Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

BAUMBESTATTUNGEN IN WENNIGSEN: Urnen und Särge rund um den Baum


Friedhofskultur - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 03.04.2018

Der evangelische Friedhof in Wennigsen bietet Baumgräber für Urnen und Särge. Wie die Anlage angelegt wurde und wie sich das Angebot entwickelt, beschreibt MitinitiatorDr. Michael C. Albrecht.


Artikelbild für den Artikel "BAUMBESTATTUNGEN IN WENNIGSEN: Urnen und Särge rund um den Baum" aus der Ausgabe 4/2018 von Friedhofskultur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Auf dem Friedhof in Wennigsen (Deister) bei Hannover sind Baumbestattungen auch als Sargbeisetzung möglich.


Foto: M. C. Albrecht

Die evangelisch-lutherische Marien-Petri Kirchengemeinde in Wennigsen/ Deister betreibt einen drei Hektar großen Friedhof, der im Ortskern neben dem Kloster liegt. Die Einrichtung des Ruheforstes Deister im benachbarten Ortsteil Bredenbeck im Jahr 2009 wirkt sich nicht nur überregional ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 14,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Friedhofskultur. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2018 von Neue Internetseite: Hamburger Friedhöfe. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Internetseite: Hamburger Friedhöfe
Titelbild der Ausgabe 4/2018 von In aller Kürze …. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
In aller Kürze …
Titelbild der Ausgabe 4/2018 von PROGRAMM: 10. Arbeitstagung in Rotenburg. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PROGRAMM: 10. Arbeitstagung in Rotenburg
Titelbild der Ausgabe 4/2018 von Bund deutscher Friedhofsgärtner: INTENSIVE ARBEIT DER BDF-ARBEITSKREISE: Weiterhin hoher Handlungsbedarf beim Thema Ausbildung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Bund deutscher Friedhofsgärtner: INTENSIVE ARBEIT DER BDF-ARBEITSKREISE: Weiterhin hoher Handlungsbedarf beim Thema Ausbildung
Titelbild der Ausgabe 4/2018 von 29. FORTBILDUNGSSEMINAR FÜR FRIEDHOFSVERWALTER IN ESSEN: Wer darf was – und wer bestimmt?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
29. FORTBILDUNGSSEMINAR FÜR FRIEDHOFSVERWALTER IN ESSEN: Wer darf was – und wer bestimmt?
Titelbild der Ausgabe 4/2018 von „XAVIER“ WÜTETE ANFANG OKTOBER 2017 IN BERLIN: Beim Sturm starben die Bäume. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
„XAVIER“ WÜTETE ANFANG OKTOBER 2017 IN BERLIN: Beim Sturm starben die Bäume
Vorheriger Artikel
Friedhofsgestaltung: NACH DER WEGESANIERUNG: Pflegegeräte f&…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel GRABBEPFLANZUNG: Kleine Gehölze für das Grab
aus dieser Ausgabe

... aus, sondern betrifft auch die Ortsteilfriedhöfe der Gemeinde Wennigsen.

Die starke Nachfrage nach Baumbestattungen im Ruheforst hat dazu geführt, dass auch auf dem Friedhof Wennigsen seit dem Jahr 2015 Baumbestattungen angeboten werden.

Grundüberlegung

Bei der Planung der BestattungsartBaum war schnell klar geworden, dass der Friedhof aufgrund seiner Lage und Struktur keine Baumbestattungen wie in einem Friedwald oder Ruheforst bieten kann; es gibt hier keine 100 Jahre alten Buchen und Eichen, an denen im Wurzelbereich beigesetzt werden kann. Der Friedhof Wennigsen hat vielmehr Parkcharakter und dieser Aspekt soll mit den geplanten Baumbestattungen auch aufgenommen werden.

Gezielte Baumpflanzung

Die sich entwickelnden Patchwork-Struktur von wenigen belegten Gräbern in Wahlgrab-Abteilungen war Anlass, neue Impulse für die Grabbelegung zu setzen. Nach einer Analyse der aktuellen und sich abzeichnenden Belegungssituation wurden Baumstandort festgelegt.

Es wurden junge Bäumen in einer nahegelegenen Baumschule (16/18, etwa zehn bis 14 Jahre alt) ausgesucht, die dann in die ausgesuchten Freiflächen gepflanzt wurden.

Da die Akzeptanz der Baumbestattung noch völlig unklar war, wurde im November 2014 zunächst mit einem Baum begonnen. Die Nachfrage innerhalb weniger Monate erforderte dann im Frühjahr 2015 die Pflanzung weiterer Bäume. Es entsteht so zunächst eine lichte Parklandschaft, die sich allmählich zu einem Wäldchen weiterentwickeln kann. In der Planung wurde dabei der sich entwickelnde Kronenbereich der Bäume berücksichtigt.

Eines der Baumgräber mit Sarg und Urne im Mai …


…und im November. Im Vordergrund das Grabzeichen.


Fotos: M. C. Albrecht

Die aktuelle Diskussion über Schädigung der Wurzeln durch Urnenbeisetzungen wurde ebenfalls als Anlass genommen, hier einen anderen Weg zu gehen. Durch die Kombination des Baumes mit einem Staudenbeet (Durchmesser rund vier Meter) wird ein Bereich festgelegt, in dem nur im Randbereich Urnenbeisetzungen stattfinden und somit keine Wurzelschädigung stattfindet.

Urnen- und Särge am Baum

Durch die gezielte Anpflanzung von Bäumen können Urnen- und Sargbeisetzungen stattfinden, ohne dass der Baum geschädigt wird. Die Beisetzung der Urnen findet im Randbereich der Staudenpflanzung statt.

Erster Entwurf: Skizze zur neuen Baumbestattung.


Grafik: M. C. Albrecht

Warum Nutzer den Friedhof wählten

Bei der Befragung von Angehörigen zur Wahl einer Baumbestattung in Wennigsen wurden folgende Gründe genannt:
•Der Friedhof liegt zentral im Ort und ist gut erreichbar. Die Baumbestattung fehlte noch als Grabangebot.
•Es gibt die Möglichkeit, Sarg- und Urnenbeisetzung am Baum durchführen zu lassen.
•Der Friedhof ist heller und freundlicher als der Wald.
• Es gibt mehr Bekannte auf dem Friedhof Wennigsen.
•Die Bepflanzung der Baumgräber ist schöner.
•Ein Grabstein gehört zu einem Grab, das ist im Wald nicht möglich. Zwischenzeitlich wurde ein Vorsorgevertrag von Ruheforst aufgelöst und die Beisetzung am Baum auf dem Friedhof Wennigsen vorgenommen.
mca

Baumgrab bepflanzt mit Stauden aus der Mischung „Indian Sunset“ (Staudengärtnerei Siebler).


Foto: M. C. Albrecht

Die Särge werden außerhalb der Staudenbepflanzung beigesetzt. Bei einem Radius der Pflanzung von etwa zwei Meter lassen sich acht Erd-Sarggräber anordnen und es ist ausreichend Platz für den Grabverbau vorhanden.

Das Angebot einer Baumbestattung oder Bestattung am Baum erweitern das Grabangebot auf dem Friedhof und bietet Alternativen zum bestehenden Grabangebot.

Es handelt sich in der GesamtanlageBaumbestattung jedoch nicht nur um einen Baum, sondern um eine gestaltete, gepflanzte Anlage mit einer Staudenmischung, die eine mehrmonatige Blüte gewährleistet.

Die verwendeten Bäume können unter verschiedenen Aspekten ausgewählt werden. Neben Klassikern wie Eiche und Buche eignen sich spezielle Arten, wie Amerikanische Eiche, Amberbaum oder Parrotie, die wegen der speziellen Laubfärbung im Herbst einen besonderen optischen Reiz darstellen.

Pflegefreies Angebot

Für die Nutzungsberechtigten besteht keine Pflegeverpflichtung der Grabstelle. Um den Baum wird in einem Radius von zwei Metern eine Pflanzfläche mit Stauden angelegt. Für die ersten beiden Bäume wurde eine herkömmliche Staudenpflanzung ausWaldsteinia undVinca minor gewählt. Es zeigt sich jedoch, dass eine einheitlich gestaltete Fläche von zwölf Quadratmeter mono ton aussieht.Vinca unterdrückt Beikräuter zudem nur sehr gering.

Für die weiteren Bepflanzungen wurden Staudenmischungen der Staudengärtnerei Siebler aus Schwarmstedt verwendet:
•Thymianmischung,
• Elfenblumenmischung,
• „Indian Sunset“-Sortiment.
Das Regulieren von Beikräutern fällt für die Friedhofsverwaltung bei der Verwendung von Staudenmischungen vor allem im Jahr der Pflanzung an. Durch eine gute Bodenvorbereitung und Mulch lässt sich der Pflegeaufwand reduzieren. Je nach Wetter müssen Baum und Stauden im ersten Jahr gewässert werden.

Der ökologische Wert

Durch die Zusammensetzung der Staudenmischung entsteht ein blühendes und natürlich wirkendes Pflanzbeet vom Frühjahrsbeginn bis zum Herbstende. Durch das zusätzliche Pflanzen von Zwiebelblumen beginnt die Blüte bereits im Februar.

Die Zusammensetzung der Staudenmischung bietet nicht nur eine lange Blühdauer, sondern auch eine gute Bodenbedeckung. Es ist nur ein Rückschnitt vor Beginn der neuen Vegetationsperiode erforderlich. Solange stellen die Stauden auch im Winter ein wichtiges Biotop dar.

Grabvergabe-Praxis

Die Grabstellen am Baum können als Einzel-, Paar- oder Mehrfachstelle erworben werden. Die Nachfrage nach Vorerwerb und Reservierungen ist im Vergleich zu anderen Grabarten auffallend hoch, dies lässt sich möglicherweise von dem Modell der Urnenwälder ableiten.

In Wennigsen werden bei Paargräbern Urne und Sarg nicht gemeinsam in einer Grabstelle beigesetzt, sondern getrennt, aber in nebeneinanderliegende Grabstellen.

Integration der Grabmale

Als Gedenksteine bieten sich Natursteine an, etwa Findlinge. Dies wird den Angehörigen bei der Beratung auch mitgeteilt. Die Urnen werden im Randbereich der Staudenpflanzung beigesetzt. Der entsprechende Grabstein wird dann auf die Urnen in die Staudenpflanzung gelegt, so dass er allseitig von Stauden umgeben ist, und kein Hindernis bei der Pflege des angrenzenden Rasens darstellt. Bei Paargräbern kann ein etwas größerer Stein verwendet werden, der beide Grabstellen verbindet.

Umgang mit Grabschmuck

Die Staudenpflanzung erlaubt es, dass die Angehörigen auch Blumen oder Grabschmuck ablegen. In den meisten Fällen räumen die Angehörigen selbst ab. Eine Beeinträchtigung der Anpflanzung konnte bisher nicht festgestellt werden.

Erste Ergebnisse

Die Anzahl der Beisetzungen am Baum hat seit dem Jahr 2015 deutlich zugenommen. Zudem wurden Grabstellen für Einzel- und Paargräber reserviert. Mittlerweile finden Beisetzungen am zehnten Baum statt. Weitere Pflanzungen sind für das Frühjahr 2018 geplant.
mca