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Bau und Gestaltung: Doppelstöckiges Regal für zwei Kleinanlagen mit Haupt- oder Nebenbahnmotiven: Etagenverkehr auf Rollen


NBahn Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 29.08.2019
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Der beschaulich gelegene Bahnhof „Rosenstein“ wird von Regionalbahn-Triebwagen im Taktverkehr bedient


Fotos: Seeberg (17)

Nachdem ich mehrere kleine, themenbezogene Anlagen gebaut hatte, war ich von dieser Vorgehensweise begeistert. Es waren überschaubare Projekte (siehe auch NBM 6/04), welche neben Beruf und Familie in einer planbaren Zeit zum Abschluss gebracht werden konnten. Noch hatte ich eine „große“ Anlage an der Wand entlang in meinem Eisenbahnzimmer (siehe NBM 2/98). Diese gefiel mir aber immer weniger. Sie war nur als Stückwerk entstanden, und an ihrer Betriebssicherheit haperte es auch. Eine ...

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... zündende Idee, wie die Anlage aufgepeppt werden sollte, hatte ich ebenfalls nicht. So machte ich mir Gedanken, wie ein neues Projekt aussehen und das vorhandene Material wiederverwendet werden könnte.

Meine Pläne waren schon recht weit gediehen, aber noch fehlte der Mut zum Abriss. Als dann Anfang des neuen Jahrtausends die Telekommunikationsblase platzte, sprach auch mein Arbeitgeber von harten Zeiten und langer Kurzarbeit (Beides war aber dann schnell vorbei.) Die vermeintliche Aussicht auf mehr Freizeit war für mich jedoch der Startschuss für die neuen Bauprojekte.

Zunächst wurde die alte Anlage sorgsam abgebaut und das Material auf Verwendbarkeit begutachtet. Die Wände in meinem Modellbahnzimmer erhielten noch einen neuen Anstrich, und losgehen konnte es mit den neuen Schaustücken. Geplant wurden zwei Anlagen, die nichts miteinander zu tun haben. Ihre Themen weichen deutlich voneinander ab. Dies war eine gute Entscheidung, denn wie sich später zeigte, macht es Spaß, abwechselnd mal in dieser oder jener Umgebung zu fahren.

Anlage 1: Am Bahndamm
Mehrere Monate lang hatte ich schon einen Plan im Kopf, wie die Anlage aussehen könnte. Auf die sem Schaustück sollen hauptsächlich moderne mit Elektrolokomotiven bespannte Züge verkehren. Es soll eine elektrifizierte doppelgleisige Hauptstrecke sein, bei der eine dichte und abwechslungsreiche Zugfolge in schöner Mittelgebirgslandschaft möglich ist. Eine weitere Forderung ist – wie bei der richtigen Bahn – ein sinngemäßer Einsatz von Wendezügen. Die Ausgestaltung mit wenigen, aber dafür markanten Gebäuden soll das Ganze abrunden. Somit ist im sichtbaren Bereich eine doppelgleisige Strecke von rund 180 cm entstanden. Der längste verkehrende Zug ist ein IC mit Lokomotive und sechs Wagen. Um die engen Kurven zu kaschieren, verschwinden die Gleise links unter einer Autobahnbrücke und rechts im obligatorischen Tunnel.

Unterbaukonstruktion: Anlagen aus Segmenten

Zunächst wurden aus 10 mm dickem Sperrholz vier Modulkästen mit den Maßen 120 x 60 x 20 cm gebaut. Je zwei Kästen werden mit zwei Schrauben und Flügelmuttern zusammengehalten. Somit ist die Konstruktion teilbar, was allerdings auch bei der elektrischen Verdrahtung später zu berücksichtigen ist. Für die Gleistrassen ist 8 mm starkes Sperrholz verbaut. Jede Anlage erhielt eine separate Spannungsversorgung von einem Modellbahntrafo (später Steckernetzteil 15 V =/1 A) und eine einfach Schaltung um einen Spannungsregler LM317.

Auf der linken Anlagenseite wird die Tunneleinfahrt durch eine Autobahnbrücke kaschiert. Im Hintergrund steht eine Burgruine. In die Segmentvorderwand sind die Taster für die Schattenbahnhof-Steuerung eingebaut


Der Schattenbahnhof der oberen Anlage ist in zwei Ebenen aufgezweigt und liegt hinter der Kulissenwand offen zugänglich. Das obere Brett ist abnehmbar


Wo die beiden Segmente der oberen Anlage aneinanderstoßen, durchfährt die Bahnlinie einen kleinen bewaldeten Einschnitt. Hinten erkennt man den Funkturm


Der Schattenbahnhof
Die Abwechslung beim Betrieb kommt aus einem immerhin 14-gleisigen Schattenbahnhof. Seine Realisierung sieht wie folgt aus: Gleich nach Einfahrt in den verdeckten Bereich wird die doppelgleisige Strecke mit Bogenweichen so verknüpft, dass drei Streckenarme entstehen. Die innere Strecke wird auf die Ebene –0,5 geführt und auf vier Gleise erweitert. Diese vier Gleise werden nur in einer Richtung befahren und sind vorwiegend für Güterzüge reserviert. Diese richtungsabhängige Abstellgruppe hat außerdem den Vorteil, dass für ihre Ausfahrweichen keine Antriebe notwendig sind, weil diese nur einfach aufgefahren werden. Der mittlere Streckenarm wird ebenfalls auf die Ebene –0,5 geführt und auf fünf Gleise erweitert. Diese Abstellgruppe kann in beiden Richtungen befahren werden und dient deshalb als Speicher für die Wendezüge des Personenverkehrs. Der äußere Streckenarm wird auf die Ebene +0,5 geführt und auf fünf Gleise erweitert. Dieser Teil kann wie derum nur in einer Richtung befahren werden. Anwendung und Vorteile siehe innerer Arm.

Der Hang über dem rechten Tunnel ist mit einer Klosteranlage dekoriert, die man zu Fuß über eine überdachte Stiege erreicht


Somit ist nun ein doppelstöckiger Schattenbahnhof entstanden für insgesamt 14 Zuggarnituren und über 140 Fahrzeuge. Da braucht man schon eine Weile zum Aufgleisen. Während einer Fahrperiode können 19 Zugfahrten an der Strecke beobachtet werden ohne eine Wiederholung. Wendezüge fahren dabei korrekt einmal von A nach B und einmal von B nach A.

Die beiden Ebenen des Schattenbahnhofes liegen sechs Zentimeter auseinander. Das obere Brett ist nach Lösen der Gleisverbindung und zweier Stecker abnehmbar. Da die sichtbare Strecke quasi auf der Ebene 0 liegt, braucht jeder Streckenarm im verdeckten Teil nach der Verzweigung nur etwa 3 cm Höhendifferenz zu meistern. Dies klingt zunächst recht harmlos. Da die Steigung aber in einem engen Bogen liegt, ist die Toleranzgrenze erreicht.

Die Technik
Die Steuerung der Anlage erfolgt konventionell mit Drucktasten für die Weichen und Kippschalter für die Halteabschnitte in den Gleisen. Rückmeldungen für Weichenstellungen und Zugpositionen sind keine vorhanden. Wer jedoch außer Haus mit seiner Anlage geht, zum Beispiel auf Ausstellungen, der wird diesen Komfort vermissen. Die Fahrspannung für je eine Fahrtrichtung liefern zwei ganz einfache elektronische Spannungsregler. Ein zusätzlicher Kippschalter dient als „Notaus“. Ein Umpolen der Fahrspannung ist nicht vorgesehen, da der Regler immer nur für eine Fahrtrichtung vorgesehen ist. Für den Betrieb der Wendezüge wird dieser Bereich des Schattenbahnhofes durch einen Umschalter dem Spannungsregler für die jeweilige Fahrtrichtung zugeordnet. Dies klingt zunächst etwas kompliziert, ist aber bei genauerer Überlegung logisch. Diese Lösung lässt dann auch bei der Fahrplangestaltung zahlreiche Möglichkeiten offen.

Das Gelände
Bei den Überlegungen, wie die Landschaft aussehen soll, gilt der Grundsatz „schöne Züge in schöner Landschaft“. Wald und Wiesen sind folgerichtig an erster Stelle zu nennen. Ein Tal mit der obligatorischen Eisenbahnbrücke gehört ebenfalls dazu. Felsen und ein Wildwasser sollen außerdem zu sehen sein. Da die Strecke an den Anlagenenden auch wieder verschwinden muss, sind Hügel fast unerlässlich. Um all diese Forderungen unter einen Hut zu bringen, kommt also wieder die universelle Mittelgebirgslandschaft zur Anwendung.

Blickfang der oberen Anlage ist diese Gitterbrücke zwischen kurzen Viaduktbögen


Für die gesamte Landschaftsgestaltung steht die komplette Breite der Anlage zur Verfügung, aber nur eine Tiefe von 40 cm. Der Hintergrund ist die Begrenzung und ermöglicht einen guten Zugriff auf den Schattenbahnhof. Auf der rechten Seite verlässt die Bahnstrecke durch ein Tunnelportal einen Berg. Im Zuge der Streckenelektrifizierung wurde die Tunneleinfahrt durch Stahlbeton grundlegend saniert. Auf dem Felskegel liegt das Kloster „Maria Hilf“. Als Besonderheit können Wallfahrer das Kloster über eine Stiege erreichen. Hier stand ein Gebäude in Passau-Innstadt Pate.

Nach dem Verlassen des Tunnels verläuft die Strecke zunächst in einer bizarren Landschaft. Über eine Stahlgitterbrücke wird ein Tal mit einem Wildbach überquert. Die Widerlager der Brücke sind als Viadukte mit einem Bogen in Stahlbetonbauweise ausgeführt. Von der Brücke gibt es einen imposanten Ausblick auf den Wildbach, der in einer interessanten Kaskade ins Tal stürzt. Vier steil aus dem Tal aufragende Felsen werden von Wanderern gerne als Aussichtspunkte genutzt.


Das Streckenbild wird mit Waldstreifen, einem Einschnitt und einer Straßenbrücke aufgelockert


Im Anschluss an die Brücke liegen die Gleise in einem Geländeeinschnitt. Die Hänge beidseitig der Trasse sind von mächtigen Tannen gesäumt. An dieser Stelle liegt auf dem höchsten Punkt ein Zeuge der modernen Zeit: Ein namhafter Telekommunikationsanbieter hat hier einen Sendeturm errichtet. Zahlreiche Antennen verteilen die elektronischen Signale in alle Himmelrichtungen. Weiter verläuft die Strecke in einem weiten Bogen an einem Hang entlang und verschwindet unter einer Autobahnbrücke. Hier kreuzt die vielbefahrene Bundesfernstraße A3 die DB-Hauptstrecke, um gleich im „Kohlbergtunnel“ zu verschwinden. Oberhalb der Autobahn ist noch eine Burganlage zu sehen.

Die Ausgestaltung mit den Details wurde mit allem, was der Markt für den normalen Geldbeutel so hergibt, durchgeführt. Die Brückenköpfe, das Tunnelportal und die Autobahnbrücke sind aus grauem Karton gefertigt. Die graue Farbe signalisiert immer wieder: Beton! Es wurden verschiedene Kartonstärken verwendet. Meist ist es Verpackungsabfall und kostet somit nichts.

Die Begrünung erfolgte mit Grasmatten von Busch und Noch. Wenn es etwas zum Einfärben gab, wurden ganz normale Wasserfarben verwendet, die untereinander gemischt oder mit Deckweiß aufgehellt sind. Das Wasser des Wildbaches wurde mit Uhu- Alleskleber nachgebildet. Das klingt leichter als es in der Praxis war.

Bleibt noch etwas zum Baumbewuchs zu sagen. Der Wald ist im Wesentlichen aus den berüchtigten „Flaschenputzern“ entstanden. Von meiner alten Anlage sind jede Menge solcher Bäume übriggeblieben. Es ist zwar nicht das Beste, was der Markt zu bieten hat, aber mit Blick auf den Geldbeutel ist die Verwendung für mich ein vertretbarer Kompromiss. Islandmoos und verschiedene andere Streumaterialien sollen das Bild abrunden.

Platzsparend und praktisch: Anlagenregal auf Rollen

Das imposante Anlagenregal mit ausziehbarem Gleisbild-Stellpult für „Rosenstein“. Daneben hängt ein grafischer Fahrplan


Das Regal ist aus Brettern, Leisten und Wandschienen zusammengebaut und hat stabile Möbelrollen


Mein Eisenbahnraum ist 4 x 4 m groß oder klein, je nach Sichtweise. Ein Arbeitstisch, ein Unterschrank und drei Anlagen belegten schon einige Fläche. Nun kamen noch meine vier neuen Modulkästen hinzu. Ich habe gleich gemerkt: Oha – das wird eng. Es ist immer von Vorteil, wenn man zu jeder Zeit von allen Seiten gut an eine Anlage herankommt, aber der Zugang benötigt Platz. Wenn ich noch weitere Ideen realisieren wollte, musste ich mir etwas einfallen lassen. Ein weiterer Modellbahnraum war damals nicht möglich und auch nicht unbedingt mein Wunsch. Eine Anlage platzierte ich auf den Unterschrank. Nach einer Weile kam mir die Idee, die Anlagen auf fahrbare Regale zu stellen. Der Vorteil ist, dass zwei Anlagen übereinander nur so viel Flächenbedarf wie eine Anlage benötigen. Sie können immer an der Wand abgestellt und der Spielbetrieb kann ohne Weiteres aufgenommen werden. Aber bei Störungen und Ähnlichem kann man sie leicht vorziehen. Die Ebene 0 der unteren Anlage ist bei etwa 80 cm über dem Fußboden. Die Ebene 0 der oberen Anlage liegt bei rund 150 cm. Diese beiden Maße hängen auch von der persönlichen Körpergröße und bei der oberen Anlage von der Höhe des Modulkastens ab. Der Bau war nicht einfach. Ein Fertigprodukt habe ich nicht gefunden. Dann habe ich angefangen, selber zu basteln, mit Materialien, die ein Baumarkt so hergibt. Holzplatten, Winkelprofile und Möbelrollen sind die Hauptkomponenten. Ich kann hier keinen Bauplan mit Stücklisten für ein Regal abgeben. Inzwischen habe ich vier Regale für unterschiedliche Anlagenbreiten gebaut. Keines ist so wie das andere. Es war immer ein bisschen Bastelarbeit und was der Baumarkt so gerade im Sortiment hatte. Zwei Regale haben schon über zehn Jahre auf dem Buckel und sind noch einwandfrei in Ordnung. Somit habe ich mir Raum für weitere Anlagen geschaffen.

Durch das Urlaubsparadies fährt ein Nahgüterzug Richtung Bahnhof „Rosenstein“. Der Schaufelraddampfer ist ein Eigenbau aus Karton und daher nur auf synthetischer Wasseroberfläche unsinkbar


Der Hintergrund ist mit Plaka-Farben und viel Wasser auf eine 6 mm starke Sperrholzplatte gemalt. Aus Stabilitätsgründen sind an den Seiten 10 mm starke Platten gewählt. Zusätzlich wurde noch eine Halogenbeleuchtung installiert. Nach einem dreiviertel Jahr war die Anlage dann bis auf die Burgruine vorzeigbar „fertig“.

Anlage 2: Am Rosensteinsee
Am Anfang stand wie immer der Gleisplan – oder vielleicht doch nicht? Die Idee zu dieser Anlage kam mir bei einer Radtour um den Ammersee. In Dießen a. A. gibt es einen kleinen (zurückgebauten) Bahnhof, Parkanlagen am See und einen hölzernen Schiffsanleger. Als wir gerade mit dem Fahrrad dort vorbeifuhren, hielt ein Triebwagen im Bahnhof und ein Ausflugsschiff steuerte die Landungsbrücke an. Sonniges Wetter, blauer Himmel, bunte wehende Fahnen und im Hintergrund das Kloster Andechs waren die Auslöser für die spontane Idee: Mit diesen Szenen will ich eine Eisenbahnanlage bauen!

Wenn man eine Anlage plant, die in der heutigen Zeit spielen soll, tut man sich mit dem Thema „Abwechslung und Vielfalt“ auf deutschen Gleisen schwerer. Dies gilt besonders für eingleisige Strecken. Der Personenverkehr ist zwar in der Regel vertaktet, wird aber meist mit immer dem gleichen Zug- oder Triebwagentyp absolviert. Dies heißt auf einer Modellbahn: Eine Zuggarnitur pendelt zwischen zwei Punkten hin und her. Der meist eingestellte Güterverkehr lässt sich auf der Heimanlage somit auch mit Null Aufwand darstellen. Also muss die Phantasie herhalten. Aber auch hier ist Zurückhaltung gefordert, damit es glaubwürdig bleibt.

Nach zahlreichen Skizzen stand der Gleisplan fest. Wie bei meinen vorherigen Anlagen sind die Gleisanlagen im sichtbaren Bereich auf ein Minimum beschränkt. Die Abwechslung im Zugverkehr kommt aus zwei dreigleisigen Schattenbahnhöfen.

Der linke Anlagenteil mit der Seestation und dem Bahnhof mit benachbarter Mühle. Den Abschluss bildet eine Stadtmauer mit einigen Fachwerkhäusern dahinter


Abwechslungsreicher Zugverkehr: Kreisen, Pendeln und Rangieren

Bringen und holen: Die 212 beim Rangieren zwischen den beiden Güterwagen-Garnituren


Die Strecke entlang des Ammersees führt von Augsburg nach Weilheim i. Obb. Der Personenverkehr wird meist mit Triebwagen abgewickelt. Die hochwertigste Leistung (auf meiner Anlage) ist ein Eilzug mit dem Laufweg Nürnberg – Augsburg – Weilheim – Garmisch mit entsprechenden Garnituren. Es gibt aber auch Sonderfahrten mit Dampflokomotiven. Zwei Nahgüterzüge bedienen eine Papierfabrik in Schongau. Im Schattenbahnhof können insgesamt sechs Garnituren gespeichert werden.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf einem Übergabegüterzug. Er pendelt im Prinzip nur zwischen Schattenbahnhof und Gleisanschluss der Rosenmühle hin und her. Abgestellt ist die Fuhre mit zwei Güterwagen auf einem Abstellgleis im Schattenbahnhof. Ist nun eine Fahrt für die Mühle vorgesehen, verlässt der kurze Güterzug mit der Lok voraus das Abstellgleis und fährt über fest eingestellte Weichen in das Gleisoval ein in Richtung „Rosenstein“. Im Bahnhof werden durch einige Rangierfahrten die Wagen auf dem Gleisanschluss ausgetauscht. Anschließend fährt die Übergabe wieder zurück in den Schattenbahnhof auf das Gleis für Rangieraufgaben. Mit der Lokspitze werden neue Güterwagen aufgenommen, welche bei der letzten Fahrt hier abgestellt wurden. Weiter fährt die Lok über ein Entkupplungsgleis. Dabei werden die Güterwagen am Lokende abgekuppelt. Diese Wagen werden bis zur nächsten Übergabefahrt hier abgestellt. Die Lok mit ihren Wagen an der Spitze fährt nun in das Abstellgleis ein und wartet hier, bis sie es bei der nächsten Fahrt in entgegengesetzter Richtung wieder verlässt. Auf diese Weise kommen drei verschiedene Wagengarnituren zum Einsatz.

Einer dieser Bahnhöfe enthält noch ein zusätzliches Gleis für Rangieraufgaben, siehe Kasten oben. Im Prinzip besteht der Gleisplan aus einem großen eingleisigen Oval. Im sichtbaren Bereich verläuft die Strecke in einem weiten Bogen. Damit ist sie dem Seeufer angepasst. Der Bahnhof mit seinem Ausweichgleis liegt in einer leichten SKurve. Von hier zweigt das Anschlussgleis zu einer Mühle ab, das Rangiermanöver ermöglicht.

Die Landschaft
Auch bei dieser Anlage soll die Devise gelten „Eisenbahn in schöner Landschaft“. Ziel ist es, den Betrachter einen Sommertag an einem See im Voralpenland erleben zu lassen. Einen angemessenen Anteil an dieser Landschaft hat daher der See. Auf ihm ist vieles dargestellt, was sich auf einem Binnensee so alles abspielt. Ein Schiff nimmt mit Fahrgästen Kurs auf den Schiffsanleger. Segelboote und sonstige Wassersportler gehen ihrem Hobby nach. Parkanlagen am Schiffsanleger dürfen genauso we nig fehlen wie der obligatorische Fahrradweg um den See. Die Andeutung einer romantischen Altstadt lässt das Herz der meisten Modellbahner höher schlagen, ist es doch auch eine gestalterische Herausforderung. (Es gibt am Ammersee zwar keine Fachwerkstadt in dieser Ausführung, aber ich wollte einfach eine haben!) Die optische Abrundung einer Anhöhe oder eines kleinen Berges mit einem imposanten Gebäude wie einer Burg, einem Schloss oder einem Kloster ist immer ein Hingucker auf einer Anlage. Da kam das Kloster Andechs gerade recht, wenn auch in kleineren Dimensionen.

Um die Stadtmauer herum windet sich die Landstraße mit der Einmündung der Bahnhofstraße. Dahinter sind an schmalen Gassen zwei Häuserzeilen aufgereiht


Die Stadtmauer wie auch die Fachwerkhäuser sind aus Karton selbst gebaut. Diese kom - pakten Vorbilder eignen sich besonders gut für die Bebauung kleiner Anlagen


Der Bau dieser Anlage hat sich dann doch über fast sechs Jahre hingezogen. Es sind viele Gebäude zusammengekommen und dann noch die Schiffe mit Bootshäuser und Anleger… und das meist alles aus Pappe. Zur Zeit baue ich an meiner zehnten. Aber dann ist wohl Ende!

Service: Die Anlagen auf YouTube

In Videos vorgestellt sind die beiden Anlagen unter den Titeln „Am Rosensteinsee“ und „Spur N –Am Bahndamm“. Unter www.nbahnmagazin.de/etagenverkehr oder über nebenstehenden QR-Code finden Sie die Links.

Überregionale Motivsuche: Literatur liefert Bauvorbilder

Es ist nicht so einfach, aus der Phantasie viele ähnliche Gebäude zu erstellen, wenn sie auch noch unterschiedliche Merkmale aufweisen sollen. Auf einem Flohmarkt habe ich für einen Euro den BildbandFachwerk in Frankenerstanden. Er hat mir sehr gute Dienste geleistet. Oft ist zwar nur eine Hausseite zu sehen, aber das ist die Grundlage für Größe, Aufteilungen und Farben. Dann muss die eigene Phantasie wieder herhalten. Gebaut ist alles aus Karton, farbigen Papieren und ähnlichem Bastelmaterial.