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BAUKULTUR 4_2019: BUNDESSTIFTUNG: BESSER BAUEN IN DER MITTE


Baukultur - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 05.07.2019

Hierzulande wird oft immer noch an den falschen Stellen gebaut: Auf der grünen Wiese entstehen mit guter Absicht, doch oft ohne wirklichen Bedarf, neue Einfamilienhaus- und Gewerbegebiete. Gleichzeitig verschwindet das Leben aus den Ortskernen, und Leerstand macht sich breit. Geht dies ungebremst weiter, verfehlt Deutschland nicht nur seine Flächenverbrauchs- und Klimaziele. Es verschwinden auch attraktive Ortsbilder und Kulturlandschaften und damit Heimat. Um das zu vermeiden, hat die Bundesstiftung Baukultur das Handbuch zur Innenentwicklung „Besser Bauen in der Mitte“ herausgebracht.

Besonders im aktuellen Bauboom gilt: Wir müssen an den richtigen Orten und mit guter Gestaltung bauen. Obwohl insbesondere Wohnraum in den Metropolregionen rar ist, fallen rund 80 % des neuen Flächenverbrauchs auf kleinere Gemeinden in ländlichen Gebieten. Eine Umfrage der Bundesstiftung hat ergeben, dass 65 % der Gemeinden Einfamilienhausgebiete ausweisen, obwohl sie in schrumpfenden Regionen liegen. Gleichzeitig stehen laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) deutschlandweit noch bis zu 165.000 ha Fläche in integrierten Lagen für ein Weiterbauen der Orte zur Verfügung.

Die Zahlen zum Flächenverbrauch sind ernüchternd, zumal das Phänomen, aber auch Lösungen in Politik und Forschung lang bekannt sind. Doch dass, wie oft behauptet, kein Erkenntnisdefizit, sondern nur noch ein Umsetzungsdefizit vorliegt, konnten die Bundesstiftung Umwelt und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in ihrem gemeinsamen Forschungsprojekt zur „Reduzierung des Flächenverbrauchs durch Innenentwicklung und nachhaltige Infrastruktur“ nicht feststellen. Eher mangelt es am Problembewusstsein: Im Alltag der Bevölkerung spielt Flächenverbrauch als Umweltproblem kaum eine Rolle und wird mit dem eigenen Handeln, den Wohnwünschen und dem Mobilitätsverhalten nicht in Verbindung gebracht. Obwohl Bundespolitik und Forschung in Machbarkeitsstudien und Modellversuchen Instrumente zur Flächenreduzierung ausreichend erprobt haben, scheinen diese Erkenntnisse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kaum anzukommmen. Dabei sind die negativen Folgen für Umwelt, Baukultur und damit für die Lebensqualität offensichtlich: Gewachsene Landschaftsbilder und wichtige Agrarflächen gehen verloren. Boden- und Wasserhaushalte werden verändert, die Wahrscheinlichkeit von Hochwasser nimmt zu. Tiere und Pflanzen werden verdrängt, die biologische Vielfalt schwindet. Über Jahrhunderte gewachsene, umweltfreundliche kompakte und baukulturell wertvolle Siedlungen werden durch Zersiedelung zerstört, identitätstiftende Heimat verbaut. Stattdessen legt sich um einen verödeten Ortskern ein Ring von neuen Einfamilienhäusern, Gewerbegebieten und Supermärkten, durch neue Gemeindestraßen erschlossen. Dieser sog. Donut-Effekt (innen hohl, außen viel substanzlose Masse) fördert zusätzlich die Abhängigkeit vom klimaschädlichen Individualverkehr.

Vor diesem Hintergrund möchte das Handbuch „Besser Bauen in der Mitte“ gute und machbare Alternativen vorstellen und somit Lust machen auf eine qualitätvolle Innenentwicklung. In 6 einfachen Schritten mit herausnehmbarem Poster skizziert der Ratgeber den Weg für Kommunen zur lebendigen, flä chenschonenden Gemeinde. Praxisnahe Instrumente wie Flä chenkataster, Bodenvorratspolitik oder Standortmanagement werden vorgestellt und erklä rt. Ansprechende Grafiken verdeutlichen das Potenzial von Aufstockungen, An- und Umbauten, Lückenschluss, Restflächenaktivierung und Konversion. Im Mittelpunkt des Handbuchs stehen 25 Beispielprojekte aus ganz Deutschland, die durch kreative, manchmal ü berraschende Lö sungen zeigen, wie Innentwicklung auch in kleineren Orten gelingen kann.

Handbuch als PDF oder zum Bestellen unter: www.bundesstiftung-baukultur.de

Sabrina Ginter und Julian Latzko

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Bildquelle: Baukultur, Ausgabe 4/2019

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