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BAuHAuS in SAcHSEn


Trödler - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 14.08.2019

Anlässlich des 100. Jubiläumsjahres des Bauhauses präsentiert das Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig erstmals einen Überblick über die Verbindungen und das Wirken der Bauhäuslerinnen und Bauhäusler in Sachsen. Zum Schwerpunktthema „100 Jahre Bauhaus“ wird neben den Fenstern vom Bauhausmeister Josef Albers im Haupttreppenhaus des Museums die Sonderausstellung mit Thema „Bauhaus Sachsen“ gezeigt.


Sächsische Bauhäusler

Damit spürt das Grassi Museum noch bis zum 29. September den zahlreichen Sachsen- Kontakten der legendären Avantgardeschmiede nach. Auch zur Messestadt Leipzig und speziell zum Grassi ...

Artikelbild für den Artikel "BAuHAuS in SAcHSEn" aus der Ausgabe 9/2019 von Trödler. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Trödler, Ausgabe 9/2019

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... Museum unterhielt das Bauhaus frühzeitig und kontinuierlich zahlreiche fruchtbare Kontakte. Auf diese sowie auf die Werke sächsischer Bauhäuslerinnen und Bauhäusler, aber auch auf prägende Meister wie Wassily Kandinsky, László Moholy-Nagy, Paul Klee oder Josef Albers und ihre Verbindungen in die Region richtet sich ein Fokus der Ausstellung.

Lyonel Feininger Gelmeroda Weimar, 1918, Holzschnitt auf rosafarbenem Seidenpapier, Leihgabe Sammlung Freese


Bauhaus

Das vor 100 Jahren von Walter Gropius gegründete Bauhaus gilt heute weltweit als eine der bedeutendsten Ideenschmieden und Ausbildungsstätten des 20. Jahrhunderts. Sein Einfluss auf Kunst, Kunsthandwerk, Design und Architektur ist kaum zu überschätzen – trotz der nur vierzehnjährigen Zeit seines Bestehens – und zwar weit über Weimar, Dessau und Berlin hinaus, wo das Bauhaus zwischen 1919 und 1933 ansässig war.

Karl Raichle (Entwurf) Deckeldose Ausführung: Meersburger Zinnschmiede, nach 1933, Zinn, handgeschmiedet, martelliert, Sammlung Freese Foto: Esther Hoyer


Sachsen

Sachsen spielte für das Bauhaus auch eine prägende Rolle: Überraschend groß ist etwa die Anzahl der von hier stammenden und tätigen Bauhäusler. Eine ganze Reihe prominenter Bauhaus-Künstlerinnen und -Künstler wurden nämlich in Sachsen geboren oder wirkten hier – etwa Marianne Brandt, Lothar Schreyer, Hajo Rose oder Franz Ehrlich. Daher thematisiert die Schau vor allem die zahlreichen Verbindungen und das Wirken der in Sachsen gebürtigen und tätigen Bauhäusler. Auch die Industrie, das Verlagswesen, Museen und Sammler, intellektuelle Köpfe und Arbeitervereinigungen des Landes zeigten sich in vielerlei Hinsicht als potente Partner für die Kunstschule und ihre Absolventinnen und Absolventen: Die Galerien und Museen in Leipzig, Dresden, Chemnitz oder Zwickau stellten häufig Gemälde, Zeichnungen und Grafiken der Bauhausmeister aus. Die sächsische Industrie war ein bedeutender Partner, denn die leistungsstarke Textil-, Leuchtenbau- und Möbelindustrie Sachsens fertigte Bauhausentwürfe in Serie und die Generalvertretung der Bauhausprodukte agierte von Dresden aus. Die unterschiedlichsten Bauhaustypografien sowie deren Bildästhetik fanden zudem Eingang in sächsische Verlagsprodukte und Werbemittel, etwa in der prominenten Lifestyle-Zeitschrift „die neue linie“. Prägnante Spuren hinterließ das Bauhaus auch in der modernen Architektur Sachsens. Und 1932 gab es sogar – wenn auch nur kurze und gescheiterte – Verhandlungen über einen Umzug des Bauhauses von Dessau nach Leipzig.

im uhrzeigersinn von links oben: Marianne Brandt, Selbstporträt anlässlich des Metallischen Festes, Februar 1929, Leihgabe Sammlung Freese Foto: Esther Hoyer © VG Bild-Kunst (Bonn), 2019


Anni Albers, Entwurf für einen Wandbehang, Dessau, 1926, Farbsiebdruck, Leihgabe Slg. Freese Foto: Esther Hoyer © VG Bild-Kunst (Bonn), 2019


Franz Ehrlich, Flächenüberlagerung, 1930, Öl auf Leinwand, Leihgabe Sammlung Freese Foto: Esther Hoyer


Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Mokkaservice „Hallesche Form“, 1930, Ausführung: Staatliche Porzellan-Manufaktur Berlin, Porzellan, transparent glänzend glasiert; gestuppter grauer Fond, Schenkung aus der Sammlung inge und Wilfried Funke, 2018 Foto: Esther Hoyer


Wilhelm Wagenfeld (Zuschreibung), Kaffeekanne mit Sahnegießer, 1922/1923, Messing, neusilber und Ebenholz, Leihgabe aus Privatbesitz Foto: Esther Hoyer © VG Bild-Kunst (Bonn), 2019


Leipzig

Besonders die Messestadt Leipzig erwies sich für das Bauhaus als enorm wichtig: Denn in den Hallen der Leipziger Mustermessen fanden die innovativen Bauhäusler für ihre neuen Gestaltungsideen ein Podium, das sich als höchst bedeutsamer Multiplikator für die Bauhaus-Produkte erwies. Bereits von 1919 an unterhielt auch das Leipziger Kunstgewerbemuseum/ Grassi Museum eine enge Verbindung zum Bauhaus. So nimmt das Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig selbst eine herausragende Rolle für die Bauhausbewegung in Sachsen ein – mit den von Josef Albers entwickelten Fenstern und den hauseigenen Grassimessen, die ein wichtiges Forum zur Ausstellung der Sammlungen. Im Jahr 1927 erhielt das Museum mit den achtzehn großen Treppenhausfenstern von Josef Albers dann ein prägendes Attribut seiner Räumlichkeiten.

Oben von links nach rechts: Lászlo Moholy-nagy, Komposition, Blatt 6 aus der Mappe „Meister am Bauhaus“, 1923, Farblithographie, Leihgabe Sammlung Freese Foto: Esther Hoyer


Heinz Loew, Lyrische Abstraktion, 1925, Gouache, Papier, Leihgabe aus Privatbesitz nRW, courtesy Galerie David, Bielefeld Foto: Esther Hoyer


Wassily Kandinsky, Lithographie no. i Dessau, 1925, Leihgabe Sammlung Freese


unten: Hajo Rose, Foliencollage auf Karton, Leipzig, 1970er-Jahre, Grassi Museum für Angewandte Kunst, Schenkung isolde Rose Foto: Esther Hoyer


Themenbereiche

Die Leipziger Ausstellung ist gegliedert in verschiedene Themenbereiche: Beim „Frühen Bauhaus“ sind Arbeiten mit Bezug zu den hauseigenen Grassimessen hervorzuheben. Neben dem bekannten Bauhaus- Schachspiel von Josef Hartwig aus dem Jahr 1924 wird auch eine silberne Teekanne von Christian Dell von 1922 gezeigt. Bei der „Bühne am Bauhaus“ stehen Fotografien, Figurinen und Marionetten des in Sachsen gebürtigen Kurt Schmidt im Mittelpunkt. Im Bereich „Josef und Anni Albers“ werden unter anderem grafische Arbeiten, Probesegmente der Albers-Fenster des Grassi Museums sowie Arbeiten von Anni Albers gezeigt. Entwurfszeichnungen von Marianne Brandt, Gebrauchsgrafik von Hajo Rose, Grafiken, Malereien und Materialstudien von Franz Ehrlich werden unter „Sächsische Bauhäusler“ vorgestellt. Die Arbeiten von Jan Tschichold, Irmgard Sörensen-Popitz und weiteren Künstlern stehen im Fokus von „Grafikdesign und Typographie“. Im Bereich „Bauhaus für die Industrie“ werden Kandem- Leuchten aus Leipzig, wichtige Arbeiten aus der Staatlichen Porzellanmanufaktur Berlin, Stahlrohrmöbel, Möbel von Peter Keler für die Waldheimer Firma Albert Walde oder Möbel von den Deutschen Werkstätten Hellerau präsentiert.

Gestern und heute

Die andauernde Inspiration des Bauhauses geht zweifellos bis heute weiter. Im Dialog zu den historischen Bauhaus- Werken stehen bei der Ausstellung daher Arbeiten von sieben zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern. Damit will die Ausstellung das Spektrum erweitern und die Gegenwartskunst mit Projekten einbeziehen, die das Bauhaus rezipieren und so die Brücke vom Gestern ins Heute schlagen: Die Designerin Katharina Jebsen schuf dafür mehrere Neuwebungen von Bauhaus-Gebrauchsstoffen, die einst in sächsischen Firmen in Produktion gingen. Felix Bielmeier führt fotografisch durch das von Oskar Schlemmer geprägte Haus Rabe. Die angekündigte, aber nie erschienene zweite Bauhaus-Grafikmappe legt als Überraschungsüberlieferung Felix Martin Furtwängler vor. Oskar Rink schreibt Bildräume der Bauhäusler fort. Joachim Brohm verfolgt die architektonische Umsetzung einer Skizze von Mies van der Rohe. Lutz Könnecke setzt sich mit der frühen Bauhauskeramik auseinander. Und Alexej Metschanows Möbelassemblagen werfen Fragen nach berühmten Sitzikonen auf.

Oben von links nach rechts: Lothar Schreyer, Tanzmaske „Mutter Erde“ aus dem Bühnenspiel „Mann“, Weimar, 1921, Farblithographie, Leihgabe Sammlung Freese Foto: Esther Hoyer


Felix M. Furtwängler, Revolte, 2019 Foto: Karola Bauer


Erich Mende, Bühnenbildfigur für eine Leipziger Theateraufführung, 1930, nachgestaltung von Thomas Moecker, 2019 Foto: Thomas Moecker


Rechts: Prospekt der Firma Walde in Waldheim mit Stuhlentwurfen von Peter Keler (Ruckseite), Papier, bedruckt, Leihgabe Jan Keler, Rostock


Ausstellungskatalog

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog mit zahlreichen Abbildungen im Verlag Arnoldsche erschienen. Auf fast 600 Seiten dokumentiert die zweisprachige Publikation auf Deutsch und Englisch, mit welcher Kraft und Präsenz das Bauhaus in der kurzen Zeit zwischen 1919 und 1933 die Geschehnisse auf den unterschiedlichsten Ebenen prägte und wie seine Einflüsse fortwirken. Der detaillierte und ausführliche Katalog, der die Ausstellung begleitet und erweitert, beinhaltet Textbeiträge vieler ausgewiesener Expertinnen und Experten. Renommierte private wie öffentliche Sammlungen und Archive stellten das umfangreiche Bildmaterial zur Verfügung. Abgesehen von drei thematisch übergreifend angelegten Texten sind die Beiträge des Werkes nach Orten sortiert. Damit kristallisieren sich die Haupt- und Nebenschauplätze der Bauhausaktivitäten in Sachsen gut heraus. Kurzbiografien der Akteurinnen und Akteure runden die Publikation ab. Das Buch macht deutlich, in welch großem Ausmaß das Bauhaus Sachsen die Gestaltung, Kunst und Architektur seiner Zeit prägte und wie die Ideen der international renommierten Lehr- und Experimentierstätte bis heute nachwirken.

„Grand Tour der Moderne”

Schon früh erwarb das Grassi Museum Bauhaus-Objekte für seine Sammlungen und ist damit heute das einzige Museum in Sachsen, das in einer ständigen Ausstellung das Bauhaus komplex darstellt. Ein vielfältiges Angebot von Führungen, Workshops, Gesprächen, Lectures, Präsentationen und Filmvorführungen in Zusammenarbeit mit der Cinemathéque Leipzig ergänzen Ausstellung und Katalog. Das Grassi Museum ist übrigens auch einer der ausgewählten Orte der „Bauhaus 100: Grand Tour der Moderne“. Darauf ist auch die Bürgermeisterin für Kultur der Stadt Leipzig, Dr. Skadi Jennicke, besonders stolz und betont: „Die Leipziger Grassimessen waren ab 1919 ein entscheidender Ort, um Bauhausprodukte bekannt zu machen. Es ist wunderbar, dass Leipzig als wichtiger Ort im Jubiläumsjahr 100 Jahre Bauhaus sichtbar wird.“

informationen

Sonderausstellung noch bis 29. September im Grassi Museum für Angewandte Kunst, Leipzig, www.grassimuseum.de. Gleichnamige Publikation: Bauhaus Sachsen, 50 Autoren stellen in 85 Essays 22 Orte in Sachsen vor. Arnoldsche ART PUBLISHERS, Stuttgart 2019, 390 Abbildungen, 592 Seiten, deutsch/englisch, Preis 48 €, ISBN 978-3-89790-553-5.


Fotos: wie angegeben