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Basel


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Clever reisen! - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 05.10.2021

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Bildquelle: Clever reisen!, Ausgabe 4/2021

Hier ist der Rhein noch blau. Im Strom darf gebadet werden. Das Münster ist ein Wahrzeichen der Stadt

Manchmal denke ich, dass die Baseler kein schönes Zuhause haben. Bis spät in die Nacht tafeln sie in Restaurants, flanieren am Rhein oder trinken Bier oder Wein in einer ihrer vielen Kneipen. Am miesen Fernsehprogramm kann es nicht liegen, denn im Dreiländereck Schweiz, Frankreich, Deutschland gibt es eine Auswahl wie sonst nirgendwo in Europa. Die Häuser und Wohnungen sind groß und, wie ich durch die offenen Fenster sehen kann, gemütlich eingerichtet. Aber warum gehen sie so lange aus? Auch manchmal horrende Preise können offenbar nicht abschrecken. Ein schlichter Burger kostet mindestens 23 Franken (21,20 Euro), ein Steak mit Pommes Frites 45 Franken, ein Glas Weißwein mindestens 10 Franken.

Die ausgehfreudigen Baseler sitzen vor allem in Restaurants an der Rheinpromenade, in den mittelalterlichen Gassen der Altstadt und zahlen für ein kleines Dinner 100 Franken, obwohl keine dreißig Minuten ...

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... weiter mit der Straßenbahn im deutschen Weil und Lörrach oder französischen Mühlhausen für ein ähnliches Menü nur die Hälfte gezahlt werden müsste.

„Es ist die Lust am Essen, Trinken und Reden“, erklärt mir Isidora Rudolph vom Fremdenverkehrsamt „Basel Tourismus“. Lächelnd fügt sie hinzu: „Sie lieben ihre Stadt. Außerdem schmecken Fleisch, Fisch oder Wein hier irgendwie anders als jenseits der Grenze. Es ist so patschiiilig. Man kann hier besser güngele.“ Aha. Wie bitte?

„Patschiilig“ steht für gemütlich, „güngele“ für einen zwitschern. Und das kann man seit dem Sommer auch zu moderateren Preisen, wenn man etwas nachforscht. Die Baseler Wirte haben sich etwas einfallen lassen.

Da gibt es seit Juli die Biertour (neu-baserlerisch „beertour“), auf der man sich für 20 Franken einen ordentlichen Schwips antrinken kann. Auf jeder Station gibt es drei Sorten Bier zu probieren, zum Beispiel das kultige „Ueli Bier“ in der „Fischerstube“ oder würziges Craft-Bier in der Volta Brauerei. Zwischendurch kann in der Kneipe „Zum BIerjohann“ (Elsässer Str. 17) unter 18 Biersorten gewählt werden.

Auf der „Food Tour“ kann man sich für 33 Franken von morgens bis abends satt essen vom Frühstück in der Bäckerei „KULT“ (Elsässer Str. 43) bis zum schwedisch angehauchten „Hejköh“ (Spalenberg 15). Da alle Stationen (auch wegen Corona-Beschränkungen) an einem Tag kaum zu schaffen sind, kann die Tour an mehreren Tagen hintereinander gemacht werden

Doch nicht nur Essen und Trinken können günstig sein. Es gibt auch preiswerte Hotelswie das Designer-Hostal am Rheinufer des St. Alban-Stadtviertel, wo das Doppelzimmer für zwei Personen rund 125 Franken kostet. Dazu gibt es einen Pass für Freifahrten in allen öffentlichen Verkehrsmitteln.

Trotz günstiger Preise würde niemand eine Stadt besuchen, in der es wenig zu sehen gibt. Da hat Basel sowohl viele historische Bauten als auch moderne Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Mein liebster Stadtrundgang ist die „Burchhardt Tour“, genannt nach dem Kulturhistoriker Jacob Burchhardt, der von 1818 bis 1897 lebte. Sie beginnt am roten Rathaus, vor dem an Marktständen Spezialitäten wie „Leckerli“ (Honiglebkuchen), Käse, Marmelade und Gemüse der Region verkauft werden, preiswert und frisch.

Gegenüber dem Rathaus hat das Traditionscafé „Schiesser“ die besten Torten und Kuchen der Stadt. Es wird köstlicher Cappuccino, die wohl beste heiße Schokolade und prickelndes Kübli (Schaumwein) serviert. Beim Chocolatier „Läderach“ gleich nebenan werden die raffiniertesten Pralinenund Schokoladenmischungen hergestellt und verkauft. Von dort geht es ein paar Treppenstufen aufwärts durch mittelalterliche Gassen zum Tinguely-Brunnen mit seinenWasserspielen. Auf dem Weg dahin laden Confiserien, Teestuben und Galerien zum Verweilen oder Kaufen an. Es gibt kleine Boutiquen mit selbst entworfener Mode. In romantischen Hinterhöfen werden Snacks und Getränke angeboten.

In der „Kunsthalle“ gibt’s Gourmetmenüs

Nach einer wirklich sehr langsam durchbummelten Dreiviertelstunde komme ich zum Theaterplatz, geprägt von der neugotischen Elisabethkirche und einem modernen Theaterbau. Basels Hauptbühne gilt als eine der besten deutschsprachigen Theater. Wenige Schritte entfernt steht die „Kunsthalle“. Es ist allerdings kein Gemäldetempel, sondern ein sehr elegantes Gourmetrestaurant mit einem schattigen großen Innenhof. Es scheint den Pächtern sehr gut zu gehen. Sie gönnen sich und ihren Angestellten zwei freie Tage (Sonntag und Montag).

Genau wie die Kunsthalle kein Museum ist, so ist das benachbarte „Stadtcasino“ keine Spielhalle. Sie gehört zu den zehn besten Konzertsälen der Welt. Im ersten Coronajahr 2020 wurde das Haus nach vier Jahren Renovierung wieder eröffnet. Der Konzertsaal gilt als akustisches Weltwunder. Er wurde vom Baseler Architektenbüro Herzog und de Meuren geschaffen, das auch die Hamburger Elbphilharmonie konzipierte Auch die Pausensäle sind eine Besichtigung wert.Die vermutlich größten Kronleuchter zwi-schen Berlin und Paris zieren die Decke.

Das dritte sehenswerte Gebäude am Platz ist die Elisabethkirche, neu erbaut zwischen 1857 und 1864. Natürlich ist auch sie kein Gotteshaus mehr, sondern wird für Konzerte genutzt. Sie kann auch für Hochzeiten gemietet werden.

Hinter der Kirche wird gefeiert

Das Ende meines Rundgangs ist das Baseler Münster, das vom Barfüsserplatz durch eine Kopfsteinpflaster-Gasse in wenigen Minuten zu erreichen ist. Das riesige Kirchengebäude aus rotem Sandstein hat zwei fast siebzig Meter hohe Türme. In einem Seitenflügel liegt das Grab des Humanisten Erasmus von Rotterdam, der 1536 in Basel starb. Durch einen Kreuzgang gelangt man zur riesigen Terrasse. Von dort habe ich den schönsten Ausblick auf den Rhein, den Stadtteil Klein-Basel biszum Dreiländereck. Da die Sicht klar ist, kann ich bis zu den französischen Vogesen blicken. Ringsum herrscht munteres Leben. Die Baseler feiern hier gern Geburtstage oder sogar kleine Hochzeiten. Terrassenmiete muss nicht gezahlt werden. Getränke und Snacks sind aber mitzubringen. Feiern auf Kirchengelände, dinieren in der „Kunsthalle“, Musik-Hochgenuss im „Stadtkasino“. Basel kann irritieren.

Doch es gibt auch Kunst, wo „Kunst“ an der Fassade steht, nämlich im „Kunstmuseum“ und im „Museum Tinguely“. Jean Tinguely (1925 – 1991) war der geniale Schweizer Eisenplastiker, der aus Rädern, Eisen- und Blechteilen bizarre Maschinenplastiken schuf. Über drei Millionen Besucher haben das Haus und seine Sonderausstellungen in den vergangenen 25 Jahren besucht.

Kunst aus vielen Jahrhunderten

Das „Kunstmuseum“, das als das erste öffentliche Museum weltweit gilt, gehört zu den besten der Erde. Rund 4000 Gemälde von mittelalterlichen Werken der Holbein- Familie bis zur Moderne mit millionenteuren Bildern von van Gogh, Rembrandt, Picasso oder Dali sind zu sehen. Dazu kommen rund 300 000 Zeichnungen und Drucke. Regelmäßig gibt es Sonderausstellungen, als nächste eine mit den bedeutendsten Werken von Camille Pissarro.

Auch bei schlechtem Wetter ist Basel also nie langweilig. Meistens allerdings ist es in der Stadt wärmer als etwa in Zürich oder Bern. Bis in den November hinein kann draußen bewirtet werden. Schon Ende Mai beginnt das spritzige Brunnenbaden. In rund 13 Brunnen der Stadt kann geplanscht werden. Wieder geöffnet sind die Uferbäder am Rhein.

Eine weitere Attraktion sind die Ausflüge mit Weidling-Booten. Mit einem lasse ich mich eine Stunde am Rheinufer entlang rudern. Es ist eine kleine Stadt-Besichtigung vom Wasser aus. Die Boote sind rund zehn Meter lang und werden ähnlich wie die venezianischen Gondeln von einem Stehruderer bewegt und gesteuert. Spannend wird es bei den Flussüberquerungen, denn der Rhein hat in Basel eine starke Strömung. Aber bislang ist noch kein Boot umgekippt. Schon vor rund 5000 Jahren sollen Weigling-Boote gebaut worden sein. Jetzt wurden sie wiederentdeckt und sind zur Attraktion in Coronazeiten geworden. Denn Abstand ist auf ihnen automatisch.

Basel ist zum neuen Trendziel bei Städtereisen geworden. Das haben auch die internationalen Hotelkonzerne gemerkt. Trotz über 100 Hotels und Pensionen in Basel, darunter das aus dem 17. Jahrhundert stammende heutige Luxushotel „Les Trois Rois“ (Die drei Könige), werden in den nächsten Monaten vier neue Hotels im Vier- und Fünf- Sterne-Bereich eröffnet.

Text: Wolfgang Polte

GUT ZU WISSEN: BASEL

Anreise: Fast im Stundentakt fährt die Deutsche Bahn von Köln, Hamburg, Berlin, München nach Basel, Sparpreise ab 22,50 Euro.Beste Reisezeit: Zwischen Frühjahr und Ende Oktober

Insidertipp: Die Baseler Fastnacht, eine Woche nach dem deutschen Rosenmontagswochenende, ist eine der beeindruckendsten Ereignisse in Europa. Sie dauert 72 Stunden und ist ein fast mystisches Ereignis mit unheimlich wirkenden Maskenfiguren, schräger Musik, besonderem Essen (Mehlsuppe) und scharfen Getränken.

Übernachtungen: Pauschale für 2 Personen mit Frühstück: Hotel Euler (gehobene Mittelklasse), zentral gelegen, ab 311 Euro. Infos:Ameropa, www.ameropa.de.

„Radisson Blue“, sehr gutes Stadthotel, alle Sehenswürdigkeiten sind schnell auch zu Fuß zu erreichen. Mit dem witzigsten Frühstückskellner der Stadt: (4,5 Sterne, 1 Nacht für zwei Personen ab 155 Euro).

Einkaufs-Tipp: Die Preise für Lebensmittel und Getränke in Discountermärken wie Aldi, Lidl, Migros sind ähnlich wie in Deutschland. Das gilt auch für Kleidung. Schönstes Souvenir: Baseler Lerckerli und Pralinen, sehr gut, aber teuer. Schachtel ab 25 Euro.

Spartipp: Die „Basel Card“, kostenlos ab einer Übernachtung im Hotel oder Hostal. Damit sind alle öffentlichen Verkehrsmittel frei. 50Prozent Rabatt für Museen, Zoo, Sightseeing- Bus.

Insidertipp: Mit E-Bike vom Bahnhof SBB auf Stadttour. 20 Franken pro Tag Für Singles: Das Gundeldingen“ (Gundeli) und das Klybeck-Quartier (baseldeutsch „Glyybi), mit Bars Cafés, Freizeitangeboten und Shops. Hier lernt man sich schnell kennen.

Für Paare: „Papa Joes Caribbean Bar“, Steinenberg 14.

Für Familien: Museum Tinguely“. Hier dürfen Mädchen und Jungen auf Kunstwerke steigen, an Rädern drehen, toben.

Infos -auch über aktuelle Ausstellungen und Termine Basel Tourismus, www.basel.com