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BAUREIHE 86: Unerwartetes Glück


LOK Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 21.02.2020

DAMPF-COMEBACK Die Energiekrise in der DDR machte es möglich: Ab dem 23. Mai 1982 bespannte wieder eine Tenderlok der Baureihe 86 planmäßig alle Personen- und Güterzüge zwischen Schlettau und Crottendorf


Artikelbild für den Artikel "BAUREIHE 86: Unerwartetes Glück" aus der Ausgabe 3/2020 von LOK Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LOK Magazin, Ausgabe 3/2020

Auch Heiligabend fuhr die 86 im Erzgebirge. Am 24. Dezember 1984 hat 86 1001 den P 16639 aus Schlettau am Haken und schnauft kurz vor dem Zielbahnhof Crottendorf ob Bf durch den Ort


Volker Fröhmer/Eisenbahnstiftung

Träge räkelt sich eine Katze in der Mittagssonne. Am Gartenzaun tauschen zwei ältere Damen den neuesten Tratsch und Klatsch aus dem Dorf aus. Weder das Pfeifen noch das Läuten der 86 1001, die ...

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... mit dem Personenzug 19639 an ihnen vorbeifährt, stören die Katze und die beiden Frauen. Die regen sich nur auf, wenn der Heizer wieder zu viel Kohle aufgeworfen hat und der Rauch die frisch gewaschene Wäsche mit einem leichten Grauschleier überzieht.

Des einen Leid, des anderen Freud: Die Eisenbahnfreunde, die nahezu täglich die Kursbuchstrecke 453 Schlettau - Crottendorf oberer Bahnhof besuchen, um hier die letzten Tenderloks der Baureihe 86 der Deutsche Reichsbahn zu fotografieren, freuen sich über dicke Qualmwolken. Die Energiekrise in der DDR brachte die Baureihe 86 zurück in den Streckendienst.

Dieselkraftstoff sparen!
Im Frühjahr 1981 verhandelten Vertreter der DDR und der Sowjetunion über Preise und Liefermengen für Roh-Erdöl. Nachdem sich beide Seiten am 19. März 1981 auf jährlich 19 Millionen Tonnen Erdöl bis 1985 geeinigt hatten, kündigte die Sowjetunion überraschend den Vertrag und kürzte die jährliche Liefermenge auf 17 Millionen Tonnen bei gleichem Preis. Die Sowjets begründeten diesen Schritt mit dem gestiegenen Ölpreis.

Diese Entscheidung löste in der DDR eine Wirtschafts- und Energiekrise aus, von der sich das Land bis zu seinem Ende eigentlich nicht mehr erholte. Die 17 Millionen Tonnen Erdöl reichten zwar für den Eigenbedarf, aber nicht für die Exporte in die Bundesrepublik. Die DDR lieferte jährlich zwei Millionen Tonnen Kraftstoff in den Westen, um damit dringend benötigte Devisen zu erwirtschaften. Ohne diese Einnahmen drohte der DDR der Staatsbankrott.

Ab Oktober 1983 setzte die Est Annaberg-Buchholz die 86 1501 im Plandienst ein. Im November 1986 bereiten Lokführer und Heizer die Maschine im Bf Schlettau für den nächsten Einsatz vor


Slg. Dirk Endisch

Rostgefeuerte Loks wieder aktiviert
Vor diesem Hintergrund beschlossen der Ministerrat und die Staatliche Plankommission (SPK) im Frühjahr 1981 ein rigoroses Sparprogramm für flüssige Energieträger. Die Reichsbahn, deren Dieselloks rund 800.000 Tonnen Treibstoff im Jahr verbrauchten (rund 25 Prozent des gesamten DDRBedarfs), traf diese Maßnahme besonders hart. Die SPK kürzte die Lieferkontingente für die DR um rund 40 Prozent!

Als Ersatz mussten in vielen Bahnbetriebswerken mit Kohle gefeuerte Dampfloks für die Zugförderung reaktiviert werden. Dies galt auch für das Bw Aue, das ab dem Frühjahr 1982 jeweils eine Maschine der Baureihe 50.35 vom Stammwerk und der Einsatzstelle Annaberg-Buchholz aus ins Rennen schickte. Doch damit konnten die Vorgaben der Reichsbahndirektion Dresden nicht erfüllt werden.

Daher schlug der Leiter der Einsatzstelle Annaberg-Buchholz im Frühjahr 1982 den Einsatz der Museumslok 86 1001 auf der Nebenbahn Schlettau - Crottendorf anstelle einer Diesellok der Baureihe 110 vor. Für den Einsatz der Dampflok sprach die Tatsache, dass aufgrund der Trassenführung und der zahlreichen Bahnübergänge die Dieselloks zur besseren Streckenbeobachtung ohnehin mit einem Beimann besetzt sein mussten. Zusätzlicher Personalbedarf entstand also nicht. Außerdem war in Annaberg-Buchholz die notwendige Infrastruktur für den Dampflokeinsatz vorhanden.

Im März 1988 herrschte noch tiefster Winter. Wenige Wochen später endete der Einsatz der Baureihe 86 im Erzgebirge


Peter Illert, Slg. Dirk Endisch

Weil seitens der Direktion Zweifel bestanden, ob die Eisenbahner freiwillig von der Diesellok auf die alte Dampflok umsteigen würden, reisten Vertreter der Rbd Dresden im April 1982 in das Erzgebirge. Doch große Überzeugungsarbeit war bei den Personalen nicht nötig - mit Begeisterung gingen die Eisenbahner ans Werk und ab 23. Mai 1982 bespannte 86 1001 die Züge auf der KBS 453. Dieses unerwartete Glück verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den Eisenbahnfreunden, die nun scharenweise in das Erzgebirge reisten. Auch international wurde die Strecke 453 bekannt. Selbst Dampflokfans aus Japan waren hier anzutreffen.

Ausfälle und Sonderfahrten
Neben den Einsätzen auf der KBS 453 absolvierte 86 1001 auch Sonderdienste. In dieser Zeit übernahm wieder eine Diesellok der Baureihe 110 die Zugförderung auf der Stichstrecke nach Crottendorf. Dies war auch der Fall, wenn 86 1001 aufgrund von Schäden oder Fristarbeiten ausfiel. Um einen kontinuierlichen Dampfbetrieb gewährleis - ten zu können, benötigte man in Annaberg-Buchholz eine zweite Tenderlok, die im Winter auch die Wärmeversorgung der Dienststelle übernehmen sollte. Aus diesem Grund setzte die Verwaltung der Maschinenwirtschaft (VdM) 86 1333 nach Annaberg-Buchholz um, die dort am 27. September 1982 eintraf. Allerdings konnte die Maschine aufgrund eines geklammerten Risses im rechten Schieberkasten nur mit Einschränkungen verwendet werden. Daher diente sie meist als Heizlok.

Dennoch kam es weiter zu Dampflok-Ausfällen. Ende 1982 fehlte es vielerorts an Steinkohle. Deshalb wurde am 21. und 22. Dezember 1982 sowie zwischen dem 26. Februar und dem 10. März 1983 eine Diesellok eingesetzt. Erst im Frühjahr 1983 stabilisierte sich die Lage. Eine extreme Trockenheit im Sommer 1983 führte kurze Zeit später zur Abstellung nahezu aller Dampfloks in der Rbd Dresden. Auch 86 1001 wurde am 11. Juli 1983 für gut zwei Wochen aus dem Betrieb genommen.


Viele der Personale waren regelrecht begeistert, wieder auf der 86er fahren zu können!


Auch 86 1333 half bei Bedarf im Betriebsdienst aus. Meist bespannte sie dann Züge auf der Zschopautalbahn.

Völlig überraschend zog die VdM im Herbst 1983 die 86 1001 aus Annaberg-Buchholz ab. Dort traf am 28. Oktober 1983 die 86 1501 ein, die umgehend die Leistungen auf der KBS 453 übernahm. Der eintägige Umlauf umfasste auch einige Leis - tungen auf der KBS 450 Annaberg-Buchholz Süd - Scheibenberg (- Schwarzenberg). 86 1501 übernahm außerdem Aufgaben im Sonderzugdienst.

Eine Diesellok der Baureihe 110 musste 1984 den Ausfall von 86 1501 aufgrund scharf gelaufener Radsätze für einige Zeit kompensieren. Dies änderte sich im Sommer 1984, da 86 1001 nach einer Zwischenausbesserung (L5; 13.04.-15.06.1984) nach Annaberg-Buchholz zurückkehrte.

Damit waren nun drei Maschinen der Baureihe 86 in Aue stationiert. Nach der Abgabe der 86 1501 am 4. September 1984 oblag 86 1001 der Plandienst auf der Nebenbahn nach Crottendorf. Da jedoch 86 1333 keine vollwertige Reservelok war, wurde sie am 17. Oktober 1984 durch 86 1501 ersetzt. Fast drei Jahre teilten sich von nun an 86 1001 und 86 1501 die Dienste.

Im Mai 1987, nur wenige Tage nach ihrer Umbeheimatung zum Bw Aue (Sachsen), rangiert 86 1056 in Crottendorf oberer Bf. Wenige Minuten später geht es zurück nach Schlettau


Christoph Meyer, Slg. Dirk Endisch

86 1001 stand 1985 an insgesamt 189 Tagen unter Dampf. In den Wintermonaten wechselten sich 86 1001 und 86 1501 als Wärmespender ab. Meist freitagmittags ging die Heizlok in den Streckendienst, während die andere Maschine in den Heizstand im Lokschuppen einrückte.

Die Schäden mehren sich
Ab Ende Juli 1985 war 86 1501 die einzige betriebsfähige Maschine, da die 86 1001 aufgrund eines größeren Schadens zwischen dem 29. Juli und dem 18. August 1985 ausfiel. Einige Wochen später rückte 86 1501 in das Raw Meiningen (L5/L0: 01.10. bis 31.10.1985) ein, wo auch die Kesselfrist um ein Jahr verlängert wurde.

@Die Tabelle der KBS 453 im Jahresfahrplan 1989/90, als die 86er aber nur noch Heizeinsätze erbrachten. Links die Kursbuchkarte von 1964, als noch sehr viel mehr Nebenstrecken in Betrieb waren


RH (2)

Im Herbst 1987 rangiert 86 1501 in Schlettau. Das Lokpersonal der Est Annaberg-Buchholz legte viel Wert auf einen stets mustergültigen optischen und technischen Zustand der Maschine


Slg. Dirk Endisch

86 1001 war seit Mai 1982 die Sensation im Erzgebirge. Direkt an den Häusern von Crottendorf vorbei rumpelt die Lok mit P 19642 am 18. Juni 1982 nach Schlettau.


Wolfgang Bügel/Eisenbahnstiftung

Am 16. September 1982 erreicht 86 1001 mit dem P 19463 nach Crottendorf oberer Bf den Bf Waltersdorf. Erst ab 1984 fuhr die Maschine auf Wunsch der Eisenbahnfreunde Esse voran


Thomas Rieger, Slg. Dirk Endisch

Nach der Rückkehr ins Erzgebirge übernahm die Maschine im Wechsel mit 86 1001 wieder den Plandienst auf der KBS 453. Nur relativ selten wurde die Museumslok im Winter 1985/86 als Heizlok genutzt. Dies galt auch für den Winter 1985/86. Die meiste Zeit lief die Maschine im Wechsel mit 86 1501 im Plandienst.

Dabei ereignete sich am 18. Juni 1986 ein Unfall, der fast das Ende für 86 1501 bedeutet hätte. Die Maschine verließ mit dem Güterzug Gmp 68364 um 14:14 Uhr den Bahnhof Crottendorf. Hinter dem ersten Bahnübergang entgleisten fünf der sechs Achsen, die Maschine kam erst kurz vor der Zschopau-Brücke zum Stehen. Laufwerk und Ausgleich waren schwer beschädigt, doch die Lok konnte mit vertretbarem Aufwand instand gesetzt werden. Bereits Anfang Juli stand 86 1501 wieder unter Dampf.

Weiterer Neuzugang
Im Frühjahr 1987 meldete das Bw Aue Bedarf an einer weiteren Tenderlok an, da 86 1001 nach Ablauf ihrer Kesselfrist ab 1. Mai 1987 als „warten auf Ausbesserung“ („w“) geführt wurde. Am 5. August 1987 wurde 86 1001 in das Raw Meiningen gebracht, aber dort war eine kurzfristige Aufarbeitung der Lok aufgrund der festgestellten Schäden nicht möglich.

Als „neue“ Reserve für 86 1501 diente ab 11. Mai 1987 die aus Glauchau übernommene 86 1056. Die Lok übernahm im Winter 1987/88 auch die Heizdienste in Annaberg-Buchholz. Als 86 1501 aufgrund eines Schadens am 9. November 1987 ausfiel, schien die Dampflokzeit auf der Crottendorfer Schiene langsam beendet zu sein; eine Diesellok der Baureihe 110 sprang ein. 86 1056 konnte nicht mehr eingesetzt werden, nachdem durch einen Wasserschlag der Einströmkasten des rechten Zylinders schwer beschädigt worden war. Fortan diente die Maschine nur noch als Wärmespender. Ab 1. Dezember 1987 dampfte 86 1501 aber wieder durch das Erzgebirge. Als letzten Einsatztag sah das Bw Aue den 28. Dezember 1987 vor.

86 1056 und 1501 im Wechsel
Da aber in der Einsatzstelle Annaberg-Buchholz Dieselloks der Baureihe 110 fehlten, verblieb der 86 1501 eine Gnadenfrist. Ab 11. Januar 1988 bespannte die Maschine wieder die Züge zwischen Schlettau und Crottendorf.

Ab 17. Februar 1988 übernahm sie die Wärmeversorgung der Einsatzstelle Annaberg-Buchholz, da die bisherige Heizlok 86 1056 anderntags nach Aue überführt wurde. Dort wurde der Kessel nach dem Auswaschen durch einen Sachverständigen begutachtet und die Untersuchungsfrist noch um ein halbes Jahr verlängert. Anschließend kehrte die 86 1056 nach Annaberg-Buchholz zurück, sodass 86 1501 wieder für den Streckendienst zur Verfügung stand.

Am 16. September 1982 wird 86 1001 in Schlettau abgeölt. Für das Verkehrsaufkommen auf der Stichstrecke genügten drei zwei- oder dreiachsige Reko-Wagen der DR


Thomas Rieger, Slg. Dirk Endisch

Entgleisung am Bahnübergang
Doch am 2. März 1988 entgleiste die Lok an einem Bahnübergang in Crottendorf. Ein Schneepflug hatte eine zwischen den Schienen verlegte Betonplatte hochgerissen, die die 86 1501 förmlich aus dem Gleis hebelte. Aus Kostengründen beantragte das Bw Aue den Tausch von 86 1501 gegen 86 049 der Einsatzstelle Pockau-Lengefeld des Bw Karl-Marx-Stadt. Doch die VdM gab diesem Wunsch nicht statt, sodass 86 1501 im Bw Aue repariert wurde (20.03.-25.03.1987) und anschließend wieder auf der KBS 453 im Einsatz war.

Gleichwohl war das Ende der Baureihe 86 absehbar. Am Ende der Heizperiode hatte 86 1056 am 14. April 1988 in Annaberg-Buchholz ausgedient und wurde nach Aue überführt. Anschließend wurde die Maschine gemeinsam mit 86 1001 nach Meiningen gebracht.

Teiletausch im Raw Meiningen
Die Aufarbeitung der 86 1056 lehnte das Raw Meiningen jedoch aus Kostengründen ab - veranschlagt waren rund 220.000 Mark - und beantragte stattdessen die Ausmusterung der Maschine. Die VdM lehnte dies wiederum ab, da sie 86 1056 als Wärmespender benötigte. Als Kompromiss setzte das Raw Meiningen 86 1056 als Dampfspender instand und nutzte die Lok als Ersatzteilspender für die Museumslok 86 1001. Am 9. Juli 1988 traf 86 1056 wieder im Erzgebirge ein. Sie unterstand als sogenannte Heizanlage fortan der Abteilung Technische Anlagen (Ta) des Bw Aue.

Die Aufarbeitung der 86 1001 verzögerte sich erheblich. Vor allem das Triebwerk bereitete dem Raw Meiningen enorme Schwierigkeiten. Erst am 5. November 1988 traf die Museumslok wieder in Annaberg-Buchholz ein, als der Einsatz der Baureihe 86 im Erzgebirge bereits Geschichte war.

Keine Abschiedsfahrten
Während 86 1001 und 86 1056 in Meiningen weilten, bespannte 86 1501 im Frühjahr 1988 weiter die Züge auf der KBS 453. Für den Fahrplanwechsel Ende Mai 1988 war die Ablösung durch eine 110 geplant. Die Eisenbahner in Annaberg-Buchholz wollten sich standesgemäß von der Baureihe 86 verabschieden: 86 1501 sollte vom 27. bis zum 29. Mai 1988 Personenzüge auf den Strecken nach Schwarzenberg, Flöha und Bärenstein bespannen.

Doch daraus wurde nichts. Am 26. Mai 1988 verfügte die Bw-Leitung in Aue die sofortige Überführung der 86 1501 von Annaberg-Buchholz zum Stammwerk. Als Schlusslok am P 16656 gelangte die Lok nach Aue. Dort angekommen, musste das Personal die Lok entfeuern. Zur Begründung hieß es, die Maschine müsse für die im Sommer geplanten Sonderdienste vorbereitet werden.

Die Eisenbahner in Annaberg-Buchholz hielten dies jedoch nur für einen Vorwand, um ihre Abschiedsfahrten zu verhindern. Zwei Wochen später begannen die Sondereinsätze der 86 1501. Sie nahm am offiziellen Dampflok-Abschied der Rbd Dresden im Bw Glauchau teil.

Danach machte sich die Maschine als Heizlok in Annaberg-Buchholz nützlich. Als Reserve diente ab Juli 86 1056, die jedoch nur angeheizt wurde, wenn 86 1501 aufgrund von Fristarbeiten nicht verfügbar war.

1989 noch drei 86er im Bestand
Außerdem gehörte 86 1001 zum Bestand des Bw Aue, das damit am 1. Januar 1989 drei Exemplare der Baureihe 86 in seinen Unterlagen führte. Im Winter 1989/90 sorgte sie erneut im Wechsel mit 86 1056 für erträgliche Temperaturen im Lokschuppen von Annaberg-Buchholz, der auch die konserviert abgestellte 86 1001 beherbergte.

Doch das Ende nahte. Als erste schied 86 1056 am 6. April 1990 aus dem Bestand. Wenig später hatte auch 86 1501 ausgedient. Weil eine Kessel-Werkstoffprobe negativ ausfiel, verwarf das Raw Meiningen eine erneute Aufarbeitung der Lok.

Damit war 86 1001 die letzte Dampflok ihrer Baureihe im Bw Aue. Die Einsatzstelle Annaberg-Buchholz betreute die Museumslok auch weiterhin und nutzte sie bei Bedarf als Wärmespender. Dazu kamen noch zahlreiche Einsätze bei Sonderfahrten und Plandampf-Veranstaltungen.

Nach der Auflösung des Bw Aue gehörte die Museumslok 86 1001 ab 1. Januar 1994 zum Betriebshof Zwickau. Heute gehört die seit 1999 abgestellte Maschine zur Fahrzeug-Sammlung des Sächsischen Eisenbahn-Museums Chemnitz-Hilbersdorf, wo sie an die Ära der Baureihe 86 im Erzgebirge erinnert.