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Basiswissen Heiltees


LandIDEE - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 19.12.2018

Eine Tasse mit warmem Tee, ist die einfachste und schnellste Methode, die wohltuenden Krafte von Heilpflanzen zur Linderung verschiedener Beschwerden zu nutzen. Der Medizinwissenschaflter Dr. Johannes Mayer erklart uns, was bei einem Auszug mit heisem oder kaltem Wasser zu beachten ist, um die wertvollen Inhaltsstoffe der Krauter optimal zu gewinnen.


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Bildquelle: LandIDEE, Ausgabe 1/2019

Medizinaltees werden grundsatzlich ohne Zucker getrunken. Wenn sie gar nicht schmecken, kann man zum Susen etwas Honig in die Tasse hineinlaufen lassen


Fur Heiltees nimmt man Einzelkrauter und mischt sie selbst zusammen. Es gibt auch Teebeutel mit fertigen ...

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... Mischungen in Apothekenqualitat. Deren Vorteil: Die unterschiedlich schweren Bestandteile konnen sich nicht wie beim losen Tee entmischen


Nur auf den ersten Blick scheint man beim Teekochen nichts falsch machen zu können. „Tatsächlich ist es sogar möglich, die Wirkung eines Arzneitees durch Fehler bei der Zubereitung herabzusetzen oder sogar völlig zu zerstören“, erfahren wir von dem Medizinhistoriker Dr. Johannes Mayer. „Doch wer einige wenige grundlegende Regeln beachtet, wird beim Auszug der wertvollen Inhaltsstoffe aus den Heilpflanzen mit Hilfe von Wasser stets ein optimales Ergebnis erzielen.“
Es gibt drei Methoden, einen gesundheitsfördernden Tee zuzubereiten (siehe Seite 129). Welche man wählen sollte, ist nicht nur abhängig von den wirkungsbestimmenden Inhaltsstoffen, sondern auch von der Art der Drogen – so werden in der Fachsprache die verwendeten Pflanzenteile genannt. Gemeint sind damit die Blüten (z. B. von Kamille und Holunder), die Blätter (Melisse, Minze, Salbei), das ganze oberirdische Kraut (Thymian, Spitzwegerich), die Früchte (Anis, Fenchel, Wacholder) und die Wurzeln (Baldrian, Eibisch). Die Rinde einiger Bäume (Eiche, Weide) wird ebenfalls genutzt.

Im Verhältnis 1:10

Bei allen drei Zubereitungsarten beträgt das Verhältnis von Pflanzenteilen zu Wasser eins zu zehn. Am häufigsten wird der Medizinaltee überbrüht – das ist die „normale“ Methode, die wir alle kennen. „Der Aufguss wird vor allem für Blüte, Blatt und Kraut eingesetzt“, so der Leiter der Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg. „Neben der richtigen Dosierung sind hier die Ziehzeiten wichtig. Diese sind abhängig von den verwendeten Pflanze und den Inhaltsstoffen. Für Blüten und weiche Blätter reichen 5 Minuten, vor allem, wenn das leicht flüchtige ätherische Öl der entscheidende Wirkstoff ist. Harte Blätter, Früchte und Kräuter dagegen benötigen etwa 10 Minuten. Noch länger brauchen Bitter- und Gerbstoffe, bis sie gelöst sind – etwa 10 bis 15 Minuten.“ Durch die Ziehzeit kann man die Wirkung eines Tees sehr gut steuern, wie etwa bei den Salbeiblättern: Erst löst sich vor allem das ätherische Öl. Nach und nach kommen immer mehr Bitter- und Gerbstoffe hinzu, die allerdings bei vielen Beschwerden ebenfalls erwünscht sind. Wer beide Inhaltsstoffe haben will, wählt eine Ziehzeit von 10 Minuten.

HEISSER AUFGUSS FÜR BLÜTE, BLATT & KRAUT

FENCHELTEE

BEI REIZDARM

ZUTATEN: jeweils 30 g Fenchelfruchte, Pfefferminzblatter, Kalmuswurzel

ZUBEREITUNG:
1 Die Zutaten gut mischen.
2 1 TL der Mischung mit dem Morser anstosen, damit die Olbehalter in den Fenchelfruchten aufgehen.
3 Sofort mit 250 ml kochendem Wasser ubergiesen.
4 Zugedeckt 5–10 Minuten ziehen lassen, abseihen.
ANWENDUNG: 2- bis 3-mal taglich 1 Tasse des warmen (nicht heisen) Tees schluckweise trinken

THYMIAN-SPITZWEGERICH-MISCHUNG

BEI BRONCHITIS UND HUSTEN

ZUTATEN: 40 g Thymiankraut, 30 g Spitzwegerichblatter, 10 g Schlusselblumenwurzel, 20 g Anisfruchte

ZUBEREITUNG:
1 1 TL der Mischung mit dem Morser kurz anstosen, damit die Olbehalter der Anisfruchte aufgehen.
2 Mit 250 ml heisem Wasser ubergiesen. Zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen.
ANWENDUNG: Taglich 4 Tassen des Tees trinken

BALSAM FÜR DIE ATEMWEGE

EIBISCHTEE

BEI ENTZUNDUNGEN IM MUND UND RACHENRAUM UND BEI HUSTENREIZ

ZUTATEN : 1 EL klein geschnittene Eibischwurzel und Eibischblatter

ZUBEREITUNG :
1 Wurzeln und Blatter in 250 ml kaltes Wasser geben.
2 1 bis 2 Stunden ziehen lassen, dabei mehrfach umruhren.
3 Abseihen und kurz aufkochen.
ANWENDUNG: Mehrmals taglich mit dem frisch hergestellten Tee gurgeln und die Mundhohle spulen

Eine sehr alte Form der Zubereitung ist die Abkochung. Sie kommt für harte und sehr harte Pflanzenteile wie Rinden und Wurzeln zum Einsatz, in denen die Wirkstoffe fest gebunden sind. Die Kochzeit richtet sich nach der Beschaffenheit der Pflanze: Die Wurzeln von Brennnessel und Löwenzahn kocht man kurz auf und lässt sie 5 Minuten auf kleiner Flamme weiterköcheln, während Eichenrinde 15 bis 20 Minuten köcheln sollte.

Schleimstoffe erhalten

Der Kaltauszug, die dritte Methode, wird ebenfalls für härtere Pflanzenteile genutzt – nicht zuletzt, um zu verhindern, dass sich bestimmte Inhaltstoffe zu stark lösen, wie etwa Gerbstoffe. Empfehlenswert ist diese Zubereitungsart für die Baldrianwurzel, wenn sie der Hauptwirkstoff des Tees ist, wie im Schlaftrunk (s. u.). Auch Pflanzen mit Schleimstoffen werden kalt ausgezogen: Zu starkes Erhitzen zerstört diese Substanzen, die sich sich beim Trinken wie ein Film um die Schleimhäute in Mund und Rachen legen.

Frisch oder getrocknet?

„Viele Menschen glauben, dass frisch geerntete Kräuter, sofort verwendet, wirksamer seien als getrocknete. Das stimmt nicht. Bei einer sachgemäßen Trocknung geben die Pflanzen nur das Wasser ab, während die Wirkstoffe erhalten bleiben. Bei der Teezubereitung mit frischen Kräutern sollte man aber unbedingt beachten, dass man wegen ihres hohen Wasseranteils die vierbis fünffache Menge einsetzen muss, um die gleiche Wirkung zu erzielen – also statt ein bis zwei Teelöffel zwei bis drei Esslöffel“, ergänzt der Dozent, der sein Wissen auch in Seminaren und Vorträgen weitergibt.

HEILTEE LANGSAM UND MIT BEDACHT TRINKEN

STOFFWECHSELTEE

ZUR ANREGUNG DES STOFFWECHSELS UND BEI LEBER UND GALLENPROBLEMEN

ZUTATEN :
2 TL Lowenzahnwurzel und -kraut

ZUBEREITUNG:
1 Die Zutaten mit 250 ml kaltem Wasser ubergiesen und kurz aufkochen.
2 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen.
ANWENDUNG: 2- bis 3-mal taglich 1 Tasse vor den Mahlzeiten trinken

SCHLAFTEE

ZUM EINSCHLAFEN UND ZUR BERUHIGUNG

ZUTATEN : 1–2 TL zerkleinerte Baldrianwurzel, Teemischung aus Passionsblume, Melissenblattern und Lavendelbluten (zu gleichen Teilen)

ZUBEREITUNG:
1 Die Baldrianwurzel mit 250 ml kaltem Wasser ubergiesen und abdecken.
2 Den Ansatz einen guten halben Tag ziehen lassen – am besten gleich am Morgen vorbereiten. So losen sich die Inhaltstoffe (atherisches Ol, Valerensaure und Lignane) am besten.
3 Da der Baldriantee den meisten Menschen nicht gut schmeckt, zusatzlich 1 TL der Passionsblumen-Mischung mit 250 ml kochendem Wasser ubergiesen und 5 Minuten ziehen lassen, dann abseihen.
4 Diesen Sud mit dem abgeseihten Baldriantee mischen – das ergibt 2 Tassen fur einen guten Schlaf.
ANWENDUNG: Die beiden Tassen 1–2 Stunden vor dem Zu-Bett-Gehen trinken

HERZTEE

BEI LEICHTEN (FUNKTIONELLEN) HERZ BESCHWERDEN

ZUTATEN :
20 g Melissenblatter, 20 g Herzgespannkraut, 30 g Baldrianwurzel (sehr fein geschnitten), 30 g Weisdornkraut

ZUBEREITUNG:
1 1–2 TL der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser ubergiesen und 10–15 Minuten ziehen lassen.
2 Danach abseihen.
ANWENDUNG:
Mehrmals am Tag eine frisch zubereitete Tasse trinken

BLASENTEE

BEI CHRONISCHEM BLASENLEIDEN

ZUTATEN:
jeweils 10 g Liebstockelwurzel, Hauhechelwurzel, Lowenzahnwurzel, Wacholderbeeren, Barentraubenblatter, Birkenblatter, Goldrutenkraut, Thymiankraut, Anisfruchte und Berberitzenwurzel

ZUBEREITUNG: 1 Alle Zutaten gut miteinander vermischen.
2 1 EL der Mischung mit 250 ml kaltem Wasser ubergiesen und 6–8 Stunden ziehen lassen.
3 Kurz erwarmen, dann abseihen.
ANWENDUNG: Uber 2 Wochen taglich 2 Tassen trinken. Zur Unterstutzung der Durchspulung zu jeder Tasse Tee noch ein Glas Wasser trinken

DREI ARTEN DER ZUBEREITUNG

ABKOCHUNG (DEKOKT)

Die Heilkrauter werden mit kaltem Wasser in einem Topf aufgekocht. Anschliesend lasst man sie je nach Beschaffenheit weitere 5–30 Minuten kocheln, bevor sie abgeseiht werden.

KALTAUSZUG (MAZERAT)

Man gibt die Heilpflanzen in kaltes Wasser, lasst sie mehrere Stunden ziehen und ruhrt dabei wenn moglich ab und zu um. Nach dem Abseihen wird der Sud vor der Einnahme leicht erwarmt.

AUFGUSS (INFUSION)

Die Heilpflanzen werden in der Tasse oder der Kanne mit kochendem oder sehr heisem Wasser ubergossen. Zugedeckt (wichtig!) je nach Beschaffenheit 5–15 Minuten ziehen lassen, dann abseihen.

Dr. Johannes Mayer ist der Leiter der Forschergruppe Klostermedizin an der Universitat Wurzburg, die verschiedene Ausbildungen in der Heilpflanzenkunde anbietet. Weitere Informationen gibt es unter Tel. +49 (0) 931/8 32 64 oder unterwww.klostermedizin.de

Kleine Teezerenomie

Eingenommen wird ein Medizinaltee in Ruhe im Sitzen wie bei einer kleinen Teezeremonie. Am besten wirkt er auf nüchternen Magen, langsam und in kleinen Schlucken getrunken. Auch die Temperatur spielt eine entscheidende Rolle: Denn so angenehm eine dampfend heiße Tasse auch sein mag – nur bei Schwitzkuren sollte der entsprechende Lindenblüten- oder Holunderblütentee möglichst heiß und schnell getrunken werden, damit er das Schwitzen richtig unterstützen kann.

Nicht zu heiß trinken

Dr. Johannes Mayer: „Alle anderen Heiltees sollten vor der Einnahme etwas abkühlen. So kann man sie lange im Mund behalten und langsam hinunterschlucken, und die Inhaltsstoffe haben Zeit, in Schleimhaut und Blutkreislauf einzudringen. Das ist besonders wichtig bei Entzündungen im Mund und Rachenraum, bei Halsschmerzen und Husten, bei denen die Wirkstoffe lange in der Nähe der erkrankten Stellen verbleiben sollten.“ Für diese und andere häufig auftretende Beschwerden hat unser Experte einige bewährte Rezepte ausgewählt, um die richtige Zubereitung zu zeigen. Arzneitees sind aber keine Getränke für den dauerhaften Genuss: Nach vier bis sechs Wochen sollte man zwei Wochen pausieren oder die Pflanzen durch ähnlich wirksame ersetzen, da sich der Organismus an die Inhaltsstoffe gewöhnt hat.

ERDRAUCHTEE

BEI LEBER UND GALLENPROBLEMEN

ZUTATEN: 2 TL Erdrauchkraut

ZUBEREITUNG:
1 Fur den Kaltauszug das Kraut mit 500 ml Wasser ubergiesen und den Ansatz uber Nacht stehen lassen.
2 Danach abseihen.
ANWENDUNG: Mittags und abends zu den Mahlzeiten jeweils 1 Tasse etwas angewarmten Tee trinken

RICHTIG LAGERN UND NUTZEN

AUFBEWAHRUNG

Getrocknete Teekrauter sollten grundsatzlich entweder in Blechdosen oder in dunklen Glasern mit einem festen Verschluss aufbewahrt werden. Helle Glaser mussen so gelagert werden, dass kein Licht einfallen kann. Papierbeutel sind zwar hubsch, fur die langere Aufbewahrung von Tee aber weniger geeignet – fluchtige Stoffe konnen darin schnell verloren gehen. Ganzlich ungeeignet sind Behalter aus Kunststoff, da die Inhaltsstoffe der Pflanzen mit dem Kunststoff reagieren und Weichmacher losen konnen. Die Krauterbehalter sollten auserdem an einem kuhlen Ort mit moglichst gleichmasiger Temperatur gelagert werden, da Warme das Auslosen von Wirkstoffen und die Bildung von Keimen begunstigt. Sehr ungunstig sind grosere Temperaturschwankungen. Dabei kann Kondenswasser entstehen, was wiederum die Entstehung von Keimen und die Bildung von Schimmel fordert. Auch bei optimaler Lagerung sollten die Krauter nach einem Jahr erneuert werden, um die volle Wirksamkeit des Tees zu erreichen. Das gilt vor allem fur fluchtige Stoffe.

Wer sich seine Teemischungen gern selbst aus Einzelkrautern zusammenstellt, sollte einen Morser anschaffen – um Fruchte mit atherischen Olen wie Fenchel- oder Kummelsamen oder grosere Wurzelstucke anzuquetschen


FOTOS: PETER RAIDER. STYLING: MONIKA NODERER.