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Bau und Gestaltung: Raumfüllende Großanlage mit aufwendiger computergestützter Digitalsteuerung: Bergpanorama unterm Dach


NBahn Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 29.08.2019

Stehen viele Quadratmeter Baufläche zur Verfügung, besteht oft die Versuchung, diese auch mit vielen möglichst sichtbaren Bahnanlagen zu belegen. Thorsten Antz hat sich jedoch dafür entschieden, den Fahrbetrieb langer Züge auf langer Strecke mit einer dennoch großzügigen, szenenreichen Landschaftsgestaltung in Einklang zu bringen


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Bildquelle: NBahn Magazin, Ausgabe 5/2019

Seitdem ich denken konnte, besaß mein Vater eine analoge Spur-N-Anlage, die zur damaligen Zeit mit 5 x 1,5 Metern extrem groß war. Allerdings hatte ich sein Kunstwerk außer zur Weihnachtszeit nie fertig gesehen. Der Gedanke an einer eigenen Modellbahn verschwand dann jedoch ...

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... pubertätsbedingt für knapp 30 Jahre. Nachdem mein Sohn im Alter von vier Jahren immer öfters zu Opa wollte, um eine Lok fahren zu sehen, schlug ich meinem Vater vor, seine Anlage wieder aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken, jedoch in digitaler Technik. Er war damit allerdings nicht einverstanden und wollte an das altbewährte analoge System anknüpfen. Somit eröffnete ich den familieninternen Wettbewerb, wer die größere und schönere Anlage erstellt. Nun kam das nächste Problem. Ich musste meiner Frau Simone beibringen, was ich auf unserem Dachboden vorhatte. Sie antwortete mir mit einem Holzschild, auf dem zu lesen war: „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.“ Ab diesem Zeitpunkt pendelte ich zwischen Speichertreppe, Baumarkt, Bett und meiner Arbeitsstätte umher; meine Frau sah mich nur noch sporadisch. Während der Rohbauphase besuchte sie mich dann des Öfteren mit einem Kopfschütteln und einem Augenrollen mit der Aussage, ich würde es wohl übertreiben, womit sie im Nachhinein zugegebenermaßen auch Recht hatte.

Blick über den Bahnhof auf die zentrale Streckenentwicklung der Hauptbahn. Unter dem Dach ist ein Monitor für die Überwachung der Anlagensteuerung aufgehängt. Vom über dem Bahnhof gelegenen Ortsteil führt eine Seilbahn den Berg hinauf


Die Hauptzentrale der digitalen Anlagensteuerung mittels Computer und Win-Digipet als Programm. Auf dem Monitor ist der Stellwerksplan (siehe auch Skizze auf der übernächsten Seite) zu sehen. Rechts daneben sind die Triebfahrzeuge mit Fotos aufgereiht


Fotos: Antz (29)

Blick auf den mittleren Anlagenteil mit dem Hauptbahnhof im Vordergrund (vergleiche Bild auf der vorangehenden Doppelseite) während der Bauphase. Gut zu sehen ist der fachwerkartige Rahmenunterbau aus Tischlerplatten. Die Trassen sind auf Holzbretterresten aufgeständert. Hinten unten rechts ist der kleinere Schattenbahnhof der Hauptstrecke zu sehen


Wendel und Elektrik

Die dreigleisige Wendel ist mit Gewindestangen aufgebaut, an denen Lochplatten als Trassenträger mit Muttern und Unterlegscheiben befestigt sind


Die digitalen Schaltbausteine (Uhlenbrock) sind unter der Anlage verteilt untergebracht. Auch ältere Geräte wie hier der Arnold ASS-Trafo für die Lichtsignale finden noch Verwendung


Blick von unten in die große Hauptwendel, die auf Metallvierkantbeinen steht. Die Leitungen nach oben sind in Plastikrohren entlang der Trassenstützen geführt. An der Kante des Bodenrahmens ist ein LED-Band zur Beleuchtung verlegt


Der rechte Anlagenteil während des Aufbaues der Landschaft von vorne nach hinten. Hinter der großen Gitterbrücke zu sehen ist die kleinere zweigleisige Wendel der Hauptstrecke hinab zum großen Schattenbahnhof. Am Anlagenvorderrand verläuft eine kleine Straßenbahn-Pendelstrecke. Die Taster an der Stirnverkleidung dienen zum Auslösen von Funktionen wie zum Beispiel des Rasenmähers


Schematisierter Gleisplan der zweigleisigen Hauptstrecke und der eingleisigen Bergbahn. Die sichtbaren Bahnabschnitte sind in Blau hervorgehoben. Man erkennt den überwiegenden Anteil an verdeckten Streckenbereichen und die beiden langen Schattenbahnhöfe


Anlagenkonzept mit viel Landschaft
Es wuchs eine Anlage im beidseitig etwas abgewinkelten Format von 6,00 x 6,00 Metern mit 19 Ebenen. Im Gegensatz zur Anlage meines Vaters, auf der gewissermaßen keine 10 cm Landschaft zwischen den ganzen Gleisen zu sehen war – ganz im Sinne der 1970er-Jahre, auf der man lediglich noch einen Ozeandampfer auf 3 qm suchen konnte – lege ich sehr viel Wert auf den Landschaftsbau. Folglich befindet sich rund 70 Prozent der Gleislänge unsichtbar in Tunneln.

Blick auf den Bahnhofsvorplatz mit dem Blinklicht-gesicherten Bahnübergang der Straßenbahn. Er hat eine aufwendige Gestaltung des Straßen - begleitgrüns. Etliche Busse und Pkws sind mit leuchtenden Scheinwerfern und Rücklichtern für den Nachtbetrieb ausgestattet und passen so zum Schein der Straßenlaternen und der beleuchteten Telefonzelle


Von oben betrachtet wird der Verlauf der Straßen, Parkplätze und Gleise und die Platzierung der kleinen Parkanlage und der Eingrünung der Tramtrasse deutlich. Durch die großen Bäume werden weitere Akzente gesetzt und die Gebäudearrangements aufgelockert


Aus diesem Grund besteht der Gleisplan lediglich aus einer Hauptstrecke und einer kleinen eingleisigen Nebenlinie zu einem Bergbahnhof als Endpunkt. Die Hauptbahn ist im Prinzip ein Kreis, der in „Hundeknochenform“ zu einer Doppelspur gebündelt ist, also eine Doppelspurstrecke mit beidseitigen verdeckten Schleifen. In der unteren ist der große, 46-ständige Schattenbahnhof eingebunden. Seine langen Weichenharfen sind durch diagonale Weichenstraßen in mehrere Abstellsektionen unterteilt. Ihm ist noch ein kleiner, viergleisiger Abstellbahnhof vorgelagert.


Der Gleisplan ist auf lange Strecken statt überwiegend großflächige Bahnanlagen ausgelegt


Benötigt werden für diese Streckenführungen über mehrere Ebenen zwei Gleiswendel: einmal zweigleisig mit sieben Etagen zum großen Schattenbahnhof und einmal dreigleisig mit zwölf Etagen zur Bergpanoramastrecke hinauf. Beide sind durch Berghänge vollständig überdeckt.

Die rechte Bahnhofsausfahrt mit der langen Straßenunterführung und einem alten immer noch erhal - tenen Turmstellwerk


Auf der linken Bahnhofsausfahrt überspannt ein großes Reiterstellwerk vier Gleise der Hauptbahn. Rechts im Anschnitt der Parkplatz des Autokinos


An der Straßenunterführung des Bahnhofs liegt auch ein Schrottplatz


Auf dem oberen Ortsteil über dem Hauptbahnhof gibt es auch einige Geschäfts- und Bürohäuser im Baustil der 1970er- Jahre. Beim Arbeitsamt herrscht reger Andrang


In der Nähe des Bahnhofsvorplatzes kann man auf einem kleinen eingezäunten Platz Tennis spielen – sogar unter Flutlicht


Oberhalb des Bahnhofs liegt auch ein kleines Schwimmbad mit Sprungturm


Ich bevorzugte, den Anlagenmittelpunkt auf einen siebengleisigen Hauptbahnhof auszurichten. Dieser ist beidseitig durch je eine Reihe von Tunnelandeutungen mit ihren zwei- und eingleisigen Portalen begrenzt. Dadurch entsteht auch der Eindruck mehrerer in den Bahnhof mündender Strecken – obwohl es eigentlich nur eine Ringstrecke mit Nebenbahn ist. Außer dem Hausbahnsteig (Bahnhofsgebäude Bonn von Faller) sind noch drei Zwischenbahnsteige vorhanden, die mit historischen Hallen überdacht sind.

Anlagentechnik
Als Gleishersteller legte ich mich auf die Code 55 Gleise von Peco fest, in den nicht sichtbaren Stellen entschied ich mich für Fleischmann- Gleise. Alle sichtbaren Weichen sind schlanke Modellweichen. Alle 117 Weichen und DKW der Anlage werden mit motorischen Weichenantrieben geschaltet, die durch die Module von Littfinski Daten Technik (nun bei Bühler electronic GmbH) gesteuert werden. Die Komplettgleislänge beträgt etwa 700 Meter, davon sind rund 100 Meter mit Oberleitungen von Viessmann überspannt. Es sind 62 Signalabschnitte einge richtet. Im sichtbaren Bereich sind dazu Lichtsignale aufgestellt.

Animationen im Gelände

Neben der linken Bahnhofsausfahrt befindet sich ein Autokino mit einem großen, auch in Modell funktionsfähigen Bildschirm. Der eingleisige Tunnel gehört zur Bergstrecke, die anderen beiden zur Hauptbahn


Am Hang hinter dem Bahnhof führt eine Straße zu einer Freilichtbühne, die effektvoll mit gut 800 Zuschauern und bunter Bühnenbeleuchtung und Beschallung in Szene gesetzt ist


Im Vordergrund die kleine angeschnittene Brücke der Straßenbahn, dahinter die mächtige Doppelkastenbrücke der Hauptbahn noch mit Wehrtürmen


Die Bauszene mit der Neulackierung des Gitterwerks bietet einen markanten Blickfang auch bei entfernterer Betrachtung


Die Straßenbahnbrücke scheint eine beliebte Plattform für Bungee-Springer zu sein


Die lange zweigleisige Kastenbrücke aus dem alten Arnold-Sortiment steht in unmittelbarer Nähe zum Tunnelportal. Auf die Durchführung der Fahrleitung ist hier allerdings in Modell verzichtet. Daneben wird wohl gerne am See gezeltet


An der Bergstraße finden Ausbauarbeiten statt. Die Tunnelausfahrt der Straße mit Schutzgalerie ist vorbildgemäß beleuchtet. Unten am Hang befindet sich unter anderem eine McDonald’s-Raststätte. Auch die Tischtennisplatte nebenan erfreut sich großer Beliebtheit


Blick auf den Anlagenteil mit der rechten Bahnhofsausfahrt und der lang gezogenen, ansteigenden Bahnlinie am Hang. Da - zwischen führt eine Straße zu einer Freilichtbühne


Die Komplexität der digitalen Steuerung, der Streckenabschnittsüberwachungen und der Programmierung mittels eines PC-basierten Steuerplatzes war im Vorfeld im kompletten Ausmaß nicht vorherzusehen und musste in etlichen Telefonaten sowie Internetrecherchen erlernt werden, wobei mir die Mitarbeiter von Uhlenbrock und Viessmann sehr behilflich waren. Als Steuerungsprogramm dient Win-Digipet. Betrieben wird die Steuerung hardwaremäßig mit der IB-COM und acht Boostern von Uhlenbrock. Die Gerätekommunikation erfolgt mit Lissy über das Loconet-System. Dazu sind rund 3,5 Kilometer Kabel verlegt. Eine eingehendere Beschreibung dieser Steuerung würde den hier zur Verfügung stehenden Rahmen allerdings sprengen.

Landschaftsgestaltung mit Animationen
Als Vorbild für die Landschaftsgestaltung orientierte ich mich am Miniaturwunderland in Hamburg. Ich war dermaßen von der Realitätsnähe und den Details beeindruckt, dass ich mir vornahm, diese Impressionen so nah wie möglich auf meiner Anlage nachzubauen. Mein mittlerweile fast 15-jähriger Sohn Leon half immens beim „tonnenweisen“ Anrühren vom Geländegips sowie bei der Grünflächengestaltung – bemerkenswerterweise mit wachsender Begeisterung des Teenagers! Der höchste Berg misst etwa 2,10 m vom Fußboden, sodass ich in ihm problemlos stehen kann. Bei der Gestaltung der Berghänge braucht man nicht nur viel Spachtelmasse. Auch beim Streumaterial und Buschwerk ist es nicht mit wenigen Tüten getan. Im Gelände sind rund 1.300 Bäume in Gruppen oder einzeln gesetzt.

Alle sich im Verkehr „bewegenden“ Autos, LKW, Busse, Roller und Fahrräder wurden von einem sehr guten Freund beleuchtet und mit funktionierenden Blinkern ausgestattet. Als besondere Attraktionen im Gelände gibt es eine Open-Air- Bühne mit 800 Zuschauern sowie Lichtorgel und Stroboskop am Hang hinter dem Bahnhof sowie neben dem Bahnhof ein funktionierendes Autokino mit großem Bildschirm, sprich Minidisplay. Nicht nur die Straßenfahrzeuge sind beleuchtet. Damit sich eine rundum stimmige Szenerie ergibt, sind viele Laternen und auch einige Fluchtlichtmasten aufgestellt. Dazu kommen rund 100 beleuchtete Häuser. Außerdem gibt es noch eine beleuchtete Gondelbahn vom Ortsteil hinter dem Bahnhof über die Streckengleise hinweg den Berg hinauf.

Während es im Straßentunnel bereits vierspurig vorangeht, verursacht die Baustelle vor der Galerie einigen Stau


Die Gondelbahn überquert mehrere Ebenen der Hauptbahntrasse. Eine kurze Brücke am Tunnelportal in felsigem Gelände lockert die Streckenführung auf


Ganz moderne Fahrzeuge ver kehren auf der Überlandstraßenbahn, hier am Anlagenvorderrand


Eine Hochspannungsfernleitung kreuzt die eingleisige Nebenbahn am Hang, der durch Baumgruppen markanter gestaltet ist


Hoch über den Tunnelportalen der linken Bahnhofsausfahrt ist die Bietschtalbrücke von Faller für die Hauptstrecke geschwungen


Nun, nach gut neun Jahren Bauzeit und etlichen Erfindungen von technischen Raffinessen ist man endlich an der Verwirklichung seines Traumes angekommen.