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BARBE VON GRUND AUF: IN DER STRÖMUNG HART UND ZART


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 60/2018 vom 11.05.2018

Barben gehören zu den kampfstärksten Fischen unserer Gewässer. Die großen Bartelträger sind jedoch nicht immer leicht zu fangen. Unsere AutorenLeon Haenen undTim Janssen haben ein paar Taktiken gefunden, um die scheuen Friedfische in den Kescher zu bekommen.


Artikelbild für den Artikel "BARBE VON GRUND AUF: IN DER STRÖMUNG HART UND ZART" aus der Ausgabe 60/2018 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 60/2018

Leon Haenen hat diesen prächtigen Kämpfer in einem kleinen Fluss gefangen.


„BARBEN SIND DIE NEUEN TRENDFISCHE BEI FRIEDFISCHANGLERN. KAUM EIN FISCH BIETET EINEN HÄRTEREN DRILL.“


Im sehr trüben Wasser sind die Bisse knallhart. Die Rollenbremse muss entsprechend sensibel eingestellt werden.


Befreien Sie sich von Zwängen und eingefahrenen ...

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... Denkweisen! Denn wer Barben fangen will, muss flexibel sein und seine Montage immer wieder der Situation am Wasser anpassen. Nur wer dazu bereit ist, wird immer wieder gut fangen.

Grundsätzlich möchte man natürlich gerne wissen, ob in dem Fluss, den man beangeln will, überhaupt Barben vorkommen. Bei der Beantwortung dieser Frage kann Sie das Internet unterstützen. Es ist mittlerweile ein gutes Hilfsmittel, um bei der Vorbereitung auf das Angeln Stellen zu finden, an denen sich Barben aufhalten könnten. Wenn Sie sich für einen Fluss entschieden haben, hilft Google Maps perfekt, neue Plätze zu finden. Glauben Sie mir, es gibt nichts Schöneres, als sich seine eigenen Fluss-Strecken zu erkunden. Aus der Vogelperspektive am Bildschirm sieht man die vielen Buchten am Fluss und kann oft auch erahnen, wo es tiefer und wo es flacher ist. Das gilt vor allem für kleinere Flüsse.

ARGLOSES FRESSEN

Bei den Gewässern müssen wir deutlich unterscheiden – zwischen Flüssen mit klarem und angetrübtem Wasser. Wenn wir in einem Fluss mit trübem Wasser angeln, können wir davon ausgehen, dass die Barben beim Fressen weniger misstrauisch sind. Die vielen Ansitze der vergangenen Jahre haben uns gezeigt, dass die Fische unter diesen Umständen knallhart anbeißen. Bei der Nahrungssuche wühlen sie den Grund des Flusses um und stoßen dabei auch auf unseren Hakenköder. Nahezu ohne den Köder zu untersuchen, wird dieser arglos genommen. Um von diesem Verhalten optimal profitieren zu können, bevorzugen wir in trübem Wasser die Festblei-Montage. Wir verwenden ein unbeschwertes Vorfach in Kombination mit einem Helicopter-Rig. Als Vorfach am Seitenzweig kommt Fluorocarbon zum Einsatz. Am unteren Ende der Hauptschnur befindet sich ein Futterkorb, den wir mit eingeweichten Pellets füllen. Dank der Pressköder haben wir permanent eine Geruchsspur im trüben Wasser. Dabei wird ab und an auch ein ganzer Pellet aus dem Korb gespült. Das sorgt für eine interessante Futterspur. Auf diese Weise kann man auch nach heftigen Regenfällen in einem schokoladenbraun gefärbten Fluss angeln. Je trüber das Wasser, desto besser.

Der Maden-Hanf-Mix wird von der Strömung des Flusses langsam aus dem geschlossenen Futterkorb gespühlt.


Eine Mischung aus Grundfutter, Pellets und Mini-Boilies steht auf der Speisekarte der Barben ganz oben.


Ein Traum von Barbe, gefangen in einem glasklaren Fluss.


Frühstücksfleisch ist vor allem in wenig befischten Gewässern ein Top-Köder.


Partikel wie Maden, Hanf und Caster lassen sich mit einem Baitdropper punktgenau am Futterplatz abladen.


FLUCHT VOM FUTTERPLATZ

Im klaren Wasser beißen die Barben hingegen deutlich vorsichtiger. Obwohl es sicherlich auch Ausnahmen von der Regel gibt, haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich Barben in klarem Wasser schlechter fangen lassen. Sie sind schnell verscheucht. Wenn eine Barbe sich erschreckt, flüchten auch ihre Artgenossen, die sich am Futterplatz eingefunden haben. In klarem Wasser angeln wir daher bevorzugt mit einer Laufmontage. Die Schnur kann sich frei bewegen, und der Futterkorb wird nirgends blockiert. Er bewegt sich an einem Running-Rig, einem großem Kunststoff-Öhr. Das Vorfach besteht aus Fluorocarbon, damit die Präsentation so fein wie möglich ist. Außerdem zwingt uns das klare Wasser dazu, mit kleineren Ködern und Haken zu angeln.

MADEN AN DEN HAKEN

Zum Anfüttern verwenden wir meist ein Gemisch aus Maden und Hanf. Als Hakenköder setzen wir vorrangig auf Maden. Im klaren bis leicht angetrübten Wasser sind die kleinen Krabbler der beste Barbenköder. Alternativ kommen Acht-Millimeter-Pellets und Mini-Boilies von maximal zwölf Millimeter Durchmesser zum Einsatz.

Sowohl an recht großen als auch an kleinen Flüssen bringen Maden immer Barben auf die Abhakmatte. Wenn wir mit Madenklumpen im Futterkorb angeln, muss man die Krabbler mit „Sticky Mag“, einem Madenkleber zusammenfügen. Dadurch bleiben sie nicht nur länger im Korb, es werden auch immer wieder ein oder zwei Maden aus dem Korb gespült.

Das Madenkleben funktioniert kinderleicht. Als erstes feuchtet man die Krabbler mit Wasser an. Am besten klappt das mit einer Sprühflasche. Anschließend gibt man den Kleber dazu und verrührt ihn unter den Maden. Seien Sie bitte nicht zu sparsam mit dem Kleber, dann erhalten Sie das optimale Ergebnis. Anfangs muss man vielleicht ein bisschen üben, um das richtige Verhältnis zwischen Kleber und Wasser zu bekommen. Aber wenn man es erst einmal gefunden hat und die Maden ausgezeichnet aneinanderhaften, möchte man nie mehr ohne Madenkleber ans Wasser gehen. Zum Befüllen des Futterkorbs bricht man einfach einen Brocken vom Madenklumpen ab und stopft ihn in den Korb.

BEIM FÜTTERN KLOTZEN

Wenn wir mit Maden füttern, verwenden wir die Krabbler auch als Hakenköder. In kleineren Flüssen sind sie mit Abstand der beste Köder. Allerdings muss man bereit sein, einige Liter davon mitzunehmen und zu füttern. Mit einem halben Liter Maden kommt man nicht weit. Außerdem füttern wir auch kleine Partikel wie gequollenen Hanf und Caster – meist als eine Mischung. Das geschieht mit einem geschlossenen Madenkorb. Am Ende des Vorfachs ringeln sich dann vier quirlige Maden auf dem Haken. Bevor wir die Caster einsetzen, geben wir sie in eine Köderbox mit Wasser. Hierbei treiben einige Caster auf und schwimmen nun an der Oberfläche. Sie werden aussortiert, weil sie die Fische nur stromabwärts locken würden.


„AUF NAHRUNGSSUCHE WÜHLEN SIE DENGRUND DES FLUSSES UM UND STOSSEN AUF DEN HAKENKÖDER.“


Fangplätze: In den tieferen Rinnen eines Flusses darf man immer mit Bissen rechnen.


Das Trotting, das Angeln mit der treibenden Pose, ist eine äußerst spannende und fängige Alternative zum Grundangeln.


KLEINE STINKBOMBEN

Eine gute Alternative zu den Naturködern sind Pellets in unterschiedlichen Größen. Die Firma Sonubait bringt sie in diversen Geschmacksnoten auf den Markt. Die Pellets werden vor dem Angeln eingeweicht. Wir bedecken sie kurz mit Wasser, das wir dann schnell wieder abgießen. Anschließend lassen wir die Köder zehn Minuten lang ziehen. Dadurch werden die Pellets weicher und sind besser in der Lage, noch extra Flavour aufzunehmen. Dann geben wir den Extra-Lockstoff – und gelegentlich auch noch gequollenen Hanf – dazu. Der Mix ist einsatzbereit.

Als Köder Nummer drei kann Frühstücksfleisch an Flüssen mit wenig Angeldruck für wahre Beißorgien sorgen. Wir schneiden das Fleisch in kleine Würfel, die sich mithilfe einer Köderschraube perfekt am Haar anbieten lassen. In den Futterkorb kommen dann fein geschnittene Brocken vermischt mit Hanf und Castern.

WETTERFÜHLIGE FISCHE

An kleinen Flüssen ist es oft recht einfach, Barben zu fangen, wenn man einmal weiß, wo sich die Fische aufhalten. Wir sind aber von einer Reihe von Faktoren abhängig, die nicht beeinflussbar sind. Wir können uns meist unsere Angeltage nicht aussuchen und müssen mit den Bedingungen klarkommen, die wir am Wasser vorfinden. Barben reagieren sehr empfindlich auf einen Wetterumschwung. Wenn man an einem Tag angelt, an dem es zum Vortag hin deutlich kälter ist, oder wenn nach langer Zeit der Trockenheit Regen einsetzt, dann bleiben die Mäuler der Fische geschlossen. Wenn man dann trotzdem losgeht, muss man auf eine kurze Beißzeit hoffen. Eine Chance hat man allerdings immer. Auch Änderungen der Windrichtung können dazu führen, dass die Bartelträger plötzlich beißen.

Mit allen Sinnen auf Nahrungssuche: Barben können mit ihren Barteln gut fühlen, haben einen stark ausgeprägten Geruchssinn und ein äußerst sensibles Gehör.


Sommerliche Fänge in den Abendstunden: Tim Janssen (l.) und Leon Haenen haben ein weiteres Mal ihre Zielfische überlistet.


Barben mögen es überhaupt nicht, wenn die Wassertemperatur plötzlich stark sinkt. Bereits ein paar Grad Temperaturabfall führen zu Beißflauten. Halten die niedrigen Temperaturen dagegen über ein paar Tage an, werden die Fische wieder aktiv. In der Vergangenheit haben wir sie in Wassertemperaturen bis fünf Grad gefangen. Wenn das Wasser noch kälter ist, werden die Fische passiv und stellen sogar häufig das Fressen komplett ein. Im Winter nehmen wir immer ein Thermometer mit ans Wasser. Beim Temperaturcheck kommen wir recht schnell zu einer Entscheidung, ob ein Ansitz überhaupt Sinn macht. So haben wir Barben schon bei Außentemperaturen unter dem Gefrierpunkt gefangen, während das Wasser immer noch fünf Grad „warm“ war.

GEDULDIG FÜTTERN

Barben beißen sowohl in Zeiten von Hochdruck- als auch Tiefdruckgebieten. Sie brauchen nicht so lange wie andere Fischarten, um sich wechselnden Wetterverhältnissen anzupassen. An den Umschwungtagen sind sie zwar schwieriger an den Haken zu kriegen, aber wenn sich eine Wetterlage erst einmal ein paar Tage gehalten hat, legen die Barben auch wieder ausgedehnte Fresstage ein.

Für den Barbenfang an kleinen Flüssen muss der Angler bereits vor dem Auslegen der Montagen eine gehörige Portion Geduld aufbringen. Man bereitet den Hanf, die Caster und die Pellets zu, außerdem das Grundfutter. Dann legt man in kurzen Abständen von einer Minute einen Futterplatz an. Füttern Sie beständig weiter und lassen Sie die Rute erst einmal links liegen. An kleineren Gewässern geschieht das Füttern mit einem sogenannten Baitdropper. Mit ihm lassen sich schnell und punktgenau Partikel ausbringen und ein Futterplatz aufbauen.

Ist die Stelle ausreichend angefüttert, was eine gute Viertelstunde in Anspruch nimmt, warten wir zunächst noch eine weitere halbe Stunde, ehe wir mit dem Angeln beginnen. Wir legen also ein paar Liter Hanf, Caster und Pellets am Grund ab. Hintergrund für diese akribische Vorbereitung: Wenn die Barben erst einmal Vertrauen in den Platz gefasst und sich auf das Futter gestürzt haben, lassen sie sich aufgrund des Futterneides nicht so schnell von einem gehakten Artgenossen scheu machen. Diese Taktik funktioniert sehr gut. Allerdings muss man die Geduld aufbringen, den Futterplatz längere Zeit nicht zu befischen. Wenn man sich leise verhält und vorsichtig drillt, kann man mehrere Fische hintereinander aus dem Schwarm fangen. Wer zu schnell mit dem Angeln beginnt, riskiert, dass die ersten anwesenden Fische schnell Verdacht schöpfen und verschreckt den Platz verlassen, wenn der erste Artgenosse gedrillt wird.

ALARMIERENDE SINNE

Barben haben einen sehr guten Geruchssinn. Daher sollte man seine Köder entsprechend aromatisieren. Seien Sie nicht zu sparsam. Halten Sie sich vor Augen, dass sich der Lockstoff schnell im Wasser verdünnt. Die Nasenöffnung der Barbe liegt über ihrem Maul. Das Wasser, das durch die Öffnung strömt, stößt auf Rezeptoren, die unser Köderaroma auch aus größerer Entfernung wahrnehmen können. Ein weiterer Beweis für den guten Geruchssinn der Barbe: Sie findet dunkle Acht-Millimeter-Pellets in schokoladenbraunem Wasser.

Außerdem haben die Fische ein sehr gutes Gehör. Sie sind im Stande, kleinste Erschütterungen wahrzunehmen. Achten Sie darauf, leise aufzutreten und nicht zu stolpern, wenn Sie sich der Angelstelle nähern. Sonst schöpfen die anwesenden Fische schnell Verdacht und nehmen den Futterplatz nicht so gut an, als wenn man vorsichtig zu Werke gegangen wäre. Auch das Tragen von zu heller Kleidung kann die Barben alarmieren.


FOTOS: T. JANSSEN, L. HAENEN

FOTOS: L. HAENEN, T. JANSSEN

FOTOS: L. HAENEN, T. JANSSEN

FOTOS: L. HAENEN, T. JANSSEN