu können.

Übung 1:Wechseln Sie beliebig oft zwischen dem Leichtem Sitz und dem Leichttraben. Später können Sie Stangen mit in das Training aufnehmen. Traben Sie vor und nach den Stangen leicht und gehen Sie über den Stangen in den Leichten Sitz.

Übung 2:Wechseln Sie zwischen Leichttraben und Leichtem Sitz ab, indem sie einer bestimmten Anzahl folgen. Beispiel: Traben Sie fünf Mal leicht, wechseln Sie dann fünf Mal in den Leichten Sitz und traben Sie wieder fünf Mal leicht usw.

Übung 3:Für noch mehr Elastizität und mehr Balance wechseln Sie zwischen Leichttraben, Leichtem Sitz und Aussitzen ab. Voraussetzung ist natürlich, dass Sie das Aussitzen beherrschen. Beispiel: Fünf Mal Leichttraben, fünf Mal Leichter Sitz, fünf Mal Aussitzen. Dann beginnt der Zyklus von vorn.

Ziel ist es, die Variationen im Sitz so auszuführen, dass dabei Takt, Tempo und Anlehnung stets gleichbleiben. Es gibt keinen Stillstand zwischen den Sitzvariationen – die Bewegungen fließen ineinander.

Neben dem Körperbau beeinflussen auch der Sattel und die Steigbügelaufhängung das Leichttraben. „Im Idealfall liegt der Schwerpunkt des Reiters senkrecht über dem Steigbügel, der ebenfalls weitgehend senkrecht herunterhängt“, sagt der Bewegungsexperte. Dafür müsse aber der Tiefpunkt des Sattels und seine Geometrie sowie die Lage der Steigbügelaufhängung zur Körpergröße des Reiters passen. Ist beispielsweise der Tiefpunkt der Sitzfläche zu weit hinten oder die Steigbügelaufhängung zu weit vorne, erschweren diese Umstände die reiterliche Bewegung.

Vorsicht ist bei der Nutzung baumloser Sättel angebracht: „Um eine punktuelle Rückenbelastung zu vermeiden, sollte bei Modellen mit einer mangelhaften Steigbügelaufhängung auf das Leichttraben verzichtet werden“, rät Kastner. Bei Fellsätteln und anderen Varianten ohne Sattelbaum haben Druckmessungen zu negativen Ergebnissen geführt.

Ferner ist die Steigbügellänge entscheidend. Die Bügel werden unter der breitesten Stelle der Füße, dem Fußballen, aufgenommen werden. Das Aufstehen sollte mit nach unten federnden Absätzen und lockeren Fußgelenken ausführbar sein, ohne dass die Beine zu stark gestreckt werden müssen. Die Knie werden im Rhythmus abwechselnd stärker (im Einsitzen) und weniger stark (beim Aufstehen) gebeugt. Die Kräfte, die durch das Federn in Knie-, Fuß- und Hüftgelenken entstehen, werden weitgehend über den Steigbügel abgefangen. So kann sich der Reiter durch seine Aktivität elastisch in die Pferdebewegung einfühlen.

„Die Idee des Leichttrabens in Balance ist, dass der Reiter aktiv tätig wird, nicht in den Pferderücken hineinfällt und sich auch nicht werfen lässt, sondern zur Pferdebewegung passend aufsteht. Alles, was der Reiter an Aktivität übernehmen kann, erspart er dem Pferd“, so Kastner.

Unnötige Arbeit für das Pferd

Unausbalanciert ausgeführt, bedeutet es aber ein hohes Maß an „Mehrarbeit“ für das Pferd. „Ist ein Reiter nicht in der Lage, seinen Körperschwerpunkt über seiner Unterstützungsfläche (Steigbügel) zu platzieren, wird er mehr oder weniger schwer zurück in den Sattel plumpsen. Je nach Geschwindigkeit und Höhe, aus der der Reiter kommt, muss das Pferd im Moment des Einsitzens das Zwei- bis Dreifache des Reitergewichtes ertragen“, gibt der Bewegungswissenschaftler zu bedenken. Reiter hätten bei dieser Art des Leichttrabens häufig den Gedanken, das Pferd durch schweres Einsitzen und Vorschieben des Sattels in der Hinterhand zu aktivieren und das Pferd zum Vorwärtstreten veranlassen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: „Beides ist im Moment des Einsitzens gegen die Bewegung des Pferderückens gerichtet und somit eine Art halbe Parade. Nicht verwunderlich, dass man in der Reitbahn dann das Kommando hört: treiben, treiben und wieder treiben“, so Kastner.

Zum Problem wird das Leichttraben ebenfalls, wenn der Reiter im falschen Rhythmus trabt. „Kommt er erst in dem Moment vollständig im Sattel zum Sitzen, indem das Pferd schon wieder beschleunigt, wirken beide für einen Moment gegeneinander. Der Reiter ist nicht in der Lage, eigenständig aufzustehen“, weiß er. Auch in diesem Fall müsse das Pferd das Reitergewicht zu Beginn jeder Schwungphase aus dem Sattel beschleunigen. Schäden durch den Reitersitz sind aber laut Kastner eher unwahrscheinlich – vorausgesetzt der Reiter ist nicht übermäßig schwer und passt zum Pferd.

Jedoch sollte bedacht werden, dass es nicht weniger belastend für den Pferderücken ist als das Aussitzen. Eine wirkliche echte Entlastung gibt es nur mit verkürzten Bügeln im korrekten leichten Sitz, so das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern der niederländischen Universitäten Wageningen und Utrecht aus dem Jahr 2009. Hat das Leichttraben dann vielleicht negative Auswirkungen auf die Vorhand? „Nein“, sagt nicht nur Kastner, sondern auch die Biologin Dr. Kathrin Kienapfel. Eine Vorhandbelastung nehme selbst im ausbalancierten, leichten Sitz nur um wenige Prozent zu. Die Einflussnahme des Reiters sei hierbei so gering, dass negative Folgen für die Vorhand auch beim Leichttraben nicht zu erwarten seien.

„Richtiger“ und „falscher“ Fuß

Auf welchem Fuß der Reiter leichttrabt, hat aber Folgen für die Biomechanik des Pferdes. Das belegt eine weitere Studie aus dem Jahr 2010, in der ein Forscherteam aus Schweden, der Niederlande und der Schweiz die möglichen Effekte des Leichttrabens auf die Asymmetrie der Fortbewegung untersucht hat. Die Experten stellten fest, dass die einwirkenden Kräfte während des Einsitzens des Reiters auf die fußende Diagonale erhöht waren. „Durch die stete Balance über dem Steigbügel besteht die Möglichkeit, die Belastung beim Einsitzen zu variieren und so Kraftspitzen für den Pferderücken zu vermeiden – zum Beispiel weniger hoch aufstehen oder nur mit dem halben Körpergewicht einsitzen. Dies wirkt sich besonders positiv auf die Rückenbelastung von jungen Pferden aus und wird daher auch Remonten-Leichttraben genannt“, weiß Kastner.

Weiter fanden die Forscher heraus, dass das Leichttraben eine ungleichmäßige zweiphasige Belastung ergibt, die sich sowohl auf die Bewegungsabläufe des Rückens, des Beckens und der Gliedmaßen als auch auf die senkrechte Bodenreaktionskraft auswirkt. Um das Einsitzen gleichmäßig zu verteilen, raten die Richtlinien dazu, bei jedem Handwechsel in der Bahn gleichzeitig einen „Fußwechsel“ vorzunehmen sowie im Gelände ebenfalls darauf zu achten, das Pferd nicht einseitig zu belasten. Im Viereck empfehlen sie daher, auf dem „richtigen Fuß“ leicht zu traben. Das heißt: Der Reiter steht auf, wenn das äußere Vorderbein und das innere Hinterbein in der Vorführphase sind. Zeitgleich befinden sich das innere Vorderbein und das äußere Hinterbein in der Standphase. Der Reiter sitzt ein, wenn das äußere Vorderbein und das innere Hinterbein auffußen. In diesem Moment befinden sich wiederum das innere Vorderbein und äußere Hinterbein in der Vorführphase. Entsprechend wäre das Leichttraben auf dem „falschen Fuß“ genau andersherum.

UNSER EXPERTE

Der österreichische BewegungswissenschaftlerDR. JOSEF KASTNERist Gründer von Kastner-Motion. Ein Konzept, das er gemeinsam mit Ausbilderin Marieke TRAPP und Physiotherapeutin Imke Schlömer entwickelt hat. Sie lehren eine funktionelle Sitzschulung auf Grundlage der Biomechanik von Pferd und Reiter.

Flexible Anwendung

Wann geben Sie eine vorwärtstreibende Schenkelhilfe im Leichttraben?

Diese Unterteilung nehmen Kastner und andere Experten nicht vor. Sie bevorzugen und lehren ein zweckmäßiges Leichttraben, das je nach Situation Anwendung findet. Ihrer Meinung nach hilft dies dem Pferd, bestimmte Bewegungsabläufe besser auszuführen. „Zur effektiven und für das Pferd leicht verständlichen Arbeit an der natürlichen Schiefe bietet sich, je nach Fokus, das Leichttraben auf dem sogenannten richtigen oder falschen Fuß an“, sagt der Bewegungswissenschaftler. Trabt der Reiter auf dem „falschen Fuß“, erleichtert er dem Pferd zum Beispiel die Biegung. „Im Einsitzmoment des Reiters befindet sich das innere Hinterbein in der Luft. Entsprechend sinkt die innere Kruppe ab, und der Bauch schwingt etwas nach außen.

Der Reiter fühlt, dass er innen ein wenig tiefer einsitzen kann, und es dadurch automatisch leichter ist, die Gewichtsinformation innen zu geben. Das Schwingen des Bauchpendels nach außen bewirkt, dass das Pferd in diesem Moment innen ein wenig hohler ist und es einen biegenden Schenkelimpuls des Reiters leichter umsetzen kann“, gibt der Experte ein Exempel.

Auch auf der Geraden kann es sinnvoll eingesetzt werden. „Ist das Pferd beispielsweise stark links hohl, so kann man beim Reiten auf der rechten Hand auf der langen Seite auf dem falschen Fuß Leichttraben und durch den treibenden inneren Schenkel das Rumpfpendel nach außen (also gegen die Schiefe) verstärken“, so Kastner. Beim Schulterherein im Leichttraben empfiehlt er sogar, immer auf dem „falschen Fuß“ einzusitzen, weil die Idee des Schulterherein das vermehrte Untertreten des inneren Hinterfußes sei. Geht es um die äußere Begrenzung auf der hohlen Seite, sei es hilfreicher, auf dem „richtigen Fuß“ leichtzutraben und entsprechend mit dem äußeren Schenkel aktiv im Moment des Einsitzens zu treiben, meint der Experte.

Kastner hat die Erfahrung gemacht, dass der optimale Zeitpunkt für die vorwärtstreibende Schenkelhilfe in der beginnenden Hangbeinphase ist. „Der Unterschenkel wirkt treibend nur auf jener Seite ein, auf der das betreffende Hinterbein vorschwingt“, sagt der Experte. Er verweist in diesem Zusammenhang auf das einseitige Treiben in Richtung des pendelnden Pferdebauches im Sinne des von ihm und seinem Team definierten Resonanzprinzips. Resonanz bedeutet, dass Verstärkungen und Veränderungen des Bewegungsablaufes immer mit der Pferdebewegung erfolgen. In den Richtlinien heißt es jedoch, dass beim Traben auf dem „richtigen Fuß“ in Wendungen besonders das jeweilige innere Hinterbein mit dem treibenden Schenkel unterstützt werden kann. Um das innere Hinterbein in Wendungen aber aktiv zu unterstützen, müsste der Reiter – laut Kastner – im Leichttraben mit dem inneren Schenkel treiben, wenn er aus dem Sattel aufsteht, und nicht, wenn er einsitzt. Setzt er sich in den Sattel, könnte er lediglich mit dem äußeren Schenkel Einfluss auf das äußere Hinterbein nehmen, welches zu diesem Zeitpunkt nach vorne geführt wird.

Treibender Impuls

„Zum Aufstehen aus dem Sattel reduzieren viele Reiter den Kontakt beider Unterschenkel zum Pferdebauch, und zum Hinsetzen treiben sie mit beiden Beinen gleichzeitig. Schaut man sich das Bauchpendel im Trab an, was zwar reduzierter spürbar ist als im Schritt, aber immer noch vorhanden ist, geben wir dem Pferd mit ein und derselben Hilfe unterschiedliche Informationen“, meint der Experte.

Er verweist auf Bertold Schirg, der in seinem Buch „Die Reitkunst im Spiegel ihrer Meister“ schreibt, dass Reiter, die mit beiden Schenkeln gleichzeitig treiben, offensichtlich das „Konzert der Hilfen“ nicht verstanden haben. „Denn der Schenkel, der auf das Hangbein treibt, meint: ,Tritt weiter unter‘, und der Schenkel, der auf das Stützbein treibt, könnte meinen: ,Drück dich stärker ab‘ – also was soll eine solche Schenkelhilfe nun bewirken? Wie soll das Pferd einen gleichzeitigen Impuls beider Schenkel umsetzen? Und wie soll es fleißig und dynamisch schwingend traben, wenn es durch die mitunter sehr fordernd einwirkenden beidseitigen Hilfen im Bauchpendel eingeengt wird?“, fragt Kastner.

Weil wir Menschen darauf geeicht seien, wahrzunehmen, was wir schon kennen, plädiert der Experte für eine gewisse Experimentierfreude und Offenheit im Reiten. Überprüfen Sie doch einmal ganz bewusst, wie Ihre Bewegung im Leichttraben aussieht. Schaffen Sie optimale Voraussetzungen, stellen Sie mögliche Fehler ab und schulen Sie Ihr Gleichgewicht. „Wechselt der Reiter vom dysbalancierten zum balancierten Leichttraben, ist der Effekt bei den Pferden groß: Sie laufen wie von selbst mit wenig Einwirkung“, so der Bewegungswissenschaftler abschließend.

Weitere Informationen

Wer gut sitzen möchte, muss sich richtig bewegen können. Genau darum geht es in dem Buch „Setz dich in Bewegung“ von Dr. Josef Kastner, Ausbilderin Marieke Hübner und Physiotherapeutin Imke Schlömer. Es beinhaltet u.a. biomechanische und anatomische Grundlagen, die Funktionen einzelner Körperregionen beim Reiten, typische Sitzfehler sowie deren Ursachen und Auswirkungen auf das Pferd. Praktisch sind die herausnehmbaren Übungskarten, die zur Beseitigung von Defiziten konkrete Übungen beschreiben. Das Buch ist zum Preis von 39,90 Euro bestellbar auf.

Als Ergänzung zum Buch hat das KastnerMotion-Team einen Online-Lehrgang veröffentlicht. „Reiter in Balance“ umfasst insgesamt 14 Stunden Videomaterial in zehn Modulen und erörtert u.a. auch mit Zeitlupenaufnahmen die Problematik des Leichttrabens. Der Kurs ist aufwww. erhältlich.

Fehler vermeiden

Wie komplex die Bewegung des Leichttrabens für den Reiter ist, zeigt sich allein daran, wie viele Fehler im Sattel passieren können:

SenkrechterOberkörper:Durch die senkrechte Position des Oberkörpers wird das Pferd langsamer und muss vermehrt vorwärtsgetrieben werden.

Festhalten:Halten sich Reiter beim Einsitzen am Zügel fest, damit sie nicht nach hinten umfallen, bremsen sie ihr Pferd aus. Dies ähnelt einer ganzen Parade.

Beckenrotation:Verschiebt der Reiter sein Becken beim Einsitzen nach vorne, führt er eine Bewegung aus, die gegen die Rückenbewegung des Pferdes gerichtet ist.

GestreckteBeine:Ist das Reiterbein zu sehr gestreckt, liegt es zu weit vorne oder zu weit hinten, ist automatisch die Balance im Sattel gestört.

UnruhigeUnterschenkel:Zu schwache Reitmuskeln oder eingefahrene Bewegungsmuster führen häufig dazu, dass der Reiter seine Unterschenkel beim Aufstehen nach vorn streckt und im Moment des Hinsetzens ans Pferd „klopft“.

HochgezogeneAbsätze:Dieser Fehler geht oft mit zu langen Steigbügeln einher. Damit sich der Reiter weiterhin auf die Steigbügel mit seinem Fußballen stützen kann, muss er zwangsläufig die Fersen hochziehen.

BeidseitigesTreiben:Ein beidseitiger Schenkelimpuls im Trab ist für das Pferd kaum verständlich und gegen seine natürliche Bewegung gerichtet.

ZuhohesAufstehen:Anfänger heben ihr Gesäß oft zu weit aus dem Sattel. Dann dauert es aber zu lange, bis sie wieder sitzen. Dadurch wird der gemeinsame Rhythmus gestört.

UnsanftesEinsitzen:Wer in den Sattel „plumpst“, anstatt geschmeidig einzusitzen, stört sein Pferd empfindlich im Rücken und kann Verspannungen verursachen.

FalscherRhythmus:Das Leichttraben behindert den Vierbeiner auch dann in seiner Bewegung, wenn er nicht gut genug in dem vom Pferd vorgegebenen Rhythmus ausgeführt wird.