Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 8 Min.

BARBARA RÜTTING: Eine leuchtende Seele


Herzstück - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 14.02.2019

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Herzstück. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 2/2019 von Blüte: JETZT IST DEINE ZEIT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Blüte: JETZT IST DEINE ZEIT
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von Schönes aus aller Welt: Herz-Stücke. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Schönes aus aller Welt: Herz-Stücke
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von 12 Herkules-Aufgaben. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
12 Herkules-Aufgaben
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von Frühlings-Spaziergang: Zauberwesen aus Moos. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Frühlings-Spaziergang: Zauberwesen aus Moos
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von JUDITH PINNOW: Die Phantasie der Schildkröte. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
JUDITH PINNOW: Die Phantasie der Schildkröte
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von Jede Begegnung kann uns bereichern. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Jede Begegnung kann uns bereichern
Vorheriger Artikel
Frühlings-Spaziergang: Zauberwesen aus Moos
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel JUDITH PINNOW: Die Phantasie der Schildkröte
aus dieser Ausgabe


„Nie anfangen aufzuhören und nie aufhören anzufangen”: Das ist Barbara Rüttings Lebensmotto. Sie ist ihm gefolgt und hat immer wieder Neues gewagt und sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen


Bekannt wird Barbara Rütting vor allem durch ihre Filme. „Die Geierwally” – im Bild mit Geier „Hansl” – ist eine ihrer Paraderollen.


Auch in einigen Edgar-Wallace-Filmen ist sie zu sehen, wie hier in „Der Zinker” an der Seite von Eddi Arent und Heinz Drache.


In ihrem Lieblingsfilm „Die letzte Brücke” spielt sie neben Maria Schell die Partisanin Miliza


„Freundlichkeit, Mitgefühl, Fröhlichkeit und Dankbarkeit – das sind die Qualitäten, an denen wir hauptsächlich arbeiten sollen.“
BARBARA RÜTTING


Leicht hat es ihr das Leben nicht gemacht. Ganz sicher nicht. Barbara Rütting wird in einem kleinen Ort in Brandenburg geboren. Sie ist die Älteste von fünf Geschwistern. Mitten in ihrer Kindheit bricht der Zweite Weltkrieg aus. Die Familie versucht, ihre Idylle auf dem Land zu retten, doch spätestens bei Kriegsende geht das nicht mehr, russische Panzer rollen ein. Barbara Rütting, ein junges Mädchen jetzt, verlässt das elterliche Haus Hals über Kopf. Vom Roten Kreuz wird sie von der Straße aufgelesen, bekommt die Chance, als Kindermädchen nach Dänemark zu gehen. Die heile Welt ihrer Kindheit – sie bleibt ein Sehnsuchtsort. Und eine Triebfeder für die Schauspielerei. Kann sie sich doch einen Wunschort und eine Wunsch-Persönlichkeit herbeispielen – auf der Bühne und vor der Kamera. Ein Freund ihres Vaters, Hans Rütting, bietet Hilfe an. Sie kommt zu ihm nach Flensburg. Und geht zum Schein eine Ehe mit ihm ein. Ein Schritt, der ihren Pragmatismus zeigt. Auch eine gewisse Härte gegenüber sich selbst. Dass die Ehe nicht gut gehen wird – es wäre ein Wunder, wäre es anders gekommen …
Wieder allein geht sie nach Berlin. Und wird durch einen glücklichen Zufall für die Schauspielerei entdeckt: Der Regisseur Gerhard Buchholz sucht neue, sprechende Gesichter für den jungen deutschen Nachkriegsfilm und bietet Barbara Rütting gleich eine Hauptrolle an. In „Postlagernd Turteltaube“. Zwar hat Barbara Rütting nie eine Schauspielschule besucht – aber sollte sie das davon abhalten, zuzusagen? Ganz sicher nicht! In den folgenden dreißig Jahren ihrer Schauspielkarriere spielt sie in 45 nationalen und internationalen Produktionen mit. Darunter Kultfilme wie „Die Geierwally“ oder der Antikriegsfilm „Die letzte Brücke“. Sie steht neben Maria Schell, Romy Schneider, Klaus Kinski und Kirk Douglas vor der Kamera. Über ihre Rollen am Theater sagte sie selbst einmal lachend, sie habe „so gut wie alle Neurotikerinnen der Weltliteratur“ gespielt. Von der Mutter Courage bis zur Lady Macbeth, sie hat sie alle gegeben, die starken Frauencharaktere. Kein Wunder, dass sie dafür besetzt wurde! Denn die Regisseure sahen ja, dass sie in diesen Rollen glaubwürdig war. Weil sie diese innere Kraft hat, eben dieses Leuchten … Wie hätte man sie da ein kleines Mauerblümchen spielen lassen können? Eine glatte Fehlbesetzung wäre das gewesen!

Ganz in ihrem Element: Das ist Barbara Rütting, wenn sie in ihrer Küche steht und Brot backt. Und sie ist es, wenn sie mit ihren Hündinnen „Buddhina” und „Lilly” spazierengeht


PARABEL VON DEN SCHNEEFLOCKEN

Wie oft denken wir, dass wir allein ja doch nichts ausrichten und verändern können. Barbara Rütting erzählt dazu folgende Parabel:

„Sag mir, was wiegt eine Schneeflocke?”, fragte die Tannenmeise die Wildtaube.

„Nicht mehr als ein Nichts”, gab sie zur Antwort.

„Dann muss ich dir eine wunderbare Geschichte erzählen”, sagt die Meise.

„Ich saß auf dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es zu schneien anfing; nicht etwa heftig im Sturmgebraus, nein, wie im Traum, lautlos und ohne Schwere. Da nichts Besseres zu tun war, zählte ich die Schneeflocken, die auf die Zweige und auf die Nadeln des Astes fielen und darauf hängen blieben. Genau dreimillionensiebenhunderteinundvierzigtausendneunhundertzweiundfünfzig waren es. Und als die dreimillionensiebenhunderteinundvierzigtausendneunhundertdreiundfünfzigste Flocke niederfiel, nicht mehr als ein Nichts, brach der Ast ab.” Damit flog die Meise davon.

Die Taube, seit Noahs Zeiten eine Spezialistin in dieser Frage, sagte zu sich nach kurzem Nachdenken: „Vielleicht fehlt nur eines einzelnen Menschen Stimme zum Frieden der Welt.”

Ach, die Liebe …

Auf der Bühne so stark – und im Leben immer wieder so verloren. Vor allem in der Liebe. 1952 wagte sie eine zweite Heirat. Mit Heinrich Graf von Einsiedel. Doch er ist eine herbe Enttäuschung. Vermutlich hatte er in Barbara Rütting nur die Trophäe gesehen, die er erobern wollte. Kaum hatte er sie, betrog er sie nach Strich und Faden. Während sie bei Drehs und auf Theatertourneen war, vertat er Zeit und Geld mit Partys, Bridge und Frauen. Später geht er mit der Bar „Dolce vita“ pleite – für die Barbara Rütting mit ihrem gesamten Vermögen gebürgt hatte. Nicht ihre letzte fatale Liebe … Bei Dreharbeiten verguckt sie sich später in den Fotografen Denis Cameron, der für das „Life Magazine“ arbeitet. Auch er betrügt sie immer wieder, doch sie kommt nicht von ihm los. Schließlich verübt sie seinetwegen sogar einen Selbstmordversuch.

Mit dem Regisseur Lutz Hochstraate beginnt sie Ende der 1960-er Jahre ein neues Leben auf dem Land. Es ist der Beginn ihrer ganz besonderen Liebe zu Tieren. Bald isst sie kein Fleisch und keinen Fisch mehr. Sie wird Vorreiterin einer „ökobewussten“ Ernährungsweise und schreibt 1976 ihr erstes vegetarisches Kochbuch. Über zwanzig weitere Kochbücher, Gesundheits- und Ernährungsratgeber folgen – viele davon Bestseller. Der Brief eines Eisenbahners, der täglich Kisten mit Versuchstieren verlädt, gibt schließlich den Ausschlag: Sie kehrt Glanz und Glamour den Rücken und nutzt ihre Bekanntheit nur noch, um sich für den Tierschutz einzusetzen. Nach zwanzig Jahren zerbricht ihre Beziehung mit Lutz Hochstraate. Er verlässt sie für eine Jüngere. Wieder ein Beben. Wieder steht Barbara Rütting auf. Und entdeckt in der Krise eine neue Leidenschaft: die Politik.

Gleichgültigkeit ist ein Fremdwort für sie: Barbara Rütting bezeichnet sich selbst als eine, „die es nicht lassen kann, sich zu kümmern”. Weil es getan werden muss, wie sie sagt


„Gesund und bewusst leben heißt für mich, damals wie heute, dass es nicht nur um meinen eigenen Bauch gehen kann und darf, sondern dass immer auch die Sorge um andere Lebewesen – Pflanzen, Tiere und Menschen – miteinbezogen sein muss.“
BARBARA RÜTTING


Ein wenig Glück für die Welt

Sie protestiert gegen Wiederaufrüstung und für Gewaltfreiheit. Sie tritt den Grünen bei, setzt sich für Menschenrechte, Tier- und Umweltschutz ein, wird Abgeordnete im Bayerischen Landtag. Erst 2009, mit 81 Jahren, legt sie ihr Mandat nieder. Heute lebt sie zurückgezogen, meditiert, pflegt ihre Seele – und hat ihre Biografie geschrieben: „Durchs Leben getobt“. Ein passender Titel. „Albert Einstein hat gesagt: ‚Wenn du ein glückliches Leben willst, verbinde es mit einem Ziel.‘ Ziel meines Lebens war und ist es nach wie vor, einen – wenn auch kleinen – Beitrag zu leisten, damit diese Welt ein wenig glücklicher wird. Und so ist es ein wunderbares Leben geworden. Trotz aller Irrungen und Wirrungen kann ich heute sagen: Was bin ich doch für ein Glückspilz!“ Diese Einstellung ist es wohl, die sie bis heute leuchten lässt. Jetzt, mit 91 Jahren, besonders hell.



BARBARAS NEUN KRAFT-REGELN
„Was mir immer wieder auf die Beine hilft …“
Tiefschläge kennt sie zur Genüge. Hier verrät sie uns ihre Hausmittel dagegen …


1Kreislauf ankurbeln oder entspannen

„Wenn ich mich in Schwung bringen will, atme ich fünfzehn Sekunden lang ein, halte zehn Sekunden den Atem an und atme fünf Sekunden lang aus. Zum Entspannen umgekehrt: fünf Sekunden einatmen, zehn Sekunden Atem anhalten und fünfzehn Sekunden ausatmen.”

2Das A und O: gesunde Ernährung

Als ausgebildete Gesundheitsberaterin empfiehlt Barbara Rütting eine vegetarische oder vegane vollwertige Ernährung mit vielen Vitaminen, Mineralien, Enzymen, ungesättigten Fettsäuren und Ballaststoffen. „Nach den Regeln der Vollwertkost sollten wir vier Dinge täglich zu uns nehmen: keimfähiges Getreide, Vollkornprodukte, Frischkost, also Salate aus rohem Gemüse und Obst, sowie natürliche Fette. Möglichst zwei Drittel der täglichen Nahrung sollten aus Roh-bzw. Frischkost bestehen – das sind also etwa fünf Hände voll.”

Barbara Rütting hilft tägliche Meditation dabei, Stress, Anspannung oder Müdigkeit abzubauen. Auf diese Weise fördert Meditation also auch die Gesundheit


„Ich glaube an gar nichts, halte aber nichts für unmöglich.“
BARBARA RÜTTING


3Banane, Schokolade und Nüsse machen glücklich

„Warum machen die drei denn glücklich? Serotonin heißt das Geheimnis. Mein Freund Ruediger Dahlke erklärt das so: Serotonin, ein Neurotransmitter, hat die Aufgabe, in unserem Leben für gute Stimmung zu sorgen. Es aktiviert die Stimmungszentren im Gehirn, das Ergebnis ist ein Gefühl von Zufriedenheit. Bei Stress und Sorgen sinkt die Stimmung und mit ihr der Serotonin-Spiegel.” Die Lösung ist der Nachschub der Aminosäure Tryptophan, einem Baustein von Serotonin. Dafür sorgen zum Beispiel Schokolade, Nüsse, Haferflocken, Hülsenfrüchte, Ananas, Bananen, Kiwis oder Tomaten.

4Stärkung für das Herz

„Herz-Kreislauf-Probleme begleiten mich seit meiner Kindheit. Es war mir absolut unvorstellbar, wie mein empfindsames Herz es schaffen sollte, so lange durchzuhalten – mehr als höchstens zwanzig Jahre hätte ich ihm nicht zugetraut. Jedenfalls hatte ich genügend Gelegenheiten, um auszuprobieren, was hilft, wenn das Herz, dem ja kaum jemals Ruhe gegeben wird, plötzlich stolpert, rast, aussetzt. Vor allem Stärkung ist angesagt, und da lobe ich den Weißdorn über den grünen Klee. Die berühmte Klosterfrau Hildegard von Bingen hielt Galgant für das „Gewürz des Lebens”. Die Galgantwurzel habe ich, als gepresste Tablette, in der Handtasche immer dabei.”

5Kräuter für die Gelenke

„Mit Kräutern, frisch oder getrocknet, wie Galgant, Ingwer, Kurkuma und Brennnessel können wir täglich Phytotherapie in der Küche betreiben. Die Teufelskralle wiederum ist mir als ziemlich bitterer Tee gegen Rheuma vertraut. Einer Mischung aus allen genannten Kräutern wird eine fabelhafte schmerzlindernde Wirkung bei Gelenkbeschwerden bescheinigt. Sie sollen sogar Gelenkknorpel bildende Fähigkeiten besitzen und Arthrose lindern, was ich bestätigen kann – meine Gelenkbeschwerden haben sich dadurch gebessert.”

6Güsse und Wickel

„Meine Kindheit war von Kneippianern geprägt. Statt mit Kaffee erfrischte sich Tante Frieda mit einem Armbad. War eins von uns fünf Kindern erkältet, machte meine Mutter uns Hals- oder Wadenwickel. Sie sind nicht mehr wegzudenken aus meinem Leben, die morgendliche kalte Dusche, die kalten Güsse und das heiße Fußbad nach der Sauna.” Als Grundregel: Der Körper sollte vor und nach der Anwendung warm sein. Mit dem kalten Guss immer bei den Körperteilen beginnen, die am weitesten vom Herz entfernt sind.

7Lachen ist die beste Medizin

„Der Leiter eines Lachclubs erzählte mir, er habe mit einer Gruppe in der U-Bahn angefangen zu lachen, und schlussendlich habe der ganze Waggon gewiehert, ohne zu wissen warum. Auch und gerade wenn uns überhaupt nicht zum Lachen zumute ist – warum nicht einmal ausprobieren? Lachen aktiviert mehr als zwanzig Muskeln, eine Miesepetermiene dagegen weniger als zehn. Lachen ist kostenlos, wirksam und garantiert ohne schädliche Nebenwirkungen. Man kann sich darin üben, die auch unangenehmen Situationen innewohnende Komik zu erkennen. Lieber herzhaft lachen, anstatt sich zu ärgern. Auch und besonders über sich selbst!”

8Trösterin in allen Lebenslagen

„Die gute alte Wärmflasche kann Wunder wirken. Bei Einschlafnöten und Traurigkeit unter den Nacken legen und /oder auf die Leber. Auch bei (Bauch-)Schmerzen und Verspannungen tut ihre Wärme gut.”

9Tiere sind heilsam

„Ohne meine Tiere, die vielen Hunde und Katzen, die mein langes Leben begleitet haben, hätte ich dieses Dasein nicht ertragen. Wenn Kater, Sweetie’ sich nachts samtpfotig heranpirscht, mit seinen Barthaaren engelzart über mein Gesicht streicht, bevor er seine Schnurrmaschine anwirft, oder Podenca-Hündin ‚Nela’ es sich auf dem Kopfkissen bequem macht und ich sehen muss, wie ich in der Besucherritze zurechtkomme – das ist Glückseligkeit pur.”

Zum Weiterlesen:
„Durchs Leben getobt” von Barbara Rütting (Autobiografie, Goldmann Verlag, 14 €) und „Was mir immer wieder auf die Beine hilft” von Barbara Rütting (Goldmann Verlag, 7,99 €)