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BAUREIHE 01: Paradeleistung D 430


LOK Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 11.10.2019

LETZTES AUFBÄUMEN: Im Sommer 1968 erweckte das Bw Hannover Hgbf seine zehn 01er aus der Lethargie und setzte sie in Plänen der V 200 ein. Die anspruchsvollste Leistung jener Tage war der D 430 „Fehmarn“


Artikelbild für den Artikel "BAUREIHE 01: Paradeleistung D 430" aus der Ausgabe 11/2019 von LOK Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LOK Magazin, Ausgabe 11/2019

Auf nach Hamm: 01 159 beschleunigt den D 430 am 24. Juli 1968 aus dem Hauptbahnhof Hannover


Am späten Nachmittag erreichte D 430 Bielefeld. Die Ankunftszeit in der ostwestfälischen Stadt erlaubte auch berufstätigen Eisenbahnfotografen ein Foto anzufertigen


Ein silberner Lindwurm rollt am Fotografen in Hannover Hbf vorbei: Neun „Silberlinge“ der zweiten Klasse (Bn) und drei gemischtklassige Nahverkehrswagen ...

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... (ABn) hat die 01 159 am Haken. Im Zug halten sich geschätzt rund 1.000 Fahrgäste auf. Die Bn-Wagen hatten je 96 Sitzplätze, die drei ABn boten je 78 Plätze, so kommt eine Kapazität von rund 1.098 zusammen. Und in den ersten Wagen sind augenscheinlich sogar die Notklappsitze am Wagenübergang besetzt.

Was sich liest wie die Beschreibung eines Pendlerzuges im Berufsverkehr der Stadt an der Leine in den 1960er-Jahren, ist tatsächlich die Beobachtung eines Urlaubs-Schnellzuges am 24. Juli 1968.

Konkret handelt es sich um den D 430 „Fehmarn“ von Burg (Fehmarn) nach Köln. In jenen Tagen wird er natürlich vorwiegend von Reisenden aus dem Raum Köln und dem Ruhrgebiet genutzt, die sich einige Tage Auszeit auf der Ostseeinsel genommen haben.

Vom Ruhrpott ans Meer

1968 fuhr man noch mit der Bahn in den Urlaub. Entsprechend hoher Nachfrage erfreuten sich Zugverbindungen aus dem Inland in Urlaubsgebiete. Voll besetzte Züge rollten in den Ferienzeiten zum Beispiel in den Süden.

Beliebt waren auch Urlaubsorte an der See, sodass Reisezüge zum Beispiel aus dem Ruhrgebiet an die Nord- und Ostseeküste in den Sommermonaten oft stark besetzt waren. Vielleicht war dies auch ein Grund, den D 430 mit „Silberlingen“ zu fahren – mit Abteilwagen hätte das Platzangebot vermutlich bei weitem nicht gereicht. Anstelle des Spitznamens „Silberling“ wäre der Begriff „Sardinenbüchse“ der angemessenere gewesen …


Sardinenbüchse statt Silberling – der D 430 war im Sommer oft bis auf die letzten Plätze besetzt.


Bemerkenswert war der Zug aber wegen seiner planmäßigen 01-Bespannung im Sommerfahrplan 1968. Die Dampfloks waren zu jener Zeit im Raum Hannover schon nicht mehr allzu oft in Aktion zu erleben und deshalb ein ganz beliebtes Jagdobjekt der Eisenbahnfotografen.

V 200 kommen nach Hannover

Doch wie kam es zur Bespannung der Leistung mit den Schnellzugloks? Zum Sommerfahrplan 1968 hatte das Bw Hannover elf V 200 vom Bw Hamm bekommen. Dies geschah im Vorgriff auf den elektrischen Betrieb auf der Strecke Hannover – Hamm ab dem 29. September 1968 und weiterer geplanter Umbeheimatungen. Offenbar sollte sich die Werkstatt im Bw Hannover – bislang nur mit V 20, V 36, V 60, V 90, V 100 vertraut – an die neuen Fahrzeuge gewöhnen.

01 217 (Bw Hannover Hgbf) beschleunigt im Juli 1968 den D 430 durch Hannover-Leinhausen. Bis Hamm ist eine Fahrzeit von 142 Minuten kalkuliert; da muss straff gefahren werden


Ganz reibungslos verlief die Unterhaltung der Großdiesel in Hannover aber nicht. Die Reserve von nur einer Maschine bei einem Planbedarf von zehn Loks war ohnehin äußerst knapp bemessen und die Stillstandszeiten in Hannover reichten nicht aus, um die Fahrbereitschaft der Maschinen und die sichere Einhaltung des Laufplanes zu gewährleisten.

Die 01 rutscht in den Diesel-Plan

Offensichtlich aus diesen Gründen übergab man einige Züge aus dem Umlaufplan der V 200 zur regelmäßigen Beförderung an die 01 des Bw Hannover Hgbf. Dort gab es immerhin im Sommerfahrplan 1968 noch zehn betriebsfähige Maschinen (01 104, 126, 159, 178, 179, 206, 211, 217, 223, 229) bei einem Planbedarf von nur drei Loks zuzüglich einer Maschine für den Turnusreiseverkehr.

Die 01 übernahmen die Umläufe Hannover – D 117 Oebisfelde – Sg 5502 Vorsfelde – Lz Wolfsburg – P 1864 Hannover, Hannover – E 690 Bad Harzburg – E 667 Hannover und Hannover – D 430 Hamm – D 117 Hannover. Das ermöglichte zwei zusätzliche Werkstatttage für die V 200. Damit ließ sich der V 200-Plan stabiler einhalten.

Aus dieser Maßnahme ergaben sich die einzigen gewissermaßen planmäßigen Abfahrten mit 01 in Hannover Hbf. Denn der bis dahin einzige 01-Planzug ab Hannover Hbf (E 668/678 nachmittags Richtung Altenbeken) war entfallen, dafür gab es nur noch eine Leerfahrt ab etwa 11:30 Uhr nach Hameln. Diesen Zug hatten 23er des Bw Minden übernommen. Ansonsten gab es 01 in Hannover Hbf nur im Oster-, Pfingst- und Messeverkehr zu sehen.


In 44 Minuten nach Minden: Ein „gemütlicher“ Fahrplan war das für das Lokpersonal eher nicht.


Ambitionierte Fahrzeiten

Und jetzt eben der „Fehmarn“. Die Fahrzeiten des D 430 waren natürlich auf die V 200 ausgelegt. Der D 430 hatte laut Kursbuch für die 176,4 km nach Hamm bei fünf Zwischenhalten (Minden, Bad Oeynhausen, Herford, Bielefeld, Gütersloh) 142 Minuten Zeit, das ergibt einen Durchschnitt von 74,5 km/h. Bis Minden waren es 64,4 km bei 44 Minuten, macht immerhin einen Schnitt von knapp 87,8 km/h. Ein „gemütlicher“ Fahrplan war das für das Personal auf den Dampfloks eher nicht.

Eine markante Ansicht aus Hannover ist das Continental-Gebäude am Weidendamm: 01 178 rollt am 11. September 1968 dort mit D 430 vorbei. Heute steht nur noch ein kleiner Überrest der „Conti“


Am 26. September 1968 nahte das Ende der 01 des Bw Hannover. 01 159 ist mit dem D 430 in Bielefeld angekommen. Am 30. September, wird sie z-gestellt werden


Letzter Frühling für die Schnellzugdampfloks: 01 159 und 01 104 am 22. Mai 1968 in ihrer Heimatdienststelle Hannover Hgbf. Wenige Tage später scherte man sie in den V-200-Plan ein


Ausfahrt Hannover in Richtung Hamm: Für die Lokpersonale war D 430 ein alles andere als entspannter Dienst


Für den Eisenbahnfreund war natürlich einiges geboten. In den Fenstern hingen Urlauberscharen, die heftig winkten und sich „Gute Reise“ zuriefen. An der Spitze jeweils die 01, die bisweilen tolle, laute, zügige Anfahrten ohne Schleudern hinlegte. Ein Hochgenuss für Dampflokfans war das, allerdings auch ein vorübergehender.

Ende zum Fahrplanwechsel

Am 29. September 1968 hatte es ein Ende mit dem Dampfspektakel vor dem D 430. Elektroloks übernahmen zum Fahrplanwechsel die Beförderung aller Reisezüge auf der Magistrale Hamm – Hannover. Die 01 des Bw Hannover kamen – soweit sie nicht z-gestellt wurden – zum Bw Braunschweig, gelangten dort sogar noch einigermaßen überraschend zu nicht seltenen Einsätzen auf den Strecken Oebisfelde – Hannover und Helmstedt – Hannover vor Schnellzügen nach/von Berlin sowie in die/von der DDR.
Uwe Keil

ZUGBILDUNG DES D 430 „FEHMARN“

Der Zugbildungsplan (ZP AR) für den Sommerfahrplan des Jahres 1968


Der D 430 war ein typischer Urlauberzug, der 1968 nur im Sommerfahrplan eingelegt war. Er fuhr in Burg mit nur drei Wagen um 11:24 Uhr los und zwar zunächst nach Puttgarden, wo von 11:33 Uhr bis 11:53 Uhr Aufenthalt war. Dort wurden bis zu sieben Wagen zugestellt. Bis Lübeck ging es als Eilzug, dort wurden bis zu drei Kurswagen aus Kiel zugestellt. Die Ankunft in Köln war schließlich um 21:12 Uhr. Es gab ab Lüneburg einen Büffetwagen, auch ein Packwagen lief mit. Ansonsten bestand der Zug ausschließlich aus „Silberlingen“ (Bn), die regelmäßig bestens besetzt waren. Insgesamt konnte sich damit ein Zug von 14 Wagen mit beachtlichen 600 Tonnen Gewicht ergeben. Bei hochsommerlichen Temperaturen muss die Zehn-Stunden-Fahrt im „Silberling“ ein Vergnügen besonderer Art gewesen sein. Immerhin ließen sich die Fenster öffnen.

01-Dampf von Hannover bis Hamm


Blick in den Buchfahrplan von D 430


Uwe Keil

Richard Schulz/Archiv Christoph und Burkhard Beyer

Jörg Schulze/Eisenbahnstiftung

Uwe Keil (2)

Helmut Beyer

Dieter Junker/Eisenbahnstiftung

Slg. Uwe Keil (3)