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BALKANLÄNDER: Balkan-Fieber


Alpentourer - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 30.08.2019

Unsere Autoren trauten sich was: Sie nahmen sich insgesamt fünf Wochen Zeit, um 13 Länder zu durchfahren – und zwar gerne abseits der befestigten Straßen. Es wurde ein endloser Genuss.


Artikelbild für den Artikel "BALKANLÄNDER: Balkan-Fieber" aus der Ausgabe 5/2019 von Alpentourer. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Alpentourer, Ausgabe 5/2019

Weites Land mit
Karstgebirge und Ziegenherde – das ist Balkan pur.


Direkt vor der Haustür am Bodensee beginnen wir mit dem Abenteuer Balkan und brechen ohne Autobahn oder Schnellstraßen gen Süden auf. Bis zum Peloponnes und zurück soll es uns treiben. In Erwartung vieler neuer Eindrücke in den kommenden fünf Wochen genießen wir die altbekannten Routenpunkte Tirol, Gailtal, Loiblpass, slowenischer Nordosten und kroatische ...

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... Lika diesmal eher im Schnelldurchlauf.

Ab der bosnischen Grenze fängt das Kribbeln im Bauch an. Kurz hinter Bihać geht es geradewegs in den Nationalpark Una hinein. Ein Traum!

Im Gegensatz zu den nicht weit entfernten Plitvicer Seen in Kroatien, gibt es hier eine traumhafte, vom Tourismus noch weitgehend unerschlossene und sehr unberührte Landschaft zu entdecken. Wir steigen an der nördlichen Einfahrt Nr. 1, an der man keinen Eintritt zahlt, in die 14 Kilometer lange Schotterpiste zum großen Wasserfall Štrbački buk ein. Es kommt uns nicht ein einziges Auto entgegen. Für uns heißt das: aufstehen, laufen lassen und unbefestigtes Gelände unter den Stollen genießen. Die rauschende Una ist dabei unser stetiger Begleiter.


»Wir steigen an der nördlichen Einfahrt in die 14 Kilometer lange Schotterpiste zum großen Wasserfall Štrbački buk ein.«


Die rauschenden Fälle von Štrbački buk waren schon mal Zielpunkt beim
ALPENTOURER Pässemarathon.


Brücken können auf dem Balkan echt abenteuerliche Konstruktionen sein (oben und unten).


Während ich Fotos schieße und diverse kleine Echsen entdecke, wird Andy am Parkplatz vom einheimischen Honigverkäufer schon zum bosnischen Kaffee eingeladen. Die Herren verständigen sich mit Händen und Füßen. Ich genieße den Vorteil der Muttersprachlerin, was aber keinesfalls eine zwingende Voraussetzung für schöne Begegnungen ist. Nach einem kurzen Plausch, der wie immer Tipps und gute Wünsche für die Reise beinhaltet, fahren wir am Fluss Una entlang weiter nach Süden.

Der Fluss bildet die Grenze zwischen Kroatien und Bosnien und verläuft durch eine schöne Karstlandschaft. Die kommenden Kilometer in Richtung Sarajevo führen durch viele im Krieg zerstörte Dörfer. Dabei wird einem bewusst, dass auch 23 Jahre nach Ende dieser dunklen Zeit hier bei Land und Leuten noch viele offene Wunden schwären. Als Besucher spürt man dies bei den Menschen allerdings nicht. Wir legen einen Pausentag in der Hauptstadt, bei unserem Freund Haris ein, der Mitglied des örtlichen MC Rajvosa ist. In der Stadt herrscht eine faszinierende Atmosphäre: ein Mix aus orientalisch und westlich. Die Kathedrale steht neben Synagoge und Moschee, und der Basar wetteifert mit modernen Shoppingzentren um Kunden.

Über eine einspurige Holzbrücke reisen wir dann nach Montenegro, um in das Bergmassiv des Durmitor Nationalparks zu gelangen. Das UNESCOWeltnaturerbe können wir nicht auf der geplanten Schotter-Route durchfahren. Diese ist, wie auch der direkte Asphaltweg, wegen meterhohen Schnees noch nicht passierbar. Einheimische weisen uns einen alternativen Weg, der in gefühlt endlosem Kurvengeschlängel weiter in Richtung Albanien führt.

Als wir nun aber über das Vermosh-Tal von Nordosten in das Land kommen, verschlägt es uns den Atem: Diese abgeschiedene Bergregion ist definitiv ein Augenöffner. Die griffige Asphaltpiste schlängelt sich am Flusslauf langsam hinab abwechselnd durch Felsformationen und bewaldete Gegenden mit weiten, klaren Ausblicken. Ab und an sieht man in der Ferne Häuser und Höfe und trifft eines der Sammeltaxis – Kleinbusse – die die Dörfer und Siedlungen in den Sommermonaten mit dem regionalen Verwaltungszentrum Shkodra verbinden.

Der Durmitor Nationalpark in Montenegro zählt mit seinem Tara-Canyon zu den Highlights des Balkan.


Wir cruisen auf dieser Straße fast für uns alleine in Richtung Adria, um am Ende des Skutarisees wieder links ins Landesinnere nach Kukes abzubiegen. Just in dem Moment, in dem wir im Hof des Hotels einfahren, entlädt sich ein Gewitter über uns – ein Phänomen, das uns auf dieser Reise noch des Öfteren begegnen wird.

Reisetag Sieben beschert uns einen fahrerischen Leckerbissen: 60 Kilometer feinste Schotterpiste parallel zur mazedonischen Grenze. Ein Dauergrinsen macht sich unterm Helm breit. Wir treffen Hirten mit Schafen, Ziegen und Rindern sowie weitere Sammeltaxis, aus denen uns immer gewunken wird. Albanien ist das reinste Enduro-Eldorado, egal ob mit der großen Reiseenduro oder kleinen Hardenduros – die Möglichkeiten sind grenzenlos, und eine Attraktion jagt die andere.


»Albanien ist das reinste Enduro-Eldorado – die Möglichkeiten sind grenzenlos, und eine Attraktion jagt die andere.«


Das Wohlergehen eines Besuchers hat in Albanien traditionell einen besonders hohen Stellenwert. Dies spürt man an der Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, was dem ganzen Erlebnis natürlich noch das Tüpfelchen auf dem i aufsetzt. In abgelegenen Bergdörfern winken uns die Kinder auf den Schulhöfen zu, hier kommen sicher selten so voll bepackte Stahlrösser vorbei. In den wenigen größeren Ortschaften geht es sehr wuselig zu, Tiere werden auf der Straße zum Verkauf angeboten.

Das Bjelašnica-Gebirge im Umland von Sarajevo ist ein feines Beispiel für die Bergregionen des Balkan.


Über dem Vermosh-Tal in Albanien steigen steile Felsklippen empor.


Nach einer Weile fällt mir auf, dass es im Straßenbild nur sehr wenige Frauen zu sehen gibt. Wenn, dann sind Sie mit vollbepackten Tüten, Körben, Kindern, Harken oder Schubkarren unterwegs. Männergruppen hingegen sitzen am Straßenrand oder in den Cafés zusammen. Ein kultureller Unterschied, der sehr stark von dem uns gewohnten alltäglichen Straßenbild abweicht.

Die Tour führt uns an die Adriaküste. Zehn Kilometer südlich der Hafenstadt Vlorë, die an der engsten Stelle der Adria liegt, ziehen wir als einzige Gäste in das schöne Hotel Picasso. Eine kurze Tagesetappe führt uns nach Süden bis nach Sarande und weiter ins Landesinnere zum legendären Blue Eye, auf Albanisch Syri i Kalter. Die wasserreichste Karstquelle des Landes ist definitiv einen Abstecher wert. Libellen umschwirren uns und bei über 30 Grad kommt ein kühles Getränk auf der direkt auf dem Wasser liegenden Terrasse des kleinen Restaurants gerade recht.

Doch das eigentliche Ziel des Tages ist Gjirokastra. Die historische Stadt, ebenfalls UNESCO-Welterbe, trägt den Beinamen „City of Stones“. Sowohl die Burgruine als auch die Altstadt und deren Gassen zeigen uns auf einer kurzen Wanderung deutlich weshalb. Ein kleiner wunderschöner Basar, osmanische Moscheen, orthodoxe Kirchen sowie die Wohnhäuser und Türme der Altstadt versetzen uns ins Mittelalter zurück.

Albanien verabschiedet uns mit leichtem Regen, der erst kurz vor der griechischen Grenze aufhört. Die Einreise verläuft unkompliziert und der Grenzbeamte begrüßt uns herzlich. Der Norden des Landes ist von sehr großen Schafherden und unzähligen Olivenbäumen geprägt. Auf den Bergstraßen passiert es häufig, dass nach einer Kurve eine Herde Schafe die Straße kreuzt oder vereinzelte Tiere auf der Fahrbahn liegen, um auf dem warmen Untergrund wiederzukäuen. Meist ist dies allerdings kein Problem, da die Straßenverhältnisse ohnehin keine schnelle Fahrt erlauben.


»Eine kurze Tagesetappe führt uns ins Landesinnere zur legendären Karstquelle Blue Eye, auf Albanisch: Syri i Kalter.«


Unser erstes Tagesziel in Hellas liegt auf der Insel Lefkada. Die Straße verläuft meist direkt am Ionischen Meer entlang und die Farbenspiele von Sandstrand und Wasser wirken fast schon hypnotisch. Hier hatte Poseidon wohl bei der Gestaltung einen besonders guten Tag. Unsere Gastgeberin Kristina lädt uns zum typisch griechischen Abendessen ein und wäscht unsere Wäsche in der Waschmaschine. Ein Luxus nach vielen schweißtreibenden Tagen auf den Motorrädern.

Wir umrunden Lefkada und folgen durchs Landesinnere kleinen und kleinsten Straßen weiter auf auf unserem Weg nach Süden. Bei bestem Wetter kommen wir an der Meerenge von Rio-Andirrio an und erreichen mit der Überquerung der Charilaos-Trikoupis-Brücke den Peloponnes. Nach einem ausgiebigen Fotostopp fahren wir beschwingt weiter durch kleine Dörfer Richtung Arkoudi, dem westlichsten Zipfel der riesigen Halbinsel, die gleichzeitig den südlichsten Teil der Balkanhalbinsel bildet.

Im griechischen Lefkada fällt der Blick auf das Ionische Meer.


Ein bisschen Touri-Programm muss sein, daher schauen wir uns am nächsten Tag Olympia an und dürfen direkt vor dem Eingang am Kassenhäuschen parken. In der archäologischen Ausgrabungsstätte wird noch heute das Feuer für alle Olympischen Spiele entzündet. Die nächste Etappe führt uns in die Mani, einen Landstrich ganz im Süden des Peloponnes. Besonders prägend sind hier die unzähligen Wohntürme aus hellem Stein. Eine raue, aber faszinierende Landschaft, in der Kakteen zu großen Bäumen mit gelben und pinken Blüten heranwachsen.

Auch die Sitten waren hier rau, war doch die Blutrache in dieser Gegend noch im 19. Jahrhundert weit verbreitet. Die Menschen, die wir treffen, sind hingegen sehr liebenswert. In den Dörfern fallen immer wieder kleine Läden mit bunten Tonwaren ins Auge. Als ich in einem davon einen kleinen Tonkrug erstehe, wird das ältere Ladeninhaber-Ehepaar so von meiner Reisebeschreibung und Begeisterung über die Schönheit der Landschaften angesteckt, dass die Dame mich zum Abschied herzlich drückt. Solche warmherzigen Begegnungen und Momente mit Menschen unterwegs – wenn auch nur kurz und f lüchtig – erleben wir oft auf dieser Reise, und sie hallen noch lange nach der Heimkehr wohltuend nach.

Mit dem unter Denkmalschutz stehenden Dorf Vathia kurz vor dem Kap Tenaro erreichen wir den südlichsten Punkt unserer Reise und können uns auf dem Parkplatz mit Blick auf die Wohntürme der kleinen Ortschaft ein begeistertes HighFive nicht verkneifen. Wir lassen den Moment, den Blick aufs Meer und die besondere Atmosphäre der Mani auf uns wirken, bevor uns unzählige Kurven und Kehren in allen nur erdenklichen Winkeln wieder nordöstlich in Richtung Sparta führen.

Nun führt die Route am Argolischen Golf entlang, über Nafplio nach Epidauros, die bedeutendste antike Kultstätte des Heilgottes Äskulap. Das riesige Freilufttheater ist sehenswert und bei Weitem nicht so überlaufen wie Olympia. Über den Kanal von Korinth verlassen wir den Peloponnes und fahren auf griechischem Festland entlang des Golfs von Euböa und des Golfs von Malia gen Norden. Die Landschaft wird spürbar weiter, die Straße führt teilweise kilometerlang geradeaus und wird von großen Arealen mit Sonnenkollektoren sowie riesigen Feldern gesäumt, auf denen Traktoren ihre Spuren ziehen. Am Thermaischen Golf fallen uns viele zerfallene Fabriken auf.

Mit der Überquerung der Charilaos-Trikoupis-Brücke ist der Peloponnes erreicht.


Das unter Denkmalschutz stehende Dorf Vathia kurz vor dem Kap Tenaro markiert den südlichsten Punkt der Reise.


Oberhalb von Thessaloniki in Nordgriechenland halten wir uns in Richtung Bulgarien und genießen die unzähligen Kurven auf dem Weg durch die Berge. Kurz hinter der Stadt Drama (ja, heißt wirklich so …) durchfahren wir Skigebiete, die wir in Griechenland eher nicht erwartet hatten. Auch die maximal 17 Grad sind nach der Hitze der letzten Wochen eher gewöhnungsbedürftig. Die letzte Nacht auf griechischem Boden verbringen wir in der historisch bekannten Gegend Thrakien.

Wir verlassen Nordgriechenland bei zehn Grad Außentemperatur, um kurz danach unkompliziert die bulgarische Grenze zu überqueren. In dieser Gegend passieren wir immer wieder kleine Rudel von wilden, streunenden Hunden. Dieses traurige Phänomen begleitete uns auch schon in Albanien, und gehört leider auch in Bulgarien und Rumänien zum Straßenbild.

Wir durchfahren den gebirgigen Teil Südbulgariens durch endlose Laub- und Nadelwälder, in denen uns regelmäßig gepf legte Pausenplätze mit natürlichen Quellen auffallen. Parallel zur griechischen Grenze halten wir uns in Richtung Osten. Unterwegs passieren wir Burgruinen, die auf die lange Geschichte des Landes hindeuten. Nahe Topolowgrad übernachten wir in einem kleinen Hotel unweit der türkischen Grenze.

Pünktlich zur Halbzeit unserer Reise verlassen wir die Berge und durchfahren die Oberthrakische Tiefebene, bis wir unterhalb von Burgas auf das Schwarze Meer treffen. Die Temperaturen steigen mit jedem Kilometer und wir riechen die Meeresluft, noch bevor das tiefe Blau des Schwarzen Meeres sich vor uns auftut. Wir erreichen unsere Unterkunft bei Goldstrand, wo wir die Motorräder drei volle Tage stehenlassen und uns mit Strandspaziergängen, leckeren Meeresfrüchten und einem ganztägigen Thermenbesuch inklusive Massage ausgiebig verwöhnen.

Verwöhnpausen sind schön, allerdings scharren wir schon bald deutlich mit den Hufen. An Tag 20 gleitet die Straße nur so dahin, als wir immer entlang des Schwarzen Meeres nach Rumänien einreisen und weiter bis hinauf in den Norden ins Donaudelta fahren. Dieses an der Grenze zur Ukraine gelegene Biosphärenreservat ist das zweitgrößte Flussdelta Europas und für uns, die wir in der Nähe der Donauquelle wohnen, ein besonderer Anblick.

Bei Tulcea schwenken wir wieder ins Landesinnere, um die Walachei zu durchfahren. Wir sehen viele einachsige, mit Heu oder Holz beladene Pferdegespanne auf den Straßen. Die Häuser sind hauptsächlich einstöckig, oftmals mit bunten Fassaden und kleinen Türmchen versehen. Wir überqueren die Donau auf einer kleinen Fähre, und stellen für die Passagiere eine sehenswerte Abwechslung dar.

Unser weiterer Weg führt uns nordwärts am Bucegi-Gebirge entlang. Nach der Ruhe und Weite der bisherigen Reise verpasst uns der Halt in Bran am vermeintlichen Dracula-Schloss aufgrund der Menschenmassen einen regelrechten Kulturschock. Nach einem ganz kurzen Fotostopp zieht es uns wieder südwärts am Piatra Craiului Nationalpark entlang nach Curtea de Arges, das für uns den Einstieg in die Transfagarasan darstellt.

Bulgarische Steinbogenbrücken erinnern irgendwie an ein weit entferntes Hobbit-Land.


Natürlich haben wir uns auf diese bei Motorradfahrern legendäre Strecke besonders gefreut. Die Straße ist nur vier Monate im Jahr komplett befahrbar (Juli bis Oktober). Für uns bildet sie eine 70 Kilometer lange Sackgasse, denn wir haben eine der letzten Unterkünfte vor dem geschlossenen Tunnel gebucht. Hier direkt am Waldrand zu übernachten, wo die Bären jede Nacht aufgrund des Essensgeruchs bis ans Hotel herankommen (und sich zum Glück meist vom Bellen der strategisch an der Grundstücksgrenze verteilten Wachhunde vertreiben lassen), ist ein Highlight der Reise.

Am nächsten Morgen fahren wir im einstelligen Temperaturbereich die Transfagarasan wieder zurück bis Brezoi. Anschließend, auf dem Weg durch die transsylvanischen Alpen, kämpfen wir uns durch Nebel, Kälte und Regen, um zur Transalpina einzuschwenken. Ein Abstecher zur letzten Tankstelle führt uns über eine breite, von Schlaglöchern geprägte Schotterpiste, die trotz der frischen Temperaturen für eine Menge Fahrspaß sorgt.

Auf dem nördlichen Teil der auch als Nationalstraße 67 C bekannten, unter Bikern legendären Bergstraße, herrscht wenig Verkehr, der griffige Asphalt schlängelt sich in perfekten Schwüngen und Kurven dahin. Das Dauergrinsen unterm Helm gehört hier wahrscheinlich einfach mit dazu – wir können es uns auf jeden Fall nicht verkneifen.


»Auf dem Weg durch die transsylvanischen Alpen, kämpfen wir uns durch Nebel, Kälte und Regen zur Transalpina weiter.«


Weiter geht es nach Turda. Nachdem wir das ehemalige Salzbergwerk mit seiner fantastischen Unterwelt, dem darin befindlichen Riesenrad und dem kleinen See unter Tage besichtigt haben, genießen wir die unzähligen kleinen Straßen und Feldwege, jagen durchs Gelände und erkunden versteckte Wasserfälle, Weiher und Matschtrails.

Die Gegend ist ein Traum für Enduristen. Die rumänischen Autofahrer aber fahren – vorsichtig ausgedrückt – wie die Henker! Wir haben keine Chance, uns in den Ortschaften auch nur annähernd an die Limits zu halten. Mindestens 70 km/h sind hier angesagt, da einen sonst sogar die Sattelschlepper über-holen (nachdem sie nahe aufgefahren sind). Mit der Überquerung der ungarischen Grenze kurz hinter Satu Mare heißt es, die Uhr um eine Stunde zurückzustellen, da wir nun wieder in die mitteleuropäische Zeitzone einreisen (vorstellen mussten wir sie in Griechenland). Witzig, wenn das Navi die Ankunft auf einmal um eine Stunde früher anzeigt. Das Land der Magyaren bietet wieder geregeltere Verkehrsverhältnisse und deutlich gepf legtere Städte. Die Grenze zur Slowakei übersehen wir vollkommen.

Rumäniens Straßen- und Wegenetz ist zu gut 40 Prozent unbefestigt.


Ein Besuch in der tschechischen Bikerhöhle Pekelné Doly ist ein passender Abschluss für das Abenteuer Balkan.


Wir streifen den Nationalpark Slowakisches Paradies, der allein schon bei der kurzen Durchfahrt seinem Namen alle Ehre macht. Kurz danach schon das nächste Sahnestück: Die Hohe Tatra zieht uns mit hohen Bäumen, bestem Sonnenschein und wunderschönen Holzhäusern mit liebevoll detaillierten Verzierungen in ihren Bann. Die Route leitet uns kurz durch Polen an Zakopane vorbei und am Rande des slowakischen Nationalparks entlang. Da Sonntag ist, sehen wir in den Dörfern viele Einheimische in Sonntagskleidung oder traditionellen Trachten auf dem Weg in die Kirche. Manche Familien sind mit der Pferdekutsche auf dem Weg zum Gottesdienst und geben ein prächtiges Bild ab.

Anschließend – in der Niederen Tatra und damit wieder in der Slowakei – zieht sich die Straße in langen, perfekten Schwüngen dahin. Wir durchfahren das Land einmal komplett von Norden nach Süden bis zur ungarischen Grenze und streifen dabei das Landschaftsschutzgebiet Pol‘ana im Herzen des Landes. Anschließend folgen wir im großen Bogen der ungarischen Grenze, bevor es wieder zurück nach Norden ins Landschaftsschutzgebiet Štianické Vrchy geht.

Während der Durchfahrt der Nationalparks Große Fatra, Kleine Fatra sowie der Landschaftsschutzgebiete Horná Orava und Kysuce können wir gar nicht erfassen, wie viel Schönheit hier zum Erfahren und Erleben geboten wird.

Wir sind in der Tschechischen Republik und damit im letzten Land unserer Reise unterwegs. Schon nach der Grenze erinnert es uns immer mehr an Zuhause. In den Ortschaften die üblichen Supermärkte und Geschäfte, die Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder sind identisch mit unseren in Deutschland und leider steht an jedem Forstweg ein Verbotsschild zur Durchfahrt. Die Felder sind allerdings deutlich größer, die Landschaft weiter als bei uns in der Bodenseeregion.


»Die Route leitet uns kurz durch Polen an Zakopane vorbei und am Rande des slowakischen Nationalparks Hohe Tatra entlang.«


Zwischen den Ortschaften liegen astreine Asphaltbänder, der Verkehr verläuft sehr gesittet, und auch die digitalen Geschwindigkeitsanzeigen in nahezu jedem Ort lassen deutlich das Gefühl aufkommen, dass es wieder Richtung Heimat geht. Unser Weg führt durch das malerische Riesengebirge. Wir lassen es uns nicht nehmen, einen Abstecher in die Bikerhöhle Pekelné Doly zu machen. In dieser riesigen Sandsteinhöhle, die man mit den Moppeds befahren kann, betreibt der örtliche Motorradklub eine Bar.

Kurz bevor wir Deutschland erreichen, gönnen wir uns in Marienbad noch einen kompletten Wellnesstag. Bei der Anreise mit unseren vollgepackten und verdreckten Motorrädern fallen wir im Vergleich zu den anderen Gästen ziemlich aus dem Rahmen und sorgen für überraschte Gesichter der mehrheitlich älteren Semester. Ein großer Spaß!

ALPENTOURER

INFORMATIONEN

CHARAKTERISTIK

Die beschriebene Tour ist mit allen Abstechern knapp 10000 Kilometer lang und wurde in fünf Wochen absolviert. In den Ländern Albanien, Montenegro, Griechenland, Bulgarien und Rumänien sollten die Tagesetappen aufgrund der Straßenqualität 250 Kilometer nicht überschreiten.

DOKUMENTE

Die grüne Versicherungskarte ist zwingend erforderlich und muss an den Grenzübertritten zusammen mit Fahrzeugschein und Ausweis vorgelegt werden. Üblicherweise werden Ein- und Ausreise im System der Länder vermerkt. Für EU-Bürger sind keine weiteren Papiere notwendig.

ATTRAKTIONEN

In den meisten Ländern der Tour gibt es ausreichend Burgen, Ruinen und weitere Sehenswürdigkeiten für jeden Geschmack. Oftmals ist alleine die Landschaft bereits die größte Attraktion.
Ein Muss sind Durmitor-Gebirge (Montenegro), Festung Gjirokastra und Quelle Syri e Kalter (Albanien), Olympia und Epidauros (Griechenland), Festung Asen (Bulgarien), Donaudelta und Saline Turda (Rumänien), diverse Burgen und Ruinen in der Slowakei und der Tschechischen Republik sowie die Bikerhöhle Pekelné Doly in Tschechien.

GELD

In einigen der Länder kann man oftmals auch mit Euro bezahlen, Kreditkarte ist manchmal auch möglich. Es empfiehlt sich aber, kleinere Geldbeträge jeweils in den Landeswährungen vorzuhalten. An den Grenzen gibt es meist noch Wechselstuben. Bankautomaten sind überall vorhanden.

UNTERKUNFT

DiePenzion Bor im tschechischen Nachod bietet wunderschöne Appartements und ein sensationelles Frühstück.
penzionbor.cz

Haris, der Gastgeber des im Zentrum von Sarajevo gelegenenApartment MG , ist Mitglied im örtlichen Motorradclub. Neben einer Garage bietet er auch Insidertipps.
apartment-mg.sarajevohotels.org

Havran Cottage im slowakischen Krupina ist abgelegen und damit sehr ruhig. Man kann sowohl in Zimmern, als auch im Bauwagen oder Tipi übernachten.
holidayinslovakia.com

DasMenyecskeház im ungarischen Tiszakanyar bietet schöne Zimmer mit tollem Balkon, eine sehr nette Gastgeberin und eine eigene Schnapsbrennerei.
szallas.hu/menyecskehaz-tiszakanyar

DieVila Balea ist wundervoll – weil direkt an der Transfagarasan – gelegen und bietet schöne Zimmer mit toller Küche und freundlichem Personal.
vila-balea.ro

Im griechischen Lefkada bietet dieLa Casa D‘Irene gigantische Aussichten, schöne Zimmer, tolle Gastgeber und ein Grundstück mit super Sitzgelegenheiten, um den Sonnenuntergang zu genießen.
lacasadirene.com

DasKonaku Guest House ist eine traditionelle Unterkunft im Steinhaus mit toller Terrasse und super Frühstück in Gjirokastra in Albanien.
konaku-guest-house.hotels-albania.net/de

Etwas versteckt bietet dasOda Kuksit Hotel in Kukes/Albanien sehr leckeres und traditionelles Essen. Motorräder parken im abgeschlossenen Hof.
oda-kuksit-hotel.kukes.hotels-al.com/de

DasMonopati E6 ist eine urige Unterkunft in den griechischen Bergen in der Nähe von Volakas (Drama). Die Gastgeber haben 30 Jahre in Deutschland gelebt, so dass man sich bestens verständigen kann.
monopatie6.gr

DasTsitsiris Castle ist eine wunderbare Unterkunft in einem historischen Steingebäude/ Wohnturm im griechischen Stavri.
tsitsiriscastle.gr

ESSEN UND TRINKEN

Fleischgerichte dominieren eindeutig die Balkanküche, die sich als Mittler zwischen Abendland und Orient versteht. Am Meer gibt es frischen Fisch und Meeresfrüchte. Frisches Gemüse und andere heimische Produkte laden in allen bereisten Ländern zum Schlemmen ein.


Fotos: Andreas Forrer und Dragica Skozit

Foto: Creative Commons | Julian Nyča CC-BY-SA 3.0

Foto: Creative Commons | CC-BY-SA 4.0