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BALU R ÄUMT AUF


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first class - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 13.10.2022
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ZUR PERSON

Marc Traubel verkörpert als Inhaber die dritte Generation im familiengeführten Hotel Hubertus Mountain Refugio Allgäu in Balderschwang. Der Familienvater hat keine Angst vor Innovationen und blickt deshalb positiv in die Zukunft der Hotellerie.

first class: Herr Traubel, Sie haben kürzlich einen Serviceroboter „eingestellt“. Was tut er genau?

Eigentlich ist unser „Balu“ von Sebotics darauf programmiert, den Gästen aus der Küche die Speisen zu servieren. So setzen wir ihn zu 100 Prozent überhaupt nicht ein. Leider kann man diese Stammeinstellung nicht ändern, aber er wird bei uns als Abräumer verwendet. Er steht im Restaurant und die Mitarbeiter können das gebrauchte Geschirr auf ihm abladen. Wenn er voll ist, dann wird ein Knöpfchen gedrückt und er fährt eigenständig in die Küche, in seine Abräumstation, wo er abgeräumt wird. Im Anschluss drückt ein Mitarbeiter erneut auf ein Knöpfchen ...

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Eigentlich ist unser „Balu“ von Sebotics darauf programmiert, den Gästen aus der Küche die Speisen zu servieren. So setzen wir ihn zu 100 Prozent überhaupt nicht ein. Leider kann man diese Stammeinstellung nicht ändern, aber er wird bei uns als Abräumer verwendet. Er steht im Restaurant und die Mitarbeiter können das gebrauchte Geschirr auf ihm abladen. Wenn er voll ist, dann wird ein Knöpfchen gedrückt und er fährt eigenständig in die Küche, in seine Abräumstation, wo er abgeräumt wird. Im Anschluss drückt ein Mitarbeiter erneut auf ein Knöpfchen und er fährt wieder an seinen Platz und wartet auf schmutziges Geschirr. Das macht seinen Arbeitsalltag zu 95 Prozent aus. Ab und zu haben wir auch Tische mit zehn Personen oder mehr belegt. In diesem Fall kann eine Servicekraft den Roboter auch zum Servieren mitnehmen. Also kann ein Kellner den Tisch alleine versorgen, was sonst nur mit vier Kollegen gehen würde.

Wie finden die Mitarbeiter ihren neuen Kollegen?

Am Anfang haben unsere Mitarbeiter schon etwas skeptisch reagiert. Aber das legte sich sehr schnell. Bereits nach ein paar Tagen gehörte er einfach dazu. Man muss als Kellner das Arbeiten schon etwas umstellen, denn keiner muss mehr die 60 Meter in die Küche laufen um zwei Teller zurückzubringen. Balu trägt als autonome Abräumstation nicht nur eines, sondern vier Tabletts und fährt am Tag etwa einen Kilometer hin und her. Wenn ich das hochrechne, erspart er den Mitarbeitern, gerade im Frühstücksservice, pro Fahrt fünf bis acht Gänge in die Küche. Das bringt mehr Zeit am Gast.

Wie kommt der Roboter bei den Gästen an?

Die Gäste nehmen Balu sehr positiv wahr. Er steht an einer prominenten Stelle und dadurch, dass er dieses Katzengesicht hat, wirkt er nicht zu menschlich aber dennoch niedlich. Weil die Gäste sehen, dass er eine Unterstützung für uns ist, nehmen sie ihn sehr gut auf. In den neun Monaten seit er eingezogen ist, habe ich vielleicht einen negativen Kommentar zu Balu gehört, ansonsten immer nur positives Feedback. In seiner Funktion als Abräumer müssen die Gäste auch keinen direkten Kontakt mit ihm haben, wenn sie das nicht wollen. Manche sind aber auch sehr daran interessiert, wie er funktioniert, und das zeigen wir dann auch gern.

Ist ein Roboter eine Hilfe gegen den Fachkräftemangel?

Es gibt bestimmt künftig diverse Bereiche, wo Roboter noch effizienter genutzt werden können, aber die Mitarbeiter ersetzen sie nicht. Balu ist für uns im Moment zu 100 Prozent eine Unterstützung für unsere Mitarbeiter, aber er erspart mir kein Personal.

Wollen Sie noch einen zusätzlich erwerben?

Für den Abendservice habe ich einen weiteren Restaurantbereich mit rund 20 Tischen, da müsste er aber fünf Stufen nach oben steigen können. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, dass ein Roboter diese Treppe überwinden könnte, würde ich sofort einen zweiten anschaffen.

Was unternehmen Sie um Mitarbeiter zu bekommen und zu binden?

Man kann nicht mehr so wählerisch sein wie früher. Wenn ich mich umschaue, dann sind wir der einzige Ausbildungsbetrieb in der Gegend. Daher richte ich diesen Apell an meine Kollegen: Ich kann nicht wegen dem Fachkräftemangel jammern und bilde aber keine Fachkräfte aus. Wir haben gerade 12 Auszubildende. Im September haben erst sechs bei uns angefangen. Wir finden heute nicht mehr die Anzahl an qualifizierten Servicekräften, die man sich wünscht. Wir sind aber immer noch in der guten Lage, dass wir unser Hotel nicht zumachen oder Angebote herunterfahren müssen. Viele Mitarbeiter stellt man ein und denkt sich: „Na, ob das wohl was wird?“ Und am Ende entwickeln sich richtige Perlen daraus. Wir sind aktuell nicht in der Position jungen Menschen keine Chance geben zu wollen, wie es früher der Fall war. Ein Auszubildender kostet Zeit und Geld, aber man muss selbst auch für Mitarbeiter sorgen. Headhunter und Anzeigen kosten auch viel Geld.

Wie finden Sie Mitarbeiter?

Wir sind Mitglied bei der Kooperation Allgäu Top Hotels, das ist ein Zusammenschluss von über 80 Häusern im Dreibis Fünf-Sternebereich. Darunter haben sich neun Hotels zu einer Untergruppierung namens Azubi Top Hotels zusammengeschlossen, mit denen wir gemeinsam auf Messen gehen, wo wir dann das leider zu Unrecht immer so negativ dargestellte Berufsbild positiv präsentieren. Man kann z.B. das Negativargument Wochenendschichten auch so kommunizieren, dass man unter der Woche frei haben kann und von flexiblen Arbeitszeiten profitiert. Wir haben zudem 65 Mitarbeiter in Wohnungen untergebracht, die wir zu einem sehr guten Preis zur Verfügung stellen. Und wer kann schon sagen, dass er zweimal die Woche kostenfrei in einem der schönsten Spas im Allgäu relaxen darf – unsere Branche soll sich nicht immer so unter den Scheffel stellen, sie hat viel zu bieten.

“Wenn es eine Möglichkeit gäbe, dass ein Roboter Treppen überwinden könnte, würde ich sofort einen zweiten anschaffen.“

Marc Traubel

Wie blicken Sie auf die Zukunft der Wellnesshotellerie?

Ich glaube, die Gäste werden weiter in den Urlaub fahren. Ob sie nun nach Mallorca oder nach Balderschwang reisen sei dahingestellt. Ich glaube die Spritpreise halten derzeit auch einige vom Reisen ab. Gäste werden künftig mehr darauf schauen, was ein Hotel in puncto Nachhaltigkeit macht. Die Gäste werden aber dennoch so „verschwenderisch“ bleiben, wie sie es immer waren. Also, es wird Wenige geben, die sagen: „Fahren Sie doch den Pool von 29 auf 25 Grad herunter.“ Die Hotellerie wird sich verändern, dieses Potpourri an Angeboten wird sich verändern. Zimmerreinigung wird flexibler gehandhabt. Wir reinigen z.B. standardmäßig nur jeden zweiten Tag, täglich gerne auf Anfrage. Eventuell macht man sich auch bei Angeboten noch mehr Gedanken: Muss es ein Lavapeeling aus Koh Samui sein oder reicht auch eine Moorpackung aus dem Nachbarort? Solche Dinge werden sich ändern, aber die Menschen werden immer reisen. Es hat einen kurzen Knacks gegeben, aber auf Dauer wird sich das wieder einpendeln. Ich bin da positiv gestimmt.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Nina Schinharl