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Baumeister DER NATUR


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 04.03.2022

NATUR

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 10/2022

Wachsam: Am Morgen verlassen die Präriehunde ihre sichere Höhle

Fleißig buddelt der kleine Kerl im trockenen Boden. Es gibt viel zu tun, und er packt es an: Sein unterirdisches Eigenheim braucht Flure, gemütliche Schlafzimmer und natürlich eine Toilette. Rund um den Eingang häuft der Präriehund noch einen praktischen Erdwall auf. Auch in der Nachbarschaft wird wie wild gewerkelt, denn die nordamerikanischen Hörnchen leben in gigantischen Kolonien. Und sie sind verblüffend geschickte Tief bauspezialisten„ Wie bei uns Menschen findet man auch im Tierreich Stararchitekten, begnadete Baumeister, ausgefuchste Ingenieure sowie geschickte Handwerker“, erklärt der Biologe Dr. Mario Ludwig. „In der Welt der Tiere wird ebenso gebuddelt, gemauert, geklebt, genäht oder gef lochten.“ Und das ganz ohne Werkzeuge – nur mit Pfoten, Schnauze oder Schnabel. Trotzdem entstehen wahre Wunderwerke, über die wir nur staunen können.

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... erlernen muss, schaffen viele Tiere mit links: „Beim Biber etwa ist das Bauen von Burgen und Dämmen komplett angeboren“, erklärt Mario Ludwig. „Der Nestbau bei Vögeln im Prinzip auch. Doch nach neueren Erkenntnissen müssen sie im Lauf ihres Lebens noch ‚dazulernen‘.“ Das grundsätzliche Talent liegt in den Genen, die Feinheiten kommen durch Erfahrung und f leißiges Üben. Nicht jedes Erstlingsnest ist ein Glanzstück.

Warum betätigen sich einige Tiere überhaupt als Baumeister? Die Gründe sind so vielfältig wie ihre Kunstwerke. Für Präriehunde etwa sind unterirdische Gänge und Kammern unverzichtbar. Die kleinen Nagetiere leben in den weiten offenen Steppen Nordamerikas. Wie soll man sich da vor Greifvögeln und Raubtieren verstecken? Die Höhlen bieten Sicherheit, der Erdwall am Eingang dient als Aussichtsturm. Dort warnen Wächter vor nahenden Feinden. „Präriehunde errichten riesige unterirdische Megacitys, in denen mehrere Millionen Tiere leben und wohnen können“, so Dr. Ludwig. Jede Familie verfügt dabei über ihr eigenes Viertel. Das bis zu fünf Meter tiefe Höhlensystem schützt außerdem vor Hitze, Kälte, Schnee und Regen.

Gemütliche Kinderzimmer

„Wenn wir an tierische Architekten denken, kommen uns wahrscheinlich zuerst die Nester unserer Vögel in den Sinn“, so Biologe und Autor Mario Ludwig („Genial gebaut!“, wbg Theiss, 240 S., 12 €). „Nester, die sie zur Ablage ihrer überaus zerbrechlichen Eier und später als Kinderstube für den Nachwuchs benötigen. Dabei sind die Nester, die außen möglichst solide und innen möglichst behaglich sein sollen, in Bauweise und Materialzusammensetzung oft genauso unterschiedlich wie die rund 10.000 bekannten Vogelarten.“

Während der heimischen Amsel ein rustikales Napfnest aus Zweigen, Halmen, Lehm und Laub reicht, müht sich der afrikanische Webervogel tagelang damit ab, Gräser kunstvoll zu einem Hängenest in den Zweigen zu verf lechten. Je prachtvoller, umso besser die Chancen bei den Weibchen. Der Seidenlaubenvogel baut sogar aufwendig geschmückte Lauben, die ausschließlich der Verführung dienen. Ein gefiederter Designer!

Sozialer Wohnungsbau

Mal sind die tierischen Baumeister Individualisten wie die meisten Vögel, mal tummelt sich ein riesiges Heer von Arbeitern auf der Baustelle. Ameisen oder Termiten etwa geben sich nicht mit Einzimmerwohnungen zufrieden, sondern errichten Wolkenkratzer. Ein Termitenhügel besteht in seinem Inneren aus einem verschachtelten Labyrinth von Kammern, Stollen und Gängen, ebenso komplex wie das Sozialsystem der Staaten bildenden Arten selbst.

Egal ob Wohnturm oder raffiniertes Designernest, eines haben alle Meisterwerke gemeinsam: Bauen ist für Tiere nie purer Luxus. Davon hängt ihr Überleben ab. Dr. Mario Ludwig fasst es treffend zusammen: „Im täglichen Kampf um das Dasein kann es durchaus die Baukunst sein, die darüber entscheidet, welche Art überlebt und welche nicht.“

KAI RIEDEMANN

Ein Luxusapartment für die ganze Familie

Präriehunde, kleine Nager aus der Familie der Erdhörnchen, legen verzweigte Höhlensysteme an. Die Einstiegsröhren reichen bis zu fünf Meter in die Tiefe. Diverse Kammern dienen zum Wohnen, Schlafen, als Vorratsraum oder Toilette und sind gut mit Gras gepolstert. Außerdem gibt es Fluchtgänge

Komfortbett in den Bäumen

Der Orang-Utan liebt es sicher und bequem. Für die Nacht sucht er sich in den Wipfeln einen stabilen Seitenast, biegt alle Zweige der Umgebung zusammen und verwebt sie zu einem Bett. Blätter dienen als Polsterung, Kopfkissen und Decke

Eine Laube für die Liebe

Australiens Seidenlaubenvogel ist ein Blaufetischist. Das Männchen bastelt eine Laube mit zwei gegenüberliegenden Wänden und schmückt den Vorplatz mit blauen Gegenständen. Einziger Zweck: das Weibchen (o.) zu verführen

Ein Staudamm für den Lieblingssee

Der Biber ist ein geborener Landschaftsarchitekt. Er baut nicht nur Wohnburgen, sondern sorgt auch dafür, dass deren Eingang stets unter Wasser liegt. Dafür fällt er ganze Bäume, zerkleinert sie dann zu praktischem Baumaterial und legt Staudämme an. Neben dem Menschen ist er das einzige Lebewesen, das seinen Lebensraum aktiv gestalten kann

Meisterwerk aus Holz und Spucke

Bei Hornissen ist Bauen Sache der Königin. Sie raspelt mit ihren Kieferzangen Holz von Bäumen und vermischt es mit Speichel, bis eine papierartige Masse entsteht. Daraus formt sie Wabe für Wabe das Nest

Trautes Heim zwischen Halmen

Die nur fünf Gramm leichte Zwergmaus baut sich ein Kugelnest in rund einem Meter Höhe. Dazu zertrennt sie Gras mit den Schneidezähnen in gleichmäßige Streifen und flicht daraus ein tennisballgroßes Heim. Acht Tage kann es dauern, bis das Kunstwerk fertig ist. Es wird für den Nachwuchs innen weich gepolstert. In luftiger Höhe zwischen Halmen oder Zweigen sind die Minimäuse vor Feinden sicher

Wolkenkratzer für Millionen

Termiten errichten aus Lehm, Sand, Kot und Speichel gigantische Wohntürme. Das Baumaterial wird hart wie Beton. Diese Termitenhügel können acht Meter hoch werden und reichen tief ins Erdreich. Luftschächte sorgen wie eine Klimaanlage für gleichbleibende Temperaturen, Röhren sichern die Wasserversorgung

Traumwohnung für Nachmieter

Mit seinem harten Schnabel meißelt der Specht komfortable Kinderstuben in Bäume. Weil er als „Zimmermann des Waldes“ mehr baut, als er braucht, freuen sich auch andere: Meise, Sperlingskauz und Eichhörnchen ziehen in verlassene oder unvollendete Höhlen