Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 10 Min.

BAUPRAXIS:ZÜNDUNG!


FMT Flugmodell und Technik - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 26.03.2020

Wie man so ein Modell bestimmungsgemäß verwendet, kann man in den Tests der FMT 7 und 9/2019 nachlesen. Im folgenden Artikel geht es dagegen darum, wie man mit „speziellen“ Modifikationen möglichst viel Spaß hat.


Multiplex FunJet Ultra 2

Kaum einer unter uns Modellbauern kann sich noch gegen geschäumte Modelle wehren. Selbst eingefleischte Holzwürmer oder Schalentierzüchter haben ein solches Spaßmodell im Hangar. Sogar Kollege Wolfgang Werling konnte nicht die Finger davon lassen und ging im Supermarkt Flieger kaufen, um diese nach Herzenslust zu modifizieren (siehe Artikel „Flidl lohnt sich“ in der FMT ...

Artikelbild für den Artikel "BAUPRAXIS:ZÜNDUNG!" aus der Ausgabe 4/2020 von FMT Flugmodell und Technik. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: FMT Flugmodell und Technik, Ausgabe 4/2020

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von FMT Flugmodell und Technik. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Motorflug. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Motorflug
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Fernsteuerungen & Zubehör. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Fernsteuerungen & Zubehör
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von MARKT UND MELDUNGE VERBÄNDE & VERANSTALNTUNGEN: Neues vom Funk Aktueller Diskussionsstand in Europa. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MARKT UND MELDUNGE VERBÄNDE & VERANSTALNTUNGEN: Neues vom Funk Aktueller Diskussionsstand in Europa
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Wir stellen vor: Unsere Autorenmannschaft. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wir stellen vor: Unsere Autorenmannschaft
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Sammler aus Leidenschaft. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Sammler aus Leidenschaft
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von KOLUMNE: NACHSCHLAG Nachzügler im FMT-Jugendförderprogramm. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KOLUMNE: NACHSCHLAG Nachzügler im FMT-Jugendförderprogramm
Vorheriger Artikel
TEST:HEUTE IST MORGEN
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Schnelles für zwischendurch
aus dieser Ausgabe

... 11/2019).

Fragen über Fragen

Ich selbst hab‘ auch immer wieder Spaß an solchen Modellen - und so konnte ich mich nicht wehren, als mich in Friedrichshafen der Wunsch nach einem Funjet Ultra 2 ereilte. Ich nahm mir jedoch nur das Modell ohne Antrieb mit, da ich mir über das Antriebskonzept noch nicht im Klaren war. Der Serienantrieb macht bestimmt Spaß, aber irgendwie reizte mich das nicht.

Umbauten mit Impeller finde ich auch ganz nett, aber auch das ist nicht mehr ganz neu. Eine kleine Turbine? Sorry, sehr verlockend, will mir aber gerade nicht ins Hobbybudget passen. Wie es der Zufall will, habe ich vor zwei Jahren aber damit begonnen, mit Modellraketen zu experimentieren - und habe damit auch viel Spaß. Warum also nicht beides verbinden? Warum ist da vorher noch keiner drauf gekommen? Warum kann ich Farben riechen? Fragen über Fragen. Die Antwort auf diese und auch auf alle anderen Fragen kennen Leser des Romans „Per Anhalter durch die Galaxis“. Sie lautet: 42.

Kein Aprilscherz

Wenn Sie nach dieser etwas flapsigen Einleitung einen Aprilscherz vermuten, muss ich Sie enttäuschen, Sie müssen leider weitersuchen. Ich meine es mit meinem experimentellen Umbau durchaus ernst - und greife dem Fazit vorweg, wenn ich behaupte, dass ich mit dem Projekt sehr viel Spaß hatte und immer noch habe. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass Multiplex in der Anleitung des FunJet ausdrücklich auf die bestimmungsgemäße Verwendung hinweist. Raketenbooster gehören nicht dazu. Die hier beschriebenen Modifikationen geschehen also immer auf eigenes Risiko.

Die Idee

Alles begann also mit dem nackten Modell ohne Antrieb, aber dem entschlossenen Vorsatz, dem FunJet eine ganz besondere persönliche Note zu verleihen. Ebenfalls in Friedrichshafen, aber zwei Jahre früher, ging ich auf Tuchfühlung mit Modellraketen und erstand bei Raketenmodellbau Klima ein Einsteigerset.

Daraus ließen sich zwei kleine Raketen bauen, mit denen ich mittels A-Motoren erste Flüge wagte und fasziniert der Flugbahn folgte, hoffte, dass der Fallschirm auslöst und mich zuletzt freute, wenn die Rakete am vorgesehenen Landeplatz erfolgreich aufsetzte. Es kam, was kommen musste: Ein Jahr später durfte mich ein größeres Raketenkaliber mit nach Hause begleiten und die beiden A-Raketen kamen nicht mehr zum Einsatz.

Als ich dann Ende 2019 im Hobbykeller über den FunJet nachdachte, kam mir die Idee, die Motorenhalter der kleinen Raketen abzusägen und in, an oder unter das Modell zu montieren. Von Anfang an war mir klar, dass es nur ein Zusatzantrieb sein sollte, auf den konventionellen Elektroantrieb wollte ich nicht verzichten. Es fiel schließlich die Entscheidung, die Raketenmotoren in den Flügeln einzubauen und als Marschtriebwerk einen gegenüber dem Serienantrieb stärkeren Hacker A30 12L V2 einzusetzen. Gezündet werden die Booster in der Luft mit einem elektronischen Sicherheitszündschalter. Als Raketenantrieb sollten zunächst Motoren der Klasse C dienen.

Alles für die Show

Um sich am Ende zufrieden auf die Schulter klopfen zu können, empfiehlt es sich, die eigenen Absichten zu hinterfragen: Was will ich mit so einem Umbau erreichen? Möchte ich so schnell wie möglich den Platz überfliegen? Schnell darf es schon sein, aber für richtige Speedflüge gibt es geeignetere Antriebe. Was will ich also mit den Raketenboostern erreichen? Meine Antwort: Ich möchte für mich und andere eine möglichst gute Show liefern. Ob der durch die Booster erreichte Geschwindigkeitszuwachs 10 oder 50 km/h beträgt, ist mir erstmal egal. Es soll zischen und rauchen. Und damit Abwechslung bringen in das für Zuschauer nicht ganz so spannende Rumgesause von links nach rechts und wieder zurück.

Ursprünglich wollte ich die Raketenantriebe huckepack installieren und für die Montage Balsastücke in die Flächen einlassen.


Aus Lüsterklemmen und etwas Balsa entstehen formschöne Anschlüsse für die Elektrozünder. Zunächst noch in der Rohform…


… sind sie hier in Form geschliffen…


… und werden hier auf das Körperrohr geklebt…


Ich verwarf die Idee und vergrößerte die Ausschnitte. Optisch wirkt dieser Einbau am fertigen Modell fast wie eine serienmäßige Variante.


… und grundiert.


Dazu braucht es ein funktionierendes Antriebskonzept. Modell und Serienantrieb sind schon mal eine gute Basis, um den Piloten selbst zufrieden zu stellen. Mit dem Tuning- Antrieb von Hacker kommt noch mehr Würze ins Spiel. Und wenn dann die Booster zünden, kann man sich der Aufmerksamkeit der Umstehenden gewiss sein. Das Ganze wirkt umso eindrucksvoller, je näher der Zuschauer am Spektakel ist. Für die ersten Versuche spricht nichts dagegen, in Sicherheitshöhe zu zünden. Wenn man sich sicher ist, dass alles wie geplant funktioniert, kann man die Show gerne auf ein niedrigeres Flightlevel verlegen. Ich finde folgenden Ablauf sehr attraktiv: Normaler Start, zunächst ein paar Überflüge und Figuren mit halber Leistung. Auf keinen Fall jetzt schon das volle Antriebspotenzial ausspielen. Dann setzen wir zu einem langsamen Überflug an. Am Platzanfang wird der Zündschalter betätigt und gleichzeitig Vollgas gegeben: In etwa 10 m Höhe fauchen wir die Piste ab und ziehen am Ende hart nach oben. Das Ganze selbstredend immer parallel zum Publikum und niemals auf Menschen zu fliegen. Schon gar nicht mit gezündeten Boostern.

So kann man es machen: Balsaholz in Form schleifen und anpassen. Schneller und eleganter wäre es mit fertigen Raketenspitzen gewesen.


Raketen-Modifikation

Sie werden es mir nachsehen, wenn ich nicht weiter auf den serienmäßigen Aufbau des Modells eingehe. Ich erwähne im Folgenden nur die Modifikationen und Besonderheiten. Zunächst geht es darum, die Position der Booster festzulegen. Es ist wichtig, dass die Booster so eng wie möglich an der Rumpfmitte liegen, aber ohne ihren Abgasstrahl in den Propellerkreis zu blasen. Die Position wird also ermittelt und angezeichnet. Die Breite des Ausschnitts richtet sich nach dem Mantelrohr des Motorhalters, die Länge ebenso. In meinem Fall beträgt der Ausschnitt 26×90 mm. Die Montage der Motorhalter ist beinahe selbsterklärend, die Bilder sprechen hier für sich.

Elektrische Zündung

Es fehlen noch die Klemmen für die Zünderkabel: Hierfür habe ich kleine Lüsterklemmen gewählt und diese von ihrer Kunststoff-Ummantelung befreit. Aus Balsaholz habe ich einen Montageschuh gefertigt und an das Motorrohr angepasst. Mit einem nicht zu tiefen Schnitt an der Tragflächenunterseite habe ich die Zündkabel in den Rumpf zur Zündelekt- ronik geführt. Die Anleitung der Elektronik sieht bei mehreren Zündern übrigens eine Verdrahtung in Reihe vor. Nach Rückfrage mit Klima Raketenmodellbau spricht aber nichts gegen eine Parallelschaltung, für die ich mich auch entschieden habe.

Das Ergebnis spricht für sich - und sieht fast nach einer serienmäßigen Lösung aus.


So werden die Antriebe von Raketenmodellbau Klima geliefert. Wahlweise gleich mit Elektrozündern.


Exkurs: Die Raketenantriebe

Grundsätzlich werden die frei verkäuflichen Motoren, also Raketen-Antriebe, die ohne einen sogenannten P2-Schein verkauft werden dürfen, in vier verschiedene Klassen eingeteilt: A-, B-, C- und D-Motoren. Diesen Buchstaben folgt noch eine Ziffer, die Auskunft über die Schubstärke gibt. Ein A6- Motor bringt also 6 N Schub, Milchmädchen sprechen hier auch von 600 g.

Schauen wir uns die Daten eines A6- 4-Motors genauer an: Der Schub beträgt also 6N, hält aber nur etwas mehr als eine halbe Sekunde an - daraus ergibt sich dann auch der Gesamtimpuls von 2,5 N/s. Eine halbe Sekunde klingt nicht viel, das reicht aber aus, um eine kleine Rakete zu beschleunigen, die dann den Rest des Steigfluges ohne Antrieb absolviert. Die „4“ in der Bezeichnung steht für die Verzögerungsladung. Während diese im antriebslosen Steigflug abbrennt, stößt die Rakete eine weiße Rauchfahne aus. Nach dem Abbrennen der Verzögerungsladung wird eine Ausstoßladung gezündet, die im Scheitelpunkt der Flugbahn (Apogäum) dafür sorgt, dass sich die Raketenspitze löst und der Fallschirm ausgestoßen wird. Aus diesen Daten ist ersichtlich, dass ein solcher Motor nicht unbedingt für mein Vorhaben geeignet ist.

Gehen wir also zum C2-P-Raketenmotor über: Dieser Motor bringt nur 2N Schub, allerdings ganze fünf Sekunden lang. Die C2- Motoren sind aufgrund ihrer langen Brenndauer sehr gut geeignet für Raketengleiter, Raketenautos und Ähnliches. Zwei dieser Antriebe bringen uns also 5s lang 400 g zusätzlichen Schub, damit kann man was anfangen. Das „P“ am Ende bedeutet bei diesem Motor, dass er über keine Ausstoßladung verfügt.

0° zur Profilsehne

Die fertigen Motorenhalter können nun mit dem Flügel verklebt werden. Die Motoren sollten im Winkel von 0° zur Profilsehne eingeklebt werden. Wenn Sie keine EWD-Waage haben: Einfach den gleichen Abstand von Mitte Nasenleiste und Mitte Endleiste zum Untergrund ausmessen. Damit liegt das Modell mit 0° an der Profilsehne vor einem und man kann die Motorrohre mit 0° einkleben.

Seien Sie dabei nicht übertrieben penibel. Viel wichtiger als genau 0° ist, dass die beiden Rohre symmetrisch montiert sind. Für diese Arbeit kann man einen geeigneten Elaporkleber verwenden oder - wie ich selbst - einen PULeim. Letzterer quillt beim Aushärten auf und füllt sämtliche Lücken. Wenn Motorrohr und Kabel verlegt sind, müssen nur noch die vorderen Öffnungen der Rohre strömungsgünstig verschlossen werden. Ich habe dafür Balsastücke geschnitzt und aufwendig geschliffen, grundiert und lackiert. Viel zu viel Aufwand, wie ich danach festgestellt habe. Am besten bestellen Sie zwei fertige Raketenspitzen bei Klima mit und schneiden diese in Form.

Die Teile für den Motorhalter sind hier fertig vorbereitet, der Zusammenbau geschieht in wenigen Minuten.


Die äußeren Ringe zentrieren das Motorrohr im Körperrohr und halten den Bügel in Position.


Der Bügel hält den Motor sicher in Position. Der ausgebrannte Motor lässt sich schnell und ohne Werkzeug austauschen.


Körperrohre, Raketenspitze und Motorhalter. Bei Klima bekommt man neben den Komplettbausätzen auch alle benötigten Teile einzeln.


Der Metallbügel wird in den Schlitz eingeführt, den kleinen Pappring klebt man als Anschlag in das Rohr.


Mächtig Energie in der Nase. Damit die Haube besser passt, habe ich’s innen etwas ausgehöhlt. Zwei Markierungen zeigen die Akkuposition.


Mein Finish

Der Rest ist nur noch Schleif- und Finish-Arbeit. Ich habe Übergänge und Lücken in der Oberfläche mit Balsaspachtel aufgefüllt und danach den Dekorbogen aufgebracht. Man hat mich übrigens schon oft gefragt, ob mein Modell so - also mit Raketenantrieb - serienmäßig ausgeliefert wird. Das liegt nicht unbedingt an der professionellen Ausführung, denn ohne Dekor sieht mein Gebastel gar nicht mal so schön aus. Aber durch den schön gestalteten Dekorbogen, der um die Motorhalter gebügelt wird, entsteht der Eindruck, das sei herstellerseitig so gewollt. Eine kleine optische Tuningmaßnahme konnte ich mir übrigens nicht verkneifen: Die Kabinenhaube habe ich farblich etwas umgestaltet. Das serienmäßige Blau hat mir nicht so gefallen.

Der RC-Einbau

Empfänger, Regler und Servos werden wie gewohnt eingebaut. Die Zündelektronik liegt hinter dem Akku; und zwar so fixiert, dass ich die beiden Kontroll-LEDs sehen kann. Angeschlossen ist die Elektronik parallel zum Antriebsakku. Die Zündung hat einen großen Bereich der möglichen Versorgungsspannung, von 1,5 bis 30 V. Mit einer Empfängerspannung von 3,6 bis 10 V ist der Schalter sogar HV-fähig. Bei dem von mir gewählten Akku wurde es ein wenig eng unter der Haube. Die Kabel drückten an selbige und verhinderten ein sicheres Verschließen des Modells. Mit einem Dremel habe ich schließlich die Haube etwas ausgehöhlt, nun passt alles.

Vorflug-Checks und Start

Vor dem Start gilt es, neben den üblichen Checks immer zwei Dinge zu kontrollieren: Ist der Akku an der richtigen Position? Um das Gewicht der Booster auszugleichen, habe ich mir nämlich zwei Akkupositionen markiert. Der Blick auf die Zündelektronik nach dem Anstecken des Zündakkus gehört ebenso dazu. Zwei LEDs möchte ich dabei sehen: Die rote LED leuchtet, wenn die Zünder korrekt angeschlossen sind, die grüne signalisiert, dass der Zündschalter scharf geschaltet ist.

Das Modell hat durch meinen Umbau zwischen 200 und 250 g Übergewicht gegenüber der Herstellerangabe. Das ist durchaus zu verschmerzen und erfordert keine Schweißausbrüche beim Start. Ich werfe das Modell ohne Helfer mit Vollgas in einem leichten Steigwinkel. Der FunJet Ultra 2 beschleunigt zügig und ohne Durchsacken. Der kleine Propeller liegt relativ hoch im Rumpf, man muss sich also auch nicht um die Finger sorgen. Alles sehr entspannt bisher.

Der Sicherheitszündschalter: Seine LEDs sehe ich auch bei eingesetztem Akku.


Zündung!

Nachdem das Modell in den ersten Flügen getrimmt wurde, folgte schließlich der erste Raketenflug. Ich war schon gespannt, denn ich wusste ja nicht, was kommt. Wenn das Modell zum Beispiel wegsteigt, abtaucht oder ausbricht, so muss ich das bis zum Abbrennen der Booster aussteuern. Daher erfolgte die erste Zündung in ausreichender Sicherheitshöhe.

Was nach dem Umlegen des Zündschalters geschah, war erfreulich unspektakulär: Der Geschwindigkeits-Zuwachs war erwartungsgemäß moderat, die Flugbahn änderte sich nicht merklich. Der Einbauwinkel ist also korrekt und das Verhalten des Modells lässt somit auch Zündungen in Bodennähe zu.

Was passiert aber, wenn nur einer der beiden Antriebe zündet? Diese Situation ist bisher noch nicht eingetreten, aber es empfiehlt sich, für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein. Mein Schlachtplan lautet in diesem Fall: Sofort nach oben ziehen. Höhe ist Sicherheit. Dann Antrieb ausbrennen lassen. Und den Antriebsmotor dabei anlassen, er liefert den meisten Schub aus der Modellmitte. Wenn dieser aus wäre, hätten wir erst recht einseitigen Schub! Bisher haben die Booster wie gesagt immer zuverlässig und zeitgleich gezündet. Auf Rückfrage bei Klima hieß es, dass sowohl die Elektrozünder als auch die Antriebe den strengen Regeln der CE-Zulassung unterliegen - und immer gleichzeitig zünden und auch immer gleich abbrennen, sofern die Zündung gut vorbereitet ist.

Da geht noch mehr

Mit den C2-P-Motoren ist der Raketen-FunJet fliegerisch immer noch entspannt. Aber es gibt ja noch weitere Antriebe zum Testen. Sehen wir uns noch die Typen D3-P und D9-P genauer an. Ersterer verspricht ein Drittel mehr und eine Sekunde länger Schub, ist also durchaus zu empfehlen, wenn man mit dem C2-P-befeuerten FunJet schon gut vertraut ist.

Jetzt geht’s zur nächsten Stufe, zum D9-PMotor. Holla, die Waldfee! Mit diesem Antrieb geht‘s richtig zur Sache! Fürchten muss man sich davor zwar nicht, aber man sollte schon wissen, was man da tut und zuvor in einigen Flügen mit C2- oder D3-Motoren Erfahrung gesammelt haben. 9 N Schub pro Motor, also insgesamt 1.800 g, die zusätzlich drücken. Dieser Zusatzschub liegt aber nur 2,1 s lang an und man muss die Booster am Anfang ja nicht bei Vollgas zünden. Die Gesamtmasse des Modells will erstmal beschleunigt werden; wenn man bei Halbgas im horizontalen Überflug zündet und dann nach oben wegsteigt, ist der Antrieb ausgebrannt, bevor eine kritische Geschwindigkeit anliegt.

Mein Fazit

Operation gelungen, Patient brennt! Die Kombination aus herkömmlichen Elektroantrieben und Raketenmotoren ist für mich eine gelungene Abwechslung. Die Erfahrung im Umgang mit Raketenantrieben befeuert auch meine Affinität zu eher ungewöhnlichen Modellen. So muss ich beim Fliegen mit dem FunJet Ultra 2 oft an die Bachem Ba 349 Natter denken, von der ich auch einen Modellentwurf auf dem PC habe. Meine Aufforderung an den Leser kann daher nur lauten: Nur Mut zum Experimentieren! Und welche Modellkategorie ist dafür geeigneter als die günstigen und robusten Schaumwaffeln…

Raketenmotor D3-P

Raketenmotor D9-P

FunJet Ultra 2